Frankfurt am Main, im April 2019. Vom 23. Oktober 2019 bis zum 16. Februar 2020 zeigt das Städel Museum eine umfassende Ausstellung zu Vincent van Gogh (1853– 1890). Die bis dato größte und aufwendigste Präsentation in der Geschichte des Frankfurter Museums thematisiert die besondere Rolle, die Galeristen, Sammler, Kritiker und Museen für die Erfolgsgeschichte des Malers in Deutschland spielten, der als Vorreiter der modernen Malerei gilt. Zum anderen wird die entscheidende Rolle van Goghs als Vorbild für die Kunst des deutschen Expressionismus beleuchtet. Zu sehen sind mehr als 120 Gemälde und Arbeiten auf Papier, darunter über 50 zentrale Werke von van Gogh und 70 Werke weiterer für die Moderne bedeutender Künstlerinnen und Künstler.

Das Städel wird hochkarätige Werke aus deutschen wie internationalen Sammlungen präsentieren, darunter das Museum of Fine Arts in Boston, das Cleveland Museum of Art, die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen München, das Metropolitan Museum of Art in New York, die Nationalgalerie in Prag sowie die National Gallery of Art in Washington. Besondere Höhepunkte stellen die Selbstbildnisse aus dem Art Institute in Chicago und dem Kröller-Müller Museum in Otterlo dar. Weitere Höhepunkte sind die berühmte Darstellung der Berceuse Augustine Roulin (1889, Stedelijk Museum, Amsterdam) sowie die Segelboote am Strand von Les Saintes-Maries-de-la-Mer (1888, Van Gogh Museum, Amsterdam).

„Zum Zeitpunkt seines Todes in Auvers-sur-Oise 1890 war das Werk van Goghs nur wenigen Zeitgenossen vertraut. Als zur Jahrhundertwende in den Kulturmetropolen Europas die ersten Van-Gogh-Ausstellungen stattfanden, stieg die Bekanntheit seines Œuvres drastisch an. Die Sonderausstellung im Städel Museum zeigt auf, dass ohne die Rezeptionsgeschichte in Deutschland diese Entwicklung und die bis heute anhaltende Popularität Vincent van Goghs kaum denkbar wären“, so Philipp Demandt, Direktor des Städel Museums.

„Van Gogh ist tot, aber die van Gogh-Leute leben. Und wie leben sie! Überall van Goghelt’s“, formulierte Ferdinand Avenarius 1910 in der Zeitschrift „Der Kunstwart“ und beschrieb damit die Faszination, die Vincent van Goghs Malerei Anfang des 20. Jahrhunderts vor allem auf junge Künstlerinnen und Künstler in Deutschland ausübte. Deutschland ist für die Erfolgsgeschichte des Niederländers von entscheidender Bedeutung: Bereits knapp fünfzehn Jahre nach seinem Tod und damit früher als in den meisten anderen Ländern wurde der Künstler hier durch das Engagement von Galeristen, Kritikern, Sammlern und Museumsdirektoren als einer der bedeutendsten Vorreiter der modernen Malerei wahrgenommen. Auch das Städel und sein damaliger Direktor Georg Swarzenski spielten hierfür eine zentrale Rolle. Als eines der ersten öffentlichen Museen in Deutschland erwarb Swarzenski für die Städtische Galerie im Städelschen Kunstinstitut mit Unterstützung seines Museums-Vereins 1908 das frühe Gemälde Bauernhaus in Nuenen (1885). 1911 folgte das Gemälde Bildnis des Dr. Gachet (1890), das 1937 zur persönlichen Verfügung Hermann Görings beschlagnahmt und dem Städel entzogen wurde. Der Städel Direktor Swarzenski befürwortete darüber hinaus aktiv den Ankauf von van Goghs Werken durch andere Museen wie die Kunsthalle Bremen.

Die Ausstellung nimmt das Œuvre van Goghs erstmalig umfassend im Kontext seiner Rezeption in Deutschland in den Blick. Den Ausgangspunkt bildet eine Auswahl von Schlüsselwerken aus allen Schaffensphasen des niederländischen Malers. Darauf aufbauend widmet sich die Präsentation der Bedeutung van Goghs für die Entwicklung der Kunst in Deutschland zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Wichtiger Referenzpunkt ist hierbei die umfangreiche Städel-Sammlung von Werken des Expressionismus. Neben bekannten Beispielen von Ernst Ludwig Kirchner (1880-1938), Erich Heckel (1883–1970), Karl Schmidt-Rottluff (1884–1976), Paula Modersohn-Becker (1876–1907), Gabriele Münter (1877–1962) oder Max Beckmann (1884–1950) werden auch wiederzuentdeckende Positionen präsentiert, für die van Gogh ebenso prägend war, darunter Peter August Böckstiegel (1889–1951), Theo von Brockhusen (1882–1919) oder Heinrich Nauen (1880–1940). Im Zentrum des groß angelegten Ausstellungs- und Forschungsprojekts steht das Anliegen, einen entscheidenden Beitrag für das Verständnis der Kunstentwicklung in Deutschland zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu liefern und dabei Vincent van Goghs Rolle als Schlüsselfigur für die Kunst der deutschen Avantgarde aufzuzeigen.

Die Ausstellung wird von der Franz Dieter und Michaela Kaldewei Kulturstiftung und dem Städelschen Museums-Verein e.V. gefördert.

MAKING VAN GOGH. GESCHICHTE EINER DEUTSCHEN LIEBE

Kuratoren: Dr. Alexander Eiling (Leiter Kunst der Moderne, Städel Museum) und Dr. Felix Krämer (Generaldirektor, Kunstpalast Düsseldorf)
Projektleitung: Elena Schroll (Wissenschaftliche Mitarbeiterin Kunst der Moderne, Städel Museum)
Ausstellungsdauer: 23. Oktober 2019 bis 16. Februar 2020
Pressevorbesichtigung: Montag, 21. Oktober 2019, 11.00 Uhr
Information: www.staedelmuseum.de
Besucherservice und Führungen: +49(0)69-605098-200, info@staedelmuseum.de
Ort: Städel Museum, Schaumainkai 63, 60596 Frankfurt am Main
Kartenvorverkauf: Flextickets zum Preis von 25 Euro ab sofort online unter shop.staedelmuseum.de erhältlich.
Digitorial®: Zur Ausstellung erscheint ein Künstlerdigitorial, das durch die Fazit Stiftung ermöglicht wird.
Audiotour: Die Audiotour führt in deutscher und englischer Sprache durch die Ausstellung.
Podcast: Im Vorfeld der Ausstellung launcht das Städel Museum erstmals einen Podcast, eine mehrteilige narrative Hörgeschichte. Im Mittelpunkt steht das Bildnis des Dr. Gachet (1890): Es ist das letzte große Porträt van Goghs und ist seit fast drei Jahrzehnten aus den Augen der Öffentlichkeit verschwunden. Mit FINDING VAN GOGH begeben wir uns auf die Suche nach dem legendären Gemälde, treffen auf Zeitzeugen, Experten und Van-Gogh-Begeisterte in Europa, den USA und Japan. Ausgehend von dem mikroskopischen Blick auf das Kunstwerk geht der Podcast dem wahrscheinlich größten Künstlermythos nach und blickt dabei auch ins Räderwerk des internationalen Kunstmarkts. Der Podcast ergänzt als ein neues Angebot die digitalen Bildungs- und Vermittlungsformate des Städel Museums.

Gefördert durch: Franz Dieter und Michaela Kaldewei Kulturstiftung, Städelscher Museums-Verein e.V.

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