Rudolf Jahns (1896–1983) und Hermann Glöckner (1889–1987) gehören zu den wichtigsten und zugleich unkonventionellsten Konstruktivisten der deutschen Kunst des 20. Jahrhunderts. Eine neue Sammlungspräsentation in den Gartenhallen des Städel Museums thematisiert die erstaunlichen Verwandtschaften dieser beiden Künstlerpersönlichkeiten. Darüber hinaus fokussiert die auf ein Kabinett und 22 Arbeiten sich konzentrierende Auswahl ein zentrales Anliegen der Städel Sammlung: die Verbindung von Vorkriegs- und Nachkriegsmoderne, der Zeit zwischen und nach den Weltkriegen – und ihre Bedeutung für die Kunst unserer Gegenwart.

Glöckner und Jahns sind in der Städelschen Sammlung mit außergewöhnlichen Werken vertreten. Dies verdankt das Museum unter anderem Schenkungen und Dauerleihgaben von Margarethe und Klaus Posselt und von Barbara Roselieb-Jahns, der Tochter des Künstlers, sowie der Rudolf-Jahns-Stiftung. Durch die großzügige Unterstützung des Ehepaares Posselt besitzt das Städel seit 2011 mehrere Tafeln, Objekte und Grafiken Hermann Glöckners. Mit der Rudolf-Jahns-Stiftung besteht seit einigen Jahren eine enge Zusammenarbeit. Dies zeigt sich einmal mehr in der aktuellen Kabinettpräsentation, welche die Stiftung mit mehreren Leihgaben unterstützt. Darüber hinaus kann sich das Museum über eine weitere großzügige Schenkung von Barbara Roselieb-Jahns freuen – insgesamt drei neue Werke, von denen zwei – Konstruktiv, 1928, und Häuser an der Steilküste von Boulogne-sur-Mer, 1931 – auch in der Kabinettausstellung zu sehen sein werden.

„Mit den drei uns neu übergebenen Arbeiten von Rudolf Jahns wird unsere Sammlung Gegenwartskunst in der Zeit der Zwischen- und Nachkriegsmoderne wunderbar ergänzt. Wir danken Barbara Roselieb-Jahns für die erneute, großzügige Schenkung“, sagt Städel Direktor Philipp Demandt.

„Wir freuen uns über die erstmalige gemeinsame Präsentation der beiden Künstler im Städel, die interessante Parallelen zwischen den beiden Konstruktivisten aufzeigt. Die Rudolf-Jahns-Stiftung hat den Auftrag, das künstlerische Werk von Rudolf Jahns durch wissenschaftliche Forschung zu erschließen und zu pflegen. Das Städel Museum war durch seinen Forschungsschwerpunkt prädestiniert für eine enge Zusammenarbeit, die wir durch die Förderung eines wissenschaftlichen Volontariates am Städel gerne noch untermauert haben“, so Professor Dr. Ulrich Krempel, stellvertretender Vorsitzender der Stiftung.

Hermann Glöckner und Rudolf Jahns nehmen innerhalb der avantgardistischen, ungegenständlichen Kunstströmung eine Sonderposition ein. Die geometrischen, konstruktiven Grundlagen der Malerei untersuchend und diese um neue, für die Kunst damals noch ungewöhnliche Materialien erweiternd, begrenzten sie ihre Gestaltungsmöglichkeiten nicht durch ästhetische Dogmen und Regeln. Abseits einer strengen Formgrammatik ließen sie sich von einem fast experimentellen, forschenden Erkunden und Ausprobieren leiten.

Bei Jahns wird das geometrische Vokabular aus Linie, Rechteck und Diagonale immer wieder gebrochen durch eine organische Welle oder scheinbar unsorgfältig ausgeschnittene und collagierte Papiere – ein Freimachen vom konstruktivistischen Verständnis eines klaren, entpersonalisierten Rationalismus. Ähnlich bei Glöckner, der die Pinselstriche seiner monochromen Farbflächen als „handgemacht“ erkennbar stehen lässt und dessen Positiv- und Negativ-Formen auf vorangegangene Faltungen des Papiers zurückzuführen sind. Ganz loslösen vom Gegenständlichen wollen sich beide Künstler nicht, immer wieder finden sich vor allem bei Jahns, aber auch bei Glöckner, figurative Verweise.

Der Konstruktivismus ist im Kern ein Phänomen der 1920er-Jahre, zugleich verfolgten Glöckner und Jahns ihre künstlerische Überzeugung unabhängig von den Konjunkturen der Stile und arbeiteten konsequent über Jahrzehnte hinweg an denselben ästhetischen Fragestellungen. Sie waren Freunde im Geiste, auch wenn sie sich persönlich nie kennengelernt haben.

NEUE SCHENKUNGEN VON BARBARA ROSELIEB-JAHNS 2018:

Rudolf Jahns
Komposition Nr. 18, 1924
13,9 x 20,5 cm
Schwarze Zeichenkreide auf Papier
Städel Museum, Frankfurt am Main
Erworben 2018 als Schenkung von Barbara Roselieb-Jahns

Rudolf Jahns
Konstruktiv, 1928
28,4 x 22,5 cm
Tempera auf Karton
Städel Museum, Frankfurt am Main
Erworben 2018 als Schenkung von Barbara Roselieb-Jahns

Rudolf Jahns
Häuser an der Steilküste von Boulogne-sur-Mer, 1931
32 x 46,5 cm
Öl auf Leinwand
Städel Museum, Frankfurt am Main
Erworben 2018 als Schenkung von Barbara Roselieb-Jahns



HERMANN GLÖCKNER UND RUDOLF JAHNS. GEOMETRIE ALS GESTALTUNGSPRINZIP

Kuratoren: Dr. Martin Engler (Sammlungsleiter Gegenwartskunst, Städel Museum), Iris Hasler (wissenschaftliche Volontärin Gegenwartskunst, ermöglicht durch die Rudolf-Jahns-Stiftung, Städel Museum)

Ausstellungsdauer: 28. Februar bis 27. Mai 2018

Information: www.staedelmuseum.de, info@staedelmuseum.de, Telefon +49(0)69-605098-200, Fax +49(0)69-605098-112
Besucherdienst: Telefon +49(0)69-605098-232, besucherdienst@staedelmuseum.de
Ort: Städel Museum, Schaumainkai 63, 60596 Frankfurt am Main
Öffnungszeiten: Di, Mi, Sa, So + Feiertage 10.00–18.00 Uhr, Do + Fr 10.00–21.00 Uhr, montags geschlossen

Eintritt: 14 Euro, ermäßigt 12 Euro; Sa, So, Feiertage: 16 Euro, ermäßigt 14 Euro; Familienkarte 24 Euro; freier Eintritt für Kinder unter 12 Jahren; Gruppen ab 10 Personen: ermäßigter Eintrittspreis pro Person. Für Gruppen ist vorab eine Anmeldung unter Telefon +49(0)69-605098-200 oder info@staedelmuseum.de erforderlich.

Gefördert durch: Rudolf-Jahns-Stiftung