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Franz Erhard Walther. Schreitsockel und Standstellen 20.8.2014

Mit einer außerordentlichen Präsentation von Franz Erhard Walther (*1939) setzt das Städel Museum die Reihe „Im Städel Garten“ fort. Walthers Schreitsockel und Standstellen sind vom 17. September bis 23. November 2014 auf den frei zugänglichen Grünflächen des Museums zu sehen. Der international vielbeachtete Künstler begann diese Werkgruppe, die ihn zu einer Schlüsselfigur der Minimal und Performance Art werden ließ, Anfang der 1970er-Jahre für den Außenraum zu entwickeln. Die minimalistischen, aus Stahl geformten Bodenelemente laden mit ihren reduzierten Formen den Besucher zu einer „Werkbegehung“ ein. Durch das Abschreiten der Sockel wird dieser selbst zum Material des skulpturalen Prozesses. Im vorderen und hinteren Städel Garten eröffnen die Schreitsockel und Standstellen überraschende Blickachsen und neue Perspektiven auf das Museum sowie auf dessen Umgebung. Die Ausstellung wird am Dienstag, 16. September um 19.00 Uhr mit einem Gespräch zwischen Franz Erhard Walther und Dr. Martin Engler, Sammlungsleiter Gegenwartskunst am Städel Museum, im Metzler-Saal des Städel eröffnet; anschließend besteht die Möglichkeit einer Werkbegehung mit dem Künstler. Bei einer weiteren Werkbegehung mit Franz Erhard Walther am Sonntag, 21. September um 15.00 Uhr und einem Vortrag des Künstlers am Donnerstag, 16. Oktober 2014 um 19.00 Uhr im Städel Museum kann das Publikum weitere Einblicke in das Œuvre Walthers gewinnen.

Die Ausstellung wird unterstützt von der Städel Gartengesellschaft.

Franz Erhard Walther, geboren 1939 in Fulda, nahm 1959 ein Studium an der Städelschule in Frankfurt auf. 1962 wechselte er an die Kunstakademie Düsseldorf, wo er gemeinsam mit Gerhard Richter und Sigmar Polke in der Klasse von Karl Otto Götz studierte. Schon zu Beginn der Ausbildung galt sein Interesse Gestaltungsprozessen, die sich aus dem Zusammenhang einer bestimmten Materialität ergaben. So begeisterte er sich beispielsweise für Papier, das durch den Kontakt mit verschiedenen Flüssigkeiten die unterschiedlichsten Formen annahm. Er begann mit Textilien zu experimentieren und fertigte aus Nesselstoff Objekte, um den Betrachter durch deren Benutzung interaktiv einzubeziehen. Im Zuge dessen entstand sein 1. Werksatz (1963–1969), bestehend aus 58 Objekten, der bereits im ersten Jahr von Walthers USA-Aufenthalt von 1967 bis 1971 in New York im Museum of Modern Art präsentiert wurde. Walther veränderte in den 1960er-Jahren mit seiner Kunst radikal das Verständnis des traditionellen Skulpturbegriffs. Für ihn bilden der Prozess, das Sehen, die Bewegung und die Erfahrungen das Werk. Mit dieser künstlerischen Haltung beeinflusste Walther, der zwischen 1971 und 2005 als Professor an der Hamburger Hochschule für bildende Künste lehrte, eine ganze Generation von Gegenwartskünstlern, die auch in der Sammlung des Städel Museums vertreten sind – von Rebecca Horn über Martin Kippenberger und Santiago Sierra bis hin zu Jonathan Meese.

Die im Städel Garten gezeigte Werkgruppe der Schreitsockel und Standstellen von Franz Erhard Walther zeichnet sich vor allem durch ihre reduzierte und minimalistische Gestalt aus. Die Besucher finden auf dem Boden liegende Stahlplatten und Bahnen im Gartenbereich mit einem einseitig erhöhten Rand, die sogenannten Schreitsockel; komplementiert werden diese mit leicht erhöhten quadratischen Flächen, den Standstellen. Die Werkstücke werden erst durch das Abschreiten tatsächlich zu Sockeln, wobei sich die Akteure als Teil der Skulptur begreifen können. Darüber hinaus entsteht durch das Schreiten ebenso ein Bezug zur räumlichen Umgebung, wie das stehende Verweilen an einem Ort die Dimension der Zeit in das Werk integriert. Die Präsentation im Außenraum des Städel eröffnet den Besuchern im Schreiten und Stehen ungewohnte Perspektiven und überraschende Assoziationen in der von Kunst geprägten Umgebung von Museum und Städelschule. Neben ihrer Bezugnahme auf die reale Umgebung unterstützen die Schreitsockel und Standstellen auch die Interaktion der Besucher. Obwohl Körper, Raum und Zeit durchaus wesentliche Elemente der klassischen Bildhauerei sind, nutzt Walther diese, um eine völlig neue konzeptuelle und skulpturale Ausdrucksform zu schaffen.

Neben dem prozesshaften und sozialen Aspekt von Walthers Arbeiten steht besonders deren erweiterte „skulpturale Qualität“ im Vordergrund. Der Körper als Teil der künstlerischen Formgestaltung führte in Walthers Kunst zu einer nachhaltigen Ausweitung des Werkbegriffs. Walther verwirklichte diese künstlerischen Ideen nicht nur frühzeitig, sondern vereinte in seinem Werk darüber hinaus Grundgedanken der in den USA aufkommenden Minimal Art und Performance Art.

Im Zuge der Neupräsentation seiner Skulpturensammlung im Städel Garten zeigt das Städel in der Reihe „Im Städel Garten“ seit 2013 verschiedene performative und installative Arbeiten auf dem frei zugänglichen Gelände rund um das Museum. Den Auftakt bildete im April 2013 die aufwendig inszenierte Performance Watering Hole der in Frankfurt lebenden Künstlerin Adrian Williams, im Juni 2013 folgte mit der Ausstellung von Werken Adolf Luthers eine weitere temporäre Präsentation. 2014

wurde die Reihe mit Erwin Wurms One Minute Sculptures und The Encryption Garden – Soundinstallation im Städel Garten von Alan B. Brock-Richmond und Bernhard Schreiner weitergeführt.

FRANZ ERHARD WALTHER. SCHREITSOCKEL UND STANDSTELLEN TEIL V DER REIHE „IM STÄDEL GARTEN“

Kurator: Dr. Martin Engler, Sammlungsleiter Gegenwartskunst, Städel Museum
Ausstellungsdauer: 17. September bis 23. November 2014
Presserundgang: Dienstag, 16. September, 12.00 Uhr
Eröffnung: Dienstag, 16. September, 19.00 Uhr, Metzler-Saal und Städel Garten

Information: www.staedelmuseum.de, info@staedelmuseum.de, Telefon +49(0)69-605098-0, Fax +49(0)69-605098-111
Ort: Städel Museum, Schaumainkai 63, 60596 Frankfurt am Main

Der Städel Garten ist während der regulären Öffnungszeiten des Museums kostenfrei zugänglich.
Öffnungszeiten Städel Museum: Di, Mi, Sa und So 10.00–18.00 Uhr, Do und Fr 10.00–21.00 Uhr
Sonderöffnungszeiten Städel Museum: Fr, 3. Oktober 2014, 10.00–18.00 Uhr

Werkbegehung mit Franz Erhard Walther: So, 21. September 2014, 15.00 Uhr, Städel Garten
Künstlervortrag: Do, 16. Oktober 2014, 19.00 Uhr, Metzler-Saal, Städel Museum
Überblicksführungen durch die Ausstellung: Sonntags 11.00 Uhr, Städel Garten
Sonderführungen auf Anfrage unter: +49(0)69-605098-200 oder info@staedelmuseum.de.
Weitere Programmangebote unter www.staedelmuseum.de.

Förderung: Die Reihe „Im Städel Garten“ wird mit Unterstützung der „Städel Gartengesellschaft“ realisiert. In dem Förderkreis engagieren sich Bürger, um Aktionen, Installationen sowie Performances der Gegenwartskunst im Städel Garten möglich und für alle zugänglich zu machen.

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Museumsuferfest 2014 im Städel 13.8.2014

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Sommerakademie 2014 12.8.2014

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Veranstaltungsprogramm September 2014 7.8.2014

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Große Bildungswoche im Städel Museum 23.7.2014

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Veranstaltungsprogramm August 2014 8.7.2014

Veranstaltungsprogramm August 2014

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The Encryption Garden - Soundinstallation im Städel Garten 2.7.2014

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Sommerferienprogramm 2014 1.7.2014

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Open Air Kino im Städel Garten geht in die zweite Runde 26.6.2014

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Lichtbilder. Fotografie im Städel Museum von den Anfängen bis 1960 16.6.2014

Im Jahr 1845 war das Frankfurter Städel Museum das erste Kunstmuseum weltweit, das Fotografien ausstellte. Nur sechs Jahre zuvor wurde die Erfindung des neuen Mediums in Paris bekanntgegeben – ein Ereignis, das sich 2014 zum 175. Mal jährt. Mit „Lichtbilder. Fotografie im Städel Museum von den Anfängen bis 1960“ wird den wichtigsten Tendenzen der europäischen Fotokunst nun eine umfassende Sonderausstellung gewidmet, die an jene Ausstellungstradition anknüpft und die unlängst umfangreich erweiterten Fotobestände im Bereich Kunst der Moderne des Städel präsentiert. Neben Pionieren wie Nadar, Gustave Le Gray, Roger Fenton und Julia Margaret Cameron zeigt die Schau vom 9. Juli bis 5. Oktober 2014 Fotografie-Heroen des 20. Jahrhunderts wie August Sander, Albert Renger-Patzsch, Man Ray, Dora Maar oder Otto Steinert, lenkt den Blick aber auch auf fast vergessene Fotografen. Die Ausstellung gibt nicht nur einen Überblick über den Sammlungsbereich der frühen Fotografie im Städel und die Erwerbungen der letzten Jahre, sondern veranschaulicht zugleich die Geschichte des Mediums von seinen Anfängen bis 1960.

„Die Präsentation von künstlerischer Fotografie in einem Kunstmuseum erscheint uns noch relativ neu, und doch hat es im Städel ab 1845 bereits erste Fotoausstellungen gegeben. Es ist uns eine besondere Freude, auf diese Pioniertat hinzuweisen und mit der ,Lichtbilder‘-Ausstellung nun erstmals einen Einblick in unsere Sammlung früher Fotografie zu ermöglichen, die in den vergangenen Jahren mit Ankäufen und großzügigen Schenkungen entscheidend ausgebaut werden konnte“, so Max Hollein, Direktor des Städel.

Felix Krämer, einer der beiden Kuratoren der Schau, macht deutlich: „Mit ‚Lichtbilder‘ möchten wir zu einer intensiveren Beschäftigung mit der vielseitigen Geschichte des spannenden und auch heute noch oftmals unterschätzten Mediums Fotografie anregen.“

Die erste Erwähnung einer Fotoausstellung im Städel Museum erfolgte 1845 in Form einer Anzeige im Frankfurter „Intelligenz Blatt“, dem amtlichen Mitteilungsblatt der Stadt. Es handelt sich hierbei um die früheste bekannte Notiz über eine Fotoausstellung in einem Kunstmuseum weltweit. In dieser Ausstellung waren Porträtaufnahmen des heute nahezu vergessenen Frankfurter Fotografen Sigismund Gerothwohl zu sehen, der eines der ersten Fotoateliers der Stadt betrieb. Fotografien gehörten im Städel Museum, wie in vielen anderen Institutionen auch, zur Lehrsammlung: In den 1850er-Jahren begann der damalige Städel-Direktor Johann David Passavant, Fotografien für das Haus zu sammeln. Neben Kunstreproduktionen umfasste die Sammlung Genreszenen, Landschaften und Stadtveduten von namhaften Protagonisten der Fotografie wie Maxime Du Camp, Wilhelm Hammerschmidt, Carl Friedrich Mylius oder Giorgio Sommer. Eine Schau mit Ansichten von Venedig war 1852 die erste Fotografieausstellung aus dem eigenen Bestand.

Handelte es sich bei den Fotografien, die das Städel im 19. Jahrhundert ausstellte, um zeitgenössische Arbeiten, nimmt die Schau „Lichtbilder“ die Entwicklung der künstlerischen Fotografie in den Fokus. Ausgehend von den Fotobeständen des Museums, die durch die Erwerbungen bedeutender Konvolute von Uta und Wilfried Wiegand in 2011 sowie Annette und Rudolf Kicken in 2013 signifikant ausgebaut werden konnten und auch weiterhin durch Ankäufe ergänzt werden, spannen neun chronologisch gegliederte Kapitel einen Bogen von den Anfängen der Papierfotografie in den 1840er Jahren bis hin zu den Bildexperimenten der Gruppe fotoform der 1950er Jahre.

Im Eingangsbereich der Ausstellung empfängt den Besucher zunächst eine Auswahl von Raffael-Reproduktionen, die das Städel 1859 und 1860 in Ausstellungen präsentierte. Sie zeigen Gesamtansichten und Details der Raffael-Kartons, die dieser als Vorlagen für die Wandteppiche in der Sixtinischen Kapelle angefertigt hatte. Der Kunstinteressierte brauchte nicht mehr nach England zu reisen, um die Kartons Raffaels in Hampton Court zu bestaunen, sondern konnte die Meisterwerke nun anhand großformatiger Fotografien im Städel in Augenschein nehmen.

Der folgende Ausstellungsraum ist den Pionieren der Fotografie der 1840er und -60er Jahre gewidmet. Nach der Bekanntgabe der Erfindung des neuen Mediums 1839 galt es, die Welt durch das fotografische Bild zu erobern. Das Streben des Bürgertums nach Selbstdarstellung im Sinne aristokratischer Gepflogenheiten ließ fotografische Bildnisse bald zu einem lukrativen Geschäft werden und die Zahl der Fotoateliers in den europäischen Großstädten stetig ansteigen. Bauwerke und historische Denkmäler, Kunstschätze sowie prominente Persönlichkeiten wurden festgehalten und dem Publikum zugänglich gemacht. Etliche Fotografen wie Édouard Baldus, die Brüder Bisson, Frances Frith, Wilhelm Hammerschmidt und Charles Marville machten sich auf die Reise, um die kulturhistorischen Stätten Europas und des Nahen Ostens „abzulichten“ und damit die Zeugnisse der Vergangenheit ins Bild zu bannen.

Zu den erfolgreichsten Fotografen dieses Genres zählt der aus Frankfurt stammende Georg Sommer, der 1856 nach Italien zog und sich dort als Giorgio Sommer einen Namen machte. Das zweite Ausstellungskapitel behandelt das Bild Italiens als Sehnsuchtsort, gekennzeichnet durch die erhabene mediterrane Landschaft und das Erbe der Antike. Jenes Bild wäre jedoch nicht vollständig ohne Aufnahmen, die den Blick auf das einfache Leben der italienischen Bevölkerung richten. Die oftmals gestellten Genreszenen waren beliebte Souvenirs, weil sie die Erwartungen der Reisenden bestätigten, südlich der Alpen sei eine vorindustrielle und somit ursprüngliche Lebenswelt vorzufinden. Konfrontiert mit den Herausforderungen des Klimas, der langen Belichtungszeiten und der aufwendigen Entwicklung, suchten Fotografen stetig nach technischen Optimierungen, wie im dritten Kapitel der Präsentation deutlich wird: Léon Vidal oder Carlo Naya experimentierten mit Farbfotografie, Eadweard Muybridge mit der Aufnahme von Bewegungsabläufen und die Königlich Preußische Messbild-Anstalt mit großformatigen „Mammutfotografien“.

Im Laufe der Jahre traten die technischen Aspekte der professionellen Fotografie immer stärker in den Vordergrund, während die Bildsprache im Wesentlichen unverändert blieb. Das Ausstellungskapitel zur Kunstfotografie führt vor, wie begeisterte Fotoamateure das Medium Ende des 19. Jahrhunderts auch unter einer ästhetischen Prämisse weiterentwickelten. Hatten die Berufsfotografen bis dato unter dem Eindruck der Malerei bevorzugt auf Genreszenen und andere populäre Motive zurückgegriffen, wollten die sogenannten Piktorialisten den Kunstwert des Mediums stärken. Stimmungslandschaften, Märchenszenen oder stilisierte Stillleben wurden als subjektive Eindrücke abgebildet. Julia Margaret Cameron setzte effektvoll Schärfe und Unschärfe in ein dialogisches Spannungsverhältnis, Heinrich Kühn verwendete Gummidrucke oder Bromöldrucke, um malerische Effekte zu kreieren.

Mit Ende des Ersten Weltkrieges erstarkte eine neue Generation von Fotografen, welche die von den Piktorialisten etablierten Ansprüche hinterfragte und deren Arbeiten im Mittelpunkt des nächsten Raumes stehen: Statt in den Prozess der fotografischen Entwicklung einzugreifen, widmete man sich analog zu Ansätzen in der Malerei der Neuen Sachlichkeit einer nüchternen Bildgestaltung und suchte ein „Neues Sehen“ zu begründen. Der Blick sollte nicht länger, wie etwa in den Italienbildern, sehnsuchtsvoll in die Ferne schweifen, sondern direkt und unvermittelt das zeigen, was in der Gesellschaft geschah. Die nüchternen und strengen Fotografien August Sanders und Hugo Erfurths erfüllen dieses künstlerische Credo. Ein weiteres Augenmerk legt die Ausstellung auf die frühe Fotopublizistik und die Entwicklung der Massenmedien. Neben dokumentarischen Fotografien des Autodidakten Erich Salomon werden auch Heinrich Hoffmanns Aufnahmen von Adolf Hitler gezeigt, die 2013 für die Sammlung des Städel angekauft wurden. Waren Letztere ursprünglich von Hitler in Auftrag gegeben, ließ er später den Nachdruck der Aufnahmen verbieten. Tatsächlich entlarven Hoffmanns Bilder die leere Pose des Porträtierten Diktators. In einem eigenen Raum behandelt die Ausstellung das Werk Albert Renger-Patzschs, der sich in seinen formal strengen Arbeiten konsequent mit dem objektiven Abbilden von Natur und Technik auseinandersetzte.

Konträre Interessen verfolgten hingegen die vom Surrealismus inspirierten Fotografen, aber auch die Repräsentanten der tschechischen Fotoavantgarde, die im Zentrum der beiden folgenden Ausstellungsräume stehen. Im Ausstellungskapitel zur surrealistischen Fotografie oszillieren die fotografischen Werke zwischen Fiktion und Wirklichkeit, legen fotografische Experimente bizarre Aspekte der Welt offen. Anhand skurriler Effekte oder überraschender Motivkombinationen suchten Künstler wie Brassaï, André Kertész, Dora Maar, Paul Outerbridge und Man Ray das Ungewöhnliche im Vertrauten. Die tschechischen Fotografen der Zwischenkriegszeit hingegen interessierten sich für die Möglichkeiten einer abstrakten und konstruktivistischen Fotografie. In ihren teils symbolistisch anmutenden Arbeiten geht es um eine Ästhetisierung der erlebten Welt.

Der letzte Teil der Ausstellung ist Otto Steinert und der Gruppe fotoform gewidmet. Er veranschaulicht, wie Steinert und die Mitglieder der Künstlergruppe nach 1945 auf die Experimente der fotografischen Vorreiter der 1920er Jahre Bezug nehmen und sich von der propagandistischen und heroisierenden Verwendung der Fotografie während der Zeit des Nationalsozialismus abgrenzen. Die Fotografen Peter Keetman, Siegfried Lauterwasser, Wolfgang Reisewitz, Toni Schneiders, Otto Steinert und Ludwig Windstosser, die sich 1949 zur Gruppe fotoform zusammengeschlossen hatten, rückten die individuelle Perspektive des Fotografen in den Vordergrund und prägten damit den Begriff „subjektive fotografie“.

Die Schau ergänzt die seit der Neueröffnung des Städel Museums 2011 praktizierte gemeinsame Präsentation von Fotografie, Malerei und Skulptur, die auch während und nach „Lichtbilder“ fortgeführt wird, um deutlich zu machen, welch entscheidende Position der Fotografie seit ihren Anfängen in der kunsthistorischen Bildtradition zukommt. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog, der – wie auch die Ausstellungsarchitektur – die besondere Farbigkeit der schwarz-weiß gehandelten Fotografien in den Vordergrund rückt. Die subtilen Grautöne spiegeln sich nicht nur in den Werkabbildungen und der farblichen Gestaltung der Katalogkapitel wider, sondern werden auch im Ausstellungsraum aufgegriffen. Dort sind die Besucher umgeben von einer durch und durch grauen Ausstellungsarchitektur, die deutlich macht, dass Grau nicht gleich Grau ist. Dazu Kuratorin Felicity Grobien: „In der Ausstellung wird sichtbar, wie vielfarbig die Abzüge sind – denn entgegen den Erwartungen, die gegenüber Schwarz-Weiß-Fotografie bestehen, sind in den Werken unterschiedlichste subtile Farbnuancen zu entdecken, die die Besonderheit der Aufnahmen betonen.“

LICHTBILDER. FOTOGRAFIE IM STÄDEL MUSEUM VON DEN ANFÄNGEN BIS 1960

Kuratoren: Felicity Grobien, Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Kunst der Moderne, Städel Museum; Dr. Felix Krämer, Leiter der Sammlung Kunst der Moderne im Städel Museum
Ausstellungsdauer: 9. Juli bis 5. Oktober 2014
Pressevorbesichtigung: Dienstag, 8. Juli, 11.00 Uhr

Information: www.staedelmuseum.de, info@staedelmuseum.de, Telefon +49(0)69-605098-0, Fax +49(0)69-605098-111
Ort: Städel Museum, Schaumainkai 63, 60596 Frankfurt am Main

Öffnungszeiten: Di, Mi, Sa und So 10.00–18.00 Uhr, Do und Fr 10.00–21.00 Uhr
Sonderöffnungszeiten: Fr, 3. Oktober 2014, 10.00–18.00 Uhr
Eintritt: 12 Euro, ermäßigt 10 Euro, Familienkarte 20 Euro; samstags, sonn- und feiertags 14 Euro, ermäßigt 12 Euro, Familienkarte 24 Euro; freier Eintritt für Kinder bis zu 12 Jahren;
Gruppen ab 10 Personen: 10 Euro/Person; samstags, sonn- und feiertags 12 Euro/Person.
Für Gruppen ist vorab eine Anmeldung erforderlich.
Kartenvorverkauf unter: tickets.staedelmuseum.de

Katalog: Zur Ausstellung erscheint ein Katalog, herausgegeben von Felix Krämer und Max Hollein. Mit einem Vorwort von Max Hollein, Essays von Felicity Grobien, Felix Krämer, Eberhard Mayer-Wegelin und Wilfried Wiegand sowie Beiträgen von Ingo Borges, Kristina Lemke und Brigitte Sahler. Erscheint im Eigenverlag, 192 Seiten, zweisprachige Ausgabe (Deutsch und Englisch), 24,90 Euro.

Social Media: Das Städel Museum kommuniziert die Ausstellung in den sozialen Medien mit dem Hashtag #lichtbilder.

Überblicksführungen durch die Ausstellung: Donnerstags 19.00 Uhr, samstags 11.00 Uhr, sonntags 15.00 Uhr
Sonderführungen auf Anfrage unter: +49(0)69-605098-200 oder info@staedelmuseum.de.
Weitere Programmangebote unter www.staedelmuseum.de

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