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Bilder & Texte

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Veranstaltungsprogramm Januar 2015 3.12.2014

Veranstaltungsprogramm Januar 2015

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"Queens of Minimal": Hanne Darboven & Chloé im Städel 25.11.2014

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Goethe-Universität und Städel Museum starten medizinisches Pilotprojekt für Menschen mit Demenz 17.11.2014

Das Städel Museum und der Arbeitsbereich Altersmedizin der Goethe-Universität Frankfurt am Main haben ein medizinisches Pilotprojekt für Menschen mit Demenz gestartet. ARTEMIS (ART Encounters: a Museum Intervention Study) ist die erste umfassende wissenschaftliche Studie zur interaktiven Kunstvermittlung und den therapeutischen Potenzialen von Kunsttherapie bei Demenz im deutschsprachigen Raum. Im Rahmen des Projekts wird untersucht, welchen Beitrag regelmäßige Museumsbesuche und die interaktive Beschäftigung mit Kunst leisten können, um das emotionale Wohlbefinden und das Kommunikationsverhalten von Menschen mit leichter bis mittelgradiger Demenz zu steigern und die Beziehung zu ihren betreuenden Angehörigen zu verbessern. Zudem soll auf diese Weise Menschen mit Demenz und ihren durch die Pflege eingebundenen Angehörigen ein Stück gesellschaftliche Teilhabe und soziale Integration ermöglicht werden.

Das durch die Familie Schambach-Stiftung geförderte Projekt wurde heute gemeinsam von Prof. Dr. Johannes Pantel, Leiter des Arbeitsbereichs Altersmedizin an der Goethe-Universität Frankfurt, dem Frankfurter Oberbürgermeister und Schirmherrn des Projekts, Peter Feldmann, Städel-Direktor Max Hollein sowie Dr. med. Hansjörg Werner, Vorstandsmitglied der Familie Schambach-Stiftung, im Städel Museum vorgestellt.

„Die Begegnung mit Kunst ist Teil unserer Kultur. Dass Menschen mit Demenz in vielerlei Hinsicht hiervon profitieren können, scheint erst einmal intuitiv richtig. Bislang steht der wissenschaftliche Nachweis allerdings noch aus. Dieser ist jedoch eine wichtige Voraussetzung für eine breite Anwendung und soll durch das ARTEMIS-Projekt erstmalig erbracht werden“, so Pantel.

Peter Feldmann, Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt am Main, hat die Schirmherrschaft für das Projekt übernommen. „Ich freue mich sehr, dass die Umsetzung des Projekts ARTEMIS in Frankfurt realisiert werden kann und dass das Städel als Kooperationspartner gewonnen werden konnte. In unserer Stadt leben viele Menschen mit Demenz, und dieses Projekt stellt eine enorme Bereicherung dar. Durch die Teilnahme am Projekt können Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen positive Erfahrungen machen und auch persönliche Entlastung erfahren. Darüber hinaus leisten sie auch einen wichtigen Beitrag zur wissenschaftlichen Forschung. Ich hoffe, dass wir das Projekt nachhaltig in die Frankfurter Museumskultur integrieren können und so vielen Frankfurter Bürgerinnen und Bürgern, die von Demenz betroffen sind, über die Projektdauer hinaus einen Zugang zur Kultur ermöglichen können“, sagt Feldmann.

„Wir freuen uns ausgesprochen darüber, kultureller Kooperationspartner dieses wichtigen Projekts zu sein. Das Städel Museum bietet bereits ein breit gefächertes, sehr differenziertes Vermittlungsangebot für verschiedenste Besuchergruppen. Nun können wir auch Menschen mit Demenzerkrankungen und ihren Angehörigen besondere Kunsterlebnisse ermöglichen“, führt Hollein aus.

Gefördert wird das Projekt durch die Familie Schambach-Stiftung. „Die Familie Schambach-Stiftung fördert das Projekt, weil die Förderung regionaler Projekte auf dem Gebiet der Altersforschung ein wichtiger Teil des Stiftungszwecks ist, und weil gerade auf dem Gebiet der Demenzforschung hoher Forschungsbedarf besteht. Das Bedeutsame an diesem Projekt ist, dass nicht die Defizite der Menschen mit Demenz im Vordergrund stehen. ARTEMIS hat zum Ziel, durch Kunstbetrachtung die erhaltenen Fähigkeiten der Menschen mit Demenz zu wecken, zu fördern und Teilnehmer zu eigener Kreativität anzuregen“, so Werner.

Das Projekt ist für die Dauer von zwei Jahren angelegt. Der Auftakt fand im Oktober 2014 statt. Zwei Teilnehmergruppen, bestehend aus insgesamt sieben Demenzpatienten und je einem begleitenden Angehörigen, nehmen seitdem an etwa einstündigen thematischen Führungen durch speziell geschulte Kunstvermittler des Museums teil. Im Anschluss daran wird in den Städel Atelierräumen kreativ gearbeitet. Für das Jahr 2015 sind weitere Durchführungen geplant, für die noch Teilnehmer gesucht werden. Die Teilnahme an der Studie ist für die Studienteilnehmer kostenfrei und setzt keine künstlerische Begabung voraus. Bewusst werden verschiedene künstlerische Techniken in die Atelierarbeit aufgenommen: Collagen, Malerei, einfache Drucktechniken und Arbeiten mit Ton. Die Aufgaben sind so angelegt, dass die an Demenz erkrankte Person und ihr Begleiter miteinander in einen kreativen Austausch treten können.

Durch kreativ-therapeutische Ansätze wie Kunst- oder Musiktherapie können noch vorhandene kommunikative Potenziale gefördert und alternative Zugangswege zur Erlebniswelt von Menschen mit Demenz erschlossen werden. Für die Musiktherapie gibt es inzwischen eindeutige Wirksamkeitsbelege, insbesondere im Hinblick auf die Verbesserung des situativen Wohlbefindens und bestimmter Kommunikationsaspekte der Betroffenen. Für die Kunsttherapie stehen solche Beweise noch aus. Dies inspirierte die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Johannes Pantel, Leiter des Arbeitsbereichs Altersmedizin an der Goethe-Universität Frankfurt, zu dem wissenschaftlich begleiteten ARTEMIS-Projekt.

Das ARTEMIS-Projekt ist die erste randomisierte und kontrollierte Studie zum Einfluss von Museumsbesuchen und künstlerischer Betätigung auf das emotionale Befinden von Menschen mit Demenz. Vor und nach dem Museumsbesuch werden in einer Kurzbefragung Daten zur Stimmung und zum Gedächtnis der Menschen mit Demenz erhoben. Die Studie vergleicht erstmals mithilfe einer Interventionsgruppe und einer Kontrollgruppe die Auswirkungen der interaktiven Auseinandersetzung mit Kunst im demenziellen Kontext. Die Zuteilung zu einer von beiden Gruppen erfolgt nach dem Zufallsprinzip. Die Teilnehmer in der Kontrollgruppe erhalten ebenfalls die Gelegenheit zu wöchentlichen Besuchen im Städel Museum, allerdings ohne Kunstführungen und anschließende Atelierarbeit.

Zusätzlich zu Standardtests, die in beiden Gruppen den Verlauf der Demenzerkrankung dokumentieren, ermitteln die Forscher auch die Belastung der Angehörigen, die Beziehung zwischen ihnen und den Erkrankten, Veränderungen der Lebensqualität und die Sicht auf die Zukunft. Mithilfe von Videoaufzeichnungen, die während der Atelierarbeit gemacht werden, soll das gemeinsame kreative Arbeiten einzelner Teilnehmer dokumentiert werden. Das streng vertraulich behandelte Videomaterial wird mit dem methodischen Ansatz der Zeitreihenanalyse ausgewertet. Dabei wird jedes Video in kurze Zeitsequenzen unterteilt, die von geschulten Beobachtern mit Blick auf die Kommunikationsfähigkeit, das Wohlbefinden und das emotionale Ausdrucksverhalten der gefilmten Personen ausgewertet werden. Anschließend werden Trendverläufe berechnet und Interventionseffekte nachgewiesen. Für das Jahr 2015 werden noch Projektteilnehmer gesucht.

Anmeldung und Informationen zum Projekt:
Dr. Valentina Tesky und Dipl.-Psych. Arthur Schall M. A., Goethe-Universität Frankfurt am Main, Institut für Allgemeinmedizin, Arbeitsbereich Altersmedizin,
Tel.: +49(0)69-6301-83621 und -7657; E-Mail: tesky@allgemeinmedizin.uni-frankfurt.de; schall@allgemeinmedizin.uni-frankfurt.de.

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Die Maschine und Ich - Konrad Klapheck spricht im Städel 13.11.2014

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Standpunkte zur Kunst“ spricht der Düsseldorfer Maler und langjährige Lehrer an der Düsseldorfer Akademie, Konrad Klapheck (*1935), im Städel Museum über seine unverkennbaren Maschinenbilder. Einer der großen Einzelgänger unter den Malern der Gegenwart wird in seinem Vortrag sein kürzlich vom Städelkomitee 21. Jahrhundert erworbenes, frühes Hauptwerk Der Gesetzgeber (1969) vorstellen sowie, darauf aufbauend und anhand eines Lichtbildervortrages, auf sein Schaffen der vergangenen fünf Jahrzehnte eingehen. Zwischen Pop-Art, Surrealismus, Neo- oder auch Magischem Realismus fand Klapheck zu einer ganz eigenständigen künstlerischen Ausdrucksform. Seine Maschinenbilder machten ihn zu einem der wichtigsten Protagonisten der deutschen Nachkriegskunst. Konrad Klaphecks Malerei entfaltet unter ihrer realistisch kühlen Oberfläche ein surreales Eigenleben, das sich aus Psychologie und Geschichte, aus Privatem und Kollektivem gleichermaßen speist. Der Vortrag „Maschine und Ich“ findet am Donnerstag, 20. November 2014, um 19.00 Uhr im Metzler-Saal des Städel Museums statt. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Der 1935 geborene Konrad Klapheck fertigte mit nur zwanzig Jahren an der Düsseldorfer Kunstakademie sein erstes „Porträt“ einer Kontinental-Schreibmaschine an und legte damit den Grundstein für ein außergewöhnlich konsequentes und eigenständiges Oeuvre. Seine Gemälde von technischen Alltagsgegenständen wie Schreibmaschinen, Nähmaschinen, Wasserhähne, Bügeleisen oder Baumaschinen sind zu einem Markenzeichen geworden. In seltsam isolierten, raum- und zeitlosen Kompositionen sind die Gebrauchsgegenstände ihrem eigentlichen Zweck enthoben. Im Wechselspiel mit bezeichnenden Titeln wie Der Hausdrachen, Die Fanatikerin oder Der Spaßvogel werden seine Werke zu inhaltlich aufgeladenen Spiegelbildern des Menschen.

Das für das Städel Museum erworbene Werk Der Gesetzgeber gehört zur ersten Werkgruppe seiner Maschinenbilder: der Schreibmaschinen, Symbol für das Verwaltungs- und Wirtschaftsleben im Nachkriegsdeutschland. Das 1969 entstandene Gemälde steht am Ende einer Variationsreihe von Schreibmaschinendarstellungen: Der Chef (1965) – Der Herrscher (1966) – Der Diktator (1967) – Der Gesetzgeber (1969).

Der Gesetzgeber zählt zu den außergewöhnlichen Neuerwerbungen des deutschlandweit einzigartigen „Städelkomitee 21. Jahrhundert“. Das 2007 von Sylvia von Metzler ins Leben gerufene Gremium besteht aus über 40 Privatpersonen, die das Städel Museum beim Ankauf wichtiger Werke der Gegenwartskunst unterstützen und dem Städel damit ermöglichen, seine Sammlung der Kunst nach 1945 strategisch zu verstärken und weiter auszubauen.

Der Gesetzgeber wird seit wenigen Tagen gemeinsam mit Werken von Gerhard Richter, Wolf Vostell, Thomas Bayrle, Sigmar Polke und anderen an zentraler Stelle in den Gartenhallen präsentiert. Die Gelegenheit, weitere Werke von Konrad Klapheck in Frankfurt zu sehen, bietet noch bis zum 8. Februar 2015 die Ausstellung „German Pop“ in der Schirn Kunsthalle Frankfurt. Als einer der ersten Künstler seiner Zeit wendet sich Klapheck im Nachkriegsdeutschland wieder einer gegenständlichen Malerei zu und macht damit den Weg frei für einen „Kapitalistischen Realismus“ im Sinne des Pop.

Standpunkte zur Kunst: Konrad Klapheck „Die Maschine und Ich“
Donnerstag, 20. November 2014, 19.00 Uhr

Information: www.staedelmuseum.de, info@staedelmuseum.de,
Telefon +49(0)69-605098-200, Fax +49(0)69-605098-111
Ort: Metzler-Saal, Städel Museum, Schaumainkai 63, 60596 Frankfurt am Main

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Max Hollein verlängert seinen Vertrag als Direktor von Städel Museum, Liebieghaus und Schirn Kunsthalle Frankfurt 12.11.2014

Max Hollein, seit 2006 in Personalunion Direktor des Städel Museums, der Liebieghaus Skulpturensammlung und der Schirn Kunsthalle Frankfurt, verlängert sein Engagement in Frankfurt bis 2018. Wie der Vorsitzende der Administration des Städel Museums, Prof. Dr. Nikolaus Schweickart, mitteilt, ist Holleins laufender Vertrag mit dem Städelschen Kunstinstitut, der auch die Leitung der beiden übrigen Häuser miteinschließt, entsprechend verlängert worden.

„Wir sind außerordentlich glücklich darüber, dass Max Hollein seine erfolgreiche Tätigkeit an der Spitze der drei bedeutenden Frankfurter Kulturinstitutionen fortsetzen wird und er sich – trotz anderweitiger Angebote – entschieden hat in Frankfurt zu bleiben. Max Hollein hat mit seiner bisherigen Arbeit Maßstäbe gesetzt und das Städel nicht zuletzt durch eine inhaltliche und räumliche Erweiterung in neue Dimensionen geführt“, so Schweickart.

Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann, Aufsichtsratsvorsitzender der Schirn, betont: „Max Hollein hat die Schirn zu einem der profiliertesten, bekanntesten und spannendsten Ausstellungshäuser in ganz Europa entwickelt. Das vielseitige Ausstellungs-, Veranstaltungs- und Vermittlungsprogramm aller drei von ihm geführten Häuser verdeutlicht die Lebendigkeit, Offenheit und ungebrochene Relevanz dieser Kulturinstitutionen für Frankfurt und weit darüber hinaus. Hervorzuheben ist aus meiner Sicht besonders seine Freude an der Verknüpfung von Exzellenz und Breitenorientierung."

Prof. Dr. Felix Semmelroth, Kulturdezernent der Stadt Frankfurt am Main, zeigte sich hochzufrieden mit Holleins Entscheidung: „Eine gute Nachricht für Frankfurt! Max Hollein ist es gelungen, innovative künstlerische Perspektiven aufzuzeigen und dadurch neue Erkenntnisse zu gewinnen. Das vielfältige Programm der drei Häuser findet regelmäßig größte Anerkennung beim Publikum und der internationalen Fachwelt. Die hohe Qualität und Einmaligkeit der konzipierten Schauen avancieren zu einem „Must-See“. Das macht die Institutionen zu einem Impulsgeber und trägt maßgeblich dazu bei, Frankfurt als bedeutende Kulturstadt auf der internationalen Museumskarte zu verankern.“

Der 1969 in Wien geborene Max Hollein ist seit 2001 Direktor der Schirn Kunsthalle Frankfurt sowie seit Januar 2006 Direktor des Städel Museums und der Liebieghaus Skulpturensammlung.

PRESSEKONTAKT
Axel Braun (Leitung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit)
Städel Museum, Dürerstraße 2, D-60596 Frankfurt, Telefon: +49 (0)69 60 50 98-170,
Fax: +49 (0)69 60 50 98-188, E-Mail: braun@staedelmuseum.de

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Städel Museum erwirbt Gemälde von Lotte Laserstein 10.11.2014

Das Städel Museum erweitert seinen Sammlungsbestand der Kunst der Moderne um eine wichtige Arbeit von Lotte Laserstein (1898–1993). Damit ist das Städel das erste öffentliche Museum in Deutschland außerhalb Berlins, das ein Werk dieser Künstlerin erworben hat. Laserstein studierte an der Berliner Kunstakademie und wurde dort 1925 mit der Goldmedaille ausgezeichnet. Ihre erste Einzelausstellung hatte sie 1931 in der renommierten Berliner Galerie von Fritz Gurlitt. Die einsetzende Karriere wurde durch den Nationalsozialismus jäh beendet. 1937 sah sich die Künstlerin aufgrund ihrer jüdischen Herkunft gezwungen, nach Schweden zu emigrieren, wo sie bis zu ihrem Tod 1993 lebte. Das Gemälde Russisches Mädchen mit Puderdose (1928) nahm die Künstlerin mit ins schwedische Exil. Ab 1954 wohnte sie in der südschwedischen Stadt Kalmar nahe Nybro. Das Ölgemälde ergänzt in der Städelschen Sammlung hervorragend den Bestand der Malerei der Weimarer Zeit und kann Arbeiten von Otto Dix, Maximilian Klewer, Ottilie Roederstein oder Karl Hubbuch an die Seite gestellt werden. Die im Werkverzeichnis der Künstlerin aufgeführte Arbeit wurde zuletzt 2005 in der Ausstellung „Sternverdunkelung“ im Judiska Museet (Stockholm) gezeigt und befindet sich in einem ausgezeichneten Zustand. Das Werk ist ab sofort in der Sammlungspräsentation „Kunst der Moderne“ im Städel Museum zu sehen.

„Nach mehrjährigen Bemühungen ist es uns gelungen, ein Hauptwerk von Lotte Laserstein für die Städelsche Sammlung zu sichern und unserem Publikum damit eine wichtige Protagonistin der Neuen Sachlichkeit zugänglich zu machen. Diesen Bereich der Kunstgeschichte konnten wir in den letzten Jahren dank einer Reihe von zentralen Erwerbungen signifikant ausbauen“, freut sich Max Hollein, Direktor des Städel Museums.

Ihre eindrucksvollsten Werke schuf Lotte Laserstein Ende der 1920er-Jahre und in den frühen 1930er-Jahren. Virtuos setzte sie Menschen der Zwischenkriegszeit ins Bild. Dabei zeichnen Kargheit, Melancholie und Modernität Lotte Lasersteins Darstellungen aus. In Hinblick auf Themen und Grundhaltung ihrer Werke deckt sich Lasersteins Ansatz mit demjenigen der Neuen Sachlichkeit, zugleich ist ihr Malstil weder objektivierend unterkühlt noch gesellschaftskritisch überzeichnet, wie es für diese Kunstrichtung charakteristisch ist. Lotte Laserstein schuf zahlreiche Porträts, in denen sie verschiedene zeitgenössische Frauentypen festhielt. Bei dem Gemälde Russisches Mädchen mit Puderdose handelt es sich um ein Hauptwerk der Künstlerin, welches ihre Formensprache und Modernität eindrücklich zur Geltung bringt. Es zeigt ein junges, modisch gekleidetes Mädchen mit einem für die Zeit typischen, burschikosen Haarschnitt. Die Dargestellte begutachtet ihre Frisur mithilfe einer Puderdose in einem großen Spiegel. Die flächige Malweise des Hintergrundes, der Kleidung und des Spiegels kontrastiert mit den präzise ausgeführten Details der Hände und des Gesichts. Effektvoll bedient sich Laserstein ästhetischer Stilmittel wie farblicher Hell-Dunkel-Kontraste und Frontalansicht.

1928 nahm Laserstein mit Russisches Mädchen mit Puderdose an dem Wettbewerb „Das schönste deutsche Frauenporträt“ teil, das unter 365 Werken für die Endrunde nominiert wurde. Die 26 ausgewählten Gemälde wurden in der Galerie Gurlitt ausgestellt und von einem breiten Publikum begeistert aufgenommen.

Aus eigener Initiative heraus hat das Frankfurter Museum Russisches Mädchen mit Puderdose aus dem Besitz der schwedischen Gemeinde Nybro erworben. Das Gemälde wurde in den 1970er-Jahren von einem Altersheim in Nybro von der Künstlerin angekauft. Die Gemeinde hatte das Altersheim – und mit ihm auch das Gemälde – in den 1990er-Jahren übernommen. Die Mittel des Ankaufs fließen vollständig in den Kulturetat der 20.000 Einwohner zählenden Gemeinde; unter anderem soll damit ein Mahnmal gegen Rassismus errichtet werden.

Information: www.staedelmuseum.de, info@staedelmuseum.de,
Telefon +49(0)69-605098-0, Fax +49(0)69-605098-111
Besucherdienst: +49(0)69-605098-232, besucherdienst@staedelmuseum.de
Ort: Städel Museum, Schaumainkai 63, 60596 Frankfurt am Main

Öffnungszeiten: Di, Mi, Sa und So 10.00–18.00 Uhr, Do und Fr 10.00–21.00 Uhr
Sonderöffnungszeiten: 24.12.2014 geschlossen, 25.12. und 26.12.2014 10.00–18.00 Uhr, 31.12.2014 geschlossen, 1.1.2015 11.00–18.00 Uhr.

Eintritt: 12 Euro, ermäßigt 10 Euro, Familienkarte 20 Euro; samstags, sonn- und feiertags 14 Euro, ermäßigt 12 Euro, Familienkarte 24 Euro; freier Eintritt für Kinder bis zu 12 Jahren; Gruppen ab 10 Personen: ermäßigter Eintrittspreis pro Person. Für Gruppen ist vorab eine Anmeldung erforderlich; telefonisch unter +49(0)69-605098-200.
Kartenvorverkauf unter: tickets.staedelmuseum.de

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Veranstaltungsprogramm Dezember 2014 10.11.2014

Veranstaltungsprogramm Dezember 2014

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200 Jahre Städel: Das Ausstellungsprogramm 30.10.2014

200 JAHRE STÄDEL:
DAS AUSSTELLUNGSPROGRAMM

MONET UND DIE GEBURT DES IMPRESSIONISMUS – DIE 80ER. FIGURATIVE MALEREI IN DER BRD – DIALOG DER MEISTERWERKE. HOHER BESUCH ZUM JUBILÄUM – U. V. M.

Mit der Niederschrift seines Testaments legte Johann Friedrich Städel im Jahre 1815 den Grundstein für Deutschlands älteste bürgerliche Museumsstiftung. Dieser geschichtsträchtige Tag jährt sich am 15. März 2015 zum 200. Mal. Das Städel feiert sein Jubiläum im kommenden Jahr mit einer Vielzahl von hochkarätigen Ausstellungs- und Forschungsprojekten, zahlreichen bedeutenden Erwerbungen und Sammlungserweiterungen, einem großen Bürgerfest sowie einem massiven Ausbau seines Vermittlungsprogrammes, besonders im digitalen Bereich.

JEAN-JACQUES DE BOISSIEU. EIN ZEITGENOSSE STÄDELS
11. Februar bis 10. Mai 2015
Ausstellungshalle der Graphischen Sammlung

Schon zu Lebzeiten war Jean-Jacques de Boissieu (1736–1810) auch über die Grenzen Frankreichs hinaus ein hochgeschätzter Künstler. Seine in Zeichnung und Druckgrafik ausgeführten Landschaften, Genreszenen und Porträts begeisterten nicht nur Fürsten, sondern auch private Sammler wie Johann Friedrich Städel. Der Gründer des Städelschen Kunstinstituts erwarb mehr als 20 Zeichnungen und weit über 200 Radierungen des Künstlers, die noch heute zum Kernbestand der Graphischen Sammlung des Städel Museums zählen. Das künstlerische Werk de Boissieus, welches in einer Zeit historisch umwälzender Ereignisse entstand, spiegelt in einer fast irritierend unaufgeregten und seriösen Stetigkeit Landschaft und Leben in der Provinz um seine Heimatstadt Lyon. Fortschrittlich zeigte de Boissieu in seinen radierten Landschaften und Bildnissen sowie den fein nuancierten Pinsel- und Kreidezeichnungen eine Wirklichkeitsnähe, die auf eine von akademischen Normen unabhängige, bürgerliche Kunstauffassung verweist.
Kuratorin: Dr. Jutta Schütt

MONET UND DIE GEBURT DES IMPRESSIONISMUS
11. März bis 28. Juni 2015
Ausstellungshaus

Mit Claude Monets 1868/69 entstandenem Gemälde Das Mittagessen verfügt das Städel Museum über ein Schlüsselwerk des frühen Impressionismus. Ausgehend von diesem Werk – und dem höchst qualitätsvollen Sammlungsbestand früher impressionistischer Arbeiten von Auguste Renoir, Édouard Manet, Edgar Degas, Alfred Sisley und Paul Cézanne – nimmt das Städel ab Frühjahr 2015 die Anfänge der impressionistischen Bewegung in den Blick. Diese umfassende Jubiläumsausstellung, mit der das Städel sein 200-jähriges Bestehen feiert, knüpft an die eigene Sammlungsgeschichte an: Schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts setzte sich der damalige Museumsdirektor Georg Swarzenski leidenschaftlich für die französische Kunst ein, die heute einen wichtigen Sammlungsschwerpunkt des Hauses bildet. Die Sonderausstellung beleuchtet, inwiefern sich in der Malerei der Impressionisten eine zeitgenössische Seherfahrung manifestiert und wie sich die bildliche Umsetzung dieses „modernen Blicks“ im Laufe der Jahre verändert. Anhand einer Auswahl von über 90 Gemälden, darunter zahlreiche weltberühmte Leihgaben aus internationalen Museen – wie Claude Monets La Grenouillère (1869) aus dem Metropolitan Museum of Art, New York, L’Étang à Montgeron (1877) aus der Eremitage in St. Petersburg oder das monumentale Bild Mittagessen (1874) aus der Sammlung des Pariser Musée d’Orsay –, können die einzelnen Entwicklungslinien des Impressionismus und der Wandel des Verhältnisses von Inhalt und Form veranschaulicht werden. Ergänzt wird die Präsentation der impressionistischen Malerei durch Fotografien sowie Karikaturen, die sich mit der künstlerischen Strömung auseinandersetzen.
Kurator: Dr. Felix Krämer
Gefördert durch: Commerzbank-Stiftung

Laster des Lebens. Druckgrafik von William Hogarth
10. Juni bis 6. September 2015
Ausstellungshalle der Graphischen Sammlung

Mit den druckgrafischen Arbeiten des englischen Malers, Kupferstechers und Radierers William Hogarth (1697–1764) zeigt die Graphische Sammlung des Städel Museums Kunstwerke aus der Lebenszeit des Stifters Johann Friedrich Städel. Mit den Folgen Der Weg einer Dirne (1732), Der Weg eines Liederlichen (1735) und Die Heirat nach der Mode (1745) begründete Hogarth die neue Gattung des „modern moral subject“. Als aufmerksamer Zeitgenosse thematisierte er die Laster und Kehrseiten des modernen Lebens in der Metropole London. Hogarth verstand seine Werke als gedrucktes Theater seiner Zeit und legte den Grundstein für die gesellschaftskritische Karikatur in England. Die Graphische Sammlung des Städel verfügt über einen bedeutenden Bestand der Werke Hogarths; all jene Folgen, die ihn international berühmt machten, sind vollständig vorhanden. Die besondere Qualität dieser Arbeiten liegt im großen Interesse an individuellen Physiognomien, der scharfsinnigen Beobachtungsgabe und dem beißenden Witz dieses Künstlers, dessen Werke eine ganze Epoche prägten.
Kuratorin: Annett Gerlach

DIE 80ER. FIGURATIVE MALEREI IN DER BRD
22. Juli bis 18. Oktober 2015
Ausstellungshaus
In einer groß angelegten Sonderausstellung präsentiert das Städel Museum vom 22. Juli bis 18. Oktober 2015 „Die 80er. Figurative Malerei in der BRD“. Mit rund 100 Werken von insgesamt 27 Künstlerinnen und Künstlern beleuchtet die Schau jene neuartige, irritierende und überaus dynamische figurative Malerei, die sich in den 1980er-Jahren nahezu zeitgleich vor allem in den Zentren Berlin, Hamburg und dem Rheinland entwickelte. Zu sehen sind Arbeiten u. a. von Ina Barfuss, Werner Büttner, Walter Dahn, Jiří Georg Dokoupil, Rainer Fetting, Georg Herold, Martin Kippenberger, Helmut Middendorf, Christa Näher, Albert Oehlen, Salomé oder Andreas Schulze. Die Ausstellung beleuchtet die künstlerischen Zentren der BRD – etwa den Berliner Moritzplatz oder die Mülheimer Freiheit in Köln – und macht zugleich die figurative Malerei jener Jahre in ihrer ganzen Komplexität und Differenziertheit sichtbar. Die Künstlerinnen und Künstler, die den Kunstbetrieb um 1980 mit einer ungezügelten Intensität und hohem malerischen Tempo auf den Kopf stellten, schufen figurative Bilder, die eine kritische Auseinandersetzung mit der Tradition der Malerei, den Nachkriegsavantgarden und ihrer unmittelbaren Gegenwart wagten. Die Themen entstammten in erster Linie dem unmittelbaren Umfeld der Künstler. Der etablierte Kunstbetrieb wird dabei genauso zum Inhalt der Bilder, wie die homosexuelle Emanzipation oder die rauschende Geschwindigkeit der internationalen Club- und Musikszene, die ab Mitte der 1970er-Jahre durch New Wave und Punk vermittelt wurde. Die Protagonisten der Zeit waren dennoch alles andere als eine homogene malerische Bewegung. Vielmehr zeichnet sich die Malerei jenes Jahrzehnts zwischen Studentenrevolte und wiedervereinigtem Deutschland durch ein vielschichtiges, zum Teil widersprüchliches Nebeneinander unterschiedlicher Strömungen, Einflüsse und Befindlichkeiten aus. Die Sammlung Gegenwartskunst des Städel Museums mit ihrem spezifischen Fokus auf der Malerei nach 1945 stellt einen idealen Rahmen für die Präsentation dieser ereignisreichen Dekade dar.
Künstlerliste: Hans Peter Adamski, Peter Angermann, Elvira Bach, Ina Barfuss, Peter Bömmels, Werner Büttner, Luciano Castelli, Walter Dahn, Jiří Georg Dokoupil, Rainer Fetting, G. L. Gabriel, Georg Herold, Gerard Kever, Jan Knap, Milan Kunc, Martin Kippenberger, Helmut Middendorf, Christa Näher, Gerhard Naschberger, Albert Oehlen, Markus Oehlen, Salomé, Andreas Schulze, Bettina Semmer, Volker Tannert, Thomas Wachweger und Bernd Zimmer.
Kuratoren: Dr. Martin Engler, Franziska Leuthäußer
Gefördert durch: Deutsche Bank AG

DIALOG DER MEISTERWERKE. HOHER BESUCH ZUM JUBILÄUM
7. Oktober 2015 bis 24. Januar 2016
Sammlungspräsentationen Alte Meister, Kunst der Moderne, Gegenwartskunst, Ausstellungshalle der Graphischen Sammlung

Anlässlich ihres 200-jährigen Bestehens erwartet die Städelsche Sammlung internationalen Besuch. In einer von allen Kustoden des Städel gemeinsam konzipierten Schau werden zentrale Werke der eigenen Sammlung mit Meisterwerken aus den renommiertesten Museen der Welt zusammengebracht. Inhaltlich wie räumlich werden sich diese reizvollen und herausfordernden Vergleiche über alle Sammlungsbereiche des Städel Museums erstrecken: An rund 80 ausgewählten Positionen findet der Besucher für die Dauer von dreieinhalb Monaten temporäre „Partnerschaften“. Jan van Eycks Verkündigung (um 1434/36) reist beispielsweise aus Washington an und trifft auf die Lucca-Madonna (1437) des Meisters aus dem Städel. Die beiden Gemälde zählen zu den schönsten und inhaltlich komplexesten Marienbildern des bekanntesten altniederländischen Künstlers und befanden sich bis 1850 gemeinsam in der glanzvollen Altmeistersammlung König Willems II. der Niederlande. In der Gegenüberstellung von Edgar Degas’ Die Orchestermusiker (1872–1876) mit seinem Werk Das Ballett aus Meyerbeers Oper „Robert Le Diable“ (1876) lassen sich intensive inhaltliche wie motivische Bezüge herstellen, besonders im Hinblick auf die dargestellte Beziehung zwischen Orchester und Tänzerinnen. Das Frühwerk des Malers Georg Baselitz wird durch das Zusammentreffen von Leihgaben wie Geschlecht mit Klößen (1963) mit seinen Gemälden aus der Sammlung des Städel Museums wie Acker (1962) als bedeutender Bestandteil deutscher Malereigeschichte im 20. Jahrhundert präsentiert. In die Graphische Sammlung kommen unter anderem Werke von Elsheimer, Goltzius und Ernst Ludwig Kirchner zu Besuch. Im Rahmen dieser insgesamt rund 80 Gegenüberstellungen von bedeutenden „Jubiläumsgästen“ mit Werken der Sammlung des Hauses werden nicht nur spannende und teils überraschende kunstgeschichtliche und historische Bezüge hergestellt, sondern auch die Bestände der eigenen Sammlung neu befragt.
Kuratoren: Dr. Bastian Eclercy, Dr. Martin Engler, Dr. Felix Krämer, Dr. Eva Mongi-Vollmer, Prof. Dr. Jochen Sander, Dr. Jutta Schütt, Dr. Martin Sonnabend
Gefördert durch: DZ Bank

JOHN BALDESSARI
5. November 2015 bis 24. Januar 2016
Ausstellungshaus

Anlässlich des 200-jährigen Städel-Jubiläums hat der amerikanischen Künstler John Baldessari (*1931 in National City, Kalifornien) mit Werkvorlagen aus der Sammlung des Städel Museums eine neue Serie geschaffen, die das Städel im Winter 2015/16 präsentiert. Meisterwerke von Lucas Cranach d. Ä, Agnolo Bronzino, Dirck van Baburen oder Maria Lassnig dienten Baldessari als visuelles Material für großformatige Bildcollagen. Seit den späten 1960er-Jahren gehört Baldessari zu den einflussreichsten Figuren der internationalen Kunstszene. Als ein herausragender Vertreter der Konzept- und Medienkunst hat er einen eigenständigen und unverwechselbaren Bildbegriff zwischen Malerei und Fotografie, Text und Bild entwickelt. In seiner Kunst verwendet und reflektiert er Bildstrategien der klassischen Moderne, etwa die Montage oder die Integration von Alltagselementen, um diese mit Ansätzen der Nachkriegsavantgarden – wie deren Konsum- und Mediendiskurs – zu konfrontieren. In der Tradition seiner Auseinandersetzung mit der komplexen Beziehung zwischen Malerei und Fotografie reflektiert Baldessari in seiner neuen Werkgruppe ganz unterschiedliche Arbeiten der Sammlung des Städel und kontrastiert diese mit Text und Monochromie, Fotografie und Konzept. Das Ergebnis ist ein Gegen- und Miteinander, das alte wie jüngere Kunstwerke gleichermaßen befragt und neu sichtbar werden lässt.
Kurator: Dr. Martin Engler

Titel- und Laufzeitänderungen vorbehalten

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Fantastische Welten. Albrecht Altdorfer und das Expressive in der Kunst um 1500 15.10.2014

Das Städel Museum beleuchtet in der Ausstellung „Fantastische Welten. Albrecht Altdorfer und das Expressive in der Kunst um 1500“ vom 5. November 2014 bis zum 8. Februar 2015 wesentliche Neuerungen in der Kunst im Europa des frühen 16. Jahrhunderts, die zu dieser Zeit überraschend modern wirkende Erscheinungsformen annimmt. Anhand von 120 Exponaten wird anschaulich, wie eine ganze Generation von Künstlern um 1500 die Gattungen Landschafts- und Historienbild sowie Porträt neu formuliert. Fernab von einer naturgetreuen Wiedergabe entsteht ein innovatives, expressives Zusammenspiel von Lichteffekten, überschwänglicher Farbgestaltung sowie grotesker Formen und Posen – und das in allen Gattungen: Malerei, Skulptur, Druckgrafik, Zeichnung und Buchmalerei. Ausgehend von den Künstlern Albrecht Altdorfer (um 1480–1538), Wolf Huber (um 1485–1553), dem Passauer Bildschnitzer Meister IP (tätig bis nach 1520) und Hans Leinberger (dokumentiert in Landshut, 1510–1530) wird das Phänomen des „Expressiven“, das für die Künstler der sogenannten Donauschule zentral ist, erstmals in einen gesamteuropäischen Kontext gestellt. Die Werke Altdorfers, Hubers, Leinbergers und des Meisters IP werden hierfür gezielt mit Arbeiten von Zeitgenossen wie Lucas Cranach d. Ä. (1472–1553), Hans Leu (um 1490–1531) oder Albrecht Dürer (1471–1528) konfrontiert. Die Ausstellung verdeutlicht, dass ihr Schaffen in einem weiteren, europäischen Bezugsrahmen zu betrachten ist, denn zeitgleich mit den Künstlern des Donauraumes bedienen sich auch Künstler in den Niederlanden, am Nieder- und Oberrhein, in der Schweiz und in Oberitalien, in Böhmen, Polen oder Norddeutschland einer unmittelbar vergleichbaren Bild- und Formensprache. Diese wird den Besuchern in der Frankfurter Ausstellung in einer medialen und thematischen Vielfalt vor Augen geführt, wie sie zuvor noch nicht zu sehen war.

Gefördert wird die Sonderausstellung durch den Kulturfonds Frankfurt RheinMain und die Sparkassen-Finanzgruppe. Zusätzliche Unterstützung erfährt sie durch die Art Mentor Foundation Lucerne.

Bei dem Projekt handelt es sich um eine Ausstellung des Städel Museums, der Liebieghaus Skulpturensammlung, Frankfurt am Main, und des Kunsthistorischen Museums Wien, in Zusammenarbeit mit dem Geisteswissenschaftlichen Zentrum Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas e.V. an der Universität Leipzig.

Nach Ende der Ausstellungslaufzeit im Städel wird die Schau vom 17. März bis 14. Juni 2015 im Kunsthistorischen Museum Wien zu sehen sein.

Knapp 50 Jahre nach der letzten umfassenden Präsentation zur Kunst der „Donauschule“ und 30 Jahre nach der letzten großen thematischen Ausstellung über Altdorfer beleuchtet die Sonderausstellung im Städel Museum anhand von markanten Spitzenwerken das Phänomen des Expressiven in der Kunst um 1500 in all seinen thematischen, künstlerischen und medialen Facetten und ermöglicht einen neuen, ganzheitlichen Blick auf diese nicht allein auf den Donauraum beschränkte Stilentwicklung. Die herannahende Reformation hatte den Künstlern der damaligen Zeit insbesondere im Feld der religiösen Darstellungen völlig neue Gestaltungsfreiräume eröffnet, die sich jedoch schon bald wieder schließen sollten. Denn nach der beendeten Konfessionalisierung verzichtete die protestantische Seite auf bestimmte Bilder gänzlich, während die katholische Kirche wieder verstärkt auf ikonografische Verbindlichkeit bestand. So existierten in der Kunst um 1500 noch narrative Spielarten, die im weiteren Verlauf des 16. Jahrhunderts in dieser Form nicht mehr denkbar waren.

Die Ausstellung konfrontiert bewusst all jene Kunstgattungen um 1500 miteinander, an denen sich spezifisch expressive Tendenzen ablesen lassen. Dabei bilden zahlreiche Gemälde und Grafiken der Städelschen Sammlung sowie skulpturale Exponate der Liebieghaus Skulpturensammlung die Basis, ergänzt durch bedeutende Leihgaben weiterer Museen; unter anderem werden Schlüsselwerke des Kunsthistorischen Museums Wien, der Alten Pinakothek und des Bayerischen Nationalmuseums in München, der Prager Nationalgalerie, der Skulpturensammlung und der Gemäldegalerie der Staatlichen Museen Preußischer Kulturbesitz, der Graphischen Sammlung der Universitätsbibliothek Erlangen, des Museo Thyssen-Bornemisza in Madrid oder des Szépművészeti Múzeums in Budapest zu sehen sein. Zudem konnten zahlreiche Leihgaben aus kirchlichem Besitz für die Ausstellung gewonnen werden, wie etwa das Johannesretabel aus der Prager Teynkirche (1520er-Jahre) oder Gemälde aus dem Augustinerchorherrenstift St. Florian in Linz. Mit der Präsentation setzt das Städel die Folge seiner großen Ausstellungen zur Kunst der Frühen Neuzeit, wie zuletzt zu Albrecht Dürer, fort.

Die Ausstellung ist thematisch in sechs Abschnitte gegliedert. Zu Beginn widmet sich die vorgeschaltete Sektion „Weltenlast, Naturgewalten: Bilder des hl. Christophorus“ einer der am häufigsten wiedergegebenen Heiligengestalten im Spätmittelalter. Bilder des hl. Christophorus, der den Christusknaben auf den Schultern über einen Fluss trägt, schmückten nicht nur Kirchenwände oder Altarretabel in Form von Gemälden oder Skulpturen, sondern wurden auch massenhaft als Druckgrafiken für den Hausgebrauch verbreitet. Albrecht Altdorfer, Wolf Huber und Georg Lemberger stellen den hl. Christophorus in einer bis dahin unbekannten Weise dar. In bizarr überzeichneter Form bringen sie in ihrer Kunst die enorme Last zum Ausdruck, die der Heilige mit dem Christuskind auf seinen Schultern trägt.

Im ersten Saal des Ausstellungshauses werden die vier führenden Künstler des Donauraumes mit einer Auswahl zentraler Werke vorgestellt: Albrecht Altdorfer, Wolf Huber sowie die Bildhauer Meister IP und Hans Leinberger. Dabei wird das Thema „Bilder des Menschen“ in den Fokus genommen. Die ausgestellten Werke verdeutlichen einerseits, worin sich diese Künstler in der Darstellung des Menschen von der älteren Künstlergeneration unterscheiden, andererseits werden gemeinsame Stilmittel in der Umsetzung dieses Bildmotivs herausgearbeitet. Zudem wird Albrecht Dürer als Protagonist und Begründer eines mathematisch-naturwissenschaftlich konstruierten Menschenbildes den Zeitgenossen Altdorfer, Huber, Meister IP und Leinberger gegenübergestellt. Im Gegensatz zu Dürers genau proportionierten Körpern erscheinen die Figuren der anderen Künstler extrem dynamisiert, die menschliche Anatomie ist oftmals nicht naturgetreu gestaltet. Ihre Kunst wird durch den Einsatz ausdrucksstärkster Farbigkeit und Formgebung bestimmt. Mit Werken von Wolf Huber, wie seinem Gemälde Gefangennahme Christi (nach 1522) oder seinem Annenaltar (1521), wird hier auch der zweite zentrale Künstler des Donauraumes eingeführt. Zudem wird in diesem Kapitel neben Hans Leinberger der Monogrammist IP mit dem Hauptteil seines Johannesretabels (1520er-Jahre) als einer der bedeutendsten Vertreter der Bildhauerei im 16. Jahrhundert präsentiert.

Im Abschnitt „Schräge Ansichten bei Kreuzigungen und anderen Passionsszenen" wird die Expressivität der Kunst dieser Zeit anhand verschiedener religiöser Motive veranschaulicht. Besonders mit Blick auf die Bildthemen Kreuzigung und Kreuzabnahme finden sich im Werk Altdorfers, Hubers, des Meisters IP und Leinbergers expressive Mittel wie Ornamentalisierung, Dramatisierung oder Verzerrung des Dargestellten. Mit dem frühesten Gemälde Lucas Cranachs d. Ä., der sogenannten Schottenkreuzigung (um 1500), wird ein weiterer Künstler vorgestellt, der Anfang des 16. Jahrhunderts im Donauraum tätig war. Die Darstellung des Themas bei Cranach hebt sich von anderen Spielarten dieses Motivs insbesondere durch ihre Drastik ab. Seine schräg ins Bild gestellten Kreuze sollten später häufig von anderen Künstlern übernommen werden. Leinberger vereint all diese Phänomene in seinen Flachreliefs der Kreuzigung, der Kreuzabnahme und der Beweinung (um 1515/16). Der Meister IP ist in dieser Sektion mit der vollplastischen Kreuzigungsgruppe des Johannesretabels der Teynkirche (1520er-Jahre) vertreten. Huber verlegt in seinem Blatt Große Landschaft mit einer Stadt (um 1525) das eigentliche Bildthema der Kreuzigung als Marginalie in den Hintergrund und gibt stattdessen der Landschaft Raum zur Entfaltung.

Das Ausstellungskapitel „Landschaft als Ausdrucksträger" verdeutlicht anhand von markanten Beispielen, dass Landschaft und die sie gestaltenden Bildkomponenten in der Kunst um 1500 nicht mehr nur als bloße Kulisse der eigentlichen Darstellung, sondern erstmals zum Bildgegenstand und Thema selbst werden. Bedrohliche Gewitterhimmel oder lyrische Sonnenuntergänge unterstreichen Ausdruck und Stimmung der meist menschenleeren Szenerie, die Vegetation entwickelt in vielen Kunstwerken ein geheimnisvolles Eigenleben. So zeigen beispielsweise Altdorfer oder sein jüngerer Bruder Erhard mit ihren Federzeichnungen Weiden und Fichten, die nicht wie statische Bäume, sondern wie unheimlich belebte Wesen wirken.

Die folgende Sektion, „Mittel des Expressiven", widmet sich eingehend den verschiedenen Ausdrucksformen in der Kunst der Zeit. Anhand von bewusster Deformation, Ornamentalisierung, Dramatisierung und Verzerrung sowie durch Linienführung, Lichtgestaltung, Farbigkeit und Pathos unterlaufen die Künstler traditionelle Seherwartungen und präsentieren die dargestellten Figuren in einer neuen, unerwarteten und oft geradezu modern wirkenden Weise. Eine extreme Steigerung der Bildwirkung erreicht beispielsweise Altdorfer in seinem Gemälde Geburt Christi (um 1511) durch den Einsatz der Farbe und die Gestaltung des Lichts. Eine enorme Verzerrung und Verformung zeigt die Figur des Heiligen Abtes (um 1520/30) eines niederbayerischen Künstlers. Der menschliche Körper wird von der neuen Künstlergeneration als „Gestaltungsmasse“ begriffen, die abseits von etablierten Idealvorstellungen modelliert werden kann.

Der abschließende Teil der Ausstellung widmet sich dem Thema „Künstler und Auftraggeber". Dabei wird die Rolle der Auftraggeber von Kunstwerken bei der Ausprägung dieses neuen Stils in den Blick genommen. Mit dem Gebetbuch Kaiser Maximilians I. (1514/1515) aus der Bibliothèque Municipale in Besançon rückt abermals die Bedeutung Dürers und seine Funktion als Reibungsfläche, aber auch als Inspirations- und Ausgangspunkt für die Vertreter des neuen Stils in den Fokus. Die jüngst gewonnenen Erkenntnisse zu den Financiers und Auftraggebern von großen Skulpturenensembles der vor allem für böhmische Kirchen geschaffenen Retabel und Epitaphien lassen zudem die besonderen Produktionsbedingungen und -mechanismen dieser zum Teil monumentalen Auftragswerke erkennen.

Die im Rahmen der Ausstellung ausführlich behandelten Themen und neu gewonnenen Erkenntnisse bieten einen umfassenden und frischen Blick auf das einzigartige Phänomen des Expressiven in der Kunst um 1500.

FANTASTISCHE WELTEN. ALBRECHT ALTDORFER UND DAS EXPRESSIVE IN DER KUNST UM 1500

Kuratoren: Dr. Stefan Roller (Liebieghaus Skulpturensammlung), Prof. Dr. Jochen Sander (Städel Museum)
Ausstellungsdauer: 5. November 2014 bis 8. Februar 2015
Pressevorbesichtigung: Dienstag, 4. November 2014, 11.00 Uhr

Information: www.staedelmuseum.de, info@staedelmuseum.de, Telefon +49(0)69-605098-0, Fax +49(0)69-605098-111
Besucherdienst: +49(0)69-605098-232, besucherdienst@staedelmuseum.de
Ort: Städel Museum, Schaumainkai 63, 60596 Frankfurt am Main
Öffnungszeiten: Di, Mi, Sa und So 10.00–18.00 Uhr, Do und Fr 10.00–21.00 Uhr
Sonderöffnungszeiten: 24.12.2014 geschlossen, 25.12. und 26.12.2014 10.00–18.00 Uhr, 31.12.2014 geschlossen, 1.1.2015 11.00–18.00 Uhr.
Eintritt: 12 Euro, ermäßigt 10 Euro, Familienkarte 20 Euro; samstags, sonn- und feiertags 14 Euro, ermäßigt 12 Euro, Familienkarte 24 Euro; freier Eintritt für Kinder bis zu 12 Jahren; Gruppen ab 10 Personen: ermäßigter Eintrittspreis pro Person. Für Gruppen ist vorab eine Anmeldung erforderlich.
Kartenvorverkauf unter: tickets.staedelmuseum.de

Katalog: Zur Ausstellung erscheint ein umfangreicher, von Stefan Roller und Jochen Sander herausgegebener Katalog. Mit einem Vorwort von Max Hollein und Beiträgen von Daniela Bohde, Katrin Dyballa, Markus Hörsch, Susanne Jaeger, Guido Messling, Jochen Sander und Matthias Weniger. Deutsche Ausgabe, ca. 290 Seiten, Hirmer Verlag, 34,90 Euro (Museumsausgabe).
Begleitheft: Zur Ausstellung erscheint ein 36-seitiges Begleitheft (ab 12 Jahren), 7,50 Euro, im Klassensatz für Schulen 1 Euro pro Heft.
Social Media: Das Städel Museum kommuniziert die Ausstellung in den sozialen Medien mit den Hashtags #FantastischeWelten und #staedel.
Überblicksführungen durch die Ausstellung: Donnerstags 19.00 Uhr, samstags 11.00 Uhr, sonntags 15.00 Uhr. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Tickets: 4 Euro zzgl. des Eintrittspreises, erhältlich ab zwei Stunden vor Führungsbeginn, samstags ab 10.00 Uhr an der Städel Kasse.
Sonderführungen auf Anfrage unter: +49(0)69-605098-200; info@staedelmuseum.de

Gefördert durch: Kulturfonds Frankfurt RheinMain, Sparkassen-Finanzgruppe
Mit Unterstützung von: Art Mentor Foundation Lucerne
Medienpartner: Verkehrsgesellschaft Frankfurt am Main, Weltkunst

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Veranstaltungsprogramm November 2014 13.10.2014

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