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The Encryption Garden - Soundinstallation im Städel Garten 2.7.2014

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Sommerferienprogramm 2014 1.7.2014

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Open Air Kino im Städel Garten geht in die zweite Runde 26.6.2014

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Lichtbilder. Fotografie im Städel Museum von den Anfängen bis 1960 16.6.2014

Im Jahr 1845 war das Frankfurter Städel Museum das erste Kunstmuseum weltweit, das Fotografien ausstellte. Nur sechs Jahre zuvor wurde die Erfindung des neuen Mediums in Paris bekanntgegeben – ein Ereignis, das sich 2014 zum 175. Mal jährt. Mit „Lichtbilder. Fotografie im Städel Museum von den Anfängen bis 1960“ wird den wichtigsten Tendenzen der europäischen Fotokunst nun eine umfassende Sonderausstellung gewidmet, die an jene Ausstellungstradition anknüpft und die unlängst umfangreich erweiterten Fotobestände im Bereich Kunst der Moderne des Städel präsentiert. Neben Pionieren wie Nadar, Gustave Le Gray, Roger Fenton und Julia Margaret Cameron zeigt die Schau vom 9. Juli bis 5. Oktober 2014 Fotografie-Heroen des 20. Jahrhunderts wie August Sander, Albert Renger-Patzsch, Man Ray, Dora Maar oder Otto Steinert, lenkt den Blick aber auch auf fast vergessene Fotografen. Die Ausstellung gibt nicht nur einen Überblick über den Sammlungsbereich der frühen Fotografie im Städel und die Erwerbungen der letzten Jahre, sondern veranschaulicht zugleich die Geschichte des Mediums von seinen Anfängen bis 1960.

„Die Präsentation von künstlerischer Fotografie in einem Kunstmuseum erscheint uns noch relativ neu, und doch hat es im Städel ab 1845 bereits erste Fotoausstellungen gegeben. Es ist uns eine besondere Freude, auf diese Pioniertat hinzuweisen und mit der ,Lichtbilder‘-Ausstellung nun erstmals einen Einblick in unsere Sammlung früher Fotografie zu ermöglichen, die in den vergangenen Jahren mit Ankäufen und großzügigen Schenkungen entscheidend ausgebaut werden konnte“, so Max Hollein, Direktor des Städel.

Felix Krämer, einer der beiden Kuratoren der Schau, macht deutlich: „Mit ‚Lichtbilder‘ möchten wir zu einer intensiveren Beschäftigung mit der vielseitigen Geschichte des spannenden und auch heute noch oftmals unterschätzten Mediums Fotografie anregen.“

Die erste Erwähnung einer Fotoausstellung im Städel Museum erfolgte 1845 in Form einer Anzeige im Frankfurter „Intelligenz Blatt“, dem amtlichen Mitteilungsblatt der Stadt. Es handelt sich hierbei um die früheste bekannte Notiz über eine Fotoausstellung in einem Kunstmuseum weltweit. In dieser Ausstellung waren Porträtaufnahmen des heute nahezu vergessenen Frankfurter Fotografen Sigismund Gerothwohl zu sehen, der eines der ersten Fotoateliers der Stadt betrieb. Fotografien gehörten im Städel Museum, wie in vielen anderen Institutionen auch, zur Lehrsammlung: In den 1850er-Jahren begann der damalige Städel-Direktor Johann David Passavant, Fotografien für das Haus zu sammeln. Neben Kunstreproduktionen umfasste die Sammlung Genreszenen, Landschaften und Stadtveduten von namhaften Protagonisten der Fotografie wie Maxime Du Camp, Wilhelm Hammerschmidt, Carl Friedrich Mylius oder Giorgio Sommer. Eine Schau mit Ansichten von Venedig war 1852 die erste Fotografieausstellung aus dem eigenen Bestand.

Handelte es sich bei den Fotografien, die das Städel im 19. Jahrhundert ausstellte, um zeitgenössische Arbeiten, nimmt die Schau „Lichtbilder“ die Entwicklung der künstlerischen Fotografie in den Fokus. Ausgehend von den Fotobeständen des Museums, die durch die Erwerbungen bedeutender Konvolute von Uta und Wilfried Wiegand in 2011 sowie Annette und Rudolf Kicken in 2013 signifikant ausgebaut werden konnten und auch weiterhin durch Ankäufe ergänzt werden, spannen neun chronologisch gegliederte Kapitel einen Bogen von den Anfängen der Papierfotografie in den 1840er Jahren bis hin zu den Bildexperimenten der Gruppe fotoform der 1950er Jahre.

Im Eingangsbereich der Ausstellung empfängt den Besucher zunächst eine Auswahl von Raffael-Reproduktionen, die das Städel 1859 und 1860 in Ausstellungen präsentierte. Sie zeigen Gesamtansichten und Details der Raffael-Kartons, die dieser als Vorlagen für die Wandteppiche in der Sixtinischen Kapelle angefertigt hatte. Der Kunstinteressierte brauchte nicht mehr nach England zu reisen, um die Kartons Raffaels in Hampton Court zu bestaunen, sondern konnte die Meisterwerke nun anhand großformatiger Fotografien im Städel in Augenschein nehmen.

Der folgende Ausstellungsraum ist den Pionieren der Fotografie der 1840er und -60er Jahre gewidmet. Nach der Bekanntgabe der Erfindung des neuen Mediums 1839 galt es, die Welt durch das fotografische Bild zu erobern. Das Streben des Bürgertums nach Selbstdarstellung im Sinne aristokratischer Gepflogenheiten ließ fotografische Bildnisse bald zu einem lukrativen Geschäft werden und die Zahl der Fotoateliers in den europäischen Großstädten stetig ansteigen. Bauwerke und historische Denkmäler, Kunstschätze sowie prominente Persönlichkeiten wurden festgehalten und dem Publikum zugänglich gemacht. Etliche Fotografen wie Édouard Baldus, die Brüder Bisson, Frances Frith, Wilhelm Hammerschmidt und Charles Marville machten sich auf die Reise, um die kulturhistorischen Stätten Europas und des Nahen Ostens „abzulichten“ und damit die Zeugnisse der Vergangenheit ins Bild zu bannen.

Zu den erfolgreichsten Fotografen dieses Genres zählt der aus Frankfurt stammende Georg Sommer, der 1856 nach Italien zog und sich dort als Giorgio Sommer einen Namen machte. Das zweite Ausstellungskapitel behandelt das Bild Italiens als Sehnsuchtsort, gekennzeichnet durch die erhabene mediterrane Landschaft und das Erbe der Antike. Jenes Bild wäre jedoch nicht vollständig ohne Aufnahmen, die den Blick auf das einfache Leben der italienischen Bevölkerung richten. Die oftmals gestellten Genreszenen waren beliebte Souvenirs, weil sie die Erwartungen der Reisenden bestätigten, südlich der Alpen sei eine vorindustrielle und somit ursprüngliche Lebenswelt vorzufinden. Konfrontiert mit den Herausforderungen des Klimas, der langen Belichtungszeiten und der aufwendigen Entwicklung, suchten Fotografen stetig nach technischen Optimierungen, wie im dritten Kapitel der Präsentation deutlich wird: Léon Vidal oder Carlo Naya experimentierten mit Farbfotografie, Eadweard Muybridge mit der Aufnahme von Bewegungsabläufen und die Königlich Preußische Messbild-Anstalt mit großformatigen „Mammutfotografien“.

Im Laufe der Jahre traten die technischen Aspekte der professionellen Fotografie immer stärker in den Vordergrund, während die Bildsprache im Wesentlichen unverändert blieb. Das Ausstellungskapitel zur Kunstfotografie führt vor, wie begeisterte Fotoamateure das Medium Ende des 19. Jahrhunderts auch unter einer ästhetischen Prämisse weiterentwickelten. Hatten die Berufsfotografen bis dato unter dem Eindruck der Malerei bevorzugt auf Genreszenen und andere populäre Motive zurückgegriffen, wollten die sogenannten Piktorialisten den Kunstwert des Mediums stärken. Stimmungslandschaften, Märchenszenen oder stilisierte Stillleben wurden als subjektive Eindrücke abgebildet. Julia Margaret Cameron setzte effektvoll Schärfe und Unschärfe in ein dialogisches Spannungsverhältnis, Heinrich Kühn verwendete Gummidrucke oder Bromöldrucke, um malerische Effekte zu kreieren.

Mit Ende des Ersten Weltkrieges erstarkte eine neue Generation von Fotografen, welche die von den Piktorialisten etablierten Ansprüche hinterfragte und deren Arbeiten im Mittelpunkt des nächsten Raumes stehen: Statt in den Prozess der fotografischen Entwicklung einzugreifen, widmete man sich analog zu Ansätzen in der Malerei der Neuen Sachlichkeit einer nüchternen Bildgestaltung und suchte ein „Neues Sehen“ zu begründen. Der Blick sollte nicht länger, wie etwa in den Italienbildern, sehnsuchtsvoll in die Ferne schweifen, sondern direkt und unvermittelt das zeigen, was in der Gesellschaft geschah. Die nüchternen und strengen Fotografien August Sanders und Hugo Erfurths erfüllen dieses künstlerische Credo. Ein weiteres Augenmerk legt die Ausstellung auf die frühe Fotopublizistik und die Entwicklung der Massenmedien. Neben dokumentarischen Fotografien des Autodidakten Erich Salomon werden auch Heinrich Hoffmanns Aufnahmen von Adolf Hitler gezeigt, die 2013 für die Sammlung des Städel angekauft wurden. Waren Letztere ursprünglich von Hitler in Auftrag gegeben, ließ er später den Nachdruck der Aufnahmen verbieten. Tatsächlich entlarven Hoffmanns Bilder die leere Pose des Porträtierten Diktators. In einem eigenen Raum behandelt die Ausstellung das Werk Albert Renger-Patzschs, der sich in seinen formal strengen Arbeiten konsequent mit dem objektiven Abbilden von Natur und Technik auseinandersetzte.

Konträre Interessen verfolgten hingegen die vom Surrealismus inspirierten Fotografen, aber auch die Repräsentanten der tschechischen Fotoavantgarde, die im Zentrum der beiden folgenden Ausstellungsräume stehen. Im Ausstellungskapitel zur surrealistischen Fotografie oszillieren die fotografischen Werke zwischen Fiktion und Wirklichkeit, legen fotografische Experimente bizarre Aspekte der Welt offen. Anhand skurriler Effekte oder überraschender Motivkombinationen suchten Künstler wie Brassaï, André Kertész, Dora Maar, Paul Outerbridge und Man Ray das Ungewöhnliche im Vertrauten. Die tschechischen Fotografen der Zwischenkriegszeit hingegen interessierten sich für die Möglichkeiten einer abstrakten und konstruktivistischen Fotografie. In ihren teils symbolistisch anmutenden Arbeiten geht es um eine Ästhetisierung der erlebten Welt.

Der letzte Teil der Ausstellung ist Otto Steinert und der Gruppe fotoform gewidmet. Er veranschaulicht, wie Steinert und die Mitglieder der Künstlergruppe nach 1945 auf die Experimente der fotografischen Vorreiter der 1920er Jahre Bezug nehmen und sich von der propagandistischen und heroisierenden Verwendung der Fotografie während der Zeit des Nationalsozialismus abgrenzen. Die Fotografen Peter Keetman, Siegfried Lauterwasser, Wolfgang Reisewitz, Toni Schneiders, Otto Steinert und Ludwig Windstosser, die sich 1949 zur Gruppe fotoform zusammengeschlossen hatten, rückten die individuelle Perspektive des Fotografen in den Vordergrund und prägten damit den Begriff „subjektive fotografie“.

Die Schau ergänzt die seit der Neueröffnung des Städel Museums 2011 praktizierte gemeinsame Präsentation von Fotografie, Malerei und Skulptur, die auch während und nach „Lichtbilder“ fortgeführt wird, um deutlich zu machen, welch entscheidende Position der Fotografie seit ihren Anfängen in der kunsthistorischen Bildtradition zukommt. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog, der – wie auch die Ausstellungsarchitektur – die besondere Farbigkeit der schwarz-weiß gehandelten Fotografien in den Vordergrund rückt. Die subtilen Grautöne spiegeln sich nicht nur in den Werkabbildungen und der farblichen Gestaltung der Katalogkapitel wider, sondern werden auch im Ausstellungsraum aufgegriffen. Dort sind die Besucher umgeben von einer durch und durch grauen Ausstellungsarchitektur, die deutlich macht, dass Grau nicht gleich Grau ist. Dazu Kuratorin Felicity Grobien: „In der Ausstellung wird sichtbar, wie vielfarbig die Abzüge sind – denn entgegen den Erwartungen, die gegenüber Schwarz-Weiß-Fotografie bestehen, sind in den Werken unterschiedlichste subtile Farbnuancen zu entdecken, die die Besonderheit der Aufnahmen betonen.“

LICHTBILDER. FOTOGRAFIE IM STÄDEL MUSEUM VON DEN ANFÄNGEN BIS 1960

Kuratoren: Felicity Grobien, Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Kunst der Moderne, Städel Museum; Dr. Felix Krämer, Leiter der Sammlung Kunst der Moderne im Städel Museum
Ausstellungsdauer: 9. Juli bis 5. Oktober 2014
Pressevorbesichtigung: Dienstag, 8. Juli, 11.00 Uhr

Information: www.staedelmuseum.de, info@staedelmuseum.de, Telefon +49(0)69-605098-0, Fax +49(0)69-605098-111
Ort: Städel Museum, Schaumainkai 63, 60596 Frankfurt am Main

Öffnungszeiten: Di, Mi, Sa und So 10.00–18.00 Uhr, Do und Fr 10.00–21.00 Uhr
Sonderöffnungszeiten: Fr, 3. Oktober 2014, 10.00–18.00 Uhr
Eintritt: 12 Euro, ermäßigt 10 Euro, Familienkarte 20 Euro; samstags, sonn- und feiertags 14 Euro, ermäßigt 12 Euro, Familienkarte 24 Euro; freier Eintritt für Kinder bis zu 12 Jahren;
Gruppen ab 10 Personen: 10 Euro/Person; samstags, sonn- und feiertags 12 Euro/Person.
Für Gruppen ist vorab eine Anmeldung erforderlich.
Kartenvorverkauf unter: tickets.staedelmuseum.de

Katalog: Zur Ausstellung erscheint ein Katalog, herausgegeben von Felix Krämer und Max Hollein. Mit einem Vorwort von Max Hollein, Essays von Felicity Grobien, Felix Krämer, Eberhard Mayer-Wegelin und Wilfried Wiegand sowie Beiträgen von Ingo Borges, Kristina Lemke und Brigitte Sahler. Erscheint im Eigenverlag, 192 Seiten, zweisprachige Ausgabe (Deutsch und Englisch), 24,90 Euro.

Social Media: Das Städel Museum kommuniziert die Ausstellung in den sozialen Medien mit dem Hashtag #lichtbilder.

Überblicksführungen durch die Ausstellung: Donnerstags 19.00 Uhr, samstags 11.00 Uhr, sonntags 15.00 Uhr
Sonderführungen auf Anfrage unter: +49(0)69-605098-200 oder info@staedelmuseum.de.
Weitere Programmangebote unter www.staedelmuseum.de

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Veranstaltungsprogramm Juli 2014 10.6.2014

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Jahresbericht 2013 1.6.2014

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Stil und Vollendung. Hendrick Goltzius und die manieristische Druckgrafik in Holland 19.5.2014

Das Frankfurter Städel Museum zeigt vom 4. Juni bis zum 14. September 2014 eine hochkarätige Auswahl niederländischer Druckgrafiken aus dem späten 16. und frühen 17. Jahrhundert. Im Mittelpunkt der Sonderausstellung stehen etwa 65 Werke des Künstlers Hendrick Goltzius (1558–1617), eines der virtuosesten Zeichner und Druckgrafiker um 1600. Sein Œuvre zeichnet sich durch hochgebildete und gesucht komplexe Inhalte sowie eine extrem stilisierte Formgebung aus und erlangte dank internationaler Verbreitung seiner Kupferstiche in ganz Europa Berühmtheit. Insgesamt präsentiert die Ausstellung „Stil und Vollendung. Hendrick Goltzius und die manieristische Druckgrafik in Holland“ rund 100 Druckgrafiken und vier ergänzende Zeichnungen aus dem Bestand des Städel Museums in der Ausstellungshalle der Graphischen Sammlung. Neben zentralen Arbeiten von Goltzius sind mit Jan Harmensz. Muller (1571–1628), Jan Saenredam (1565–1607), Jacques de Gheyn II. (1565–1629) und Jacob Matham (1571–1631) wichtige Künstler aus seinem Umkreis vertreten.

Der 1558 in der Nähe des heutigen Venlo in den Niederlanden geborene Hendrick Goltzius war einer der letzten großen Meister des Kupferstichs, bevor diese Technik im 17. Jahrhundert hinter die flexiblere und persönlichere Radierung zurücktrat. Er stammte aus einer eher bescheidenen Künstlerfamilie am Niederrhein und arbeitete nach seiner Ausbildung zum Kupferstecher für angesehene Druckgrafikverlage in Antwerpen, bevor er 1582 seinen eigenen Verlag in Haarlem gründete. Goltzius steht, obwohl er als ein Künstler des späten Manierismus stilistisch weit vom realistischen Barock des 17. Jahrhunderts entfernt ist, auch am Beginn des holländischen „Goldenen Zeitalters“.

Neben der technischen Perfektion liegt eine weitere besondere Qualität der Kunst Hendrick Goltzius’ in ihrem hohen Grad an Reflexion. Er war nicht nur Druckgrafiker, sondern von Anfang an auch Zeichner, der die Kompositionen für seinen Verlag selbst entwarf. Goltzius pflegte engen Umgang mit den bedeutendsten Künstlern Hollands und vor allem mit dem wichtigsten Kunsttheoretiker der Zeit, Karel van Mander (1548–1606). Diese Verbindungen, die mit Bemühungen um eine akademische Professionalisierung der Kunst in den Niederlanden einhergingen, brachten ihn in Kontakt mit Bartholomäus Spranger (1546–1611), dem einflussreichen Hofmaler des römisch-deutschen Kaisers in Prag. Goltzius entwickelte eine Kupferstichtechnik, die den eleganten, gezierten und figurenbetonten Manierismus Sprangers in das druckgrafische Medium übertrug. Seine grafischen Mittel bestehen aus virtuosen, kunstvoll an- und abschwellenden Linien und biegsamen Schraffuren, welche die Plastizität der Formen betonen und eine eigene kalligraphische Qualität entfalten. In der Spranger’schen Kunst stehen die Figuren – elegante Frauen und muskulös heroische Männer – im Zentrum; die Themen schwanken zwischen Religion und gebildeter, oft erotisch gefärbter Mythologie. Goltzius’ eigene Entwürfe in diesem Stil heben insbesondere den heroischen Aspekt der Figuren hervor, etwa in der Folge Die Römischen Helden (1586) oder im Fall von Der große Herkules (1589).

Durch die Arbeiten nach Spranger wurde Hendrick Goltzius zur internationalen Berühmtheit; sein Verlag produzierte die inhaltlich und technisch hochwertigsten Grafiken seiner Zeit. Den Spranger’schen Stil gab er selbst zwar nach wenigen Jahren wieder auf, dessen übereleganten Manierismus führte jedoch Goltzius’ Schüler Jan Harmensz. Muller weiter, der die kunstvolle grafische Sprache noch steigerte, etwa mit schillernden Moiré-Effekten in den Schraffuren. Goltzius, der immer wieder mit neuen Techniken und Formen experimentierte – so zum Beispiel mit dem Farb- oder Helldunkel-Holzschnitt – wandte sich durch die Eindrücke einer Italienreise in den Jahren 1590 und 1591 einer beruhigteren, klaren, an Antike und italienischer Renaissance geschulten Formensprache zu. Beispiel dafür sind die großen Kupferstiche nach antiken Skulpturen wie der Herkules Farnese von 1592. In den 1590er-Jahren trat zudem eine intensive Auseinandersetzung mit den alten Meistern in den Vordergrund; besonders beschäftigte sich Goltzius mit der Druckgrafik von Albrecht Dürer und Lucas van Leyden. Mit seinen sogenannten „Meisterstichen“ suchte der Niederländer vor dem Hintergrund der „Aemulatio“ – des Nachahmens und Übertreffens der Vorbilder – seinen Rang als den großen Meistern ebenbürtiger, ihnen sogar überlegener Künstler zu demonstrieren. Neben den selbst gestochenen, oft programmatischen Druckgrafiken dieser Zeit ließ er seine einfallsreichen Kompositionen hauptsächlich von Werkstattmitarbeitern, vor allem Jacob Matham und Jan Saenredam, ausführen. Um 1600 überließ Goltzius die Führung des Verlags seinem Stiefsohn Jacob Matham, gab die Beschäftigung mit der Druckgrafik auf und konzentrierte sich bis zu seinem Tod 1617 auf das Malen.

Die Graphische Sammlung im Städel Museum kann das druckgrafische Werk von Goltzius und seinem Umkreis umfassend aus dem eigenen, sehr guten Bestand vorstellen. Die im Städel Museum bewahrten Werke gehen zu einem Teil auf die Gründungssammlungen des Instituts von Johann Friedrich Städel (1728–1816) und Johann Georg Grambs (1756–1817), des ersten Administrationsvorsitzenden der Stiftung, zurück. Sie wurden im 19. Jahrhundert zielgerichtet durch Johann David Passavant (1787–1861), den Leiter der Städelschen Sammlungen, ergänzt. Ein Teil der Grafiken stammt ferner aus dem Nachlass des Senators Johann Karl Brönner (1738–1812), eines Zeitgenossen von Städel. Neben ausgezeichneten Exemplaren der wichtigsten Kupferstiche und Holzschnitte von Hendrick Goltzius verfügt die Graphische Sammlung auch über seltene Probedrucke von Jan Muller, die einen aufschlussreichen Einblick in die Arbeitstechnik der Kupferstecher geben. Einige Zeichnungen von Goltzius, ebenfalls aus den eigenen Beständen des Städel, ergänzen die Präsentation.

„Stil und Vollendung. Hendrick Goltzius und die manieristische Druckgraphik in Holland“ knüpft an frühere Ausstellungen zur alten Druckgrafik an, die im Städel Museum gezeigt werden konnten. Die Werke von Goltzius schließen kunsthistorisch eine Lücke zwischen den Druckgrafiken des frühen 16. Jahrhunderts, so des in den Niederlanden sehr einflussreichen Lucas van Leyden (ausgestellt 2006) oder denen von Albrecht Dürer (ausgestellt 2007), und den Druckgrafiken des 17. Jahrhunderts, etwa von Jacques Callot (ausgestellt 2002), Rembrandt (ausgestellt 2003 und 2013) oder Claude Lorrain (ausgestellt 2012). Ziel dieser Ausstellungen – so auch der gegenwärtigen – ist es, die Besucher des Städel Museums mit den technischen Besonderheiten, den spezifischen gestalterischen Bedingungen und Möglichkeiten, der individuellen und gesellschaftlichen Funktion, den Qualitätsmerkmalen, kurz: mit der Bedeutung und der Schönheit des Bildmediums Druckgrafik vertraut zu machen.

STIL UND VOLLENDUNG. HENDRICK GOLTZIUS UND DIE MANIERISTISCHE DRUCKGRAFIK IN HOLLAND

Kurator: Dr. Martin Sonnabend, Leiter Graphische Sammlung bis 1750
Wissenschaftliche Mitarbeit: Annett Gerlach, Städel Museum

Ort: Städel Museum, Schaumainkai 63, 60596 Frankfurt
Ausstellungsdauer: 4. Juni bis 14. September 2014

Information: www.staedelmuseum.de, info@staedelmuseum.de, Telefon +49(0)69-605098-0, Fax +49(0)69-605098-111
Öffnungszeiten Städel Museum: Dienstag, Mittwoch, Samstag und Sonntag 10.00–18.00 Uhr; Donnerstag und Freitag 10.00–21.00 Uhr
Öffnungszeiten Studiensaal, Graphische Sammlung: Mittwoch, Freitag 14.00–17.00 Uhr; Donnerstag 14.00–19.00 Uhr. Der Studiensaal macht vom 6. bis 29. August 2014 Sommerpause.
Eintritt:12 Euro, ermäßigt 10 Euro, Familienticket 20 Euro; freier Eintritt für Kinder bis zu 12 Jahren; Samstag, Sonn- und Feiertag 14 Euro, ermäßigt 12 Euro, Familienticket 24 Euro
Kartenvorverkauf unter: tickets.staedelmuseum.de

Überblicksführungen durch die Ausstellung: Freitags 19.00 Uhr, samstags 15.00 Uhr
Sonderführungen auf Anfrage unter: +49(0)69-605098-200, info@staedelmuseum.de. Weitere Programmangebote unter www.staedelmuseum.de

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Bereits 100.000 Besucher sahen Nolde im Städel 12.5.2014

Im Rahmen der Nacht der Museen, die am vergangenen Samstag mit großem Erfolg stattfand, konnte das Städel Museum den 100.000sten Besucher in der Emil Nolde Retrospektive begrüßen. Die umfangreiche Ausstellung begeistert mit zahlreichen neuen Perspektiven auf das Leben und Werk eines der bedeutendsten deutschen Expressionisten bislang durchschnittlich mehr als 1.500 Besucher pro Tag. Die Vielfalt von Noldes Œuvre – gezeigt wird auch sein in vergangenen Ausstellungen oft weniger beachtetes Früh- und Spätwerk – wird in Gemälden, Aquarellen und Druckgrafiken aus allen Schaffensphasen des Künstlers deutlich.

„Seit mehr als 25 Jahren bot sich in Deutschland nicht die Gelegenheit eine solch dichte und abwechslungsreiche Auswahl von Emil Noldes Schaffen zu sehen. Wir freuen uns sehr, dass die Ausstellung ein so breites Publikum anzieht und wir die Neugierde vieler Menschen wecken und zur Diskussion sowohl in der Presse als auch in Fach- und Besucherwelt anregen können“, so Direktor Max Hollein über die groß angelegte Städel Ausstellung.

Das Gesamtwerk Noldes in seiner faszinierenden, vor Farbigkeit strotzenden wie dunklen Seite spiegelt auch das vielfältige und zahlreich genutzte Vermittlungsprogramm der Ausstellung wider. Die Vorträge zu Noldes NS-Vergangenheit sowie seiner Mitgliedschaft in der Künstlervereinigung „Brücke“ ermöglichten tiefe Einblicke in Leben und Werk, wohingegen die lange Nolde-Nacht („Berliner Revue“) viele Besucher zum ausgelassenen Kunst- und Tanzerlebnis rund um die 10er- und 20er-Jahre einlud. An vier Terminen pro Woche können Nolde-Interessierte auch während der letzten fünf Ausstellungswochen an Überblicksführungen teilnehmen. Das Rahmenprogramm hält darüber hinaus weitere Höhepunkte bereit, darunter den Städel Dialog zum Thema „Die Kraft von Licht und Farbe. Impressionismus trifft auf Expressionismus“ am Donnerstag, den 15. Mai 2014, um 19.00 Uhr, sowie im Literaturhaus Frankfurt die letzte Veranstaltung der „Deutschstunden. Autoren über Emil Nolde“ mit Kathrin Schmidt und Jacques Palminger am Mittwoch, den 11. Juni 2014, um 19.30 Uhr.

Nach ihrer Präsentation in Frankfurt wird die vom Städel Museum konzipierte Schau vom 4. Juli bis 19. Oktober 2014 im Louisiana Museum of Modern Art in Humlebæk, Dänemark zu sehen sein.

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Veranstaltungsprogramm Juni 2014 9.5.2014

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Erwin Wurm: One Minute Sculptures 6.5.2014

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