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Das Städel Museum, die Schirn Kunsthalle Frankfurt und die Liebieghaus Skulpturensammlung haben einen neuen Direktor. Zum 1. Oktober 2016 beginnt Dr. Philipp Demandt seine Tätigkeit an der Spitze der drei Frankfurter Kulturinstitutionen. Der Kunsthistoriker wurde im Zuge einer intensiven nationalen wie internationalen Suche eines Nachfolgers für Max Hollein ausgewählt. Er war zuvor Leiter der Alten Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz. Auf der Antrittspressekonferenz wurde der 1971 geborene Demandt heute von Prof. Dr. Nikolaus Schweickart, Vorsitzender der Administration des Städel Museums, und Dr. Ina Hartwig, Kulturdezernentin der Stadt Frankfurt am Main, vorgestellt.
Prof. Dr. Nikolaus Schweickart, Vorsitzender der Administration des Städel Museums, unter dessen Vorsitz die Suche durchgeführt wurde, betonte: „Mit Philipp Demandt haben wir unseren Wunschkandidaten bekommen. Seine umfassenden Erfahrungen im modernen Kulturmanagement und seine ausgewiesene Expertise als Kunsthistoriker und Ausstellungsmacher mit einem feinen Gespür für besondere Themen und Entdeckungen machen ihn zum richtigen Kandidaten für den Job. Wir freuen uns auf die gemeinsame Zusammenarbeit.“
„Ich freue mich sehr, dass wir den renommierten Kunsthistoriker Philipp Demandt als Direktor der drei Häuser gewinnen konnten. Die Schirn Kunsthalle Frankfurt ist eines der führenden Ausstellungshäuser – mit einem klaren und unverwechselbaren Profil, das über die Grenzen Frankfurts und Deutschlands geschätzt wird. Sie korrespondiert auf hervorragende Weise mit den Sammlungsschwerpunkten des traditionsreichen Städel Museums und der Liebieghaus Skulpturensammlung. Ein effektives Zusammenspiel der drei großen Kunstinstitutionen auch in Zukunft fortzuführen, ist für die kulturelle Entwicklung der Stadt und der Region sinnvoll und wichtig. Ich wünsche Philipp Demandt einen guten Start und viel Erfolg“, teilte die Frankfurter Kulturdezernentin Dr. Ina Hartwig mit.
Dr. Philipp Demandt selbst nutzte die Pressekonferenz, um sich den versammelten Medienvertretern als neuer Direktor der drei Frankfurter Kunstinstitutionen vorzustellen: „Das Städel, die Schirn und das Liebieghaus als Direktor zu führen und deren erfolgreiche Arbeit in all ihrer Vielfalt weiterzuentwickeln ist eine Herausforderung, die ich mit großer Freude annehme. Ich danke dem Magistrat der Stadt Frankfurt und der Administration des Städel Museums für das entgegengebrachte Vertrauen. Das Städel Museum, die Schirn und das Liebieghaus sind drei bedeutende Kunstinstitutionen, die mit ihren progressiven Ausstellungen und Projekten die Menschen begeistern und immer wieder zeigen, wie wir eine lebendige Beschäftigung mit Kunst in unserer heutigen Zeit denken können und müssen. Es steht außer Frage, dass die eigenständigen und starken Profile der drei Institutionen erhalten bleiben und dabei auch zukünftig Synergien genutzt werden. Die drei Häuser haben ein in allen Bereichen qualifiziertes Team, dessen hervorragende Arbeit Sie kennen und die Ihnen auch in den nächsten Wochen mit unseren großen Herbstausstellungen wieder begegnen wird. Ich freue mich sehr auf die gemeinsame Zusammenarbeit.“
Der 1971 in Konstanz geborene Philipp Demandt studierte Kunstgeschichte, Klassische Archäologie und Publizistik und promovierte 2001 am Institut für Geschichts- und Kulturwissenschaften der Freien Universität Berlin mit einer Arbeit zur Entstehungs- und Wirkungsgeschichte der Königin-Luise-Porträts von Johann Gottfried Schadow und Christian Daniel Rauch sowie zur historischen Mythologie des preußischen Staates im Spiegel des „Luisenkults“. Nach einer Ausstellungsassistenz im Bröhan-Museum ab 2002 wurde Demandt 2004 Dezernent bei der Kulturstiftung der Länder. Zu seinen Aufgaben zählten die Beratung und Unterstützung deutscher Kultureinrichtungen beim Erwerb und der Finanzierung von Kunstwerken von der Vor- und Frühgeschichte bis zum 19. Jahrhundert sowie bei Ausstellungsvorhaben. Von 2007 bis 2010 war er zudem Mitkurator der Ausstellung „Luise. Leben und Mythos der Königin“ der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg. Darüber hinaus konzipierte und leitete er die von der Kulturstiftung der Länder herausgegebene Zeitschrift „Arsprototo“ sowie deren wissenschaftliche Publikationsreihe „Patrimonia“ und veröffentlichte zahlreiche Artikel zur Kunst- und Kulturgeschichte, unter anderem in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, der Süddeutschen Zeitung und der Welt.
Im Januar 2012 wurde Demandt zum Leiter der Alten Nationalgalerie in Berlin ernannt. Hier machte er unter anderem mit einer umfassenden Neukonzeption der Schausammlung sowie mit ebenso innovativen wie erfolgreichen Ausstellungen auf sich aufmerksam. Zu den Höhepunkten unter seiner Leitung zählten die Ausstellungen „Rembrandt Bugatti“, „Impressionismus/Expressionismus. Kunstwende“ oder zuletzt „Der Mönch ist zurück“, eine Sonderpräsentation zur Restaurierung von Caspar David Friedrichs Meisterwerken Mönch am Meer und Abtei im Eichwald. Die Alte Nationalgalerie beherbergt Gemälde und Skulpturen vom späten 18. bis zum frühen 20. Jahrhundert. Ihre Sammlung ist Teil der Nationalgalerie, zu der auch die Neue Nationalgalerie, der Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin, das Museum Berggruen und die Sammlung Scharf-Gerstenberg gehören.
Demandt tritt in Frankfurt die Nachfolge von Max Hollein an, der zum 1. Juni 2016 als neuer Direktor an die Fine Arts Museums of San Francisco (FAMSF) gewechselt ist.
Philipp Demandt
Philipp Demandt
Marc Chagall, „Commedia dell’Arte“, 1959
Veranstaltungsprogramm Oktober 2016
Vom 19. Oktober 2016 bis zum 15. Januar 2017 zeigt das Städel Museum eine umfassende Ausstellung zu Antoine Watteau (1684–1721) – einem der hervorragendsten Zeichner der französischen Kunstgeschichte. Die Präsentation in der Ausstellungshalle der Graphischen Sammlung versammelt 50 Zeichnungen Watteaus, ergänzt durch sechs Gemälde des Künstlers sowie eine kleine Auswahl an Zeichnungen von Zeitgenossen und Nachfolgern. Die in Zusammenarbeit mit dem Teylers Museum im niederländischen Haarlem entstandene Ausstellung „Watteau. Der Zeichner“ ist die erste monografische Präsentation des Künstlers in Deutschland seit über 30 Jahren. Sie widmet sich hierzulande zum ersten Mal explizit dem Phänomen des Zeichners Watteau in seinen vielfältigen Facetten. Zeichnungen waren für den Künstler Grundlage seines malerischen Arbeitens. So zeichnete er fortwährend und aus Gewohnheit in den verschiedensten Situationen. Mit insgesamt sieben Arbeiten aus unterschiedlichen Schaffensphasen verfügt das Städel über einen der bedeutendsten Bestände von Watteaus Werk in Deutschland. Die kostbaren Blätter beider Institutionen bilden das Fundament der Ausstellung und werden zusätzlich durch qualitätsvolle Leihgaben aus deutschen, niederländischen, französischen sowie weiteren europäischen Sammlungen ergänzt. Im Anschluss an die Präsentation im Städel wird die Ausstellung vom 2. Februar bis 14. Mai 2017 im Teylers Museum in Haarlem zu sehen sein.
„Der Boden für eine Beschäftigung mit den Werken Antoine Watteaus im Städel Museum wurde schon durch den spektakulären Ankauf des Gemäldes Die Einschiffung nach Kythera (um 1709–1712) im Jahr 1982 bereitet. Mit unserer jetzigen umfassenden Sonderausstellung zu Watteau als bedeutendem Zeichner können wir einen weiteren, zentralen Aspekt in seinem Schaffen herausarbeiten“, so Dr. Martin Sonnabend, Kurator der Ausstellung und Leiter der Graphischen Sammlung bis 1750.
Der französische Künstler Antoine Watteau zählt zu den großen Meistern der Zeichnung. Watteau wurde 1684 in der flämischen, erst kurz zuvor von den Truppen Ludwigs XIV. eroberten Stadt Valenciennes geboren. Über seine frühe Ausbildung ist nichts bekannt. Um 1702 ging er nach Paris, wo er sich mehrere Jahre als Mitarbeiter bei verschiedenen Künstlern, Ausstattungsmalern und Kunsthändlern durchschlug. Seit etwa 1709 trat er als Schöpfer eigener Gemälde in Erscheinung; 1712 nahm ihn die Pariser Akademie in ihre Reihen auf. Von dieser Zeit an hatte er vor allem bei bürgerlichen Kennern und Sammlern großen Erfolg mit zumeist kleinformatigen Gemälden eines neuartigen Sujets, der Fête galante (galantes Fest). Es handelte sich dabei um Versammlungen junger, elegant gekleideter Frauen und Männer in parkähnlichen Landschaften, die sich unterhalten, musizieren oder die Natur betrachten. Diese Bilder trafen mit ihrer Mischung von Realität und Idealität den Geschmack einer Generation, die die gewichtige, staatstragende Historienmalerei der Epoche Ludwigs XIV. künstlerisch nicht mehr reizvoll fand. In den galanten Festen Watteaus vermischen sich arkadische Themen und Traditionen der niederländischen Genremalerei mit Motiven, die dem Theater der damaligen Zeit entnommen sind, zu einer als frei empfundenen, der sinnlichen Wahrnehmung verpflichteten, sowohl unmittelbar realen als auch künstlerisch durchdrungenen Wirklichkeit. Erst die auf den früh, mit 36 Jahren, an Tuberkulose verstorbenen Watteau folgende Generation sollte daraus die Kunst entwickeln, die später den Namen „Rokoko“ erhielt.
Zeichnungen bildeten für Watteau die Voraussetzung seines Schaffens. Seine Fähigkeit, mit roter Kreide schnell und sicher Beobachtungen festzuhalten, nutzte er, um sich ein umfangreiches Repertoire von Motiven anzulegen: vor allem Figurenstudien, aber auch Landschaftszeichnungen und Kopien nach Werken anderer Künstler. Aus diesem reichen Fundus fügte er die Kompositionen seiner Gemälde zusammen. Die Unmittelbarkeit des Zeichnens, das er im Lauf der Zeit durch die Hinzunahme von weißen und schwarzen Kreiden zu einer virtuosen Technik von verblüffender malerischer Wirkung weiterentwickelte, war die Voraussetzung dafür, die feinen Nuancen der Wirklichkeit einzufangen, die in seine galanten Feste eingingen. Schon seine Zeitgenossen erkannten diese Besonderheit und sammelten Watteaus Zeichnungen. Sein innovativer Stil, der sich durch die Verbindung von präziser Beobachtung mit Spontaneität, Leichtigkeit und Intimität auszeichnet, steht in einem deutlichen Kontrast zur strengen Tradition der akademisch ausgerichteten Künstler seiner Zeit. Die neue, virtuose Kunst reflektiert in ihrer psychologischen Einfühlsamkeit den Geist der beginnenden Aufklärung. Die französischen Romantiker und die Impressionisten sahen in Antoine Watteau einen ihrer Vorläufer, und noch heute erscheinen uns seine Werke, insbesondere die Zeichnungen, von einer erstaunlichen Modernität.
Das Städel Museum besitzt in seiner Gemäldesammlung die früheste Version der berühmten Komposition Die Einschiffung nach Kythera (um 1709–1712), die, auch durch die beiden weiteren Fassungen im Louvre und im Schloss Charlottenburg in Berlin, wohl die berühmteste Schöpfung des Künstlers überhaupt ist. Um dieses Werk, das innerhalb der Ausstellung durch fünf weitere Gemälde ergänzt wird, gruppiert „Watteau. Der Zeichner“ 50 ausgewählte Zeichnungen. Die Präsentation beginnt mit frühen Blättern Watteaus, die Figuren aus der Welt des Theaters, aber auch der Jahrmärkte und Volksfeste zeigen. Seine frühen Studien zum Theater aus den Jahren um 1709 bis 1712 führen thematisch unmittelbar zur Einschiffung (oder Pilgerfahrt) nach Kythera. Neben dem Gemälde aus dem Städel Museum werden in diesem Abschnitt vorausgehende Studien von männlichen und weiblichen Modellen in Pilgerkleidung präsentiert. Auch andere populäre Themen seiner Zeit griff Watteau auf, davon zeugen seine Soldaten- und Jagdszenen. Dass der Zeichner Watteau ein sublimer Meister der Drei-Kreiden-Technik war, zeigen seine Zeichnungen nach Mitgliedern einer persischen Gesandtschaft, die 1715 Paris besuchte. Um die gleiche Zeit entstandenen Studien der „Savoyarden“, den bettelarmen Straßendarstellern und -händlern der französischen Hauptstadt. Nach einem Kapitel, das Watteaus Beschäftigung mit den Werken anderer Künstler zeigt, kommt die Schau auf das bedeutendste Thema in seinem Schaffen zurück: Das Sujet der Fête galante hat in der Einschiffung nach Kythera seinen Ausgangspunkt, aber auch später noch ist es bestimmend und kennzeichnend für seine Arbeiten und eng mit seinem Namen verbunden. Auch das Theater, das die Welt der Gefühle ohne Einschränkung durch die gesellschaftliche oder natürliche Wirklichkeit präsentieren kann, nimmt Watteau als artifizielles und zugleich reales Moment in seine Malerei immer wieder auf. Was in der Auseinandersetzung mit dem Theater bereits anklingt, die Reflexion von Gefühlsereignissen, thematisiert die Ausstellung in einem weiteren Kapitel. So werden hier Zeichnungen präsentiert, in denen Watteau Blicke, Gedanken und Gefühle seiner Modelle festhielt. Ihr Ende findet die Schau „Watteau. Der Zeichner“ mit 13 Zeichnungen von Nachfolgern des Künstlers – wie Antoine Coypel (1661–1722), Nicolas Lancret (1690–1743), François Boucher (1703–1770) oder Jean Honoré Fragonard (1732–1806) – aus dem Bestand des Städel Museums. Zudem wird eine 1726–1728 veröffentlichte Publikation mit 350 Radierungen (unter anderen von François Boucher) nach Zeichnungen Watteaus gezeigt.
Zur Ausstellung erscheint im Hirmer Verlag ein Katalog mit einem Vorwort von Philipp Demandt und Marjan Scharloo. Die Publikation bietet eine Einführung in die Kunst Watteaus von Martin Sonnabend; Michiel Plomp (Teylers Museum, Haarlem) untersucht die Auseinandersetzung des Künstlers mit den Werken jener „Alten Meister“, die er sich zeichnend als Vorbilder wählte, und der Watteau-Experte Christoph Martin Vogtherr (Wallace Collection, London und designierter Direktor der Hamburger Kunsthalle) analysiert unter verschiedenen Aspekten die spezifischen zeichnerischen Strategien Watteaus, die sich deutlich von der sonst üblichen Praxis seiner Zeit unterscheiden.
WATTEAU. DER ZEICHNER
Kuratoren: Dr. Martin Sonnabend (Leiter Graphische Sammlung bis 1750, Städel Museum), Dr. Michiel Plomp (Hauptkonservator der Kunstsammlungen, Teylers Museum)
Ausstellungsdauer: 19. Oktober 2016 bis 15. Januar 2017
Pressevorbesichtigung: Montag, 17. Oktober 2016, 11.00 Uhr
Information: www.staedelmuseum.de, info@staedelmuseum.de,
Telefon +49(0)69-605098-200, Fax +49(0)69-605098-112
Besucherdienst: Telefon +49(0)69-605098-232, besucherdienst@staedelmuseum.de
Ort: Städel Museum, Schaumainkai 63, 60596 Frankfurt am Main
Öffnungszeiten: Di, Mi, Sa, So + Feiertage 10.00–18.00 Uhr, Do + Fr 10.00–21.00 Uhr, montags geschlossen
Sonderöffnungszeiten: Sa, 24.12., geschlossen; So, 25.12., 10.00–18.00 Uhr; Mo, 26.12., 10.00–18.00 Uhr; Sa, 31.12., geschlossen; So, 1.1.2017, 11.00–18.00 Uhr; Mo, 2.1.2017, 10.00–18.00 Uhr
Eintritt: 14 Euro, ermäßigt 12 Euro, Familienkarte 24 Euro; freier Eintritt für Kinder unter 12 Jahren; Gruppen ab 10 Personen: ermäßigter Eintrittspreis pro Person. Für Gruppen ist vorab eine Anmeldung unter Telefon +49(0)69-605098-200 oder info@staedelmuseum.de erforderlich
Kartenvorverkauf: tickets.staedelmuseum.de
Überblicksführungen durch die Ausstellung: Do 18.00 Uhr, So 14.00 Uhr sowie Mo. 26.12. 14.00 Uhr. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Katalog: Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Hirmer Verlag mit ca. 260 Seiten und ca. 185 Abbildungen, mit Texten von Martin Sonnabend, Michiel Plomp und Christoph Martin Vogtherr sowie einem Vorwort von Philipp Demandt und Marjan Scharloo. Deutsche Ausgabe, 34,90 Euro (Museumsausgabe).
Social Media: Das Städel Museum kommuniziert die Ausstellung in den sozialen Medien mit den Hashtags #Watteau und #Staedel.
Eine Ausstellung des Städel Museums Frankfurt und des Teylers Museum Haarlem.
Im Rahmen der Reihe „Im Städel Garten“ und als Teil des Gastlandauftrittes von Flandern & Die Niederlande auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse präsentiert das Städel Museum eine eigens für diesen Anlass entstandene Arbeit des belgischen Künstlers David Claerbout (geb. 1969). Der Film Die reine Notwendigkeit (2016) ist eine überraschende Adaption des Trickfilm-Klassikers Das Dschungelbuch von 1967. Claerbouts einstündiger Loop verwandelt die ebenso anrührende wie komische Geschichte der tanzenden, singenden und trompetenden Urwaldtiere in einen – fast – artgerechten Tierfilm, der sich allem ‚Vermenschlichten’ entledigt hat – nicht zuletzt seines jungen Protagonisten Mogli. Balu, Baghira und Kaa, deren Lieder und Slapstick-Einlagen Kinder wie Erwachsene seit Jahrzehnten begleiten und begeistern, sind wieder ganz Bär, Panther und Schlange. Für Die reine Notwendigkeit wurde Wolfgang Reithermans Filmvorlage in aufwendiger Handarbeit Folie für Folie, Einstellung für Einstellung nachgezeichnet und zu einem vollkommen neuen Film zusammengefügt: Vor Urwaldhintergründen bewegen sich die Tiere nur noch als schemenhafte Umrisse. Auf die Ebene des Originals verweist bei Claerbout lediglich der Titel der Arbeit Die reine Notwendigkeit, denn im englischen Originalsoundtrack singt Balu der Bär nicht wie auf Deutsch „Probier’s mal mit Gemütlichkeit“, sondern von den „bare necessities of life“.
Die Ausstellung „David Claerbout. Die reine Notwendigkeit“ wird unterstützt von Flandern & Die Niederlande Ehrengast der Buchmesse Frankfurt 2016, der Regierung Flanderns und der Städel Gartengesellschaft.
„David Claerbout hat in seinem 20 Jahre umfassenden Œuvre eine faszinierende Meisterschaft darin entwickelt, noch die reduziertesten fotografischen oder filmischen Setzungen, die auf den ersten Blick ultimativ entschleunigt, entleert oder von jeder Narration befreit scheinen, in ästhetisch wie inhaltlich hoch komplexe Kunstwerke zu verwandeln. Seine zeitbasierten Arbeiten entwickelten über die Jahre eine gänzlich eigenständige und unverwechselbare Ästhetik“, betont Martin Engler, Leiter der Sammlung Gegenwartskunst am Städel und Kurator der Ausstellung.
Obwohl in Die reine Notwendigkeit der Filmvorlage die ursprüngliche Narration komplett entzogen wurde, geht von David Claerbouts Adaption eine ganz eigene Faszination aus. Diese speist sich gleichermaßen aus den Assoziationen der Betrachter wie aus der sonderbaren, ruckelnd-steifen Bewegungsmotorik der zugleich fremden und vertrauten Tiere. Die Doppelbödigkeit und Gebrochenheit seiner Protagonisten, denen ein menschliches Ego erst einverleibt und dann in Claerbouts Bearbeitung wieder entzogen wurde, lädt das in der Version des belgischen Künstlers völlig ereignislos dahintreibende Filmgeschehen mit einer suggestiven, schwer greifbaren Spannung auf.
Anstatt die Geschichte jenes kleinen Jungen zu erzählen, der fernab der Zivilisation inmitten des Dschungels und mitten unter dessen Tieren ausgesetzt wurde, kulminiert Claerbouts Filmloop jede volle Stunde – ähnlich einer Uhr – von neuem in der Schlussszene des Trickfilm-Originals. Es ist der Moment, in dem ein junges Mädchen an den Rand des Dschungels kommt, um Wasser zu holen, und Mogli mit ihrem Gesang schließlich derart betört, dass er seine tierische Wunderwelt verlässt und wieder zurück in die geordnete Zivilisation gelockt wird. „Ein Schluss, der uns schon damals als Kindern nicht einleuchten wollte“, wie Engler kommentiert.
Der durch das Städel Museum koproduzierte Film wird während der Laufzeit der Ausstellung auf einer sechs mal vier Meter messenden LED-Wand gezeigt und konnte mit großzügiger Unterstützung aus privaten Mitteln für die Städelsche Sammlung erworben werden.
Zur Eröffnung der Schau findet am Dienstag, 27. September 2016, um 19.00 Uhr ein öffentliches Künstlergespräch zwischen David Claerbout und Martin Engler statt.
David Claerbout
Der 1969 im belgischen Kortrijk geborene David Claerbout studierte von 1992 bis 1995 am Artesis University College in Antwerpen und der Rijksakademie van beeldende kunsten in Amsterdam. Er wurde mit dem Will-Grohmann-Preis der Berliner Akademie der Künste sowie dem Peill-Preis der Günther-Peill-Stiftung ausgezeichnet und zählt zu den international wichtigsten Gegenwartskünstlern. Einzelausstellungen von Claerbout waren unter anderem in der Wiener Secession, im Tel Aviv Museum of Art, im San Francisco Museum of Modern Art, in der Münchener Pinakothek der Moderne sowie dem Lenbachhaus, im Centre Georges Pompidou in Paris, in den Musées royaux des Beaux-Arts de Belgique und im WIELS in Brüssel sowie im De Pont Museum in Tilburg zu sehen. David Claerbout lebt und arbeitet in Antwerpen und Berlin.
In seinen fotografischen und filmischen Installationen verwendet der Künstler unterschiedliches visuelles Ausgangsmaterial, welches von historischen Fotografien und rekonstruierten Bildern bis hin zu Filmaufnahmen reicht, die nach seiner Anweisung gedreht wurden. Aufwendig digital bearbeitet, entstehen Arbeiten, die die Grenzen zwischen Fotografie und Film verschwimmen lassen. So dekonstruiert Claerbout lineare Zeitverläufe und hinterfragt die Art und Weise, wie Geschichten mittels Bildern erzählt werden.
„Im Städel Garten“
Die Reihe „Im Städel Garten“ ist eine von der Städel Gartengesellschaft unterstützte Initiative, mit der das Städel Museum seine frei zugängliche Gartenfläche für wechselnde Installationen, Performances und Veranstaltungen zur Gegenwartskunst öffnet. Seit der Neupräsentation der Skulpturensammlung im Städel Garten 2013 wurde der Außenraum des Städel immer wieder zum Ort für performative und installative Arbeiten, zum Beispiel von Adrian Williams („Watering Hole“, 2013), Adolf Luther („Architektur als Licht und Spiegelung“, 2013), Erwin Wurm („One Minute Sculptures“, 2014) oder Franz Erhard Walther („Schreitsockel und Standstellen“, 2014).
David Claerbout. Die reine Notwendigkeit
Aus der Reihe im „Im Städel Garten“
Kurator: Dr. Martin Engler, Sammlungsleiter Gegenwartskunst
Ausstellungsdauer: 28. September bis 23. Oktober 2016
Pressegespräch: Dienstag, 27. September 2016, 11.00 Uhr
Ort: Städel Museum, Schaumainkai 63, 60596 Frankfurt am Main
Information: www.staedelmuseum.de, info@staedelmuseum.de, Telefon +49(0)69-605098-200, Fax +49(0)69-605098-112
Besucherdienst: Telefon +49(0)69-605098-232, besucherdienst@staedelmuseum.de
Öffnungszeiten: Di, Mi, Sa, So + Feiertage 10.00–18.00 Uhr, Do + Fr 10.00–21.00 Uhr
Sonderöffnungszeiten: Mo, 3.10.2016, 10.00–18.00 Uhr
Der Besuch des Städel Gartens ist kostenfrei.
Social Media: Das Städel Museum kommuniziert die Ausstellung in den sozialen Medien mit den Hashtags #Claerbout und #Staedel.
Mit Unterstützung von: Flandern & Die Niederlande Ehrengast der Buchmesse Frankfurt 2016, Die Regierung Flanderns sowie der Städel Gartengesellschaft
David Claerbouts Die Reine Notwendigkeit entstand in Koproduktion mit dem Städel Museum und wurde großzügig unterstützt durch private Mittel.
Beim diesjährigen Museumsuferfest von Freitag, 26. August, bis Sonntag, 28. August 2016 gewährt das Städel Museum lebendige Einblicke in 700 Jahre Kunstgeschichte. Die Besucher erwartet ein vielfältiges Programm aus zahlreichen Führungen, kreativen Workshops für alle Altersgruppen sowie spannenden Sonderausstellungen.
Die facettenreichen Führungsangebote erkunden unter anderem unterschiedliche künstlerische Materialien und laden zum Betrachten der Gartenskulpturen oder auch zum Erkunden von Künstlern fernab des Kanons ein. Darüber hinaus bieten die aktuellen Sonderausstellungen des Städel Museums Begegnungen mit einer der eindrucksvollsten Kirchenausstattungen, die sich aus dem späten 13. und frühen 14. Jahrhundert erhalten hat („Schaufenster des Himmels. Der Altenberger Altar und seine Bildausstattung“) sowie mit den monumentalen, aggressiv und trotzig gemalten „Helden“ von Georg Baselitz. Das Programm wartet mit zahlreichen weiteren Höhepunkten auf und gibt zudem bereits einen Ausblick auf die kommende Sonderausstellung „Geschlechterkampf. Franz von Stuck bis Frida Kahlo“. Doch auch die kleinen Städel Besucher kommen nicht zu kurz. So erwartet sie ein buntes Workshop-Angebot, bei dem der Kreativität etwa in der Druckwerkstatt freien Lauf gelassen werden kann. Bei abwechslungsreichen Führungen geht es für sie auf Märchenreise durchs Städel.
Programm
Freitag, 26. August 2016
15.30 Uhr Hoch hinaus und fest verankert. Skulpturen im Städel Garten Führung
16.00 Uhr KUNSTKOLLEG Basiswissen Kunst: Emotionen in der Kunst III: Provokant
16.30 Uhr Die Fahrt der Argonauten und andere atemberaubende Abenteuer Familienführung
17.30 Uhr Starke Frauen, schwache Männer. Vom Kampf der Geschlechter Führung
18.30 Uhr Schaufenster des Himmels Führung in der Ausstellung
19.00 Uhr Von Plastikmüll und Klobürsten. Die Vielfalt künstlerischer Materialien Führung
20.00 Uhr Georg Baselitz. Die Helden Führung in der Ausstellung
Treffpunkt für Führungen zu „Georg Baselitz. Die Helden“: Ausstellungshaus, OG
Treffpunkt für Führungen zu „Schaufenster des Himmels“: Graphische Sammlung
Treffpunkt für Führungen im Städel Garten: Städel Garten, Mitte des Hügels
Treffpunkt für alle weiteren Führungen: Metzler-Foyer
Samstag, 27. August 2016
11.00–18.00 Uhr Wilde Wunderwelten (Workshop für Kinder ab 4 Jahren vor dem Museum)
11.00–18.00 Uhr Unter Hochdruck. Die Städel Druckwerkstatt (Workshop für Kinder ab 6 Jahren vor dem Museum)
11.00–18.00 Uhr Vom Winde verweht (Workshop für Kinder ab 6 Jahren vor dem Museum)
11.00 Uhr Adam und Eva. Ein Grundkonflikt Führung
11.30 Uhr Georg Baselitz. Die Helden Führung in der Ausstellung
12.00 Uhr Hoch hinaus und fest verankert. Skulpturen im Städel Garten Führung
12.30 Uhr No Names. Künstler fernab des Kanons Führung
13.30 Uhr Schaufenster des Himmels Führung in der Ausstellung
14.00 Uhr Von Dürer bis Picasso Führung
15.00 Uhr Wilde Bestien und bunte Hunde Familienführung
15.30 Uhr Grenzüberschreitung. Die Geschlechterrollen Führung
16.30 Uhr Zeitreise. Kunst aus Sicht der Zeitgenossen Führung
17.00 Uhr Georg Baselitz. Die Helden Führung in der Ausstellung
17.30 Uhr Schaufenster des Himmels Führung in der Ausstellung
18.30 Uhr Der Unbekannte auf dem Hotelflur. Rätselhafte Geschichten Familienführung
19.00 Uhr Das Bild der Frau durch die Jahrhunderte Führung
19.30 Uhr Hoch hinaus und fest verankert. Skulpturen im Städel Garten Führung
20.00 Uhr Das Alltägliche in der Kunst Führung
20.30 Uhr Georg Baselitz. Die Helden Führung in der Ausstellung
21.00 Uhr Hoch dramatisch. Mythische Themen Führung
Sonntag, 28. August 2016
11.00–18.00 Uhr Wilde Wunderwelten (Workshop für Kinder ab 4 Jahren vor dem Museum)
11.00–18.00 Uhr Unter Hochdruck. Die Städel Druckwerkstatt (Workshop für Kinder ab 6 Jahren vor dem Museum)
11.00–18.00 Uhr Vom Winde verweht (Workshop für Kinder ab 6 Jahren vor dem Museum)
11.00 Uhr Kommt alle, alle zum Nachtigallenballe! Märchenreise durchs Städel für Kinder ab 4 Jahren mit Rudi Gerharz
11.30 Uhr Hoch hinaus und fest verankert. Skulpturen im Städel Garten Führung
12.00 Uhr Ein Bild von einem Mann Führung
12.30 Uhr Georg Baselitz. Die Helden Führung in der Ausstellung
13.30 Uhr Gleißendes Gold und feuriges Funkeln Familienführung
14.00 Uhr Der Kampf der Künstlerinnen Führung
15.00 Uhr Schaufenster des Himmels Führung in der Ausstellung
15.30 Uhr Zeitlos. Wie aktuell ist die Kunst? Führung
16.00 Uhr Georg Baselitz. Die Helden Führung in der Ausstellung
16.30 Uhr Ganz schön düster. Kehrseiten der Liebe Führung
17.00 Uhr Kunst und Religion Führung
17.30 Uhr Helden und Bösewichte Familienführung
18.00 Uhr Sex Sells. Geschlechterrollen Führung
19.00 Uhr Georg Baselitz. Die Helden Führung in der Ausstellung
Ort: Städel Museum, Schaumainkai 63, 60596 Frankfurt am Main
Datum: Freitag, 26. bis Sonntag, 28. August 2016
Öffnungszeiten während des Museumsuferfestes: Freitag 10.00–21.00 Uhr,
Samstag 10.00–22.00 Uhr, Sonntag 10.00–20.00 Uhr. Der Städel Garten ist zudem Freitag und Samstag bis 1.00 Uhr und Sonntag bis 0.00 Uhr geöffnet.
Information: www.staedelmuseum.de, E-Mail: info@staedelmuseum.de,
Telefon: +49-69 60 50 98-0, Fax: +49-69 60 50 98-111
Eintritt zum Museumsuferfest: Der Museumsuferfest-Button zum Preis von 7 € berechtigt zum freien Eintritt in den teilnehmenden Museen für die Dauer des Festes – von Freitag, dem 26. August, ab 15 Uhr bis Sonntag, dem 28. August 2016. Für Kinder unter 12 Jahre ist der Eintritt im Städel Museum frei.
Veranstaltungsprogramm September 2016
Veranstaltungsprogramm August 2016
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