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Jochen Sander
Sissel Tolaas
Mit Michel Abdollahi / Verfügbar auf blindedbyrembrandt.de und überall, wo es Podcasts gibt
Im Rahmen der großen Sonderausstellung „Nennt mich Rembrandt! Durchbruch in Amsterdam“ präsentiert das Städel Museum einen neuen Podcast. Die erste Folge ist ab sofort unter blindedbyrembrandt.de und überall, wo es Podcasts gibt, zu hören. In vier Folgen nähert sich der Journalist und Moderator Michel Abdollahi einem Hauptwerk der europäischen Kunstgeschichte aus der Sammlung des Städel Museums, dem Gemälde Die Blendung Simsons (1636) von Rembrandt. Der größte niederländische Künstler des 17. Jahrhunderts malte im Jahr 1636 eine alttestamentarische Geschichte auf eine rund zwei mal drei Meter große Leinwand. Heute zählt das Gemälde zu den bewegendsten, schockierendsten und faszinierendsten Werken der Kunst. Warum malte Rembrandt ein solches Bild? Wieso muss man unweigerlich hinschauen, obwohl es eine so brutale Szene ist? Was macht das Gemälde 400 Jahre nach seiner Entstehung heute relevant? Zusammen mit verschiedenen Gesprächspartnerinnen und -partnern etwa aus den Bereichen Kunst, Sport, Unterhaltung und Gesellschaft begibt sich Michel Abdollahi auf die Suche nach Antworten und zu den „blinden Flecken“ dieses Meisterwerks. Daraus entstanden ist der vielstimmige Podcast „Blinded by Rembrandt“, in dem es um nichts weniger als um die großen Themen der Menschheit geht. Jede Folge umfasst eine durchschnittliche Hördauer von 30 Minuten.
Den kompletten Pressetext finden Sie hier als PDF zum Download.
Presseinformation
Nennt mich Rembrandt! Durchbruch in Amsterdam
6. OKTOBER 2021 BIS 30. JANUAR 2022
Das Städel Museum feiert im Herbst dieses Jahres den größten Künstler des niederländischen 17. Jahrhunderts: Rembrandt van Rijn. Die Ausstellung „Nennt mich Rembrandt! Durchbruch in Amsterdam“ betrachtet erstmalig die Erfolgsgeschichte Rembrandts vom jungen, ambitionierten Künstler aus Leiden hin zum berühmten Meister in Amsterdam. 60 Kunstwerke Rembrandts treten dafür in Dialog mit Bildern anderer Künstler seiner Zeit. Die Schau vereint den bedeutenden Frankfurter Bestand an Arbeiten Rembrandts, darunter Die Blendung Simsons (1636), mit herausragenden Leihgaben internationaler Museen. Insgesamt rund 140 Gemälde, Druckgrafiken und Zeichnungen von Rembrandt und seinen Zeitgenossen – aus dem Amsterdamer Rijksmuseum, der Gemäldegalerie Berlin, der Gemäldegalerie Alte Meister in Dresden, der National Gallery in London, dem Museo Nacional del Prado in Madrid oder der National Gallery of Art in Washington – beleuchten den eindrucksvollen Aufstieg und Durchbruch des Künstlers in den Jahren 1630 bis zur Mitte der 1650er-Jahre.
Rembrandts Bildproduktion war erstaunlich reich und umfasste neben Landschaften, Genreszenen und Stillleben vor allem dramatische Historienbilder und lebensnahe Porträts. Dabei prägte die Auseinandersetzung mit anderen Malern seine künstlerische Entwicklung ebenso wie seine unternehmerischen Ambitionen. In der anregenden Atmosphäre von Wettstreit und Konkurrenz in Amsterdam, wo viele talentierte Künstler um die Gunst des wohlhabenden Bürgertums warben, entwickelte Rembrandt jene einzigartig expressive Bildsprache, mit welcher er sich schließlich auf dem hart umkämpften Kunstmarkt durchsetzen konnte.
Die Ausstellung wird gefördert durch ING Deutschland, die Dagmar-Westberg-Stiftung und den Städelschen Museums-Verein e.V.
„Mit ‚Nennt mich Rembrandt!‘ nimmt das Städel Museum eine weltberühmte Künstlerpersönlichkeit in den Blick. Ausgehend von über 40 Werken aus unserer Sammlung und bereichert um 94 wichtige Leihgaben aus aller Welt, zeichnen wir die entscheidenden Jahre von Rembrandts Karriere nach und folgen ihm auf seinem Weg zu Erfolg und Meisterschaft. Zwei Jahre nach ‚Making van Gogh‘ ist unsere Rembrandt-Ausstellung auch ein Zeichen des Aufbruchs für Frankfurt – und ein großer Dank an die Förderer dieses herausragenden Projektes ebenso wie an alle Bürgerinnen und Bürger, Partner, Stiftungen und Unternehmen, deren überwältigende Solidarität unser Haus über die vergangenen Monate mehr denn je getragen hat“, so Städel Direktor Philipp Demandt.
„Rembrandt ging seinen Weg – mit Inspiration und Innovation, einem Gespür für Netzwerke, aber auch einem starken Eigensinn und hohen Maß an Willens- und Durchsetzungskraft. Diese Eigenschaften spielen bis heute eine wichtige Rolle bei der Verwirklichung eigener Projekte. Denn wir glauben an die Kraft der Kunst, Innovation und Wandel anzuregen. Als ING Deutschland mit Hauptsitz in Frankfurt und starken Verbindungen nach Amsterdam freuen wir uns sehr, diese einzigartige Ausstellung im Städel Museum zu fördern und gemeinsam auf Rembrandts Spuren zu wandeln“, erläutert Nick Jue, Vorstandsvorsitzender, ING Deutschland, das Engagement.
„Der Städelsche Museums-Verein unterstützt das Städel seit mehr als 120 Jahren in seiner Museumsarbeit, und so freuen wir uns, auch dieses Ausstellungsvorhaben begleiten zu können. Bei Rembrandt denken wir nicht nur an den innovativsten Künstler seiner Zeit, sondern auch an den spektakulären Ankauf seines großen Historiengemäldes Die Blendung Simsons für die Sammlung des Städel Museums –auch dank unseres Engagements konnte der Ankauf dieses aufregenden Bildes 1905 gelingen. So nimmt es nicht von ungefähr einen wesentlichen Platz in der Ausstellung ein und erhält zudem mit einem eigenen Podcast eine zeitgemäße Vermittlung“, so die Vorsitzende des Städelschen Museums-Vereins e.V., Sylvia von Metzler, über die Ausstellung.
„Bis heute ist der Name Rembrandt eine internationale Marke und die Kunstwerke des Künstlers sind heiß begehrte ‚Blue Chips‘. Dabei musste er sich schon zu Lebzeiten auf dem äußerst kompetitiven Kunstmarkt in Amsterdam durchsetzen, der in der Geschichte seinesgleichen sucht. Rembrandts einzigartige Fähigkeit, seine dargestellten Figuren psychologisch so überzeugend zu durchdringen, ist bis heute sein Markenzeichen. Die Ausstellung beleuchtet Rembrandts Arbeiten und die seiner Konkurrenten, Kollegen und Schüler in der künstlerischen Umgebung Amsterdams in der Mitte des 17. Jahrhunderts“, erläutert Jochen Sander, Kurator der Ausstellung, Stellvertretender Direktor und Sammlungsleiter für Holländische, Flämische und Deutsche Malerei vor 1800 am Städel Museum.
DIE AUSSTELLUNG
„Nennt mich Rembrandt! Durchbruch in Amsterdam“ folgt einem thematisch strukturierten Rundgang. In einer offenen Architektur können die Werke Rembrandts jenen seiner Zeitgenossen begegnen und in Dialog miteinander treten.
Als Rembrandt Harmensz. van Rijn zu Anfang der 1630er-Jahre in Amsterdam ankommt, ist er durchaus kein Unbekannter. In der Welthandelsmetropole Amsterdam sind Kunstwerke nicht nur bei wohlhabenden Kaufleuten, sondern selbst bei Handwerkern und Seeleuten begehrt. Um sich nicht nur stilistisch von seinen Mitstreitern abzusetzen, signiert Rembrandt seine Werke kurz nach seiner Ankunft in Amsterdam nur noch mit seinem Vornamen, was bis heute zu einem seiner Markenzeichen werden sollte. Sein Erfindungsreichtum beeindruckt schnell die Bürgerschaft der Stadt, die ihn durch ihre Aufträge zunächst zum gefragten Porträtmaler werden lässt. Seine Werke, wie das in der Ausstellung präsentierte Bildnis des Andries de Graeff von 1639 (Gemäldegalerie Alte Meister, Museumslandschaft Hessen, Kassel), legen ihren Fokus auf den unmittelbaren und lebendigen Ausdruck des Porträtierten. In der Gegenüberstellung mit Bildnissen seiner Amsterdamer Konkurrenten, etwa mit Nicolaes Eliasz. Pickenoys lebensgroßen, repräsentativen Bildnis eines stehenden Mannes (1628, Staatliche Kunsthalle Karlsruhe), wird das besonders deutlich.
Neben Auftragsbildnissen begleiten Selbstporträts Rembrandts Schaffen sein ganzes Leben lang. Das Studium seines eigenen Gesichts – ob im Gemälde, der Zeichnung oder der Druckgrafik – ermöglicht ihm die Erkundung des Ausdrucks aller nur denkbaren Gefühle und Gemütszustände. Selbstbildnisse und Kopfstudien dienen Rembrandt auch als Werbung für sich und seine künstlerischen Fähigkeiten. Auch sie werden zu einem Wiedererkennungszeichen seiner Kunst, denn er verwendet seine eigenen Gesichtszüge auch in Rollenporträts, den sogenannten „Tronies“. Ein beeindruckendes Beispiel hierfür ist etwa sein Tronie eines Mannes mit Federbarett (um 1635-40, Mauritshuis, Den Haag).
Schon nach kurzer Zeit in Amsterdam tritt Rembrandt 1634 der Lukasgilde bei. Als Mitglied des Berufsverbands der Künstler ist es ihm möglich, eine eigene Werkstatt aufzubauen, unternehmerische Unabhängigkeit zu erlangen und Schüler zu unterrichten. Mindestens vierzig junge Künstler durchlaufen seine Werkstatt in Amsterdam. Jeder Schüler trägt mit seinen Werken aktiv dazu bei, den Ruf der Marke Rembrandt zu mehren. Dabei ermutigt Rembrandt seine Schüler, seine Werke nicht bloß zu kopieren, sondern eigene kreative Variationen zu entwickeln. Seine eigene Kunst wird daher ebenso wie die seiner Werkstattmitarbeiter stets vom kreativen Austausch mit talentierten Künstlern geprägt.
Rembrandt beherrscht sämtliche Gattungen der Malerei: Porträts und Tronies, erzählende Historienbilder, Landschaften, Stillleben und Genreszenen. So gilt Rembrandt unter seinen Zeitgenossen als Universalkünstler. Er vermag es, kostbare Materialien durch Licht- und Farbeffekte ins Bild zu bannen, wie etwa seine rätselhafte Heldin des Alten Testaments (1632–33, National Gallery of Canada, Ottawa) eindrücklich zeigt. Wie kein Zweiter spitzt Rembrandt seine erzählenden Bilder auf eine einzige entscheidende Szene zu. Seine Historienbilder sind mitreißende Momentaufnahmen, die berühren, aufwühlen und erschrecken können. Gerade in der Darstellung des menschlichen Gesichtsausdrucks fängt Rembrandt Zwischentöne und Mehrdeutigkeit ein, so auch in der Figur des Königs Saul im Werk David spielt die Harfe vor Saul (um 1630/31, Städel Museum). Rembrandt verfolgt zuweilen auch eine derbe und humorvolle Herangehensweise. Seinen Sinn für Drastik und Ironie lässt er in seinem Gemälde Ganymed in den Fängen des Adlers (1635, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Gemäldegalerie Alte Meister) durchscheinen, wenn er Ganymed nicht der ikonografischen Tradition entsprechend als attraktiven Jüngling nach dem damals verbreiteten Vorbild von Michelangelo darstellt, sondern als feistes Kleinkind.
Rembrandts Naturdarstellungen, wie die Radierung Die drei Bäume (1643, Städel Museum) oder die Landschaft mit Steinbrücke (um 1638, Rijksmuseum, Amsterdam), verdeutlichen, wie er mit optischen Effekten versucht, Licht- und Wetterphänomene und Bewegung in der Natur greifbar zu machen – eine Alternative zu den Werken derjenigen Maler, die sich auf südliche Landschaften in italienischem Licht spezialisierten und damit ihrerseits auf dem Kunstmarkt großen Erfolg haben.
Wie zuvor schon in Frankreich orientieren sich die Künstler in Amsterdam ab der Mitte des 17. Jahrhunderts an den Regeln der klassischen Antike: Helle Farben und klare Strukturen werden beliebter. Diese neue, klassizistische Kunst unterscheidet sich stark von Rembrandts Malweise. Dies zeigt sich besonders prägnant in der Gegenüberstellung von Rembrandts Gemälde Das Bad der Diana mit Aktaion und Callisto (1634, Sammlung der Fürsten zu Salm-Salm, Wasserburg Anholt, Isselburg) und Jacob van Loos Diana und ihre Nymphen (1654, Statens Museum for Kunst, Kopenhagen). In den seit der Mitte der 1650er-Jahren entstehenden Gemälden seines Spätwerks sollte sich Rembrandt mit dunkler Palette und dickem, pastosem Farbauftrag vom Zeitgeschmack übrigens immer weiter entfernen, wodurch seine beherrschende Stellung auf dem Amsterdamer Kunstmarkt schon zu seinen Lebzeiten endete.
Die Ausstellung wird organisiert vom Städel Museum, Frankfurt am Main, und von der National Gallery of Canada, Ottawa.
Wandtexte
Die Wandtexte zur Ausstellung „Nennt mich Rembrandt! Durchbruch in Amsterdam“ finden Sie hier als PDF zum Download.
Informationen
Umgestaltung des sammlungsbereichs Alte Meister 2021
FAKTEN
• Erste Umgestaltung dieser Größenordnung nach 10 Jahren
• Wiedereröffnung des Sammlungsbereichs für das Publikum am 6. Oktober 2021
MASSNAHMEN DER UMGESTALTUNG
• Neues Farbschema der Sammlungsräume Alte Meister
• Neues Beleuchtungskonzept und Umrüstung auf LED-Oberlichter für die Seitenkabinette
• Erstmalige Präsentation von Neuerwerbungen
ZIELE
• Verbesserung der Bild- und Raumwirkung
• Optische Aufwertung der Seitenkabinette
• Klimaschutz, u. a. Reduzierung des Stromverbrauchs durch Umrüstung auf LED
AUSFÜHRENDE GEWERKE / PROJEKTBETEILIGTE
• Neukonzeption Farbe und Licht (Städel Museum)
• Bach Dolder GmbH (Gestaltung und Planung der Neukonzeption sowie Farbkonzept)
• Zumtobel (Lichtlösung)
• Technische Umsetzung (Städel Museum)
KOSTEN
Die Umgestaltung des Sammlungsbereichs Alte Meister wurde durch zahlreiche private Spenden ermöglicht. Die Kosten belaufen sich auf rund EUR 750.000.
DER UMBAU IN ZAHLEN
• 544 neue LED Leuchten für die Kabinette
• 380 neue LED Leuchten für die Oberlichtsäle
• 12 Tragroste für die Lichtdecken
• 80 Strahler
• 3620 m² Wandfläche neu gestrichen (1.100 l Farbe)
• 400 Label- und 22 Saaltexte für die Vermittlung
• Die Sammlung der Alten Meister umfasst 1080 Werke, rund 400 sind ausgestellt
NEUERWERBUNGEN IN DER SAMMLUNGSPRÄSENTATION ALTE MEISTER
• Gottfried de Wedig (auch Gotthardt), Stillleben mit gerösteten Maronen, ca. 1630, Mischtechnik auf Holz
• Michiel van Mierevelt und Werkstatt, Bildnis Friedrichs V. von der Pfalz (1596‐1632), der „Winterkönig“ um 1630, Öl auf Holz
• Michiel van Mierevelt und Werkstatt, Bildnis der Elisabeth Stuart (1596‐1662), die „Winterkönigin“, zweite Hälfte der 1620er Jahre, Öl auf Eichenholz
Alle Informationen finden Sie hier als PDF zum Download.
Veranstaltungsprogramm Oktober 2021
Die Administration des Städelschen Kunstinstituts unter dem Vorsitz von Wolfgang Kirsch hat den Vertrag von Direktor Dr. Philipp Demandt für weitere fünf Jahre – bis 2026 – verlängert. Mit der Unterzeichnung bekräftigt Demandt sein Engagement für eines der renommiertesten Kunstmuseen Europas. Die Vertragsverlängerung umfasst wie zuvor auch die Führung der Liebieghaus Skulpturensammlung.
Auch der Schirn Kunsthalle Frankfurt bleibt Philipp Demandt als Direktor bis Ende Juni 2022 erhalten – vorbehaltlich einer entsprechenden Zustimmung des Magistrats der Stadt Frankfurt. Auf Initiative der Stadt Frankfurt sind Kulturdezernentin Dr. Ina Hartwig und Philipp Demandt, der in Personalunion auch Direktor der Schirn Kunsthalle Frankfurt ist, übereingekommen, die Schirn ab Mitte nächsten Jahres neu auszurichten. Im Zuge dessen soll das in den letzten fünf Jahren von Demandt erfolgreich geführte Ausstellungshaus wieder in seiner Position als eigenständige Kunstinstitution gestärkt und hierzu mit einer eigenen Leitung versehen werden.
Wolfgang Kirsch, Vorsitzender der Administration des Städelschen Kunstinstituts: „Philipp Demandt hat die Erfolgsgeschichte des Städel Museums auf eindrucksvolle Weise fortgeschrieben. Das Museum verdankt seinem Engagement jüngste Besucher- und Erwerbungsrekorde ebenso wie die nachhaltige Sicherung der Finanzausstattung. Wir sind sehr glücklich und hoch erfreut, dass er seine herausragende Arbeit am Städel Museum und der Liebieghaus Skulpturensammlung auch in den nächsten fünf Jahren fortsetzen wird. Damit geht von Frankfurt ein wichtiges Signal für die Kultur in Deutschland und die internationale Museumslandschaft aus! Für die großen Pläne und Herausforderungen der kommenden Jahre haben wir mit Philipp Demandt den besten Direktor an unserer Seite.“
Dr. Ina Hartwig, Kulturdezernentin der Stadt Frankfurt am Main: „Die Schirn Kunsthalle Frankfurt soll neu ausgerichtet werden und im Kontext eines Clusters Moderne und Gegenwart an inhaltlicher und struktureller Eigenständigkeit gewinnen. Philipp Demandt gilt für seine erfolgreiche Arbeit als Direktor der Schirn mein größter Dank. Er hat in den letzten fünf Jahren mit einem international ausgerichteten, diskursiven und diversen Programm die Schirn ganz maßgeblich in ihrer Bedeutung als eine der wichtigsten Kunsthallen dieses Landes weiterentwickelt. Ich bin Philipp Demandt ausgesprochen dankbar, dass er die bevorstehende Phase des Übergangs begleiten wird. Als Direktor des Städel Museums und der Liebieghaus Skulpturensammlung bleibt er der Stadt Frankfurt am Main verbunden und wird mit seiner Handschrift den Kulturstandort Frankfurt weiter prägen.“
Dr. Philipp Demandt, Direktor des Städel Museums, der Schirn Kunsthalle Frankfurt und der Liebieghaus Skulpturensammlung: „Das Städel Museum und die Liebieghaus Skulpturensammlung sind nicht nur zwei der erfolgreichsten Museen dieses Landes, sondern erfreuen sich auch einer einzigartigen Unterstützung durch die Frankfurter Bürgerschaft, die uns trägt und täglich aufs Neue motiviert. Diese Arbeit gemeinsam mit den großartigen Teams beider Häuser fortsetzen zu können, erfüllt mich mit Stolz und Freude. Die Schirn hat sich den Ruf als einer der bedeutendsten Kunsthallen Europas erworben, die mit wegweisenden Ausstellungen ein großes Publikum erreicht. Rund 300 Künstlerinnen und Künstler aus zwei Jahrhunderten und über 40 Nationen haben wir allein in den vergangenen fünf Jahren in Frankfurt präsentiert – ein in Deutschland wohl einzigartiger Wert. Angesichts der großen Pläne am Städel Museum und der Liebieghaus Skulpturensammlung in den kommenden Jahren werde ich mich auf die Leitung dieser beiden Häuser fokussieren; zugleich unterstütze ich Kulturdezernentin Ina Hartwig in ihrem Wunsch, die Schirn zukünftig wieder eigenständiger zu denken. Auch in veränderten Konstellationen kann sich die Schirn der vollumfänglichen Unterstützung durch das Städel Museum und seinen Direktor sicher sein.“
In wenigen Wochen starten Städel, Schirn und Liebieghaus die Herbstsaison mit den großen Sonderausstellungen „Nennt mich Rembrandt! Durchbruch in Amsterdam“ (ab 6. Oktober 2021), „Paula Modersohn-Becker“ (ab 8. Oktober 2021), „Kara Walker. A Black Hole Is Everything a Star Longs to Be” (ab 15. Oktober 2021) sowie „MISSION RIMINI. Material, Geschichte, Restaurierung. Der Rimini-Altar“ (ab 3. November 2021).
Im Städel Museum verantwortete Philipp Demandt mit „MAKING VAN GOGH. Geschichte einer deutschen Liebe“ die erfolgreichste Sonderausstellung in der Geschichte des Museums. Durch seine Initiative konnte das berühmte Gemälde „Selbstbildnis mit Sektglas“ (1919) von Max Beckmann für das Städel erworben werden – nie zuvor hatte das Museum eine einzelne Erwerbung in dieser Dimension gestemmt. Mit vielbeachteten Sonderausstellungen wie „Tizian und die Renaissance in Venedig“, „Maria Sibylla Merian und die Tradition des Blumenbildes“, „Rubens. Kraft der Verwandlung“, „Matisse – Bonnard. ‚Es lebe die Malerei!‘“ oder „Fotografien werden Bilder. Die Becher-Klasse“ konnten unter Demandts Leitung umfangreiche Ausstellungsvorhaben von der Renaissance bis in die Gegenwartskunst realisiert werden. Große Anerkennung fanden die von Philipp Demandt initiierten Wiederentdeckungen „Lotte Laserstein. Von Angesicht zu Angesicht“ und „Victor Vasarely. Im Labyrinth der Moderne“. Insgesamt präsentierte das Städel Museum in den vergangenen fünf Jahren rund 30 Sonderprojekte, von großen Publikumsausstellungen bis hin zu Restaurierungspräsentationen. Unter Philipp Demandt wurde zudem der Ausbau der Digitalen Sammlung des Städel Museums maßgeblich vorangetrieben. Neben neuen digitalen Initiativen und Vermittlungsangeboten liegt ein Schwerpunkt seiner Arbeit auch auf der baulichen Weiterentwicklung des Museums. Aktuell werden die Sammlungsräume des Städel Museums technisch saniert und umgestaltet sowie der Städel Garten neu geplant. Zuvor konnte die Fassade des historischen Mainflügels saniert sowie die Graphische Sammlung mit dem Studiensaal und Forschungsbereich saniert und neu gestaltet werden. Für alle diese Maßnahmen konnte Philipp Demandt private Mäzene gewinnen, die sich in exzeptioneller Höhe für das Haus engagierten.
Die Schirn Kunsthalle Frankfurt wurde 1986 eröffnet, und hat bislang auf rund 2000 m² mehr als 250 Ausstellungen präsentiert, die von mehr als 9,5 Millionen Besucherinnen und Besuchern gesehen wurden. Die Schirn richtet ihren Fokus auf kunst- und kulturhistorische Themen, Diskurse und Trends aus der Perspektive der unmittelbaren Gegenwart. Ihr Programm ist vielfältig, international und eröffnet neue Sichtweisen, indem sie tradierte Rezeptionsmuster aufbricht. Die Ausstellungen widmen sich zeitgenössischen Kunstpositionen und der Kunst der Moderne gleichermaßen. Unter der Führung von Philipp Demandt gehörten Ausstellungen wie „Fantastische Frauen. Surreale Welten von Meret Oppenheim bis Frida Kahlo“, „Magritte. Verrat der Bilder“ und „Basquiat. Boom for Real“ zu den Publikumsmagneten. Auch Ausstellungen wie „Ramin Haerizadeh, Rokni Haerizadeh und Hesam Rahmanian“, „Big Orchestra“, „Power to the People. Politische Kunst jetzt“ oder zuletzt „Magnetic North. Mythos Kanada in der Malerei 1910 – 1940“ und „GILBERT & GEORGE. THE GREAT EXHIBITION“ erzielten in Deutschland und international beachtliche Wirkung. Einen besonderen Fokus legte Philipp Demandt auf die Erweiterung des kunsthistorischen Kanons sowie auf die Arbeit von Künstlerinnen, etwa mit den Soloausstellungen zu „Lee Krasner“ oder „Hannah Ryggen“. Philipp Demandt hat darüber hinaus die Sanierung der Schirn im Jahr 2018 zusammen mit dem Dezernat Kultur und Wissenschaft maßgeblich vorangetrieben. So konnten in weniger als vier Monaten alle notwendigen Sanierungsmaßnahmen umgesetzt werden. Mit zahlreichen neuen Angeboten und digitalen Initiativen konnte die Bildungs- und Vermittlungsarbeit unter Philipp Demandts Führung weiter ausgebaut und gestärkt werden.
Im Liebieghaus präsentierte Demandt herausragende Sonderausstellungen aus sechs Jahrhunderten, darunter „Heilige Nacht. Die Weihnachtsgeschichte und ihre Bilderwelt“ sowie zuletzt „BUNTE GÖTTER – GOLDEN EDITION. Die Farben der Antike“ zur antiken Statuenpolychromie. Die umfangreich erweiterte Neuauflage der erfolgreichen Ausstellung wird nach ihrem Ende in weiteren internationalen Museen zu sehen sein. Zuletzt gelang Philipp Demandt die bedeutendste Erwerbung in der Geschichte des Liebieghauses: die weltweit größte Privatsammlung von barocken Elfenbeinskulpturen aus dem Besitz von Reiner Winkler. Durch diese einmalige Kollektion konnte die Liebieghaus Skulpturensammlung die eigenen, international bedeutenden Bestände auf höchstem Niveau erweitern. Demandt initiierte zudem die Ausstellung „Eindeutig bis zweifelhaft. Skulpturen und ihre Geschichten (Erworben 1933–1945)“, der ein entsprechendes Provenienzforschungsprojekt vorausgegangen war. Mit der Einrichtung eines öffentlichen Restaurierungskabinetts für den „Rimini-Altar“ und der Präsentation des aufwendig restaurierten „Schächer-Fragments“ des Meisters von Flémalle konnte der für ein Museum essenzielle Bereich der Bestandserforschung und -sicherung dem Publikum vor Ort zugänglich gemacht werden. Zudem hat Philipp Demandt mit der Ausstellung „William Kentridge. O Sentimental Machine“ einen der weltweit bekanntesten zeitgenössischen Künstler eingeladen, in direkter Auseinandersetzung mit der Sammlung nahezu alle Bereiche und Räume des Museums zu bespielen.
Dank einer großzügigen Schenkung der Sammlerin Dr. Dorette Staab erhält das Städel Museum 11 zentrale Werke des deutschen Künstlers Georg Baselitz, darunter das Gemälde Hund und Hase abwärts (1967) und Zeichnungen sowie Druckgrafiken wie etwa Figur mit Hand (Artaud) (1962) oder Der Hirte (1965). Das Städel kann somit seinen Sammlungsbestand um bedeutende Werke aus dem Frühwerk des Künstlers erweitern. Unter dem Titel „Kreaturen. Georg Baselitz und die 1960er-Jahre“ werden Arbeiten der jüngsten Baselitz-Schenkung zusammen mit weiteren zum Großteil geschenkten Werken ab heute bis zum 28. November 2021 in einer Kabinettpräsentation in der Sammlung Gegenwartskunst gezeigt. Die Ausstellung in den Gartenhallen skizziert die Phasen, die Baselitz’ Frühwerk auszeichnen: die sogenannte Pandämonische Phase, die „Helden“ und „neuen Typen“ sowie die anschließenden Frakturbilder und den Übergang zu der vollständigen Umkehrung des Bildmotivs Ende des Jahrzehnts.
Ausstellungsdauer: Verlängert bis 9. Januar 2022 (Ursprüngliche Laufzeit: 7. September bis 28.November 2021)
Die komplette Presseinformation finden Sie hier als PDF zum Download.
Veranstaltungsprogramm September 2021
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