Städel Museum startet einzigartiges digitales Angebot zur Förderung von Lebensqualität, kultureller Teilhabe und emotionalem Wohlbefinden von Betroffenen
Mit ARTEMIS Digital präsentiert das Städel Museum in Kooperation mit dem Arbeitsbereich Altersmedizin am Institut für Allgemeinmedizin der Goethe-Universität Frankfurt ein neues digitales Angebot, das die Lebensqualität und die kulturelle Teilhabe von Menschen mit leichter bis mittelgradiger Demenz fördern soll. Die kostenfreie webbasierte Anwendung lädt Betroffene und ihre Begleitpersonen ab dem 9. Dezember 2025 ein, unter artemis.staedelmuseum.de die Kunstwerke der Städel Sammlung auf eine neue, interaktive Weise zu entdecken – flexibel und unabhängig von Zeit und Ort. ARTEMIS Digital ist das erste digitale, kunstbasierte Vermittlungsformat für Menschen mit Demenz im deutschsprachigen Raum.
Angesichts der steigenden Zahl an Demenzerkrankungen wächst der Bedarf an Interventionsangeboten, die über die medizinische Versorgung hinausreichen. Kunst kann neue Verständnisebenen eröffnen und anhand von Farben, Formen und Motiven bei Menschen mit Demenz Erinnerungen wecken sowie emotionale Resonanzräume schaffen. Das Projekt ARTEMIS (ART Encounters: Museum Intervention Study) des Städel Museums und der Goethe-Universität Frankfurt wurde bereits 2014 initiiert. Seitdem bietet es demenzbetroffenen Menschen ein barrierearmes Kunstvermittlungsangebot anhand von Führungen in der Dauerausstellung und anschließender kreativer Atelierarbeit. Eine begleitende Studie zeigte deutliche Verbesserungen der neuropsychiatrischen Symptomatik sowie des emotionalen Wohlbefindens und der Lebensqualität.
ARTEMIS Digital wurde als Folgeprojekt des Führungs- und Workshop-Programms entwickelt, um den Zugang zu Kunst und kreativer Betätigung auch Menschen mit eingeschränkter Mobilität zu eröffnen. Vier geführte „Kunstreisen“ innerhalb der neuen Anwendung, jeweils ergänzt durch einfache Anleitungen zum eigenen kreativen Gestalten, steigern die Selbstwirksamkeit der Betroffenen und stärken gleichzeitig die Beziehung zwischen ihnen und ihren Begleitpersonen. Der interdisziplinäre Ansatz von ARTEMIS Digital vereint medizinische Kompetenz mit der Expertise digitaler Kunstvermittlung. Die Entwicklung erfolgte schrittweise und unter Einbeziehung der Zielgruppe. Das webbasierte Baukastensystem von ARTEMIS Digital erlaubt eine flexible Erweiterung und macht es zu einem zukunftsweisenden, nachhaltigen Modell für kultur- und kreativtherapeutische Ansätze, die gesellschaftliche Teilhabe stärken. Begleitet wird ARTEMIS Digital von einer wissenschaftlichen Studie der Goethe-Universität.
Philipp Demandt, Direktor des Städel Museums: „Demenz erhält in unserer Gesellschaft noch immer zu wenig Aufmerksamkeit. Mit ARTEMIS Digital setzt das Städel Museum ein deutliches Zeichen für Inklusion und kulturelle Teilhabe und erweitert zugleich seine digitalen Vermittlungsangebote. Kunst kann Erinnerungen wachrufen, Emotionen wecken und Verständigung jenseits von Sprache ermöglichen – eine Wirkung, die wir als Museum gezielt erschließen möchten. ARTEMIS Digital zeigt, wie Kultur Menschen mit Demenz Teilhabe, Selbstwirksamkeit und sinnliche Erfahrung eröffnen kann und damit zugleich einen gesellschaftlich bedeutsamen Beitrag leistet.“
Johannes Pantel, Leiter des Arbeitsbereichs Altersmedizin der Goethe-Universität Frankfurt, ergänzt: „Unsere Forschung zeigt klar: Kunstinterventionen können bei Menschen mit Demenz die Lebensqualität signifikant verbessern, sinnstiftende Kommunikation ermöglichen und pflegende Angehörige entlasten. Damit erhält und fördert ARTEMIS Digital nicht nur vorhandene Fähigkeiten und verbessert die Beziehung zwischen Betroffenen und ihren Betreuungspersonen, sondern ermöglicht kreative und aktivierende Kunsterfahrungen auch für all jene, die das Museum nicht besuchen können.“
Kooperationspartner: Lehrstuhl für Altersmedizin, Goethe-Universität Frankfurt
Abrufbar unter: artemis.staedelmuseum.de
Projektleitung: Dr. Chantal Eschenfelder, Prof. Dr. Johannes Pantel
Projektmanagement: Alexandra Reißer, Anna Huber, Freya Schlingmann
Konzeption: Anne Dribbisch, Anna Huber, Antje Lindner, Alexandra Reißer, Dr. Arthur Schall, Dr. Valentina Tesky
Wissenschaftliche Beratung (Psychogeriatrie und klinische Gerontologie): Dr. Arthur Schall, Dr. Valentina Tesky
Gefördert durch: Familie Schambach-Stiftung
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