Das erfolgreiche und preisgekrönte Format des Digitorials zu Ausstellungen (unter anderem Grimme Online Award 2015 in der Kategorie „Kunst und Unterhaltung“) wird auf Initiative von Städel Direktor Philipp Demandt weiterentwickelt: Ab jetzt bietet das Städel Museum auch Digitorials zu Themen an, die anhand von ausgewählten Werken aus der reichen Sammlung des Städel anschaulich erzählt werden können. Digitorials zu herausragenden Künstlern aus der Sammlung des Städel Museums werden folgen. Diese für den Nutzer kostenfreie Erweiterung der digitalen Vermittlungsinitiative wird von der FAZIT Stiftung ermöglicht und nimmt ihren Anfang mit einem umfassenden Themen-Digitorial zur Reformation.
Passend zum diesjährigen 500. Jubiläum von Martin Luthers Thesenanschlag untersucht das erste Themen-Digitorial des Städel Museums die Folgen der kirchlichen Erneuerung für die Kunst: Der Wechsel vom Kultbild zum Lehrbild, die Entstehung neuer Bildthemen und die reformatorische Interpretation bestehender Ikonografien gehören ebenso dazu wie der Verlust kirchlicher Aufträge und die Entstehung eines privaten Kunstmarktes. Anhand von Werken aus der Städel Sammlung werden sowohl die historischen Unterschiede zwischen katholischem und protestantischem Bildverständnis verdeutlicht als auch die Protagonisten der Reformation wie Luther und Melanchthon oder Schauplätze wie die Wartburg und Rom illustriert. Das kostenfreie, multimediale Vermittlungsangebot veranschaulicht, wie einschneidend Luthers theologische Positionen – beispielsweise der Vorrang des Wortes vor dem Bild – für Künstler waren und wie diese Zeitenwende den Umgang mit Bildern bis heute bestimmt.
„Wir freuen uns, dass uns die FAZIT-Stiftung dabei unterstützt, im wahrsten Sinne des Wortes ‚Kunstgeschichte‘ zu erzählen – und dies anhand der Werke unserer Sammlung und für ein breites Publikum. Mit den neuen Digitorials wollen wir jenseits von Sonderausstellungen den Reichtum unserer Sammlung mit all ihren Themen in historische Zusammenhänge einordnen und so den großen Bogen auch zur Gegenwart schlagen“, so Städel Direktor Philipp Demandt.
„Unsere neu konzipierten Themen- und Künstler-Digitorials dienen einem besseren Verständnis von Kunst – gerade auch im historischen Kontext ihrer Zeit. Das aktuelle Reformationsjubiläum ist ein idealer Ausgangspunkt, um die Funktion sowie Wirkweisen von Kunst und deren Beeinflussung durch religiöse, politische und gesellschaftliche Faktoren mittels modernster digitaler Vermittlung anschaulich zu machen“, erklärt die Leiterin der Abteilung Bildung und Vermittlung im Städel, Chantal Eschenfelder, das neue Format.
Fortgesetzt wird die neue digitale Vermittlungsreihe in der ersten Jahreshälfte 2018 mit einem Künstler-Digitorial zu Sandro Botticelli (1445–1510). Sein Gemälde „Weibliches Idealbildnis (Bildnis der Simonetta Vespucci als Nymphe)“ ist ein Hauptwerk der Städel Sammlung und einem breiten Publikum bekannt.
Themen-Digitorial: Kunst im Zeichen der Reformation
Das unter http://reformation.staedelmuseum.de kostenfrei abrufbare Digitorial beginnt mit einem Einblick in die religiöse Funktion der Tafelmalerei vor der Reformation. Die Städel Sammlung besitzt hier Werke von Rogier van der Weyden sowie des „Meisters von Flémalle“ aus dem 15. Jahrhundert. Religiöse Gemälde wie diese wurden zu der Zeit als Kultbilder verehrt und bedienten die Schaulust der Gläubigen – das Anbeten von Heiligenbildern sollte für das Seelenheil sorgen und die Zeit im drohenden Fegefeuer verkürzen.
Martin Luther wehrte sich gegen diese Praxis: Für ihn kam das Seelenheil einzig durch den inneren Glauben und Christus allein zustande. Aus diesem Grund lehnte er auch die Verehrung anderer Heiliger ab. Ebenso wandte er sich gegen den von der Kirche praktizierten Ablasshandel und geriet in Konflikt mit dem Papst. Luther nutzte für seine reformatorischen Anliegen nicht nur seine eigene Wortgewalt, er war sich auch der Wirkmacht von Bildern bewusst und arbeitete in Wittenberg eng mit dem Maler Lucas Cranach d. Ä. zusammen. Angesichts dessen liegt im Digitorial ein besonderes Augenmerk auf Cranachs Werken in der Städel Sammlung.
Durch die Reformation veränderte sich das Verständnis von Kunst grundlegend. Das Digitorial umfasst daher auch andere Länder, in denen zur gleichen Zeit ähnliche reformatorische Forderungen laut wurden. Der Kampf um religiöse Erneuerung vermischte sich mit machtpolitischen Auseinandersetzungen im europäischen Kräftegefüge und zeigte seine blutige Seite: Auf die Bilderstürme in den protestantischen Gebieten folgten die Bauernkriege, und die Religionskriege in Frankreich und den Niederlanden, die dann zu Beginn des 17. Jahrhunderts in den Dreißigjährigen Krieg mündeten. Flucht und Vertreibung waren die Folge – auch von Künstlern.
Vor allem in den protestantischen Gebieten fiel die Kirche als großer Auftraggeber weg. Es entstand ein freier Kunstmarkt mit privaten Käufern. Bildgattungen wie Stillleben – im Digitorial beispielhaft veranschaulicht durch Werke von Georg Flegel oder Jacob van Walscapelle – erlebten dadurch einen Aufschwung. Stillleben mit ihrer Erinnerung an die Vergänglichkeit des Lebens appellierten an die Tugend des Betrachters. Diese Bilder erfüllten somit nach protestantischer Überzeugung eine erzieherische Funktion.
Eine Antwort auf die reformatorischen Bewegungen in Europa formierte sich von Rom aus ab Mitte des 16. Jahrhunderts in der sogenannten Gegenreformation. Diese mündete in eine grundlegende Reform der katholischen Kirche selbst. Erneut stand auch die Kunst unter dem Einfluss theologischer Entscheidungen. Dem lehrhaften Stil protestantischer Kunst wurde eine gefühlsbetonte Malerei entgegengesetzt, die alle Möglichkeiten der Inszenierung zur sinnlichen Überwältigung des Gläubigen nutzte, wie dies an Werken von Guido Reni oder Cornelis de Vos deutlich wird.
Auch im 19. Jahrhundert waren die Auswirkungen der Reformation noch spürbar: Zur Veranschaulichung greift das Themen-Digitorial einen Bilderstreit aus den frühen Jahren des Städelschen Kunstinstitutes auf. Damals kam es bei Ankäufen zu einem Konflikt zwischen dem katholisch gesinnten Direktor Philipp Veit und der protestantisch orientierten Administration.
Abschließend zeigt ein Werk des Künstlers Hermann Nitsch aus dem Jahr 1989 die künstlerische Auseinandersetzung mit archaischen Opferritualen und Elementen aus der katholischen Glaubenspraxis. Nitsch unterstreicht damit die gemeinsamen Wurzeln religiöser Rituale. So macht das Digitorial deutlich, dass die Reformation und ihre Gegenbewegungen bis in die heutige Zeit hineinwirken und die Kunst vielfältig beeinflusst haben und nach wie vor beeinflussen.
Das Digitorial ist in die folgenden Kapitel gegliedert:
1) Kunst im Zeichen der Reformation
2) Vom Kultbild zum Lehrbild
3) Der Papst im Kreuzfeuer
4) Eine Bibel für alle
5) Bilderstürme, Krieg und Kunstmarkt
6) Visuelle Überwältigung – Gegenreformation in der Kunst
7) Bilderstreit am Städel
Wie schon bei den bisher produzierten Ausstellungsdigitorials werden für Desktop, Tablet und Smartphone aufschlussreiche Informationen, übergreifende Zusammenhänge und Hintergrundgeschichten responsiv in neuartiger Visualität gebündelt. Die multimediale Verschränkung von Bild, Ton und Text schafft eine vielfältige Vernetzung der Inhalte und völlig neue Wege der Darstellung, Erzählung und Vermittlung von Kunst.
THEMEN-DIGITORIAL: KUNST IM ZEICHEN DER REFORMATION
reformation.staedelmuseum.de
Autoren: Anne Sulzbach, Anna Huber, Chantal Eschenfelder, Jakob Schwerdtfeger
Ermöglicht durch: FAZIT-STIFTUNG
Social Media: Das Städel Museum kommuniziert das Digitorial in den sozialen Medien mit dem Hashtag #Reformation.
Städel Museum:
Information: www.staedelmuseum.de, info@staedelmuseum.de,
Telefon +49(0)69-605098-200, Fax +49(0)69-605098-112
Besucherdienst: Telefon +49(0)69-605098-232, besucherdienst@staedelmuseum.de
Ort: Städel Museum, Schaumainkai 63, 60596 Frankfurt am Main
Veranstaltungsprogramm Januar 2017
Veranstaltungsprogramm Februar 2017
Die am 24. November 2016 gestartete Sonderausstellung „Geschlechterkampf. Franz von Stuck bis Frida Kahlo“ erfreut sich großer Beliebtheit. Bereits über 60.000 Menschen besuchten in den ersten acht Wochen die groß angelegte Schau im Städel Museum. Während der Laufzeit bietet das Rahmenprogramm immer wieder Highlights. Am 4. Februar 2017 lädt das Städel Museum ab 20.00 Uhr unter dem Titel „Stereo Night“ zur großen Party-Nacht. Die Ausstellung bleibt bis spät in die Nacht geöffnet, junge Kunstexperten erläutern ausgewählte Werke und zudem finden stündlich „Art Battles“ statt, in denen Kunstvermittler angeregt über den Kampf der Geschlechter diskutieren. Im Metzler-Saal fordern sich die DJs DEBONAIR (NTS) und Bake (All Caps) bei einem B2B-Set gegenseitig heraus und lassen mit ihren elektronischen Sounds eine mitreißende Tanzarena entstehen. Die Londonerin DEBONAIR ist ein Club- und Radio-DJ – bekannt durch das NTS Radio –, die sich mit ihren anspruchsvollen Post-Punk-, Coldwave-, EBM-, Techno-, Italo-Disco- und Classic House-Sets einen Namen gemacht hat. DJ Bake (All Caps) aus Glasgow hat monatliche Auftritte auf Rinse FM und ist Co-Inhaber des Labels All Caps. Er schafft es mühelos, an den Turntabels aus bekannten Platten neuartige Sounds entstehen zu lassen. Zudem wird Franziska Berns als DJ-Support unterstützen. Im Vorfeld der Party ruft das Städel seine Social-Media-Community unter dem Hashtag #LetsTalkAboutSexes auf, Bild-, Video und Textbeiträge zu teilen, die sich um das spannungsgeladene Verhältnis von Mann und Frau heute drehen. Zum Abschluss der Aktion werden die besten Beiträge auf der Veranstaltung präsentiert.
Die Veranstaltung wird gefördert durch die Bank Julius Bär Europe AG.
Der Vorverkauf für die „Stereo Night“ ist limitiert und kostet 12 Euro, die Karten können unter tickets.staedelmuseum.de erworben werden. Tickets an der Abendkasse sind für 14 Euro erhältlich, Studenten zahlen dort 12 Euro.
Die umfassende Sonderausstellung „Geschlechterkampf. Franz von Stuck bis Frida Kahlo“, die noch bis zum 19. März 2017 im Städel Museum zu sehen ist, widmet sich einem zeitlosen Thema: der spannungsgeladenen Beziehung zwischen Mann und Frau und deren Darstellung in der Kunst. Beleuchtet wird die künstlerische Auseinandersetzung mit Geschlechterrollen und -beziehungen von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges. Anhand von über 150 Werken zeigt die Ausstellung, wie kontrovers Künstlerinnen und Künstler der Moderne auf die Konstruktion von Geschlechtermodellen reagierten und wie sie Stereotypen, Idealbilder und Identifikationsfiguren in Malerei, Skulptur, Grafik, Fotografie und Film behandelten.
Stereo Night – Die Party zur Ausstellung "Geschlechterkampf"
Samstag, 4. Februar 2017, Ab 20.00 Uhr
Information: www.staedelmuseum.de, info@staedelmuseum.de, www.facebook.com/staedelmuseum, Telefon +49(0)69-605098-200, Fax +49(0)69-605098-111
Ort: Städel Museum, Schaumainkai 63, 60596 Frankfurt am Main
Öffnungszeiten: ab 20.00 Uhr bis spät in die Nacht
Eintritt: 12 Euro (limitierter Vorverkauf),
14 Euro (Abendkasse; reduzierter Eintrittspreis von 12 Euro für Studenten)
Kartenvorverkauf: tickets.staedelmuseum.de
#LetsTalkAboutSexes: Mehr zur Aktion unter blog.staedelmuseum.de/letstalkaboutsexes-social-media-aktion-zu-geschlechterkampf/
Gefördert durch: Bank Julius Bär Europe AG
Mit einer Ausstellung über die Darstellung von Raumkonzepten in Zeichnung und Druckgrafik startet das Städel Museum ins Ausstellungsjahr 2017. Vom 15. Februar bis 14. Mai zeigt das Frankfurter Museum „In die dritte Dimension. Raumkonzepte auf Papier vom Bauhaus bis zur Gegenwart“ in der Ausstellungshalle der Graphischen Sammlung. Die Schau geht der Frage nach, wie Raum bildende und Orientierung stiftende Merkmale wie Grenzen, Form und Volumen, Innen und Außen in Zeichnung und Druckgrafik, also in der Fläche, dargestellt werden. Sie setzt bei den geometrischen Kompositionen von El Lissitzky und László Moholy-Nagy aus dem Jahr 1923 an und führt bis zu Druckgrafiken der gegenwärtigen Konzeptkunst. Zu sehen sind ausgewählte Arbeiten von insgesamt 13 Künstlern, darunter Lucio Fontana, Eduardo Chillida, Sol LeWitt, Blinky Palermo, James Turrell und Michael Riedel. Lithografien mit konstruktivistischen Perspektivdarstellungen treffen auf in den Raum drängende Prägedrucke. Schlitzungen, die imaginative Räume eröffnen, werden Entwürfen für Wandarbeiten gegenübergestellt. Dreidimensionalität suggerierende Druckgrafiken von Künstlern der Minimal Art, der Raum- und Lichtkunst begegnen Kreidezeichnungen, Faltungen und Collagen von Bildhauern des 20. Jahrhunderts. Es sind keine vorbereitenden Skizzen oder nachträglich angefertigte Dokumentationen, die hier gezeigt werden, sondern eigenständige Werke, in denen die Künstler ihre Raumkonzepte unter den formalen Bedingungen druckgrafischer und zeichnerischer Techniken fortgeführt haben. Die Ausstellung versammelt bedeutende Blätter aus der Graphischen Sammlung des Städel Museums, ausgewählte Werke der Sammlung Deutsche Bank im Städel Museum, Dauerleihgaben der Commerzbank AG, Frankfurt am Main und Leihgaben aus Privatbesitz.
„Viele bedeutende Künstler haben sich mit dem Thema Raum und Dreidimensionalität auf dem zweidimensionalen Medium Papier auseinandergesetzt. Dass wir diese Ausstellung nahezu vollständig aus den eigenen Beständen heraus konzipieren konnten, zeigt, wie hochkarätig unsere Graphische Sammlung bestückt ist“, so Städel Direktor Dr. Philipp Demandt.
„Wenn man genau hinschaut, dann liegen in den Schubladen unserer Graphischen Sammlung einige Skulpturen“, konstatiert die Kuratorin der Ausstellung, Jenny Graser. „Viele Künstler haben im 20. Jahrhundert die Grenzen zwischen den Medien hinterfragt. Die Differenzen zwischen Skulptur, Zeichnung und Druckgrafik wurden aufgeweicht.“ In sieben Kapiteln präsentiert die Sonderausstellung ganz unterschiedliche Ansätze in der Darstellung von Räumlichkeit auf dem Papier und zeigt dabei Differenzen wie auch über Jahrzehnte hinweg bestehende gemeinsame Anknüpfungspunkte der einzelnen künstlerischen Positionen auf.
Am Ausgangspunkt der Ausstellung steht die von Martin Heidegger (1889–1976) in seiner Schrift Die Kunst und der Raum (1969) gestellte Frage nach dem Unterschied zwischen einer künstlerischen Erkundung des Raumes und einer auf mathematischen und physikalischen Gesetzmäßigkeiten beruhenden Erforschung von Raum. Gleich im ersten Kapitel der Präsentation werden etablierte Vorstellungen von Raum aufgebrochen. Den Auftakt bilden zwei Mappenwerke des russischen Avantgardisten El Lissitzky (1890–1941) und des ungarischen Künstlers und Bauhaus-Lehrers László Moholy-Nagy (1895–1946), in denen utopische Raumkonzepte vorgestellt werden. Lissitzky hat in den 1920er-Jahren das Modell eines idealen und universellen Raums entwickelt, der sich einer auf mathematischen Gesetzen beruhenden Messbarkeit entzieht. Dieser Raum weist keine Grenzen auf, er ist offen, unabgeschlossen. Die Charakteristika dieses Raumgefüges lassen sich in Lissitzkys Grafikmappe Proun (1923) nachvollziehen. Zur selben Zeit fertigte auch Moholy-Nagy ein druckgrafisches Mappenwerk an. Er widmete sich allerdings dem Phänomen Licht. Seine Auseinandersetzung mit dem Facettenreichtum transparenter Wirkungen fand Ausdruck in der sechs Lithografien umfassenden Mappe Konstellationen (1923). Das Medium der Lithografie mit seinem Reichtum an Schattierungen und feinsten Tonalitäten ermöglichte es dem Maler, die Untersuchung von Transparenzen in einer für ihn neuen Technik fortzuführen.
Das zweite Kapitel der Ausstellung widmet sich dem in Cotta bei Dresden geborenen Künstler Hermann Glöckner (1889–1987). Ein scheinbar simpler konstruktiver Akt, das Falten, beschreibt die Arbeitsweise, die sein gesamtes Schaffen prägte. In seiner Reihe der 3 Phasen (1980) schuf er Formen, indem er ein Blatt Papier mehrmals knickte und die so entstandenen Flächen mit Farbe bestrich. Glöckner untersuchte aus Flächen gestaltete dreidimensionale Gebilde nicht allein auf Papier und Leinwand, sondern ebenfalls anhand von Plastiken, wie das Werk Ein Paar symmetrischer Körper aus gefalteten Elementen (1968) veranschaulicht.
Die von den ersten beiden Kapiteln der Ausstellung vorbereiteten konstruktivistischen Ansätze finden ihre Fortsetzung in den linearen Konstruktionen des deutschen Bildhauers Norbert Kricke (1922–1984) und des amerikanischen Künstlers Fred Sandback (1943–2003). In seinen Zeichnungen erkundete Kricke die freie Bewegung der Linie im Raum. Die für das Medium der Zeichnung charakteristische Erscheinungsform der Linie überführte er auch in seine aus Stahldraht gebogenen Plastiken. Fred Sandback gelangte auf der Suche nach einem skulpturalen Körper ohne feste Masse, ohne Inneres, ebenfalls zur Linie. In seiner ersten Plastik zog er 1967 mit Stahldraht und Gummischnüren die Umrisse eines plastischen Körpers nach und reduzierte diesen auf seine grafische Substanz. Noch im selben Jahr weitete er seine Skulpturen auf Wände und Decken aus, wo er mit Schnüren verschiedenste Varianten von U-Formen, Diagonalen, Rechtecken, Dreiecken, Trapezoiden und Polygonen spannte. Das serielle Prinzip und die Vielfalt an Modulen führt uns der Künstler in der Mappe Twenty-two Constructions from 1967 (1986) vor Augen.
Die klare Formensprache geometrischer Figuren sowie das serielle Prinzip der Minimal Art findet im nächsten Kapitel seine Fortsetzung. Hier werden Druckgrafiken von Sol LeWitt (1928–2007) und James Turrell (*1943) präsentiert, die vor allem durch den Einsatz von Farben und Helligkeitsabstufungen die Wirkung dreidimensionaler Körper hervorrufen. Seine Experimente mit Raster- und Raumstrukturen führte LeWitt unter anderem in nahezu 300 druckgrafischen Projekten durch. Seit 1982 widmete sich der Künstler vorrangig Darstellungen dreidimensionaler Formen, wovon auch die fünf Linolschnitte der Serie Distorted Cubes (A–E) aus dem Jahr 2001 zeugen. Die dreidimensionale Wirkung der hier dargestellten verzerrten Würfel wird allein durch die Wirkkraft der Farbe erreicht. Ausschließlich mit projiziertem Licht untersucht der amerikanische Künstler James Turrell seit Mitte der 1960er-Jahre die illusionistische Dreidimensionalität geometrischer Körper. Die Aquatinta-Serie Still Light (1990–1991) geht auf Turrells Projection Pieces aus den Jahren 1966 bis 1967 zurück, bei denen Licht in Form von geometrischen Körpern auf Ecken abgedunkelter Räume geworfen wurde. Je nach Betrachterstandpunkt wurde der Eindruck eines grell leuchtenden Objekts, mal auf dem Boden aufsetzend, mal schwebend, erzeugt. Die vier ausgestellten Druckgrafiken greifen jeweils eine abstrakte Form der Projection Pieces auf: Dreieck, Würfel, Trapez und Balken.
An die raumkonstituierende Wirkung von Licht und Farbe knüpft das fünfte Kapitel der Ausstellung an. Wie einst Moholy-Nagy, so begann auch Blinky Palermo (1943–1977) die räumliche Wirkung transparenter, geschichteter Farb-Formen zu untersuchen. Während Palermos Drucke auf feinen, durchlässigen Farbschichten beruhen, sind die abstrakten Formen der Siebdruck-Reihe Rot Gelb Blau seines Freundes Imi Knoebel (*1940) in dicken, opaken Farbschichten gedruckt. Die glatten Farbflächen stehen auf dem Papier und bringen ein Relief aus übereinander gelagerten, konkaven und konvexen Formen hervor, das die dreidimensionalen Schichtungen der Wandarbeiten Knoebels auf die Fläche überträgt.
Die plastischen Qualitäten von Radierungen gelangen in den Prägedrucken des italienischen Bildhauers Giò Pomodoro (1930–2002) und des in Argentinien geborenen Künstlers Lucio Fontana (1899–1968) vollends zum Ausdruck. Hohe Wölbungen und tiefe Furchen durchziehen die Druckgrafiken Pomodoros, die an Gebirge und Gesteinsformationen erinnern. Dicke Farbkrusten kennzeichnen die Reliefs der Radierungen Lucio Fontanas aus dem Jahr 1964. Die Papierarbeiten der beiden Künstler weichen die scharfe Trennung von Skulptur und Grafik auf, indem sie mit Volumen, Höhen und Tiefen spielen. Kombiniert werden die Prägedrucke mit Werken des in Rüsselsheim geborenen Künstlers Michael Riedel (*1972), dessen raumbezogene Arbeiten nahezu sämtliche Medien umfassen, darunter Zeichnungen auf Transparentpapier, Wandbehänge aus Stoff und ganze Räume vereinnahmende Schriftbilder.
Den Höhepunkt der Ausstellung bildet das letzte Kapitel, das dem spanischen Bildhauer Eduardo Chillida (1924–2002) und seinem künstlerischen wie philosophischen Austausch mit Martin Heidegger (1889–1976) gewidmet ist. Besondere Berühmtheit erlangte das Buch Die Kunst und der Raum (1969), in dem Chillida einen Text von Martin Heidegger mit Collagen versah. Diese Collagen versinnbildlichen Chillidas in der zweiten und dritten Dimension formuliertes Raumkonzept: Raumüberschreitungen und -verschränkungen, Relationen zwischen Volumen und Formen, Zerstückelung und Dynamik, die Leere als raumbildendes Material. Das Buch wird von einer Schallplatte begleitet, die den eingesprochenen Text Martin Heideggers wiedergibt. In der Ausstellung wird diese Aufnahme für die Besucher in einer Hörstation präsentiert.
IN DIE DRITTE DIMENSION. RAUMKONZEPTE AUF PAPIER VOM BAUHAUS BIS ZUR GEGENWART
Kuratorin: Jenny Graser (Städel Museum)
Ausstellungsdauer: 15. Februar bis 14. Mai 2017
Information: www.staedelmuseum.de, info@staedelmuseum.de
Telefon: +49(0)69-605098-200, Fax +49(0)69-605098-112
Besucherdienst: Telefon +49(0)69-605098-232, besucherdienst@staedelmuseum.de
Ort: Städel Museum, Schaumainkai 63, 60596 Frankfurt am Main
Öffnungszeiten: Di, Mi, Sa, So + Feiertage 10.00–18.00 Uhr, Do + Fr 10.00–21.00 Uhr, montags geschlossen
Sonderöffnungszeiten: Fr, 14.4., 10.00–18.00; So, 16.4., 10.00–18.00 Uhr; Mo, 17.4., 10.00–18.00 Uhr; Mo, 1.5., 10.00-18.00 Uhr
Eintritt: 14 Euro, ermäßigt 12 Euro, Familienkarte 24 Euro; freier Eintritt für Kinder unter 12 Jahren; Gruppen ab 10 regulär zahlenden Personen: ermäßigter Eintrittspreis pro Person. Für Gruppen ist vorab eine Anmeldung unter Telefon +49(0)69-605098-200 oder info@staedelmuseum.de erforderlich.
Kartenvorverkauf: tickets.staedelmuseum.de
Überblicksführungen durch die Ausstellung: Do 18.00 Uhr und So 14.00 Uhr (die Teilnahme ist im Eintrittspreis enthalten).
Katalog: Zur Ausstellung erscheint ein von Jenny Graser verfasster Katalog, herausgegeben vom Städel Museum, deutsch, 52 Seiten, 9,90 Euro.
Social Media: Das Städel Museum kommuniziert die Ausstellung in den sozialen Medien mit den Hashtags #DritteDimension und #Staedel.
Veranstaltungsprogramm März 2017
Veranstaltungsprogramm April 2017
In einer umfassenden Überblicksausstellung widmet sich das Städel Museum vom 27. April bis 13. August 2017 der Becher-Klasse und dem mit ihr verbundenen Paradigmenwechsel im Medium der Fotografie. Anhand von rund 200 Fotografien der international renommierten oder wiederzuentdeckenden Künstler Volker Döhne, Andreas Gursky, Candida Höfer, Axel Hütte, Tata Ronkholz, Thomas Ruff, Jörg Sasse, Thomas Struth und Petra Wunderlich geht die Ausstellung der Frage nach, welchen Einfluss Bernd und Hilla Becher auf ihre Studentinnen und Studenten an der Düsseldorfer Kunstakademie ausübten. Was eint bzw. trennt die Arbeiten der Schülerinnen und Schüler von ihren Lehrern? Gibt es überhaupt so etwas wie eine Becher-Schule oder haben wir es ‚nur’ mit einer Gruppe sehr erfolgreicher Fotografinnen und Fotografen zu tun, die in einem besonders günstigen historischen Moment am ‚richtigen Ort’ studiert haben? Und welchen Einfluss hatten die Künstlerinnen und Künstler auf unseren gegenwärtigen Bildbegriff? Die Ausstellung „Fotografien werden Bilder. Die Becher-Klasse“ nimmt das Werk des Künstlerpaares als Ausgangspunkt, um die radikale Veränderung im Umgang mit dem Medium der Fotografie, die sich ab den 1980er- und vor allem in den 1990er-Jahren in den Arbeiten der Becher-Schüler manifestiert, aufzuzeigen und ihre kunsthistorische Tragweite bis in unsere Gegenwart zu untersuchen. Zu sehen sind großformatige Hauptwerke sowie zentrale Frühwerke der wohl einflussreichsten deutschen Fotografengeneration.
Die Studentinnen und Studenten der ersten von vielen aufeinanderfolgenden Becher-Klassen an der Düsseldorfer Kunstakademie haben die Kunst unserer Gegenwart in Bezug auf ihre ästhetischen, medialen und ökonomischen Rahmenbedingungen elementar verändert. Sie prägten nicht nur die Fotografie in den 1990er-Jahren auf internationaler Ebene in entscheidendem Maße, sondern bestimmten zugleich den Stellenwert und die Wahrnehmung der künstlerischen Fotografie allgemein vollkommen neu. Ihre Werke sind Ausdruck einer selbstbewussten Emanzipation der Fotografie als künstlerisches Medium und reflektieren zugleich jenen – nicht nur digitalen – Moment, in dem sich die medialen Grenzen auflösen.
Gefördert wird die Präsentation durch die DZ BANK AG.
„Die ersten – inzwischen weltbekannten – Schülerinnen und Schüler von Bernd und Hilla Becher haben einen ganz maßgeblichen Anteil an der Etablierung der Fotografie als gleichberechtigter künstlerischer Ausdrucksform. Die neun in unserer Ausstellung präsentierten Künstlerinnen und Künstler bewegen sich im Unschärfebereich von Malerei und Fotografie und entsprechen mit dieser bewussten Durchlässigkeit der Gattungsgrenzen einem zentralen Schwerpunkt der Sammlung Gegenwartskunst im Städel Museum“, unterstreicht Städel Direktor Dr. Philipp Demandt.
„Was mit der Lehre Bernd und Hilla Bechers angestoßen und von ihren Schülerinnen und Schülern weiterentwickelt wurde, ist ein neuer Bildbegriff, in dem sich mediale wie ästhetische Grenzziehungen zwischen Skulptur, Malerei und Fotografie auflösen. In dem historischen Moment also, in dem sich die Fotografie als eigenständiges Medium emanzipierte, läutete sie zugleich ihr eigenes Ende ein“, ergänzt Dr. Martin Engler, Kurator der Ausstellung.
Als maßgeblicher Impuls für die veränderte Wahrnehmung des Mediums der Fotografie kann die Begründung des Lehrstuhls für künstlerische Fotografie 1976 an der Düsseldorfer Kunstakademie gesehen werden. Diesen hatte Bernd Becher in enger Zusammenarbeit mit seiner Frau Hilla Becher bis 1996 inne. Noch vor der Berufung an die Düsseldorfer Akademie hatten sich Bernd und Hilla Becher mit ihrer Fotografie historischer Industriearchitektur einem Werkbegriff verpflichtet, der auf Bereiche jenseits des Fotografischen zielt. Fördertürme, Hochöfen, Gasbehälter oder Wassertürme wurden mit bestechender Tiefenschärfe zentralperspektivisch in frontaler Ansicht und bevorzugt vor einheitlich grauem Himmel aufgenommen – Zeugnisse einer im Verschwinden begriffenen Industriekultur. Die Einzelbilder gruppierten sie im Raster zu großformatigen Tableaus – den Typologien. Es geht dabei nicht mehr einfach um das Abbilden der Realität, sondern um deren Wahrnehmung. Die Wirklichkeit lässt sich nicht mehr in einem Einzelbild darstellen, sondern nur noch in einer Vielzahl paralleler Bilder. Ihre formalästhetische Inszenierung ist weit mehr als nur dokumentarisch. Die Nähe zu Minimal Art und Konzeptkunst ist unübersehbar. Sie zeigt sich in der Strenge ihres Bildvokabulars, ihrer industriellen Ästhetik sowie in einer neuen Form der schrittweisen Wahrnehmung eines Werks.
Die Studentinnen und Studenten der ersten Stunde haben sich insbesondere in ihrem Frühwerk intensiv mit den künstlerischen Strategien ihrer Lehrer befasst, um diese mit Beginn der 1990er-Jahre sehr eigenständig und in unverwechselbaren Stilausprägungen weiterzuverfolgen. Mittels unterschiedlicher Strategien, wie Formatgröße, Präsentation oder Motivik und nicht zuletzt mit – durch die digitalen Bildtechniken provozierten – abstrakten Bildfindungen wird die Durchdringung der Medien Malerei und Fotografie ins Extrem geführt. Dadurch entsteht ein neuer Bildbegriff, der mediale wie ästhetische Grenzen verschwimmen lässt. „Die Auflösung der Gattungsgrenzen wie auch der Einsatz technischer Innovationen ist für die Werke der ersten Becher-Klasse charakteristisch. Hierin zeigen sich auch die Auswirkungen einer sich wandelnden Medienkultur“, erklärt Dr. Jana Baumann, Ko-Kuratorin der Ausstellung.
Eine Ausstellung, die sich einem derart komplexen Phänomen einerseits und einer überaus fruchtbaren Lehrtätigkeit andererseits widmet, muss sich zwangsläufig beschränken. „Fotografien werden Bilder“ konzentriert sich bewusst auf die Studentinnen und Studenten der frühen Jahre der Becher-Klasse, die 1976 mit Höfer, Döhne, Hütte und Struth beginnen und mit dem Abschluss des Studiums von Gursky und Sasse, 1987/1988 enden. Gerade die deutlich zutage tretende Heterogenität der ersten Becher-Klasse mit ihren vielfältigen Ansätzen, die sich auf unseren heutigen Bildbegriff ausgewirkt haben, verdeutlicht im Rückblick, wie erfolgreich die Lehre Bernd und Hilla Bechers war.
Candida Höfer (geb. 1944) ist vor allem durch ihre Aufnahmen von öffentlichen Innenräumen wie Bibliotheken, Universitäten, Museen oder Wartesälen bekannt. Wie bei ihren Lehrern ist das rein Dokumentarische letztlich nachrangig. Insbesondere mit ihrer Hinwendung zur Farbfotografie begann sie, ikonisch klare und in ihrer Strenge höchst beeindruckende Aufnahmen inhaltlich aufgeladener Innenräume anzufertigen. Die formale Inszenierung der Interieurs erinnert in Komposition, Wiederholung und Rhythmus sowie in der Betonung ihrer Skulpturalität an die Typologien der Bechers.
Eine deutliche Nähe zu diesen ist ebenfalls bei den frühen Straßenbildern von Thomas Struth (geb. 1954), etwa West Broadway, Tribeca, New York (1978) oder Sommerstrasse, Düsseldorf (1980), erkennbar. Seine Vorgehensweise erinnert an die seiner Lehrer, jedoch hat er seinen Motivkanon erweitert. In seinem Werk beschäftigt er sich mit kulturellen Strukturen, bildet neben Straßen auch Museen oder religiöse Kultstätten ab und porträtiert Familien. Er macht Ordnungen und Verhältnisse anhand sozialer wie ethnologischer Spuren sichtbar und gelangt so zu einer weltumfassenden Erkundung des Menschen und seiner Lebenswelt im Bild.
Die schwarz-weißen Bildreihen von Petra Wunderlich (geb. 1954) bilden Kirchen oder Steinbrüche ausschnitthaft ab. Diese überführt sie in ein neues, abstrahiertes Kompositionsgefüge. So lassen sich Architekturen visuell auf ihre stereometrische Tektonik zurückführen und in der „aufgebrochenen“ Natur scheinen unvermittelt Grundformen des Architektonischen auf. Wunderlichs Fotografien können, wie jene der Bechers, als soziologische und historische Zeugnisse gelesen werden.
Die Werkgruppen Volker Döhnes (geb. 1953) stehen konzeptuell wie motivisch den Typologien Bernd und Hilla Bechers sehr nahe: Er entwickelte Serien wie Kleineisenindustrie (1977/78) oder Kleine Eisenbahnbrücken und Unterführungen im Bergischen und Märkischen Land (1979). Mit seiner Reihe Bunt (1979) experimentierte Döhne dem Titel entsprechend mit Farbe und emanzipierte sich von seinen Lehrern.
Tata Ronkholz’ (1940–1997) fotografisches Hauptinteresse galt Fabriktoren, Schaufenstern oder Trinkhallen und Imbissen, die sie stets bildmittig und bei gleichmäßigem Tageslicht aufnahm. Die konsequente Ausführung der Fotografien in Schwarz-Weiß, die gleichbleibende Größe der Abzüge, aber auch das serielle, typologisch vergleichende Vorgehen erinnern stark an die Bilder der Bechers.
In besonderer Weise und in immer wieder neuen Formulierungen ist auch Thomas Ruff (geb. 1958) der seriellen Methodik seiner Lehrer verpflichtet. Seine Porträtaufnahmen sowie die zum Teil aus gefundenem Material entstandenen und stark vergrößerten Nachtaufnahmen verdeutlichen seine grundlegend skeptische Haltung gegenüber dem Wahrheits- und Dokumentationsanspruch von Fotografie. Sein konsequentes Befragen neuer Bildquellen und Technologien veranschaulichen vielleicht am eindrücklichsten die Art und Weise, wie Ruff den Ansatz von Bernd und Hilla Becher weiterführt.
Axel Hüttes (geb. 1951) frühe Architekturausschnitte befragen soziale Situationen mittels einer von Distanz und Anonymität bestimmten fotografischen Bildgestaltung. Er widmet sich dabei zersiedelten Landschaften ebenso wie vermeintlich unberührter Natur, die jedoch immer durch menschliche Eingriffe geformt worden ist. Auffällig bei Hütte ist sein starker Bezug zur historischen Landschaftsmalerei, deren formale Konstruktionsprinzipien er zugleich kopiert und dekonstruiert. Während die Bechers ihr Augenmerk auf das skulpturale oder konzeptuelle Potenzial ihrer Bilder lenkten, nimmt Axel Hütte die Malerei als Leitmedium der Moderne in den Blick.
Jörg Sasse (geb. 1962) widmete sich in seinem Frühwerk hochartifiziellen und zugleich prosaischen Arrangements kleinbürgerlicher Wohnkultur. Die reduzierte Strenge dieser frühen Werke verkehrt sich in seinen späteren „Tableaus“ in ihr Gegenteil. Gefundene wie eigene Bildvorlagen werden aufwendig digital wie analog von ihm bearbeitet und lassen die Grenzen von Malerei und Fotografie bis zur Unkenntlichkeit verschwimmen. Auch Andreas Gurskys (geb. 1955) frühe Fotografien sind vom unvermittelten Interesse an der alltäglichen Umgebung geprägt – im privaten wie im öffentlichen Raum, im Arbeits- wie im Freizeitkontext. Ähnlich wie Sasse setzt er sich mit der ästhetischen Grenze von fotografischer und malerischer Bildgebung auseinander. Durch digitale Manipulation, mit der er das Bildmotiv bis zur Abstraktion dupliziert und montiert, entstehen irritierende Bildarchitekturen, sodass Konstruktion und Wirklichkeit auf großformatigen Farbabzügen verschmelzen.
Die Entwicklung der Becher-Klasse zeigt, wie der sich öffnende Werkbegriff der Konzeptkunst in einen neuen Bildbegriff mündet. Was sich bei den Lehrern erst andeutete, wird durch die Schülerinnen und Schüler sowie nachfolgende Künstlergeneration zu einer epochalen Veränderung im Umgang mit den Bildern unserer Wirklichkeit. Die Einsicht, dass Fotografie die Wirklichkeit nicht unvoreingenommen wiedergeben kann, bedeutet sodann nicht ein Weniger, sondern ein Mehr an künstlerischem Potenzial, ihre Unschärfe im Abbilden der Realität – im konkreten wie übertragenen Sinne – ein Mehr an Komplexität. Nicht zuletzt digitale Eingriffe ermöglichen innovative Bildschöpfungen; aber auch im Schritt vom Einzelwerk zu Typologie und Serie, von Detail zu Gesamtbild verwischen die Grenzen des fotografischen Bildes. Die Antwort auf alle Fragen bezüglich Bedeutung und Einordnung, Lehre und Begrifflichkeit dessen, was wir „Becher-Schule“ nennen, läge dann in einer ebenso simplen, wie überraschenden Feststellung: In dem historischen Moment, in dem sich die Fotografie als eigenständiges Medium emanzipierte, läutete sie zugleich ihr eigenes Ende ein.
Fotografien werden Bilder. Die Becher-Klasse
Künstlerliste: Bernd und Hilla Becher, Volker Döhne, Andreas Gursky, Candida Höfer, Axel Hütte, Tata Ronkholz, Thomas Ruff, Jörg Sasse, Thomas Struth, Petra Wunderlich
Kurator: Dr. Martin Engler, Sammlungsleiter Gegenwartskunst am Städel Museum
Ko-Kuratorin: Dr. Jana Baumann, Städel Museum
Ausstellungsdauer: 27. April bis 13. August 2017
Pressevorbesichtigung: Mittwoch, 26. April 2017, 11.00 Uhr
Ort: Städel Museum, Schaumainkai 63, 60596 Frankfurt
Katalog: Zur Ausstellung erscheint im Hirmer Verlag ein Katalog mit 256 Seiten und ca. 178 Abbildungen, mit einem Vorwort von Philipp Demandt, Essays von Alexander Alberro, Jana Baumann, Martin Engler und Steffen Siegel sowie Texten von Lukas Engert, Iris Hasler, Markus Kramer und Kristin Schrader. Deutsche Ausgabe, 34,90 Euro (Museumsausgabe).
Information: www.staedelmuseum.de, info@staedelmuseum.de,
Telefon +49(0)69-605098-200, Fax +49(0)69-605098-112
Besucherdienst: Telefon +49(0)69-605098-232, besucherdienst@staedelmuseum.de
Öffnungszeiten: Di, Mi, Sa, So + Feiertage 10.00–18.00 Uhr, Do + Fr 10.00–21.00 Uhr, montags geschlossen
Sonderöffnungszeiten: 1.5., 10.00–18.00 Uhr; 25.5., 10.00–18.00 Uhr; 4.6., 10.00–18.00 Uhr; 5.6., 10.00–18.00 Uhr; 15.6., 10.00–18.00 Uhr
Eintritt: 14 Euro, ermäßigt 12 Euro, Familienkarte 24 Euro; freier Eintritt für Kinder unter 12 Jahren; Gruppen ab 10 Personen: ermäßigter Eintrittspreis pro Person. Für Gruppen ist vorab eine Anmeldung unter Telefon +49(0)69-605098-200 oder info@staedelmuseum.de erforderlich.
Kartenvorverkauf: tickets.staedelmuseum.de
Digitorial: Ein aufwendig gestaltetes, interaktives Digitorial gibt ab 5. April 2017 unter becherklasse.staedelmuseum.de umfassende Einblicke in die Ausstellung. Das Digitorial wird durch die Aventis Foundation ermöglicht.
Social Media: Das Städel Museum kommuniziert die Ausstellung in den sozialen Medien mit den Hashtags #BecherKlasse und #Staedel.
Überblicksführungen durch die Ausstellung: Do 19.00 Uhr, Sa 16.00 Uhr sowie Mo, 1.5., Do, 25.5., Mo, 5.6., Do, 15.6. 16.00 Uhr. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt.
Gefördert durch: DZ BANK AG
Am 23. April 2017 öffnet das Städel Museum bei freiem Eintritt seine Türen und heißt alle Interessierten herzlich willkommen in Deutschlands ältester bürgerlicher Museumsstiftung. Der erstmalig stattfindende „Tag der Begegnung“ im Städel steht ganz im Zeichen des Zusammentreffens und Austauschs verschiedenster Besucher. Den Rahmen dafür bieten zahlreiche Vermittlungsformate, welche die enorme Vielfalt und kunsthistorische Bandbreite der Städelschen Sammlung näherbringen und zum schlaglichtartigen bis ausgiebigen Erkunden von 700 Jahren Kunstgeschichte einladen. Den ganzen Tag über besteht die Möglichkeit, an Führungen teilzunehmen oder an Wissensstationen individuell mit Kunstvermittlern ins Gespräch zu kommen – und das in insgesamt 17 verschiedenen Sprachen: Arabisch, Bosnisch, Bulgarisch, Deutsch, Englisch, Farsi, Französisch, Griechisch, Italienisch, Japanisch, Kroatisch, Polnisch, Rumänisch, Russisch, Serbisch, Spanisch und Türkisch. Familien mit Kindern können die Kunst im Städel auf spielerische Weise kennenlernen und in kreativen Workshops selbst gestalterisch tätig werden. Führungen in Gebärdensprache und mit ausführlichen Bildbeschreibungen ergänzen das Programm. Abgerundet wird der Tag mit jazzigen Klängen sowie kulinarischen Snacks und Köstlichkeiten.
„Seit meiner Ankunft im Oktober 2016 erlebe ich Frankfurt aus nächster Nähe in seiner ungemeinen Weltoffenheit, Dynamik und Vielfalt, die in der Metropole am Main schon lange Tradition haben. Der ‚Tag der Begegnung‘ im Städel spiegelt und feiert das, was hier bemerkenswerter Alltag ist, in einer der zentralen Kulturinstitutionen der Stadt. Seit seiner Gründung ist das Städel Museum ein wichtiger Ort der Zusammenkunft und des Austausches, der einen essenziellen Baustein der Zivilgesellschaft darstellt“, kommentiert Philipp Demandt, Direktor des Städel Museums, die Veranstaltung.
Wie generell in der Ausrichtung und Gestaltung seines gesamten Vermittlungs- und Veranstaltungsangebots spricht das Städel Museum auch am „Tag der Begegnung“ in umfassendem Maße eine breite Besucherpalette aller Altersgruppen sowie unterschiedlichster sozialer, geografischer und kultureller Herkunft an – von alteingesessenen Frankfurtern bis zu Neuankömmlingen in der Stadt.
Welcome! Tag der Begegnung im Städel
Sonntag, 23. April 2017, 10.00 bis 18.00 Uhr, Eintritt frei
Programm für Erwachsene
Arabisch
Treffpunkt: Sammlungsbereich Gegenwartskunst
15.00–18.00 Uhr Wissensstation: Kunstwerke im Gespräch
Bosnisch
Treffpunkt: Sammlungsbereich Alte Meister
11.00–13.00 Uhr Wissensstation: Kunstwerke im Gespräch
14.00–16.00 Uhr Wissensstation: Kunstwerke im Gespräch
Bulgarisch
Treffpunkt: Sammlungsbereich Gegenwartskunst
12.00–15.00 Uhr Wissensstation: Kunstwerke im Gespräch
Deutsch
Treffpunkt: Metzler-Foyer
11.00 Uhr Führung „Gesichter: Blick in die Vergangenheit“
12.00 Uhr Führung „Die Idee als Kunstwerk“
13.00 Uhr Führung „Sehnsucht nach fremden Welten“
14.00 Uhr Führung „Aus der Mode?“
15.00 Uhr Führung „Um die Welt: Internationaler Handel um 1600“
16.00 Uhr Führung „Traumbilder“
17.00 Uhr Führung „Rundum. Skulpturen im Städel“
Englisch
Treffpunkt: Metzler-Foyer
11.00 Uhr Führung „Gesichter: Blick in die Vergangenheit“
12.00 Uhr Führung „Die Idee als Kunstwerk“
13.00 Uhr Führung „Sehnsucht nach fremden Welten“
14.00 Uhr Führung „Aus der Mode?“
15.00 Uhr Führung „Um die Welt: Internationaler Handel um 1600“
16.00 Uhr Führung „Traumbilder“
17.00 Uhr Führung „Rundum. Skulpturen im Städel“
Farsi
Treffpunkt: Sammlungsbereich Kunst der Moderne
11.00–14.00 Uhr Wissensstation: Kunstwerke im Gespräch
Französisch
Treffpunkt: Metzler-Foyer
11.30 Uhr Führung „Deutsch-Französische Freundschaft im 19. Jahrhundert“
13.30 Uhr Führung „Vom Verlust der Form“
16.30 Uhr Führung „Warum so ernst? Mimik im Lauf der Zeit“
Griechisch
Treffpunkt: Sammlungsbereich Kunst der Moderne
14.00–17.00 Uhr Wissensstation: Kunstwerke im Gespräch
Italienisch
Treffpunkt: Metzler-Foyer
11.30 Uhr Führung „Florenz – Venedig – Rom. Kunstzentren der Renaissance“
12.30 Uhr Führung „Stillleben: Köstlichkeiten aus aller Welt“
16.30 Uhr Führung „Fernweh um 1800“
Japanisch
Treffpunkt: Metzler-Foyer
11.30 Uhr Führung „Stadträume“
15.30 Uhr Führung „Raumkonzepte. Zeitgenössische Installationen im Städel“
Kroatisch
Treffpunkt: Sammlungsbereich Alte Meister
11.00–13.00 Uhr Wissensstation: Kunstwerke im Gespräch
14.00–16.00 Uhr Wissensstation: Kunstwerke im Gespräch
Polnisch
Treffpunkt: Metzler-Foyer
16.30 Uhr Führung „Kaviar, Zimt und Schokolade. Materialien in der Gegenwartskunst“
17.30 Uhr Führung „Vom Goldgrund zur Perspektive“
Rumänisch
Treffpunkt: Sammlungsbereich Kunst der Moderne
12.00–14.00 Uhr Wissensstation: Kunstwerke im Gespräch
16.00–18.00 Uhr Wissensstation: Kunstwerke im Gespräch
Russisch
Treffpunkt: Sammlungsbereich Alte Meister
12.00–14.00 Uhr Wissensstation: Kunstwerke im Gespräch
16.00–18.00 Uhr Wissensstation: Kunstwerke im Gespräch
Serbisch
Treffpunkt: Sammlungsbereich Alte Meister
11.00–13.00 Uhr Wissensstation: Kunstwerke im Gespräch
14.00–16.00 Uhr Wissensstation: Kunstwerke im Gespräch
Spanisch
Treffpunkt: Sammlungsbereich Gegenwartskunst
11.00–12.00 Uhr Wissensstation: Kunstwerke im Gespräch
13.00–16.00 Uhr Wissensstation: Kunstwerke im Gespräch
Türkisch
Treffpunkt: Metzler-Foyer
13.30 Uhr Führung „Zusammen. Familienbilder im Städel Museum“
14.30 Uhr Führung „Frankfurter Bilder“
Barrierefreies Kunsterlebnis
Deutsch
Führungen mit Gebärdensprachendolmetscherin
Treffpunkt: Metzler-Foyer
13.00 Uhr Führung „Sehnsucht nach fremden Welten“
14.00 Uhr Führung „Aus der Mode?“
Führungen mit ausführlichen Bildbeschreibungen
Treffpunkt: Metzler-Foyer
12.00 Uhr Führung „Die Idee als Kunstwerk“
15.00 Uhr Führung „Um die Welt: Internationaler Handel um 1600“
16.00 Uhr Führung „Traumbilder“
Englisch
Führungen mit ausführlichen Bildbeschreibungen
Treffpunkt: Metzler-Foyer
12.00 Uhr Führung „Die Idee als Kunstwerk“
15.00 Uhr Führung „Um die Welt: Internationaler Handel um 1600“
16.00 Uhr Führung „Traumbilder“
Programm für Familien und Kinder
Deutsch
Treffpunkt: Metzler-Foyer
11.00 Uhr Handpuppenführung „Louis und Lulu sagen Hallo!“ (ab 4 Jahren)
14.30 Uhr Märchenreise „Lieder aus aller Welt“ (ab 4 Jahren)
15.30 Uhr Märchenreise „Lieder aus aller Welt“ (ab 4 Jahren)
Englisch
Treffpunkt: Metzler-Foyer
13.30 Uhr Familienführung „Tanzende Mäuse und hüpfende Hunde!“ (ab 4 Jahren)
Türkisch
Treffpunkt: Metzler-Foyer
12.00 Uhr Familienführung „Mein Lieblingsbild im Städel Museum“ (ab 4 Jahren)
Offenes Atelier
ab 6 Jahren, in den Städel Ateliers, 1. Etage
10.30–18.00 Uhr „Grüße aus dem Städel Museum – Farbenfrohe Postkarten aus Papier“
10.30–18.00 Uhr Kartendruckworkshop „Herzlich willkommen“
Dr. Regina Freyberger wechselt zum 1. Juni 2017 von der Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin nach Frankfurt am Main
Frankfurt am Main, 5. April 2017. Das Frankfurter Städel Museum hat eine neue Leiterin für seine Graphische Sammlung ab 1750: Dr. Regina Freyberger tritt die Stelle zum 1. Juni 2017 an. Mit Freyberger, zuletzt wissenschaftliche Mitarbeiterin der Staatlichen Museen zu Berlin, gewinnt das Städel eine herausragende Kunsthistorikerin, die sich in den letzten Jahren durch ihre Mitwirkung an vielbeachteten Ausstellungen und durch rege wissenschaftliche Aktivitäten einen Namen gemacht hat. Freyberger tritt im Städel Museum die Nachfolge der im Oktober 2016 verstorbenen Dr. Jutta Schütt an.
„Regina Freyberger ist eine versierte, kompetente und äußerst kreative Kunsthistorikerin, die ich in unserer gemeinsamen Zeit an der Nationalgalerie in Berlin und insbesondere während der Arbeit an den Ausstellungen ‚Rembrandt Bugatti‘ und ‚Impressionismus – Expressionismus‘ überaus schätzen gelernt habe“, kommentiert Städel Direktor Dr. Philipp Demandt die Neubesetzung. „Ich freue mich auf die Fortsetzung unserer erfolgreichen Zusammenarbeit in Frankfurt.“
Regina Freyberger wurde 1980 in München geboren. Nach dem Studium der Kunstgeschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität in München promovierte sie dort mit einer Dissertation über Darstellungen zu Grimms Märchen in der Zeit von 1819 bis 1945. Für die von Prof. Dr. Frank Büttner und Prof. Dr. Andrea Gottdang betreute Arbeit wurde Freyberger mit dem Lutz-Röhrich-Preis ausgezeichnet. Nach einer mehrjährigen Tätigkeit in einem auf Grafik- und Buchhandel spezialisierten Auktionshaus arbeitete Freyberger von 2012 bis 2014 zunächst als wissenschaftliche Museumsassistentin in der Generaldirektion der Staatlichen Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz sowie an der Nationalgalerie, bevor sie für den Verein der Freunde der Nationalgalerie als wissenschaftliche Mitarbeiterin an den Ausstellungen „Rembrandt Bugatti“ sowie „Impressionismus – Expressionismus. Kunstwende?“ tätig war. Seit 2015 leitet sie das Projekt der Erstellung eines umfangreichen Bestandskatalogs der Gemälde des 19. Jahrhunderts der Nationalgalerie, der am 29. März dieses Jahres erschienen ist. Zuletzt kuratierte Regina Freyberger die Ausstellung „Kleine Meisterwerke“ an der Alten Nationalgalerie, die anhand von 112 selten gezeigten Gemälden Fragen der Sammlungspolitik einer großen Museumsinstitution nachgeht. Zudem war Freyberger als Autorin an diversen wissenschaftlichen Publikationen beteiligt und blickt auf eine rege Vortragstätigkeit zurück.
„Ich freue mich sehr auf die Arbeit in der Graphischen Sammlung des Städel Museums, auf das Team und das neue Lebensumfeld in Frankfurt. Die hochkarätige und umfangreiche Graphische Sammlung des Städel birgt nicht nur Werke zahlreicher bedeutender Künstler, sondern sicherlich auch noch vieles, das es zu entdecken lohnt. Diese Qualität und Vielfalt der Sammlung immer wieder auf neue und anregende Weise herauszustellen sowie durch Neuerwerbungen beständig zu erweitern, ist eine so reizvolle Aufgabe, dass ich ihr mit großer Freude entgegen sehe“, betont Regina Freyberger.
Die Graphische Sammlung im Städel Museum beherbergt etwa 100.000 Zeichnungen und Druckgrafiken vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart. Dank der hohen Qualität dieses Bestandes gehört sie zu den bedeutendsten Sammlungen ihrer Art in Deutschland. Die Bestände gehen auf Johann Friedrich Städel (1728–1816), den Stifter des Museums, zurück und wurden durch bedeutende Kenner wie Johann David Passavant (1787–1861) und Georg Swarzenski (1876–1957) im 19. und 20. Jahrhundert wesentlich ausgebaut. Höhepunkte der Sammlung sind neben den exzellenten Altmeister-Beständen vor 1800 (Dürer, Michelangelo, Raffael, Rembrandt) die nazarenischen Zeichnungen, die französischen Zeichnungen und Druckgraphiken des 19. Jahrhunderts, Werke des Expressionismus oder der amerikanischen Kunst nach 1945.
Veranstaltungsprogramm Mai 2017
Die Schirn Kunsthalle Frankfurt, das Städel Museum und die Liebighaus Skulpturensammlung haben an den Osterfeiertagen geöffnet und laden mit Angeboten für die ganze Familie zum Besuch der Ausstellungen und Sammlungspräsentationen ein.
In der Schirn erwarten die Besucherinnen und Besucher die beiden Ausstellungen „Magritte. Der Verrat der Bilder“ und „Richard Gerstl Retrospektive“ mit unterschiedlichen Vermittlungsangeboten. Von Dienstag, dem 11. April bis Donnerstag, dem 13. April 2017 findet jeweils von 14 bis 17 Uhr ein tageweise buchbares Osterferienprojekt für Kinder ab 9 Jahren in der Magritte-Ausstellung statt. Das Städel Museum und in der Liebieghaus Skulpturensammlung bieten an den Feiertagen zahlreiche Führungen durch ihre Sammlungen. Das Städel Museum lädt unter anderem am Ostersonntag um 15 Uhr mit der Familienführung „Auf der Suche. Versteckt im Bild“ zu einer etwas anderen Eiersuche ein und in der Liebighaus Skulpturensammlung steht in einer Führung am Ostersonntag um 11 Uhr die Ostergeschichte im Mittelpunkt.
Öffnungszeiten an den Feiertagen und Osterprogramm:
SCHIRN KUNSTHALLE FRANKFURT
Öffnungszeiten an den Osterfeiertagen
Freitag, 14. April 2017 10–19 Uhr
Samstag, 15. April 2017 10–19 Uhr
Sonntag, 16. April 2017 10–19 Uhr
Montag, 17. April 2017 10–19 Uhr
Osterferienprojekt
Dienstag, 11. April bis Donnerstag 13. April 2017, jeweils von 14 bis17 Uhr
An drei Tagen geht es für Kinder ab 9 Jahren um die verrätselten Bilder des Malers René Magritte. Nach einem gemeinsamen Grübeln vor den Kunstwerken gestalten die Kinder anschließend selbst. Das Workshop-Programm wechselt täglich und ist tageweise buchbar.
Gebühr: 8 € pro Tag, Anmeldung per Telefon unter 069 29 98 82-112 oder E-Mail mini@schirn.de
Weitere Informationen und Vermittlungsangebote zu den aktuellen Ausstellungen „Magritte. Der Verrat der Bilder“ und „Richard Gerstl Retrospektive“ unter: www.schirn.de/kalender. Um Wartezeiten zu vermeiden, sind Tickets für beide Ausstellungen auch online erhältlich: www.schirn.de/tickets
STÄDEL MUSEUM
Öffnungszeiten an den Osterfeiertagen
Freitag, 14. April 2017 10.00–18.00 Uhr
Samstag, 15. April 2017 10.00–18.00 Uhr
Sonntag, 16. April 2017 10.00–18.00 Uhr
Montag, 17. April 2017 10.00–18.00 Uhr
Familienführung: Auf der Suche. Versteckt im Bild
Sonntag, 16. April 2017, um 15 Uhr
Viele Bilder im Städel Museum sind voller faszinierender Details, die man erst beim genauen Hinsehen wahrnimmt. Gemeinsam begeben sich Familien mit ihren Kindern in dieser Führung auf eine etwas andere Eiersuche durch die Sammlung des Städel Museums.
Die Teilnahme ist im Eintrittspreis enthalten.
Weitere Informationen und Vermittlungsangebote unter: www.staedelmuseum.de/kalender
LIEBIGHAUS SKULPTURENSAMMLUNG
Öffnungszeiten an den Osterfeiertagen
Freitag, 14. April 2017 GESCHLOSSEN
Samstag, 15. April 2017 10.00–18.00 Uhr
Sonntag, 16. April 2017 10.00–18.00 Uhr
Montag, 17. April 2017 10.00–18.00 Uhr
Führung: Die Ostergeschichte im Liebieghaus
Sonntag, 16. April 2017, um 11 Uhr
Die Führung am Ostersonntag widmet sich der Ostergeschichte in der Sammlung der Liebieghaus Skulpturensammlung.
Die Teilnahme ist im Eintrittspreis enthalten.
Weitere Informationen und Vermittlungsangebote unter: www.liebieghaus.de/kalender
Dr. Jana Baumann spricht über die Gründung des Deutschen Museumsbundes vor genau 100 Jahren im Städel Museum
Vortrag im Metzler-Saal mit anschließenden Kurzführungen in den Sammlungsbereichen Kunst der Moderne und Gegenwartskunst
Mittwoch, 17. Mai 2017, 19 Uhr im Metzler-Saal
Vor genau 100 Jahren wurde der Deutsche Museumsbund auf einer Tagung im Städel Museum gegründet. Am 23. Mai 1917 versammelten sich 22 Museumsdirektoren in Frankfurt am Main, um einen Zusammenschluss der Museen für Kunst- und Kulturgeschichte zu erwirken. Über die Gründung des Deutschen Museumsbundes und die Demokratisierung des Kunstmuseums spricht Dr. Jana Baumann am 17. Mai 2017 um 19 Uhr in einem Vortrag im Städel Museum. Im Anschluss an den Vortrag im Metzler-Saal des Museums werden Kurzführungen durch die Städelsche Sammlung angeboten. Der Eintritt zu der vom Städelschen Museums-Verein ermöglichten Veranstaltung ist frei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Die Gründung des Deutschen Museumsbundes vor 100 Jahren fand auf Einladung des damaligen Städel-Direktors Georg Swarzenski (1876-1957) statt und bezweckte die zukünftige Gewährleistung von wissenschaftlicher und künstlerischer Freiheit. Damit einher ging eine visionäre Debatte zu den Herausforderungen und der Verantwortung des Kunstmuseums gegenüber einer breiten Bevölkerung. Es wurden zentrale Impulse gesetzt, die eine innovative Sammlungs-, Präsentations- und Vermittlungspolitik forcierten. Die Folge war die Herausbildung neuartiger musealer Strategien und eines Museumstypus für die Kunst des 20. Jahrhunderts – der unter anderem als Vorbild für die Gründung des New Yorkers Museum of Modern Art (MoMA) im Jahre 1927 diente.
Jana Baumann spricht in ihrem Vortrag über diese folgenreiche Phase der deutschen Kulturgeschichte, die – obwohl weitgehend in Vergessenheit geraten – den musealen Umgang mit der zeitgenössischen Kunst bis heute maßgeblich prägt.
Im Anschluss an den Vortrag finden um 20.15 Uhr zwei Kurzführungen in den Sammlungsbereichen Kunst der Moderne und Gegenwartskunst mit den Themen „Kunst der Avantgarde“ und „Neue Kunst fordert neue Präsentationen“ statt.
Jana Baumann wurde 2015 an der Universität Bonn promoviert. Von 2014 bis 2016 arbeitete sie als wissenschaftliche Volontärin in der Abteilung Gegenwartskunst am Städel Museum. Dort ist sie seit 2016 wissenschaftliche Mitarbeiterin, hat an der Sammlungsentwicklung und den Ausstellungen zu John Baldessari sowie zur Fotografie der Becher-Klasse als Ko-Kuratorin mitgewirkt. Kürzlich erschien ihre Publikation „Museum als Avantgarde. Museen moderner Kunst 1918-1933“ im Deutschen Kunstverlag, Berlin.
Der Deutsche Museumsbund e.V. mit Sitz in Berlin wurde 1917 gegründet und ist die bundesweite Interessenvertretung der deutschen Museen und ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Er hat derzeit rund 3.200 Mitglieder, darunter Museen aller Größen und Sparten. Sein Jubiläum hat der Verband vor wenigen Tagen mit einem Festakt und einer Tagung in Berlin gefeiert (www.museumsbund.de).
Information: www.staedelmuseum.de, info@staedelmuseum.de
Telefon: +49(0)69-605098-200
Ort: Metzler-Saal, Städel Museum, Schaumainkai 63, 60596 Frankfurt am Main
Anmeldung: Nicht erforderlich
Eintritt: frei
Ermöglicht durch den Städelschen Museums-Verein
Veranstaltungsprogramm Juni 2017
Dr. Felix Krämer, Sammlungsleiter der Kunst der Moderne im Städel Museum, wechselt nach Düsseldorf. Er wird dort zum 1. Oktober 2017 neuer Generaldirektor und künstlerischer Leiter der Stiftung Museum Kunstpalast. Im Rahmen seiner über neunjährigen Tätigkeit für das Städel Museum hat Krämer den Sammlungsbereich der Kunst der Moderne (1800–1945) maßgeblich erweitert und zahlreiche erfolgreiche Ausstellungen kuratiert, darunter „Ernst Ludwig Kirchner. Retrospektive“ (2010), „Schwarze Romantik. Von Goya bis Max Ernst“ (2012/13), „Monet und die Geburt des Impressionismus“ (2015) oder „Geschlechterkampf. Franz von Stuck bis Frida Kahlo“ (2016/27). Felix Krämer verabschiedet sich aus Frankfurt mit der umfassenden Sonderausstellung „Matisse – Bonnard. ‚Es lebe die Malerei!‘“, die vom 13. September 2017 bis 14. Januar 2018 im Städel zu sehen sein wird.
„Das Städel Museum verdankt Felix Krämer einige seiner erfolgreichsten und außergewöhnlichsten Ausstellungen: Ob Kirchner, Nolde, Monet, Schwarze Romantik oder Geschlechterkampf – immer wieder hat Krämer mit großer Expertise und Kreativität unser Haus bereichert und dabei auch den Sammlungsbereich der Kunst der Moderne maßgeblich weiterentwickelt. Als ambitionierter Sammlungsleiter und erfahrener Ausstellungskurator hat er sich nach über neun Jahren am Städel längst für eine Führungsposition an einem großen Museum empfohlen. Aus diesem Grunde beglückwünsche ich die Stadt Düsseldorf zu ihrer hervorragenden Wahl und wünsche Felix Krämer und seiner Familie von Herzen alles Gute für die neue Position und das neue Lebensumfeld. Natürlich – auch das soll gesagt sein – bedauere ich seinen Weggang außerordentlich, zumal wir schon seit meiner Zeit an der Nationalgalerie in einem herzlichen kollegialen und fachlichen Miteinander verbunden sind, auf dessen Fortsetzung ich mich sehr freue“, kommentiert Städel Direktor Dr. Philipp Demandt den bevorstehenden Wechsel.
„Der Stadt Frankfurt, dem Städel Museum und meinen herausragenden Kolleginnen und Kollegen verdanke ich neun überaus ereignisreiche und erfüllende Jahre, auf die ich stets in großer Dankbarkeit zurückblicken werde. Auch wenn mir die Entscheidung wahrlich nicht leicht gefallen ist, freue ich mich nun auf eine neue Herausforderung als Generaldirektor der Stiftung Museum Kunstpalast mit seiner traditionsreichen Sammlung, die mehr als 100.000 Gemälde, Skulpturen, Zeichnungen, Grafiken, Fotografien, kunstgewerbliche Exponate und Glasobjekte umfasst“, so Dr. Felix Krämer.
Felix Krämer wurde 1971 in Cambridge, England, geboren. Er studierte Kunstgeschichte, Klassische Archäologie und Volkskunde an der Universität Hamburg und promovierte dort 2005 bei Prof. Monika Wagner und Prof. Wolfgang Kemp zum Thema Das unheimliche Heim. Zur Interieurmalerei um 1900. Von 1996 bis 1999 war er Assistent des Kurators Dr. Christoph Geissmar-Brandi, bevor er im Jahr 2000 seine Kuratorentätigkeit an der Hamburger Kunsthalle und später zusätzlich die Assistenz für deren Direktor Prof. Hubertus Gaßner übernahm. Für die Kunsthalle konzipierte Krämer unter anderem Ausstellungen zu Vilhelm Hammershøi (2003), Félix Vallotton (2008) oder die Reihe „Seestücke“ (2005 und 2007). Krämer wechselte zum 1. Juli 2008 an das Städel Museum. Im Rahmen seiner langjährigen Tätigkeit für das Frankfurter Bürgermuseum konnte die Sammlung der Kunst der Moderne um zahlreiche zentrale Werke erweitert werden; darunter Helene Schjerfbecks (1862–1946) Girl with blond hair (1916), Interieur. Strandgade 30 (1901) von Vilhelm Hammershøi (1864–1916) oder Lotte Lasersteins (1898-1993) Russisches Mädchen mit Puderdose (1928). Über die ebenfalls realisierten Ankäufe der Fotografiesammlungen von Uta und Wilfried Wiegand sowie von Annette und Rudolf Kicken wurde außerdem innerhalb der Amtszeit Krämers die historische Fotografie fest in der Sammlung des Museums verankert. Die von Felix Krämer kuratierten Ausstellungen am Städel Museum sind:
Zehn Wochen nach ihrem Start haben bereits 55.000 Menschen die groß angelegte Sonderausstellung zur Becher-Klasse im Städel Museum gesehen. Noch bis zum 13. August 2017 sind rund 200 großformatige Hauptwerke sowie zentrale Frühwerke der wohl einflussreichsten deutschen Fotografengeneration in Frankfurt zu erleben. Die Ausstellung zeigt Arbeiten von Andreas Gursky, Candida Höfer, Axel Hütte, Jörg Sasse, Tata Ronkholz, Thomas Ruff, Thomas Struth, Volker Döhne und Petra Wunderlich, die bei Bernd Becher an der Düsseldorfer Kunstakademie studierten, und begeistert sowohl die Fachwelt als auch ein breit gefächertes Publikum.
Auch über den Ausstellungszeitraum hinaus hinterlässt die Sonderausstellung Spuren im Städel Museum: Wie das Museum heute mitteilt, erhält es eine Arbeit des Düsseldorfer Künstlers Thomas Ruff (geb. 1958) als Schenkung aus Privatbesitz. Die großformatige Fotografie jpeg icbm02 (2007) ist Teil der Serie jpeg, deren Ausgangspunkt Bilder aus dem Internet, aber auch vom Künstler selbst mit einer Digitalkamera aufgenommene Motive oder eingescannte Vorlagen sind. Hierbei greift Ruff Bildprinzipien der Impressionisten und Pointilisten auf: Indem er die Auflösung der Fotos verringert – also die Anzahl der Pixel pro Zentimeter reduziert – und gleichzeitig ihr Format vergrößert, entsteht ein neues, vergröbertes Bild, das aus der Nähe betrachtet einem geometrischen Muster ähnelt. Erst bei größerem Abstand des Betrachters zum Werk fügt es sich zu einem erkennbaren Bild zusammen; im Falle von jpeg icbm02 wird der Start einer Rakete sichtbar. Die Bildserien des 1958 geborenen Künstlers verdeutlichen seine grundlegend skeptische Haltung gegenüber dem Wahrheits- und Dokumentationsanspruch von Fotografie. Ruffs konsequentes Befragen neuer Bildquellen und Technologien veranschaulichen vielleicht am eindrücklichsten die Art und Weise, wie er den Ansatz seiner Lehrer Bernd und Hilla Becher weiterführt.
Die Arbeit jpeg icbm02 ist ab sofort in den Gartenhallen des Städel Museum zu sehen und bildet dort den Einstieg in eine Sonderpräsentation der Sammlung Gegenwartskunst. Als Erweiterung der Sonderausstellung „Fotografien werden Bilder. Die Becher-Klasse“ konzipiert, zeigt die Präsentation „Fotografische Objekte“ in zwei Kabinetten der Gartenhallen ausgewählte Arbeiten, die den Wandel des zeitgenössischen Bildbegriffs jenseits der Malerei vorführen. Fotografische Objekte sind in dieser Lesart zwei- wie dreidimensionale Kunstwerke, die aus real vorhandenem Material, wie Pressefotos oder Internet-Bilddaten durch eine technologische Transformation abgeleitet werden. Vergleichbar traditionell-fotografischen Abbildern reflektieren und materialisieren die fotografischen Objekte das zeitgenössische gesellschaftliche und kulturelle Umfeld. Der Prozess der postdigitalen Umsetzung ist dabei immer im Objekt abzulesen. Neben Werken aus der Sammlung des Städel werden auch Bestände wichtiger, dem Museum verbundenen Privatsammlungen präsentiert. Zu sehen sind Arbeiten von Seth Price, Jörg Sasse, Kara Walker, Wade Guyton oder Thomas Bayrle.
Weitere Informationen zur Ausstellung „Fotografien werden Bilder. Die Becher-Klasse“ unter: staedelmuseum.de/de/fotografien-werden-bilder
Weitere Informationen zur Arbeit jpeg icbm02 von Thomas Ruff unter: staedelmuseum.de/de/neuerwerbungen
Weitere Informationen zur Sammlungspräsentation „Fotografische Objekte“ unter: blog.staedelmuseum.de/fotografische-objekte
FOTOGRAFIEN WERDEN BILDER. DIE BECHER-KLASSE
Künstlerliste: Bernd und Hilla Becher, Volker Döhne, Andreas Gursky, Candida Höfer, Axel Hütte, Tata Ronkholz, Thomas Ruff, Jörg Sasse, Thomas Struth, Petra Wunderlich
Kurator: Dr. Martin Engler, Sammlungsleiter Gegenwartskunst am Städel Museum
Ko-Kuratorin: Dr. Jana Baumann, Städel Museum
Ausstellungsdauer: 27. April bis 13. August 2017
Ort: Städel Museum, Schaumainkai 63, 60596 Frankfurt
Katalog: Zur Ausstellung erscheint im Hirmer Verlag ein Katalog mit 256 Seiten und ca. 178 Abbildungen, mit einem Vorwort von Philipp Demandt, Essays von Alexander Alberro, Jana Baumann, Martin Engler und Steffen Siegel sowie Texten von Lukas Engert, Iris Hasler, Markus Kramer und Kristin Schrader. Deutsche Ausgabe, 34,90 Euro (Museumsausgabe).
Information: www.staedelmuseum.de, info@staedelmuseum.de, Telefon: +49(0)69-605098-200, Fax +49(0)69-605098-112
Besucherdienst: Telefon +49(0)69-605098-232, besucherdienst@staedelmuseum.de
Öffnungszeiten: Di, Mi, Sa, So + Feiertage 10.00–18.00 Uhr, Do + Fr 10.00–21.00 Uhr, montags geschlossen
Eintritt: 14 Euro, ermäßigt 12 Euro, Familienkarte 24 Euro; freier Eintritt für Kinder unter 12 Jahren; Gruppen ab 10 Personen: ermäßigter Eintrittspreis pro Person. Für Gruppen ist vorab eine Anmeldung unter Telefon +49(0)69-605098-200 oder info@staedelmuseum.de erforderlich.
Kartenvorverkauf: tickets.staedelmuseum.de
Digitorial: Ein aufwendig gestaltetes, interaktives Digitorial gibt unter becherklasse.staedelmuseum.de umfassende Einblicke in die Ausstellung. Das Digitorial wird durch die Aventis Foundation ermöglicht.
Social Media: Das Städel Museum kommuniziert die Ausstellung in den sozialen Medien mit den Hashtags #BecherKlasse und #Staedel.
Überblicksführungen durch die Ausstellung: Do 19.00 Uhr, Sa 16.00 Uhr sowie Mo, 1.5., Do, 25.5., Mo, 5.6., Do, 15.6. 16.00 Uhr. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt.
Gefördert durch: DZ BANK AG
Vom 13. September 2017 bis 14. Januar 2018 zeigt das Frankfurter Städel Museum zwei herausragende Protagonisten der Klassischen Moderne erstmals gemeinsam in Deutschland: Henri Matisse (1869–1954) und Pierre Bonnard (1867–1947). Im Mittelpunkt der Sonderausstellung „Matisse – Bonnard. ‚Es lebe die Malerei!‘“ steht die über 40 Jahre andauernde Künstlerfreundschaft der beiden französischen Maler. Beide setzten sich intensiv mit den gleichen künstlerischen Sujets auseinander: Interieur, Stillleben, Landschaft und besonders auch mit dem weiblichen Akt. Anhand von rund 120 Gemälden, Plastiken, Zeichnungen und Grafiken eröffnet die Schau einen Dialog zwischen Matisse und Bonnard und bietet damit neue Perspektiven auf die Entwicklung der europäischen Avantgarde vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs. Bereichert wird die Werkauswahl durch eine Reihe von Fotografien Henri Cartier-Bressons, der die beiden Maler 1944 in ihren Landhäusern an der französischen Riviera besuchte.
Für die groß angelegte Ausstellung konnte das Städel Museum eine Vielzahl hochkarätiger Leihgaben aus international bedeutenden Sammlungen gewinnen, darunter das Art Institute of Chicago, die Tate Modern in London, das Museum of Modern Art in New York, das Centre Pompidou und das Musée d’Orsay in Paris, die Eremitage in Sankt Petersburg sowie die National Gallery of Art in Washington. Zudem zeigt die Werkschau zahlreiche Hauptwerke aus Privatsammlungen, die der Öffentlichkeit sonst nicht zugänglich sind. Besondere Höhepunkte sind dabei die beiden Gemälde, die die Künstler jeweils voneinander besaßen und die hier in Frankfurt zum ersten Mal gemeinsam gezeigt werden: Pierre Bonnards Abend im Wohnzimmer (1907, Privatbesitz) und Henri Matisse’ Das offene Fenster (1911, Privatbesitz). Ein weiteres Highlight der Ausstellung ist Matisse’ 1935 entstandenes Hauptwerk Großer liegender Akt, das zum ersten Mal seit über 30 Jahren wieder in Deutschland zu sehen ist und vom Baltimore Museum of Art ausgeliehen wird. Der längst zur Ikone gewordene Akt war ein Meilenstein auf dem Weg des Künstlers zu einer Ästhetik stark reduzierter Formen und stellt seine Atelierassistentin und zugleich sein letztes bedeutendes Modell, Lydia Delectorskaya, dar. Gut möglich, dass das Gemälde von Bonnards kompositorisch eng verwandtem Werk Liegender Akt auf weißblau kariertem Grund (um 1909) inspiriert wurde, welches sich seit 1988 in der Sammlung des Städel Museums befindet. Die Gegenüberstellung dieser beiden Bilder war ein wichtiger Impuls zur Vorbereitung der Ausstellung.
Der Sponsor-Partner der Schau ist die global tätige Bank Société Générale. Gefördert wird die Ausstellung vom Städelschen Museums-Verein e.V. Zusätzliche Unterstützung leistet die Georg und Franziska Speyer’sche Hochschulstiftung.
„Henri Matisse und Pierre Bonnard sind in unserer Sammlung mit zwei großartigen Gemälden vertreten: einem Akt von Bonnard und einem Stillleben von Matisse. Darauf aufbauend eröffnet unser diesjähriges Ausstellungshighlight ein visuelles Wechselspiel zwischen den Künstlern, deren gegenseitiger Einfluss bei vergleichender Betrachtung unverkennbar zum Vorschein kommt. Die Schau reiht sich ein in die erfolgreichen Präsentationen im Städel, mit denen wir unserem Publikum einzigartige Meisterwerke zeigen und dabei immer auch einen neuen und frischen Blick auf die Protagonisten der Moderne werfen“, so Städel Direktor Philipp Demandt.
Kuratiert haben die Ausstellung Felix Krämer, der ab Oktober die Stelle als Generaldirektor am Museum Kunstpalast in Düsseldorf antreten wird, und Ko-Kurator Daniel Zamani (Städel Museum). „Nach der Ausstellung ‚Monet und die Geburt des Impressionismus‘ (2015) widmet sich das Städel Museum erneut einem spannenden Kapitel der französischen Kunstgeschichte, der über 40 Jahre andauernden Freundschaft zwischen Henri Matisse und Pierre Bonnard“, erläutert Felix Krämer. „Die Ausstellung ermöglicht es, den kreativen Dialog der beiden Ausnahmekünstler nachzuvollziehen. Es ist lange her, dass so viele Hauptwerke dieser bedeutenden Maler in Deutschland zu sehen waren.“ Daniel Zamani führt aus: „Beide Künstler entwickelten eine unverwechselbar individuelle Formsprache, die von einem unablässigen Arbeitseifer und einer lebenslangen Experimentierfreude angetrieben wurde. Bereits zu Lebzeiten zählten Matisse und Bonnard zu den bedeutendsten Wegbereitern der Moderne. Gerade bei Bonnard entfaltet sich die Faszination für seine Werke dabei erst vollständig bei der Begegnung mit dem Original. Allein dafür lohnt sich ein Besuch hier im Städel.“
Der Titel der Ausstellung, „Es lebe die Malerei!“, beruht auf dem programmatischen Ausruf, mit dem Matisse seinen Freund Bonnard am 13. August 1925 grüßte. Die wenigen Worte auf einer Postkarte aus Amsterdam waren der Beginn eines über 20-jährigen Briefwechsels, der von tiefer gegenseitiger Wertschätzung zeugt. Beide verlegten ihren Lebensmittelpunkt aus der Kunstmetropole Paris an die Côte d’Azur und behaupteten von dort ihren Ruf als führende Protagonisten der europäischen Kunstszene. ln der Malereigeschichte werden die Kollegen trotz ihrer markanten zeitlichen Nähe oft zwei entgegengesetzten Strömungen zugerechnet: Bonnard, mit seinem luftigen, lockeren Pinselduktus und dem Einsatz zarter, flirrender Pastellfarben als letzter großer Erbe des Impressionismus; Matisse, mit seinem Interesse an grellen Farben und flächigen, stark konturierten Bildkompositionen als ein weit ins 20. Jahrhundert weisender Pionier der Abstraktion.
In thematisch orientierten Kapiteln widmet sich die Ausstellung der unterschiedlichen künstlerischen Umsetzung von solch zentralen Sujets wie Interieur, Stillleben, Landschaft und Akt. Dabei soll die gemeinsame Präsentation von Matisse und Bonnard das vergleichende Sehen ermöglichen, einen Raum schaffen, in dem Gemeinsamkeiten und Unterschiede zutage treten – ohne dass dies jedoch in einen Wettstreit mündet. Ein solcher würde dem Verhältnis der beiden Künstler zueinander nicht gerecht. „Wenn ich an Sie denke, denke ich an einen von aller überkommenen ästhetischen Konvention befreiten Geist; dies allein gestattet eine direkte Sicht auf die Natur, das größte Glück, das einem Maler widerfahren kann. Dank Ihnen habe ich ein wenig daran teil“, schrieb Bonnard an Matisse im Januar 1940. Welchen Wert Letzterer wiederum dem Urteil seines Freundes beimaß, dokumentiert ein Brief vom November desselben Jahres: „[I]ch müsste jemanden sehen, und Sie sind es, den ich sehen möchte.“ Mit niemand anderem wollte Matisse über seine Bilder sprechen. Selten haben sich zwei Künstler so gut ergänzt.
Ausstellungsrundgang
Die Ausstellung erstreckt sich über zwei Etagen und orientiert sich an den Sujets Interieur, Landschaft/Natur, Stillleben sowie Frauenbild/Akt. In einem Prolog widmen sich die ersten Räume im Untergeschoss des Ausstellungshauses der Künstlerfreundschaft der beiden Maler, mit Aufnahmen des Fotografen Henri Cartier-Bresson, Selbstporträts und Werken, die die Künstler voneinander besaßen. Die anschließenden Räume behandeln das Thema Interieur, mit einem Schwerpunkt auf dem Motiv des Fensterbildes, in dem der enge Austausch zwischen den beiden Künstlerfreunden eindringlich zum Vorschein kommt. Herausragende Werke sind hier unter anderem Bonnards Gemälde Die Milchschüssel (um 1919) und Das offene Fenster (1925), beide aus der Tate Modern in London, sowie Matisse’ Großes rotes Interieur (1948) – eines seiner letzten ikonischen Werke in Öl, das vom Centre Pompidou in Paris ausgeliehen wird. Der letzte Raum im Untergeschoss ist dem Briefwechsel der beiden Maler gewidmet, den Besucher in Auswahl in einer szenischen Lesung hören sowie digital vollständig einsehen können.
Im Obergeschoss schließt das Thema Landschaft und Natur an, wobei die lebenslange Faszination der beiden Maler für das Licht und die Atmosphäre der französischen Riviera eine besondere Rolle spielt. Ein Highlight der Ausstellung ist in diesem Zusammenhang Bonnards Die sonnige Terrasse (1939–1946, Privatbesitz). Das aufgrund seines extremen Querformats ungewöhnliche Gemälde zeigt im Bildzentrum in leuchtender, fast pinker Farbigkeit eine sich jenseits einer Terrasse erstreckende Gartenlandschaft. Während viele von Bonnards späten Werken direkte Ansichten aus der Umgebung seines Wohnsitzes Le Bosquet zum Thema haben, erinnert das großformatige Werk eher an ein zeitloses Idyll. Matisse war zutiefst beeindruckt, als er das noch unfertige Gemälde im Atelier seines Freundes begutachten konnte. In einem Brief vom Januar 1940 schrieb er ihm: „Ich habe Ihre Arbeit genau in Erinnerung behalten. Nie zuvor habe ich sie als so geschlossen empfunden, und die Dekoration mit der Fläche aus Rosensträuchern sehe ich noch ganz deutlich vor mir, sie gefällt mir sehr.“
Ein weiteres Thema, in dem sich der Dialog zwischen den beiden Malern widerspiegelt, ist das Stillleben. Wie wenige Künstler ihrer Generation blieben Bonnard und Matisse dem über Jahrhunderte tradierten Genre zeit ihres Lebens treu. Aufbauend auf Impulsen von Vorgängern wie Jean Siméon Chardin oder Paul Cézanne forcierten sie die Befreiung der Gattung von der realitätsgetreuen Abbildung von Alltagsgegenständen und nahmen sie als Ausgangspunkt für malerisch radikale Experimente mit Farbe und Form. Zu sehen ist hier unter anderem das Stillleben von Matisse aus dem Städel Museum, Blumen und Keramik (1913) – ein frühes Hauptwerk, das zu den absoluten Publikumslieblingen der Sammlung gehört. Wie ein perfektes Pendant hierzu wirkt der leuchtende Mimosenstrauß (um 1945, Privatbesitz) von Bonnard. Typisch für die oft abstrakt anmutenden Gemälde seines Spätstils, erscheint die Materialität der Farbe selbst als das eigentliche Thema der Komposition, in der die pastos aufgetragenen Nuancen von Gelb und Orange die leuchtenden Blumen mit dem sie umgebenden Interieur verschmelzen lassen.
Bei der Auseinandersetzung mit dem weiblichen Akt entwickelten beide Maler ihr besonderes „Markenzeichen“: Bei Bonnard sind es sinnliche Aktdarstellungen in Bad und Boudoir, bei Matisse verträumte Odalisken, Haremsdamen in exotischem Dekor. In Bonnards Aktdarstellungen steht die Figur seiner Frau Marthe im Vordergrund, die er in über 50 Jahren auf beinahe 400 Gemälden verewigte und selbst nach ihrem Tod weiterhin malte. Immer wieder inszenierte er ihren stets jugendlichen Körper in Badebildern, die von einer traumartigen und häufig befremdlichen Atmosphäre des Rätselhaften durchdrungen sind. Ganz anders die Odaliskendarstellungen von Matisse – Kammerspiele voll flirrender Farbigkeit, in denen er Figur und Raum in Kompositionen lebhafter Ornamentik verzahnt und in denen seine Vision einer Kunst der vollkommenen Harmonie lebhaften Ausdruck fand. Die Ausstellung gibt auch Einblick in den Entstehungsprozess eines Schlüsselwerks von Matisse, Großer liegender Akt. Von Mai bis Oktober 1935 dokumentierte der Künstler mit einer Kamera die Entwicklung dieses Bildes. In den insgesamt 22 Schwarz-Weiß-Fotografien wird sichtbar, wie der Maler wesentliche Elemente der Komposition nach und nach herausgearbeitet hat, indem er sie immer weiter vereinfachte und zunehmend flächiger gestaltete. Das Gemälde gehört zudem zu den allerersten Ölwerken, bei denen Matisse ausgeschnittene Papierstücke als Hilfsmittel verwendete – eine Technik, die für sein spätes Œuvre entscheidend wurde und nach 1948 sein Schaffen an der Leinwand vollständig ablöste. Die vielleicht bekannteste Arbeit, die mithilfe dieser sogenannten Scherenschnitte entstanden ist, ist Matisse’ Künstlerbuch Jazz (1947), das der bunten Welt von Zirkus, Gauklern und Theater gewidmet ist und in der Ausstellung ebenfalls gezeigt wird.
MATISSE – BONNARD. „ES LEBE DIE MALEREI!“
INFORMATIONEN ZUR AUSSTELLUNG
Ausstellungsdauer: 13. September 2017 bis 14. Januar 2018
Kurator: Dr. Felix Krämer (Sammlungsleiter Kunst der Moderne, Städel Museum)
Ko-Kurator: Dr. Daniel Zamani (Wissenschaftlicher Mitarbeiter Kunst der Moderne, Städel Museum)
Information: www.staedelmuseum.de, info@staedelmuseum.de,
Telefon +49(0)69-605098-200, Fax +49(0)69-605098-112
Besucherdienst: Telefon +49(0)69-605098-232, besucherdienst@staedelmuseum.de
Ort: Städel Museum, Schaumainkai 63, 60596 Frankfurt am Main
Öffnungszeiten: Di, Mi, Sa, So + Feiertage 10.00–18.00 Uhr, Do + Fr 10.00–21.00 Uhr, montags geschlossen
Sonderöffnungszeiten: Di, 3.10., Di, 31.10., Mo, 25., Di, 26.12.; Mo, 8.1.18: 10.00–18.00 Uhr; Mo, 1.1.18: 11.00–18.00 Uhr; geschlossen: So, 24.12., So, 31.12.
Eintritt: 14 Euro, ermäßigt 12 Euro; Sa, So, Feiertage: 16 Euro, ermäßigt 14 Euro; Familienkarte 24 Euro; freier Eintritt für Kinder unter 12 Jahren; Gruppen ab 10 regulär zahlenden Personen: ermäßigter Eintrittspreis pro Person. Für Gruppen ist vorab eine frühzeitige Anmeldung unter Telefon +49(0)69-605098-200 oder info@staedelmuseum.de erforderlich.
Kartenvorverkauf unter: tickets.staedelmuseum.de.
Für Mitglieder des Städelschen Museums-Vereins ist der Eintritt in die Sonderausstellung frei.
Überblicksführungen durch die Ausstellung: Di, 15.00 Uhr; Mi, 13.00 Uhr; Do, 18.00 Uhr; Fr, 19.00 Uhr; Sa, 16.00 Uhr und So, 12.00 Uhr. An allen Feiertagen (3.10., 31.10., 25.12, 26.12., 1.1.) sowie am 8.1. finden die Führungen jeweils um 16.00 Uhr statt. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Tickets für die Führungen sind für 5 Euro ab zwei Stunden vor Führungsbeginn an der Kasse erhältlich. Im neu eingerichteten Online-Ticketshop ist ein Kontingent an Tickets für Überblickführungen gemeinsam mit dem Eintritt zum Vorteilspreis von 18 Euro erhältlich: tickets.staedelmuseum.de.
Katalog: Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Prestel Verlag mit 240 Seiten und 208 Farbabbildungen. Mit Beiträgen von Dita Amory, Jenny Graser, Margrit Hahnloser-Ingold, Iris Hasler, Felix Krämer, Elena Schroll, Beate Söntgen und Daniel Zamani. Deutsche / englische Ausgabe, 39,90 Euro (Museumsausgabe).
Begleitheft: Zur Ausstellung erscheint ein Begleitheft in deutscher Sprache, 7,50 Euro.
Städel App und Audiotour: Die Audiotour führt in deutscher und englischer Sprache durch die Ausstellung. Die deutsche Audiotour wird von der Schauspielerin Sophie Rois gesprochen und kann bequem von zu Hause auf die Städel App geladen werden. Die Städel App ist kostenfrei im Android und Apple Store verfügbar, der In-App-Kauf für gängige IOS und Android Smartphones kostet 1 Euro: http://www.staedelmuseum.de/de/angebote/staedel-app. Vor Ort im Museum kann der Audioguide zu einem Preis von 4 Euro (7 Euro für zwei Audioguides) ausgeliehen werden. Die Audiotour wird unterstützt von der Georg und Franziska Speyer’schen Hochschulstiftung.
Digitorial: Das Digitorial wird durch die Aventis Foundation ermöglicht. Es ist ab 30. August abrufbar unter matissebonnard.staedelmuseum.de.
Social Media: Das Städel Museum kommuniziert die Ausstellung in den sozialen Medien mit den Hashtags #MatisseBonnard und #Staedel.
Förderer und Partner der Ausstellung
Gefördert durch: Société Générale, Städelscher Museums-Verein e.V.
Mit zusätzlicher Unterstützung von: Georg und Franziska Speyer’sche Hochschulstiftung
Medienpartner: Süddeutsche Zeitung, Media Frankfurt, Deutschlandfunk Kultur, ARTE, WirtschaftsWoche, Verkehrsgesellschaft Frankfurt Main
Kulturpartner: hr2-kultur
Anlässlich des Museumsuferfestes vom 25. bis 27. August 2017 präsentiert das Städel Museum ein vielfältiges Führungsangebot und Workshop-Programm für alle Altersklassen. Bei Veranstaltungen in allen Sammlungsbereichen des Museums, mit Meisterwerken aus über 700 Jahren Kunstgeschichte, ist für jeden Geschmack etwas dabei. Das Spektrum der über vierzig verschiedenen Programmpunkte reicht in diesem Jahr von Einblicken in die aktuelle Sonderausstellung zur Französischen Lithografie des 19. Jahrhunderts bis zum Vorgeschmack auf die kommenden Herbst-Ausstellungen des Städel zu Henri Matisse und Pierre Bonnard sowie zu Maria Sibylla Merian. Die jungen Städelbesucher erwartet zudem ein buntes Workshop-Angebot, bei dem – ob beim Malen oder in der Druckwerkstatt – der Kreativität keine Grenzen gesetzt sind. In speziellen Familienführungen können Kinder und Eltern zudem gemeinsam auf spielerische Weise Werke des Städel Museums erkunden.
Die Graphische Sammlung gewährt vertiefende Einblicke in ihre aktuelle Ausstellung über französische Lithografien des 19. Jahrhunderts, „Géricault bis Toulouse-Lautrec“. Eindrücklich wird gezeigt, wie experimentierfreudig sich namhafte Künstler wie Goya, Delacroix oder Manet der damals noch neuen Drucktechnik widmeten. Meisterwerke-Führungen lenken die Aufmerksamkeit auf die Highlights der Sammlung.
Interesse auf die zwei kommenden großen Ausstellungen im Herbst/Winter wird schon jetzt in einigen Führungen geweckt. Auf die Ausstellung „Matisse – Bonnard. ‚Es lebe die Malerei!‘“ mit der inspirierenden Künstlerfreundschaft der beiden französischen Maler stimmen die Führung „Der Maler und sein Modell“ und der Workshop „Briefwechsel. Kartendruckwerkstatt“ ein. Mit den Stillleben der Sammlung befasst sich die Familienführung „Auf der Suche nach der Raupe“ und weckt gleichzeitig Neugier auf die Ausstellung „Maria Sibylla Merian und die Tradition des Blumenbildes“ (11.10.2017 bis 14.01.2018).
Programm
Freitag, 25. August 2017
15.30 Uhr Skulpturen im Städel Garten Führung
16.00 Uhr Stofftier, Ball und Kasper-Puppe Familienführung
17.30 Uhr Das Fenster als Auge zur Welt Führung
18.30 Uhr Géricault bis Toulouse-Lautrec. Französische Lithografien des 19. Jahrhunderts Führung in der Ausstellung
19.00 Uhr Vom Bügelbrett zum Nachtschränkchen Führung
20.00 Uhr Géricault bis Toulouse-Lautrec. Französische Lithografien des 19. Jahrhunderts Führung in der Ausstellung
Samstag, 26. August 2017
11.00–18.00 Uhr Blumen, Insekten und Zuckerwerk. Stilllebenmalerei (Workshop für Kinder vor dem Museum)
11.00–18.00 Uhr Briefwechsel. Kartendruckwerkstatt (Workshop für Kinder vor dem Museum)
11.00–18.00 Uhr Frankfurt damals und heute (Workshop für Kinder vor dem Museum)
11.00 Uhr Der Maler und sein Modell Führung
11.30 Uhr Géricault bis Toulouse-Lautrec. Französische Lithografien des 19. Jahrhunderts Führung in der Ausstellung
12.00 Uhr Skulpturen im Städel Garten Führung
12.30 Uhr Gegen den Strom. Künstlerische Gegenpositionen Führung
13.30 Uhr Rembrandt – Holbein – Van Eyck Meisterwerke-Führung
14.00 Uhr Von der Fläche in den Raum Führung
15.00 Uhr Dreimal schwarzer Kater! Familienführung
15.30 Uhr Im Spiegel. Selbstporträts Führung
16.30 Uhr Unterwegs. Künstler auf Reisen Führung
17.00 Uhr Géricault bis Toulouse-Lautrec. Französische Lithografien des 19. Jahrhunderts Führung in der Ausstellung
17.30 Uhr Monet – Renoir – Degas Meisterwerke-Führung
18.30 Uhr Auf der Suche nach der Raupe. Stillleben im Städel Familienführung
19.00 Uhr Ausdrucksstark. Künstler des Expressionismus Führung
19.30 Uhr Skulpturen im Städel Garten Führung
20.00 Uhr Géricault bis Toulouse-Lautrec. Französische Lithografien des 19. Jahrhunderts Führung in der Ausstellung
20.30 Uhr Warhol – Polke – Richter Meisterwerke-Führung
21.00 Uhr A men’s world? Frauen in der Kunst Führung
Sonntag, 28. August 2016
11.00–18.00 Uhr Blumen, Insekten und Zuckerwerk. Stilllebenmalerei (Workshop für Kinder vor dem Museum)
11.00–18.00 Uhr Briefwechsel. Kartendruckwerkstatt (Workshop für Kinder vor dem Museum)
11.00–18.00 Uhr Frankfurt damals und heute (Workshop für Kinder vor dem Museum)
11.00 Uhr Märchenreise durchs Städel für Kinder ab 4 Jahren mit Rudi Gerharz
11.30 Uhr Skulpturen im Städel Garten Führung
12.00 Uhr Gestreift und gepunktet. Kunst der Gegenwart Führung
12.00 Uhr Géricault bis Toulouse-Lautrec. Französische Lithografien des 19. Jahrhunderts Führung in der Ausstellung
13.30 Uhr Wo gibt’s denn sowas? Ein Löwe aus Schokolade Familienführung
14.00 Uhr Der Meister und seine Gehilfen. Künstlerwerkstätten Führung
15.00 Uhr Kirchner – Beckmann – Marc Meisterwerke-Führung
15.30 Uhr Kabel und Kondensmilch. Ungewöhnliche Materialien in der Kunst Führung
16.00 Uhr Géricault bis Toulouse-Lautrec. Französische Lithografien des 19. Jahrhunderts Führung in der Ausstellung
16.30 Uhr Betrug und Verrat. Kehrseiten der Liebe Führung
17.00–18.00 Uhr Kunst und Religion Führung
17.30 Uhr Grüner Himmel, gelbe Wiesen. Farbenspiel im Städel Familienführung
18.00 Uhr Venus, Nymphen und Amazonen Führung
19.00 Uhr Géricault bis Toulouse-Lautrec. Französische Lithografien des 19. Jahrhunderts Führung in der Ausstellung
Treffpunkt für Führungen zu „Géricault bis Toulouse-Lautrec. Französische Lithografien des 19. Jahrhunderts“: Graphische Sammlung
Treffpunkt für Führungen im Städel Garten: Städel Garten, Mitte des Hügels
Treffpunkt für alle weiteren Führungen: Metzler-Foyer
AKTUELLE AUSSTELLUNG IM STÄDEL MUSEUM
GÉRICAULT BIS TOULOUSE-LAUTREC. FRANZÖSISCHE LITHOGRAFIEN DES 19. JAHRHUNDERTS (GRAPHISCHE SAMMLUNG)
Vom 22. Juni bis 10. September 2017 widmet sich die Graphische Sammlung des Städel Museums der Vielfalt der französischen Lithografie im 19. Jahrhundert. In Frankreich experimentierten bedeutende Künstler seit etwa 1820 mit dem damals neuen Verfahren. Das Spektrum der ausgestellten Arbeiten umfasst ausdrucksvolle Kompositionen Théodore Géricaults, eine der seltenen Lithografien, die Goya während der 1820er-Jahre im Exil in Bordeaux schuf, Eugène Delacroix’ Goethe- und Shakespeare-Illustrationen oder Honoré Daumiers politische und gesellschaftliche Stellungnahmen in Zeitungskarikaturen. Ebenso präsentiert werden Édouard Manets virtuose Erfindungen, die symbolistischen Werke Rodolphe Bresdins und Odilon Redons sowie Meisterwerke der Farblithografie von Henri de Toulouse-Lautrec und den „Nabis“ Édouard Vuillard und Pierre Bonnard, die Ende des 19. Jahrhunderts entstanden. Die rund 90 gezeigten Blätter stellen Höhepunkte aus dieser Zeit und in dieser Technik dar und geben einen Einblick in die qualitätsvollen Bestände der Graphischen Sammlung im Städel. Zu sehen sind auch 15 Neuerwerbungen, die das Museum in den letzten Jahren tätigen konnte.
Ort: Städel Museum, Schaumainkai 63, 60596 Frankfurt am Main
Datum: Freitag, 25. bis Sonntag, 27. August 2017
Öffnungszeiten während des Museumsuferfestes: Freitag 15.00–21.00 Uhr,
Samstag 10.00–22.00 Uhr, Sonntag 10.00–20.00 Uhr.
Information: www.staedelmuseum.de, E-Mail: info@staedelmuseum.de,
Telefon: +49-69 60 50 98-0, Fax: +49-69 60 50 98-111
Eintritt zum Museumsuferfest: Der Museumsuferfest-Button zum Preis von 7 € berechtigt zum freien Eintritt in den teilnehmenden Museen für die Dauer des Festes – von Freitag, dem 25. August, ab 15 Uhr bis Sonntag, dem 27. August 2017. Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren ist der Eintritt frei.
Maria Sibylla Merian (1647–1717) zählt sowohl zu den bedeutendsten Naturforscherinnen als auch zu den namhaftesten Künstlerinnen ihrer Zeit. 2017 jährte sich der Todestag der gebürtigen Frankfurterin zum 300. Mal. Aus diesem Anlass präsentiert das Städel Museum vom 11. Oktober 2017 bis zum 14. Januar 2018 die Sonderausstellung „Maria Sibylla Merian und die Tradition des Blumenbildes“. Zu sehen ist die faszinierende und filigrane Welt der Blumen- und Pflanzendarstellung in Zeichnungen und Druckgrafiken des 15. bis 18. Jahrhunderts.
Die in Zusammenarbeit mit dem Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin und der Technischen Universität Berlin entwickelte Ausstellung zeigt bedeutende Werke Maria Sibylla Merians gerahmt von Blumendarstellungen ihrer Vorläufer, Zeitgenossen und Nachfolger, darunter der berühmte Hortus Eystettensis des Nürnberger Apothekers Basilius Besler (1561–1629), Ornamentstiche von Martin Schongauer (ca. 1445–1491), Apothekerbücher aus dem 15. und 16. Jahrhundert, Pflanzenstudien aus dem Umkreis von Albrecht Dürer sowie Naturstudien von Georg Flegel (1566–1638) und Georg Hoefnagel (1542–1600/01) aus der Zeit um 1600. Darüber hinaus sind unter anderem Blumenzeichnungen von Bartholomäus Braun sowie Blumenkompositionen von Barbara Regina Dietzsch (1706–1783) und ihrem Umkreis aus dem 18. Jahrhundert zu sehen. „Maria Sibylla Merian und die Tradition des Blumenbildes“ präsentiert insgesamt über 150 Werke, neben Blättern aus den Sammlungen des Städel und des Kupferstichkabinetts auch wertvolle Leihgaben aus der Bibliothèque Nationale in Paris, der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek in Dresden, der Staatsbibliothek zu Berlin sowie der Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg in Frankfurt.
Die Ausstellung „Maria Sibylla Merian und die Tradition des Blumenbildes“ wird gefördert durch den Kulturfonds Frankfurt RheinMain.
„Maria Sibylla Merian zählt zu den berühmtesten Töchtern der Stadt Frankfurt am Main. Hier hat sie ihre professionelle Ausbildung erhalten, hier wurden entscheidende Grundlagen für ihr ganz und gar außerordentliches Wirken als Naturforscherin und Künstlerin gelegt. Umso mehr freut es uns natürlich, dass wir nun aus Anlass des diesjährigen Jubiläums eine umfassende Ausstellung zu Merian und der von ihr maßgeblich vorangetriebenen Tradition des Blumenbildnisses im Städel Museum zeigen können“, kommentiert Philipp Demandt, Direktor des Städel Museums.
„Das Werk Maria Sibylla Merians nimmt eine Sonderstellung ein. Diese resultiert aus der genuinen und nicht aufzulösenden Ambivalenz, die zugleich den besonderen Reiz der Arbeiten ausmacht: Künstlerische und wissenschaftliche Aspekte sind bei Merian untrennbar miteinander verwoben, und ihre Darstellungen bewegen sich stets gekonnt an den Grenzlinien zwischen hoher Kunst und naturwissenschaftlicher Detailwiedergabe“, erklärt Martin Sonnabend, Leiter der Graphischen Sammlung bis 1750 am Städel Museum.
Maria Sibylla Merian
Maria Sibylla Merian fasziniert nicht nur mit ihren meisterhaft ausgeführten Blumenzeichnungen, sondern gleichermaßen durch ihre Biografie, die von ihrem Behauptungswillen als Frau in einer patriarchisch geprägten Gesellschaft zeugt. Getauft wurde Merian am 4. April 1647 in Frankfurt am Main. Ihr Vater, der Zeichner, Druckgrafiker und Verleger Matthäus Merian der Ältere (1593–1650), starb, als sie noch ein Kleinkind war. Ihre Ausbildung als Blumenmalerin in der Tradition der Florilegienmalerei des 17. Jahrhunderts erfuhr die junge Maria Sibylla in der Werkstatt ihres Stiefvaters, des Malers Jacob Marrel (1614–1681). Als einer der sehr wenigen Schüler Georg Flegels hatte sich Marrel auf Blumendarstellungen spezialisiert und war als Kunsthändler tätig. Das Umfeld, in dem Merian in ihrer Jugend lebte, brachte ihr also die bildende Kunst, den Kunsthandel und das Publikationswesen nahe und durch die Blumenmalerei zugleich die aufmerksame Naturbeobachtung. Maria Sibylla Merian wuchs in einer calvinistisch reformierten Familie auf. Dieser Hintergrund wie auch die Stadt Frankfurt waren wesentliche Faktoren in Merians Entwicklung. Als zentraler europäischer Verkehrsknotenpunkt bildete die Freie Reichsstadt am Main einen der wichtigsten Handelsorte mit Messebetrieb, an dem unter anderem Bücher, Blumen und Kunst vertrieben wurden.
1665 heiratete Merian Johann Andreas Graff (1636–1701), einen Schüler Marrels. Kurz nach der Geburt der ersten Tochter siedelte die Familie in Graffs Heimatstadt Nürnberg über. Dort verkaufte er topografische Ansichten von Bauwerken sowie Landkarten, und auch Merian trug zum Lebensunterhalt bei: mit Blumenmalereien in Florilegientradition, Unterricht für Damen im Sticken und Zeichnen von Blumen sowie dem Verkauf von Zeichenutensilien und Farben. Entsprechend umfasst ihre erste Publikation unter dem Titel Neues Blumenbuch dekorative Blumenmotive als Vorlagen für Zeichnungen oder Stickereien. Gleichzeitig verfolgte sie aber auch weiterhin ihre Naturbeobachtungen und publizierte ihre Erkenntnisse 1679 im ersten Band ihres Werkes Der Raupen wunderbare Verwandelung, und wundersame Blumennahrung. Mit dieser Veröffentlichung betrat Maria Sibylla Merian wissenschaftliches Neuland, denn bis dato gab es keine derart umfangreiche, sorgfältig dokumentierte und vollständige Beschreibung der Metamorphosen der Raupen unter Berücksichtigung des symbiotischen Zusammenhangs von Nahrungspflanzen und Insekten. Das Raupenbuch machte Merian bekannt und war zugleich ein wirtschaftlicher Erfolg. Nach dem Tod ihres Stiefvaters Jacob Marrel zog Merian mit ihrem Mann und ihren inzwischen zwei Töchtern zunächst zurück zu ihrer Mutter nach Frankfurt, wo sie 1683 den zweiten Band des Raupenbuchs herausbrachte.
Wenige Jahre später traf sie die folgenreiche Entscheidung, sich gemeinsam mit ihren beiden Kindern und der Mutter der radikal reformierten Gemeinschaft der Labadisten im niederländischen Wieuwert anzuschließen. Darüber kam es zum Bruch mit ihrem Mann und schließlich zur Scheidung. Nach einigen Jahren in der Labadisten-Gemeinde und nachdem ihre Mutter dort verstorben war, kündigte Maria Sibylla Merian ihr Frankfurter Bürgerrecht auf und siedelte nach Amsterdam um, wo sie neben dem Handel mit Farben, Mal- und Zeichenutensilien auch Tierpräparate sammelte und verkaufte. Ende des 17. Jahrhunderts begab sie sich in Begleitung ihrer jüngeren Tochter auf eine Reise in die niederländische Kolonie Surinam in Südamerika, ein zu jener Zeit ein ebenso abenteuerliches wie kostspieliges Unterfangen. Der Aufenthalt der beiden Frauen in Surinam mit zahlreichen Expeditionen in den Regenwald erstreckte sich über knapp zwei Jahre. Damit unternahm Merian die erste naturwissenschaftliche Forschungsreise in das Land im Norden Südamerikas und widmete sich als erste Frau dem Studium der tropischen Flora und Fauna. Nach ihrer Rückkehr nach Amsterdam erschien 1705 in lateinischer und holländischer Sprache ihre Abhandlung Metamorphosis Insectorum Surinamensium. Ein dritter Teil des Raupenbuchs erschien kurz nach Merians Tod am 13. Januar 1717. Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832), der wie Merian aus Frankfurt stammte, widmete ihr einige wenige und dennoch treffende Zeilen: Ihre erzählerischen Darstellungen von Pflanzen und Insekten bewegten sich aus seiner Sicht stets „zwischen Kunst und Wissenschaft, zwischen Naturbeschauung und malerischen Zwecken hin und her“.
Die Ausstellung
„Maria Sibylla Merian und die Tradition des Blumenbildes“ zeigt künstlerische Vorläufer Merians, an die sie anknüpfte, stellt jedoch gleichermaßen heraus, was Merians Eigenständigkeit ausmacht und in welche Richtungen sich das Blumenbild nach ihr und unter ihrem Einfluss entwickelte. Die Schau setzt deutlich vor Merians Zeit an und beginnt mit einer großen Auswahl floraler Darstellungen in Buchmalereien, Frühdrucken, Kupferstichen und Holzschnittillustrationen in Kräuter- und Apothekerbüchern des 15. Jahrhunderts. Mit seinen frühen Blumenbildern griff Georg Flegel (1566–1638) die wegweisende und auf Naturstudien basierende Darstellungstradition Albrecht Dürers (1471–1528) und Umkreis auf, entwickelte diese weiter und beeinflusste dadurch auch seinen Schüler Jacob Marrel, Merians Stiefvater. Die ebenfalls zur Zeit Flegels entstandenen emblematischen Blumen- und Insektenbilder des aus Antwerpen stammenden und zeitweilig in Frankfurt lebenden Georg Hoefnagel (1542–1600/01) wurden von dessen Sohn Jacob Hoefnagel (1573–1632/35) in delikaten Kupferstichen publiziert und damit einem größeren Kreis von Interessenten und Künstlern zugänglich gemacht. Ein Gegengewicht zu den kleinformatigen Kunstwerken der Hoefnagels bildet die wohl anspruchsvollste Publikation dieser Zeit, der 1613 veröffentlichte Hortus Eystettensis des Nürnberger Apothekers Basilius Besler (1561–1629). Dieses Buch wurde zum Vorbild zahlreicher Florilegien. Mithilfe solcher Handbücher konnten Gartenbesitzer den Reichtum und die botanische Qualität ihrer Blumensammlungen überdauern lassen. Gärten und wertvolle Pflanzen waren insbesondere im 17. Jahrhundert ein kostbares Gut, davon zeugen nicht zuletzt Florilegien aus dieser Zeit mit prachtvollen Deckfarbenzeichnungen auf Pergament oder als exklusive Drucke mit kolorierten Kupferstichen im Großformat. Das neben zwei weiteren Beispielen – eines davon mit Blumenporträts des Florilegienmalers Bartholomäus Braun (ca. 1626–1684) – gezeigte mehrbändige, zwischen 1651 und 1664 von Johann Walter d. Ä. (1603–1676/77) geschaffene Florilegium des Grafen Johannes von Nassau-Idstein (1603–1677) nimmt eine Sonderstellung in der Schau ein. Ein kleinerer Teil dieses Blumenbuchs, der seit Langem bekannt ist und in der Vergangenheit bereits ausführlich aufgearbeitet wurde, befindet sich im Besitz der Pariser Bibliothèque Nationale. Zwei weitere Alben wurden hingegen erst vor wenigen Jahren in der Städel Bibliothek wiederentdeckt, der sie bei der Inventarisierung Mitte des 19. Jahrhunderts zugeordnet worden und wo sie seitdem gelagert waren. Die zwei prachtvollen Exemplare sind in ihren mit rotem Samt bezogenen und mit feuervergoldeten Beschlägen versehenen Originaleinbänden erhalten und waren die erste Erwerbung für die Städelsche Sammlung an Zeichnungen. Sie werden in der Ausstellung erstmalig der Öffentlichkeit präsentiert und im Begleitkatalog publiziert. Den Mittelpunkt der Schau bildet Maria Sibylla Merian mit einer Gruppe sehr seltener Frühwerke, erweitert um Arbeiten, die in unmittelbarem Zusammenhang mit ihren wissenschaftlichen Publikationen wie den Blumenbüchern und dem Raupenbuch stehen. Zur Entstehung der kostbaren Deckfarbenzeichnungen auf Pergament aus dem Raupenbuch, die sich in der Sammlung des Städel Museum befinden, werden neue Erkenntnisse dargelegt. Die Ausstellung präsentiert zudem einige Arbeiten, deren traditionelle Zuschreibung an Maria Sibylla Merian in jüngerer Zeit infrage gestellt oder widerlegt worden ist. Sie verweisen auf die Tatsache, dass das Gesamtwerk der Künstlerin bis heute nicht umfassend kritisch erforscht ist. Auf Merian folgt die künstlerische Blumendarstellung des 18. Jahrhunderts, vertreten durch die Nürnberger Künstlerfamilie Dietzsch mit ihrer wichtigsten Vertreterin Barbara Regina Dietzsch (1706–1783). Abschließend wird sowohl ein Ausblick auf die Einbindung von Pflanzendarstellungen in die Landschaftsmalerei als auch auf die Verselbstständigung naturkundlicher Details in den Studienblättern der deutschen Frühromantik geboten.
„Maria Sibylla Merian und die Tradition des Blumenbildes“ wird von einem umfangreichen Vermittlungsprogramm begleitet, das von Überblicks- und Abendführungen über Veranstaltungen im Rahmen der Formate „Kunst und Religion“, „Barrierefreies Kunsterlebnis“ sowie „KUNSTKOLLEG“ bis hin zu hin zu Atelier- und Ferienkursen für Kinder reicht. Im Rahmen dieses Programms finden auch verschiedene Veranstaltungen in Zusammenarbeit mit dem Palmengarten Frankfurt statt: „Mit ruhiger Hand und geübtem Blick“ in der Reihe „KUNSTKOLLEG Aktiv“ (21. Oktober 2017), eine Führung im Bromelien-Haus mit anschließendem Zeichenkurs, geleitet von der botanischen Malerin Sue Hénon (4. November 2017), ein Gastkommentar mit Karin Wittstock, der Verantwortlichen für das kulturelle Programm des Palmengartens, (19. November 2017) sowie eine Führung zum Thema „Maria Sibylla Merian und die Pflanzenwelt von Surinam“ mit der Palmengarten-Kustodin Hilke Steinecke (22. November 2017). Am Mittwoch, 8. November 2017, präsentiert das Städel Museum zudem eine Lesung mit Barbara Beuys im Metzler-Saal, bei der die Autorin ihre unlängst im Insel Verlag erschiene Künstlerbiografie Maria Sybilla Merians vorstellt. Das vollständige Rahmenprogramm zur Ausstellung ist einsehbar unter www.staedelmuseum.de.
Maria Sibylla Merian
und die Tradition des Blumenbildes
Kuratoren: Dr. Martin Sonnabend (Leiter Graphische Sammlung bis 1750, Städel Museum), Dr. Michael Roth (Kupferstichkabinett – Staatliche Museen zu Berlin)
Ausstellungsdauer: 11. Oktober 2017 bis 14. Januar 2018
Pressevorbesichtigung: Montag, 9. Oktober 2017, 12.00 Uhr
Ort: Städel Museum, Schaumainkai 63, 60596 Frankfurt am Main
Katalog: Zur Ausstellung erscheint im Hirmer Verlag ein Katalog mit 256 Seiten und ca. 150 Abbildungen, herausgegeben von Michael Roth, Magdalena Bushart und Martin Sonnabend unter Mitarbeit von Catalina Heroven, mit einem Vorwort von Heinrich Schulze Altcappenberg und Philipp Demandt. Deutsch, 29,90 Euro (Museumsausgabe).
Information: www.staedelmuseum.de, info@staedelmuseum.de, Telefon +49(0)69-605098-200, Fax +49(0)69-605098-112
Besucherdienst: Telefon +49(0)69-605098-232, besucherdienst@staedelmuseum.de
Öffnungszeiten: Di, Mi, Sa, So 10.00–18.00 Uhr; Do, Fr 10.00–21.00 Uhr; montags geschlossen
Sonderöffnungszeiten: 31.10.2017, 10.00–18.00 Uhr; 24.12.2017 geschlossen; 25., 26.12.2017, 10.00–18.00 Uhr; 31.12.2017 geschlossen; 1.1.2018, 11.00–18.00 Uhr; 8.1.2018, 10.00–18.00 Uhr
Eintritt: Di–Fr: 14 Euro, ermäßigt 12 Euro; Sa–So, Feiertage: 16 Euro, ermäßigt 14 Euro; Familienkarte 24 Euro, freier Eintritt für Kinder unter 12 Jahren; Gruppen ab 10 regulär zahlenden Personen: ermäßigter Eintrittspreis pro Person. Für Gruppen ist vorab eine Anmeldung unter Telefon +49(0)69-605098-200 oder info@staedelmuseum.de erforderlich.
Kartenvorverkauf: tickets.staedelmuseum.de
Überblicksführungen durch die Ausstellung: Fr 18.00 Uhr, So 14.00 Uhr. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Begleitprogramm (Auszug):
KUNSTKOLLEG Aktiv: „Mit ruhiger Hand und geübtem Blick“, 21. Oktober 2017, 13.00 –17.00 Uhr
Maria Sibylla Merian „Ananas mit Kakerlaken“. Zeichenkurs mit Führung im Palmengarten, 4. November 2017, 13.00–17.00 Uhr, Palmengarten Frankfurt
Gastkommentar mit Karin Wittstock: Botanische Malerei zwischen Kunst und Wissenschaft, 19. November 2017, 12.00 Uhr, Städel Museum
Maria Sybilla Merian und die Pflanzenwelt von Surinam, Führung im Palmengarten mit Palmengarten-Kustodin Hilke Steinecke, 22. November 2017, 18.00 Uhr
Lesung mit Barbara Beuys, 8. November 2017, 19.00 Uhr (Einlass ab 18.30 Uhr), Metzler-Saal, Städel Museum, Eintritt: 14 Euro, ermäßigt 12 Euro, Tickets ab Mitte September online verfügbar unter tickets.staedelmuseum.de
Social Media: Das Städel Museum kommuniziert die Ausstellung in den sozialen Medien mit den Hashtags #MSMerian und #Staedel.
Gefördert durch: Kulturfonds Frankfurt RheinMain
Veranstaltungsprogramm Oktober 2017
Die Nachfolge für Dr. Felix Krämer am Städel Museum ist entschieden. Zum 19. Februar 2018 wechselt Dr. Alexander Eiling von der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe an das Frankfurter Städel Museum, wo er neuer Sammlungsleiter für die Kunst der Moderne (1800–1945) wird. Mit Eiling gewinnt das Städel einen renommierten Kunsthistoriker und Experten für die Kunst des 19. bis 21. Jahrhunderts, der sowohl langjährige Erfahrung in der Konzeption von Ausstellungen als auch in der Betreuung von Sammlungen mit sich bringt und aufs engste mit der Städelschen Sammlung vertraut ist. Eiling promovierte an der Goethe-Universität in Frankfurt über die Expressionismus-Sammlung der Deutschen Bank und war unter anderem Sammlungskurator am Wilhelm-Hack-Museum in Ludwigshafen sowie zuletzt Kurator für Neuere Malerei und Plastik (1800 bis heute) an der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe. Von 2002 bis 2007 arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Graphischen Sammlung des Städel Museums. Eiling folgt auf Felix Krämer, der zum 1. Oktober 2017 neuer Generaldirektor und künstlerischer Leiter der Stiftung Museum Kunstpalast in Düsseldorf wird.
„Mit Alexander Eiling haben wir unseren Wunschkandidaten für die Leitung unserer Kunst der Moderne gefunden. Mit seiner internationalen Erfahrung als versierter Ausstellungsmacher sowie seinen spannenden Ideen für die Weiterentwicklung der Städelschen Sammlung ergänzt Alexander Eiling unser Kuratorenteam auf perfekte Weise. Ich freue mich auf eine gemeinsame Zusammenarbeit in Frankfurt“, kommentiert Städel Direktor Dr. Philipp Demandt die Personalentscheidung.
„Ich freue mich sehr über meine Rückkehr ans Städel und in meine Heimatstadt. Frankfurt ist auf Grund seiner Mischung aus Bürgersinn und Weltoffenheit mit kaum einer anderen Stadt in Deutschland zu vergleichen. Dies und die großartige Sammlung des Städel sind ideale Voraussetzungen, um auch weiterhin attraktive und international beachtete Ausstellungen realisieren zu können. Daran werde ich mit meinen Kollegen in den nächsten Jahren mit Freude arbeiten“, so Dr. Alexander Eiling.
Dr. Alexander Eiling wurde 1974 in Frankfurt am Main geboren. Er studierte Kunstgeschichte, Rechtswissenschaften und Skandinavistik an den Universitäten Passau, Edinburgh und Frankfurt am Main und wurde im Fach Kunstgeschichte an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt mit der Arbeit „Beletage und ‚Kunst am Arbeitsplatz‘: Die Sammlung Deutsche Bank zwischen zeitgenössischer Kunst und deutschem Expressionismus“ promoviert. Von 2002 bis 2007 arbeitete er als wissenschaftlicher Assistent in der Graphischen Sammlung des Städel Museums, wo er unter anderem an der Konzeption, Organisation und Realisierung von Ausstellungen zu Albrecht Dürer, Max Beckmann oder Ernst Wilhelm Nay mitarbeitete. Anschließend wechselte er 2008 an das Wilhelm-Hack-Museum in Ludwigshafen. Als Sammlungskurator für Malerei, Skulptur und Graphik vom Mittelalter bis in die Moderne – mit einem Schwerpunkt auf Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts – zeichnete er dort u.a. verantwortlich für die wissenschaftliche Aufarbeitung und Neupräsentation des Bestandes im Rahmen der Neueröffnungsausstellung „Alles“ (2009) sowie für Ausstellungen zu Ernst Ludwig Kirchner, Anton Henning oder Gert und Uwe Tobias. Seit 2010 ist Eiling Kurator für Malerei und Plastik des 19. bis 21. Jahrhunderts an der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe. Seine Forschungs- und Ausstellungsschwerpunkte liegen im Bereich der französischen Kunst des 19. Jahrhunderts, der Kopienforschung sowie des deutschen Expressionismus. In Karlsruhe war er zuletzt Kurator der erfolgreichen Ausstellungen „Déjà-vu? Die Kunst der Wiederholung von Dürer bis Youtube“ (2012), „Degas. Klassik und Experiment“ (2014/15) sowie der groß angelegten Ausstellung „Cézanne. Metamorphosen“, die vom 28. Oktober 2017 bis 11. Februar 2018 an der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe zu sehen sein wird. Alexander Eiling ist Herausgeber und Autor zahlreicher Publikationen und wissenschaftlicher Beiträge.
Der Städelsche Museums-Verein e.V. freut sich, dass der Kreis seiner aktiven Kunstfreunde kontinuierlich wächst. Wie heute bekannt gegeben wurde, begrüßt der 1899 gegründete Förderkreis in diesen Tagen sein 8.000stes Mitglied. Damit zählt der Städelverein nicht nur zu den ältesten, sondern auch zu den größten Freundeskreisen eines Kunstmuseums in Deutschland.
„Über den großen Zuspruch und das stetige Wachstum freuen wir uns sehr. Auch 118 Jahre nach seiner Gründung sind das Engagement und die Dynamik des Museumsvereins ungebrochen. Ein lebendiger Museumsbetrieb hängt heute mehr denn je von Menschen ab, welche die Freude an der Kunst mit Engagement verbinden. Im Städelverein können wir auf die Unterstützung dieser breiten Basis bauen“, kommentiert Sylvia von Metzler, die Vorstandsvorsitzende des Städelvereins, die aktuelle Mitgliederzahl.
„Wir sind stolz auf den großen Zuspruch für unseren ältesten und größten Partner. Der Städelverein ist ein verlässlicher Garant, mit dessen Hilfe wir unsere Museumsarbeit in all ihren Facetten und auf höchstem Niveau weiterführen können“, betont Städel-Direktor Dr. Philipp Demandt.
Seit 1899 fördert der Städelsche Museums-Verein die Museumsarbeit. Er ist beispielhaft für die lange Frankfurter Tradition des bürgerlichen Mäzenatentums. Als Freundeskreis des Städel Museums und der Liebieghaus Skulpturensammlung gilt das Engagement der finanziellen und ideellen Unterstützung beider Häuser. Zentrale Aufgabe ist es, beide Sammlungen durch Ankäufe kontinuierlich zu erweitern. Viele zunächst unerreichbar scheinende Ankaufswünsche – von Cranach, über Rembrandt, Liebermann bis hin zu Picasso – konnten erfüllt und die Sammlungen durch rund 1.800 wichtige Kunstwerke zukunftsgerichtet ausgebaut werden. So gelang dem Städelverein im Jahr 1988 auch der Ankauf von Pierre Bonnards „Liegender Akt auf weißblau kariertem Grund“, mit dem aktuell in der ganzen Region auf die große „Matisse – Bonnard“-Ausstellung aufmerksam gemacht wird. Darüber hinaus zählen große Forschungs- und Restaurierungsvorhaben sowie Vermittlungsformate zu den Förderschwerpunkten des Freundeskreises. Zuletzt die Finanzierung der digitalen Vermittlungsarbeit mit dem erfolgreichen und inzwischen weltweit bereits von über 23.000 Usern genutzten Städel Onlinekurs zur Kunst der Moderne.
Erstmalig fördert der Verein mit „Matisse – Bonnard. ‚Es lebe die Malerei!‘“ (bis 14. Januar 2018) ein Ausstellungsprojekt im Städel Museum. Im Zentrum der Schau steht die 40 Jahre andauernde Künstlerfreundschaft zwischen Pierre Bonnard und Henri Matisse. Das Museum ist auf einen beständigen Freundeskreis angewiesen, um seinen Aufgaben auch künftig gerecht werden zu können. Daher soll der Kreis der Kunstfreunde weiter wachsen. Um weiter zur Freundschaft anzustiften, begrüßt der Städelverein seine neuen Mitglieder mit einer besonderen Aktion: Alle, die ab sofort Mitglied werden, können bis zum Jahresende die Vorzüge ihrer Mitgliedschaft kostenfrei nutzen und zahlen erst ab 2018.
Zum Dank für ihr Engagement ermöglicht der Freundeskreis allen Mitgliedern jederzeit – ganz ohne Anstehen – freien Eintritt in die Sammlungen und Ausstellungen von Städel und Liebieghaus, den exklusiven Members‘ Day zu großen Ausstellungen, besondere Führungen und Reisen, interessante Kontakte zur Kunstszene, Einblicke hinter die Kulissen des Museums- und Kunstbetriebs sowie viele weitere Gelegenheiten zum Austausch. Der Städelclub richtet sich mit einem eigenen Programm an junge Kunstfreunde bis 40 Jahren. Neben zahlreichen Führungen in den Ausstellungen und Sammlungen beider Häuser werden dort vor allem eine Vielzahl an Veranstaltungen rund um die Frankfurter Kunst- und Kulturszene angeboten. Ziel ist es, junge Kunstfans schon früh an den Gedanken des mäzenatischen Engagements heranzuführen. Im KinderKunstKlub haben Kinder und Jugendliche von 6 bis 13 Jahren die Möglichkeit, Museen, Ausstellungen und die eigenen künstlerischen Fähigkeiten zu entdecken, hinter die Kulissen der drei Häuser zu schauen und eigene Kunstprojekte zu realisieren.
Die Besucher der Schirn Kunsthalle Frankfurt, des Städel Museums und der Liebieghaus Skulpturensammlung erwartet im Jahr 2018 ein vielfältiges Programm. Philipp Demandt, seit Oktober 2016 Direktor der drei Frankfurter Kunstinstitutionen, hat heute einen Ausblick auf die kommenden Projekte der drei Häuser gegeben, darunter zahlreiche Ausstellungen und Initiativen, die in seiner nunmehr einjährigen Amtszeit in Frankfurt neu entwickelt wurden.
Zu den Höhepunkten der Programme zählen 2018 in der Schirn die Ausstellung zu Jean-Michel Basquiat, die Retrospektive des Afrika-Malers Wilhelm Kuhnert und eine Schau zum Begriff der „Wildnis“ in der Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts. Auf der anderen Mainseite wird das Städel Museum Ausstellungen zu Peter Paul Rubens sowie zu Lotte Laserstein, Victor Vasarely und der Fotografin Ursula Schulz-Dornburg zeigen. In der Liebieghaus Skulpturensammlung ist William Kentridge dazu eingeladen, das gesamte Haus mit seinen teils raumfüllenden Arbeiten und Installationen zu bespielen.
„Unter Berücksichtigung der spezifischen Identitäten der drei Institutionen haben wir ereignisreiche, interdisziplinäre und international ausgerichtete Jahresprogramme zusammengestellt. Eingebettet in unsere innovative Kommunikation und Vermittlungsarbeit – analog wie digital – wollen wir möglichst viele Menschen erreichen und zur Beschäftigung mit der Kunst anregen – aber auch mit gesellschaftlichen Fragen früher wie heute. Zentral bleibt unser Anspruch, dass eine Kunstinstitution Menschen auf vielfältige Weise bewegen und berühren soll, und genau dafür stehen Schirn, Städel und Liebieghaus. 2018 beginnen zudem wichtige Bauarbeiten an den drei Häusern, die das Fundament der Institutionen und ihrer Kernaufgaben Sammeln, Bewahren, Forschen, Ausstellen, Vermitteln auch für die Zukunft sichern sollen“, kommentiert Philipp Demandt seine Pläne für die von ihm geleiteten Häuser.
In der Schirn werden die Ausstellungsflächen (ca. 1.500 qm²) im Zeitraum Juni bis September 2018 saniert. Die damit verbundenen Maßnahmen umfassen die Erneuerung der Klimatechnik, des Parketts in allen Ausstellungsräumen und der Elektroverkabelung sowie das Einbringen von BOS-Funkverstärkern für die Feuerwehr. Die Schirn bleibt während der Sanierung im Sommer jedoch für die Besucher in Teilen geöffnet. So wird der Künstler Neïl Beloufa in den nicht von der Sanierung betroffenen Räumen eine Präsentation mit installativen, skulpturalen und filmischen Bühnen realisieren. Zur Eröffnung am 7. Juni 2018 findet auch das jährliche Sommerfest der Schirn statt. Darüber hinaus wird es in den Sommermonaten ein abwechslungsreiches Vermittlungs- und Veranstaltungsprogramm geben, das unter anderem die beliebten Summer Hangouts mit Konzerten und das Open-Air-Kino umfasst.
Im Städel Museum ist eine umfassende Sanierung der mainseitigen Fassade geplant. Nach der Schadenskartierung in den letzten Monaten wird im Winter 2017/18 mit den aufwändigen Arbeiten an der Sandsteinfassade begonnen. Darüber hinaus wird auch der mainseitige Garten des Museums neugestaltet, um die Präsentation der Außenskulpturen ebenso zu verbessern wie die Aufenthaltsqualität. Auch ein neues Beleuchtungskonzept wird umgesetzt.
Nachdem sich alle drei Häuser in den vergangenen Jahren einer grundlegenden digitalen Transformation unterzogen haben, soll diese Strategie mittels technologischer Innovationen für alle Kernaufgaben der Häuser ausgebaut werden. Schwerpunkte der neuen Planungen sind ein stärkerer Einsatz von Film im Bereich der Kommunikation und Vermittlung von Kunst, die thematische Erweiterung des Digitorial-Formats hin zu Themen und Künstlern der Städel Sammlung sowie eine konsequente Fortführung – sowohl quantitativ als auch qualitativ – der Digitalisierung der Sammlungen.
Ausstellungsprogramm 2018
Die Schirn Kunsthalle Frankfurt beginnt das Jahr mit einem Höhepunkt: der Ausstellung „Basquiat. Boom for Real“ (16. Februar – 27. Mai 2018). Mehr als dreißig Jahre nach Jean-Michel Basquiats letzter Präsentation in einer öffentlichen Sammlung in Deutschland widmet die Schirn – organisiert in Kooperation mit der Barbican Art Gallery, London – dem Werk des US-amerikanischen Künstlers eine große Überblicksschau. Jean-Michel Basquiat (1960–1988) zählt heute zu den bedeutendsten Künstlern des 20. Jahrhunderts. Erstmals wird in der Ausstellung seine Beziehung zu Musik, Text, Film und Fernsehen in einem übergeordneten kulturellen Zusammenhang herausgestellt. Parallel dazu zeigt die Schirn eine Ausstellung über die Repolitisierung der Gegenwartskunst. Angesichts der politischen Umbrüche der letzten Jahre scheinen viele Künstler heute zunehmend unter dem Druck des Einspruchs zu stehen. Unter dem Titel „Power to the People“ (21. März – 27. Mai 2018) unternimmt die Schirn 50 Jahre nach 1968 eine Bestandsaufnahme zeitgenössischer, internationaler Kunstpositionen, die sich als Seismographen des politischen Handelns lesen lassen. Ihr Fokus liegt auf grundsätzlichen Fragen und der Auseinandersetzung mit Phänomenen und Möglichkeiten politischer Teilhabe.
Im Sommer entwirft der vielfach ausgezeichnete Künstler Neïl Beloufa (*1985) in den an die Ausstellungsflächen angrenzenden Räumen der Schirn installative, skulpturale und filmische Bühnen, in denen Fiktion und Realität verschmelzen. Der Fokus in Beloufas Œuvre liegt auf dem Film: Das Setting, das Licht, der Schnitt und die Perspektiven liegen sowohl der Entwicklung seiner Skulpturen als auch seiner Bilder und Installationen zugrunde.
Mit der Ausstellung zu Wilhelm Kuhnert (25. Oktober 2018 – 27. Januar 2019) wird die Schirn einem der erfolgreichsten und einflussreichsten Maler des frühen 20. Jahrhunderts erstmalig eine umfassende Retrospektive widmen. Wilhelm Kuhnert (1865–1926) zählte zu den außergewöhnlichsten Künstlerpersönlichkeiten Europas. Als erster deutscher Freilichtmaler gelangte er tief in das Innere der damaligen Kolonie „Deutsch-Ostafrika“, wo er auf jahrelangen Expeditionen die dortige Tier- und Pflanzenwelt studierte. Kuhnerts Bilder, die er mit internationalem Erfolg verbreitete, prägten in hohem Maße das Bild, das sich Europa und Nordamerika zur damaligen Zeit von Afrika machte. Kuhnerts Karriere spiegelt die Verbindung von Naturwissenschaft und Kunst um 1900 ebenso wider wie Aspekte des Kolonialismus und Eskapismus. Zeitgleich stellt die Schirn mit der Schau „Außer Kontrolle. Wildnis in der Kunst“ (1. November 2018 – 27. Januar 2019) den Begriff der „Wildnis“ in der Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts in den Mittelpunkt. Das Wilde, Ungezähmte, nicht Kultivierte hat seit Beginn der ästhetischen Moderne Künstler in seinen Bann gezogen. Die „Wildnis“ erscheint dabei oftmals als Projektionsfläche für das Andere und das Fremde. Von den erhabenen Naturdarstellungen der Romantik über die Trümmer verrohter Zivilisationen in surrealistischen Landschaften bis hin zu konzeptuell angelegten Arbeiten der Gegenwart haben Künstler das Thema Wildnis in wechselnden Bedeutungszusammenhängen reflektiert, in Form von Wunsch- genauso wie von Schreckensbildern. Die Ausstellung in der Schirn beleuchtet die Faszination und die vielfältigen Verbindungen von Kunst und Wildnis im 20. und 21. Jahrhundert aus aktueller Perspektive.
Neben dem monatlichen Videokunstformat „Double Feature“ werden auch die zeitgenössischen Kunstpräsentationen in der Rotunde der Schirn im Jahr 2018 fortgesetzt. Die polnische Künstlerin Maria Loboda (*1979), die an der Städelschule in Frankfurt studierte, wird vom 16. November 2018 bis 10. Februar 2019 neue Arbeiten in der öffentlich zugänglichen Rotunde präsentieren.
Mit einem groß angelegten Ausstellungsvorhaben startet das Städel Museum ins Jahr 2018. „Rubens. Kraft der Verwandlung“ (8. Februar – 21. Mai), eine Kooperation mit dem Kunsthistorischen Museum Wien, präsentiert dem Publikum anhand bedeutender Leihgaben aus internationalen Museen die Kreativität und den Erfindungsreichtum des weltbekannten Barockkünstlers erstmals umfassend in Frankfurt. Die Schau gewährt den Betrachtern einen direkten und faszinierenden Einblick in Rubens‘ (1577–1640) schöpferische Arbeitsweise. Auf das Barock folgen drei Projekte zur Gegenwartskunst: Der 1964 geborene Manuel Franke zeigt im Städel Garten von April bis Juli eine großflächige, speziell für das Städel entwickelte Arbeit, in der Graphischen Sammlung bildet ein zentraler Ankauf sowie eine umfangreiche Schenkung den Grundstock für eine Gegenüberstellung der beiden Maler und Graphiker Frank Auerbach (*1931) und Lucian Freud (1922–2011) (16. Mai – 12. August 2018), und im Ausstellungshaus ist im Sommer eine Einzelausstellung der Fotografin Ursula Schulz-Dornburg (4. Juli bis 16. September 2018) zu sehen. Anhand von 14 Serien bietet die Präsentation einen ersten institutionellen Gesamtüberblick über die künstlerische Entwicklung und Bandbreite der in Berlin geborenen und in Düsseldorf lebenden Fotografin während der vergangenen 40 Jahre. Mit ethnologischer Neugierde und archäologischem Auge liegt ihr Werk im Grenzbereich von Dokumentarismus und politischer Fotografie, von Konzeptkunst und aufklärerischem Ansatz.
Vom 19. September 2018 bis 13. Januar 2019 widmet das Städel der Malerin Lotte Laserstein (1898–1993) eine Schau mit 50 Werken, die im Anschluss im Moderna Museet in Malmö gezeigt wird – die erste Einzelpräsentation Lasersteins in einem großen deutschen Museum nach ihrer Wiederentdeckung im „Verborgenen Museum“ in Berlin vor anderthalb Jahrzehnten. Die Schau baut auf den Sammlungsbeständen des Städel auf, das mit den Gemälden Russisches Mädchen mit Puderdose von 1928 und Junge mit Kasper-Puppe (Wolfgang Karger) von 1933 in den vergangenen Jahren wichtige Arbeiten der Künstlerin erwerben konnte. Der Fokus der Präsentation liegt auf Lasersteins Arbeiten der 1920er- und 1930er-Jahre, die den Glanzpunkt ihres Schaffens markieren. Zeitgleich, vom 26. September 2018 bis 13. Januar 2019, zeigt das Städel eine Retrospektive zum Werk des Malers und Grafikers Victor Vasarely (1906–1997). Technoide und psychedelisch bunte Bilder, die mittels optischer Täuschungen in den Raum zu drängen scheinen, prägen bis heute hauptsächlich das Vasarely-Bild. Mit 120 Werken aus über 60 Jahren und aus europäischen wie US-amerikanischen Sammlungen wird die Durchdringung und gegenseitige Beeinflussung von Alltag und Kunst im Werk Vasarelys, der fortschreitende Übergang zwischen der Ästhetik von Pop und Moderne, sichtbar gemacht.
Im Frühjahr 2018 präsentiert die Liebieghaus Skulpturensammlung ein ebenso umfassendes wie außergewöhnliches Ausstellungsprojekt in Zusammenarbeit mit einem der international bedeutendsten zeitgenössischen Künstler, William Kentridge (* 1955). In vielen künstlerischen Disziplinen beheimatet, ist er vom 22. März bis 26. August 2018 eingeladen, seine Werke in einen Dialog mit dem Bestand der 5.000 Jahre umfassenden Frankfurter Skulpturensammlung zu bringen. In den musealen Räumen sind über 30, teils raumfüllende Arbeiten und Installationen zu sehen, die das Spektrum von Kentridges Œuvre aufzeigen. Im Herbst 2018 wird die Republik Georgien Ehrengast der Frankfurter Buchmesse sein. Aus diesem Anlass wird die Liebieghaus Skulpturensammlung bedeutende Leihgaben aus dem Georgischen Nationalmuseum in der Präsentation „Medeas Liebe und die Jagd nach dem Goldenen Vlies“ (AT, 5. Oktober 2018 – 10. Februar 2019) zeigen, eingebettet in die Erzählung der Argonauten-Sage.
Vor genau zehn Jahren wurde in Frankfurt das Städelkomitee 21. Jahrhundert ins Leben gerufen. Das deutschlandweit einzigartige Gremium ermöglicht dem Städel Museum einen kontinuierlichen und strategischen Ausbau seiner Sammlung der Gegenwartskunst. Dank des besonderen Engagements der derzeit über 40 Mitglieder konnten bereits 159 bedeutende Werke der zeitgenössischen Kunst für die Städelsche Sammlung angekauft werden. Neben Highlights von Hans Hofmann, Philip Guston und Konrad Klapheck sind darunter auch viele Entdeckungen und Künstler abseits des bereits gefestigten Kanons, wie Werke von Georg Karl Pfahler, Marwan, Hermann Glöckner oder Gerhard Hoehme. Sein zehnjähriges Jubiläum feierte der Freundeskreis gestern mit einem Festvortrag von Steffen Seibert, Mitglied des Städel Kuratoriums und Sprecher der Bundesregierung, und zahlreichen Künstlervorträgen im Städel Museum. Dabei wurde auch der jüngste und im Rahmen des Jubiläums getätigte Ankauf des Komitees vorgestellt: die großformatige Arbeit „Cieszowa III“ (1973) des bedeutenden US-amerikanischen Minimal Art Künstlers Frank Stella (*1936). Gegründet wurde das Städelkomitee 21. Jahrhundert 2007 im Kontext der baulichen Erweiterung des Städel Museums von dem damaligen Städel Direktor Max Hollein und Sylvia von Metzler, der Vorsitzenden des Städelschen Museums-Vereins.
„Aus der Idee und der mäzenatischen Initiative mehrerer Bürgerinnen und Bürger ist ein unvergleichbares Gremium entstanden, welches uns ermöglicht, die Sammlung Gegenwartskunst strategisch weiterzuentwickeln. Die über 60 Persönlichkeiten, die im letzten Jahrzehnt diesem Kreis angehörten, eint ihre besondere Leidenschaft für Kunst der Gegenwart, eine enge Verbundenheit mit dem Städel sowie gelebte bürgerschaftliche Verantwortung. Für dieses außergewöhnliche Engagement sind wir zu großem Dank verpflichtet. Es ist Garant für die Weiterentwicklung und das Fortbestehen unserer Sammlungen und damit der spezifischen Identität des Städel – als Frankfurter Bürgermuseum par excellence“, betont Städel Direktor Dr. Philipp Demandt.
„Der kontinuierliche Einsatz des Städelkomitees hat Spuren hinterlassen. Das Ergebnis dieser besonderen Initiative unter der Leitung von Philipp Demandt und Martin Engler ist eine außergewöhnliche Sammlung, die sich wesentlich von anderen Sammlungen der Gegenwartskunst unterscheidet, da sie eben nicht nur einem Kunstmarkt-Kanon folgt, sondern die Geschichte der Gegenwartskunst weiterschreibt“, kommentiert Sylvia von Metzler, Vorsitzende des Städelschen Museums-Vereins.
„Durch das Städelkomitee 21. Jahrhundert konnten wir immer wieder herausragende Schlüsselwerke jenseits des gängigen Kanons erwerben, um wichtige Sammlungskonvolute zu komplettieren, zu internationalisieren und untereinander zu verknüpfen. Das Ergebnis ist eine Erzählung der Kunst der Gegenwart, die mit überraschenden Gegenüberstellungen und Nachbarschaften einen Bogen von der Kunst der Nachkriegszeit bis in unsere unmittelbare Gegenwart spannt“, so Dr. Martin Engler, Sammlungsleiter für Kunst nach 1945 am Städel Museum.
Das Städelkomitee 21. Jahrhundert, zu dem aktuell 45 Privatpersonen zählen, ermöglicht den gezielten Ankauf wichtiger Werke der Gegenwartskunst für das Städel Museum. Wer sich für diesen exklusiven Freundeskreis des Städel engagiert, leistet unverzichtbare finanzielle Unterstützung und erhält einen besonderen Einblick in die strategische Sammlungsentwicklung des Frankfurter Museums. Bei Ankaufsbesuchen in Künstlerateliers und Galerien, bei gemeinsamen Reisen zu Kunstbiennalen oder auf wichtigen Messen und Ausstellungen im In- und Ausland werden Entwicklungen beobachtet, Arbeiten begutachtet und am Ende vielleicht für die Städelsche Sammlung erworben.
Seit seiner Gründung im Jahr 2007 hat das Städelkomitee 21. Jahrhundert insgesamt 159 Arbeiten von folgenden Künstlern für die Städelsche Sammlung erwerben können:
Hans Peter Adamski; Peter Angermann; John M Armleder; Art & Language; Herbert Aulich; Enrico Baj; Christiane Baumgartner; Thomas Bayrle; Michael Beutler; Dike Blair; Armin Boehm; Robert Breer; Daniel Buren; Janet Cardiff & George Bures Miller; David Claerbout; Thomas Demand; Jean Fautrier; Adolf Fleischmann; Otto Freundlich; Bernard Frize; Günter Fruhtrunk; Rupprecht Geiger; Isa Genzken; Hermann Glöckner; Leon Golub; Gotthard Graubner; Tamara Grčić; Philip Guston; Raymond Hains; Mary Heilmann; Philipp Hennevogl; Antonius Höckelmann; Gerhard Hoehme; Hans Hofmann; Jörg Immendorf; Per Kirkeby; Konrad Klapheck; Barbara Klemm; Peter Kogler; Arthur Köpcke; Norbert Kricke; Eugène Leroy; Markus Lüpertz; Adolf Luther; Michel Majerus; Marwan (Marwan Kassab-Bachi); Jonathan Meese; Johannes Molzahn; François Morellet; Reinhard Mucha; Otto Muehl; Olaf Nicolai; A. R. Penck; Georg Karl Pfahler; Arnulf Rainer; Tobias Rehberger; Ad Reinhardt; Daniel Richter; Michael Riedel; Larry Rivers; David Salle; Wilhelm Sasnal; Jörg Sasse; Dierk Schmidt; Julian Schnabel; Thomas Schütte; Dirk Skreber; Leon Polk Smith; Haim Steinbach; Frank Stella; Jessica Stockholder; Jan Svenungsson; Wolfgang Tillmans; Günther Uecker; Victor Vasarely; Wolf Vostell; Franz Erhard Walther; Corinne Wasmuht; Amelie von Wulffen; Erwin Wurm.
Im Rahmen einer medizinischen Pilotstudie haben das Städel Museum und der Arbeitsbereich Altersmedizin der Goethe-Universität Frankfurt am Main seit Ende 2014 die therapeutischen Potenziale von interaktiven Auseinandersetzungen mit Kunst für Menschen mit Demenz untersucht. Nachdem die umfassenden Forschungsergebnisse die Wirksamkeit der Methodik und Praxis bestätigt haben, nimmt das Städel nun das ARTEMIS-Projekt dauerhaft in sein breit gefächertes Vermittlungsprogramm auf. Das Angebot umfasst eine einstündige thematische Führung sowie anschließendes kreatives Arbeiten mit verschiedenen künstlerischen Techniken im Atelier. Zu ARTEMIS können sich Paare anmelden, die aus einer Person mit leichter bis mittelgradiger Demenz und einem Begleiter bestehen. Die Gruppengröße beläuft sich auf maximal sechs Paare. Eine Gruppe absolviert in zweiwöchigem Rhythmus insgesamt drei Termine. Die nächsten zwei Gruppen beginnen am 31. Mai bzw. 12. Juli (Anmeldeschluss: drei Tage vor dem jeweiligen Starttermin). Es gibt noch freie Plätze. Die Anmeldung kann unter info@staedelmuseum.de oder per Telefon erfolgen: +49(0)69-605098-200.
ARTEMIS war die erste umfassende wissenschaftliche Studie zur interaktiven Kunstvermittlung und den therapeutischen Potenzialen einer kunstbasierten psychosozialen Intervention bei Demenz im deutschsprachigen Raum. Das zweijährige Forschungsprojekt ging der Frage nach, welchen Beitrag regelmäßige Museumsbesuche und die Beschäftigung mit Kunst leisten können, um das emotionale Wohlbefinden und das Kommunikationsverhalten von Menschen mit leichter bis mittelgradiger Demenz zu steigern und die Beziehung zu ihren betreuenden Angehörigen zu verbessern. Nicht zuletzt sollte Menschen mit Demenz und ihren durch die Pflege eingebundenen Angehörigen auf diesem Weg mehr gesellschaftliche Teilhabe und soziale Integration ermöglicht werden.
Die zurückliegende wissenschaftliche Studie wurde durch die Familie-Schambach-Stiftung gefördert. Das Vermittlungsangebot ARTEMIS wird mit unterstützt von der Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt am Main.
„Die nachhaltige Integration von ARTEMIS am Städel Museum erweitert unser vielfältiges und differenziertes Vermittlungsangebot auf ganz besondere Weise: Im Rahmen dieses wissenschaftlich geprüften Programms können wir Menschen mit Demenzerkrankungen bereichernde und anregende Kunsterlebnisse ermöglichen. So kann ein wichtiger Zugang zu kultureller Teilhabe aufrechterhalten bzw. eröffnet werden“, betont Chantal Eschenfelder, Leiterin der Abteilung Bildung und Vermittlung am Städel.
Die Studie
Im Verlauf des Praxisforschungsprojekts ARTEMIS (ART Encounters: Museum Intervention Study) entstand ein niedrigschwelliges Vermittlungsangebot zur interaktiven Auseinandersetzung mit Kunst für Menschen mit Demenz und ihre betreuenden Angehörigen. Diese Kunstbegegnungen bestanden im ersten Teil aus einstündigen thematischen Kunstführungen durch speziell geschulte Kunstvermittler des Museums. Dabei ging es in erster Linie um Assoziationen und Emotionen der Teilnehmer im Rahmen eines interaktiven Dialogs. Die Themen der Führungen waren sehr vielfältig, z. B. „Frankfurt am Main“, „Das menschliche Gesicht“ oder „Die Farbe BLAU“. Anschließend arbeiteten die Gruppen im zweiten Teil kreativ im Atelier. Bewusst wurden ganz unterschiedliche künstlerische Materialien (z. B. Acrylfarben, Ölkreiden oder Ton) und einfache Techniken wie Collage oder Drucken mit Styreneplatten integriert. Die Aufgaben waren so angelegt, dass die an Demenz erkrankte Person und ihre Begleitperson miteinander in einen kreativen Austausch treten konnten.
Das Besondere an ARTEMIS war die groß angelegte wissenschaftliche Begleitstudie, in deren Rahmen neben psychologischen Tests und standardisierten Fragebögen auch offene Interviewfragen und Videografie zum Einsatz kamen. Untersucht wurde der Einfluss von Museumsbesuchen und künstlerischer Betätigung auf das emotionale Wohlbefinden, das Kommunikationsverhalten und die Lebensqualität der Teilnehmenden.
Die Zielgruppe für ARTEMIS waren Menschen mit leichter bis mittelgradiger Demenz sowie deren betreuende Angehörige aus Frankfurt am Main und der Rhein-Main-Region. Neben der feststehenden ärztlichen Diagnose einer leichten bis mittelgradigen Demenz sollten lediglich ausreichende motorische Fähigkeiten für die Kunstworkshops vorhanden sowie eine nahestehende Bezugsperson bereit sein, zu allen sechs Museumsterminen mitzukommen. Weder theoretische noch praktische Vorerfahrungen im künstlerischen Bereich waren notwendig. Insgesamt gab es in der zweijährigen Projektzeit 13 ARTEMIS-Gruppen mit je sechs Museumsterminen im Städel und drei bis fünf Paaren pro Kleingruppe. Insgesamt fanden 78 Kunstführungen und Atelierworkshops mit 96 Teilnehmern statt.
Alle Teilnehmer füllten unmittelbar vor und nach jedem Museumsbesuch unabhängig voneinander eine siebenstufige Smiley-Skala zur Erfassung ihrer momentanen emotionalen Befindlichkeit aus. Zusätzlich wurde jede thematische Kunstführung samt Workshop von den Begleitpersonen im Anschluss anhand spezieller Kriterien evaluiert. Unter anderem sollten die Begleitpersonen Besonderheiten im Verhalten ihrer demenziell erkrankten Angehörigen beschreiben, den Grad der Aktivierung bzw. der Beteiligung am kreativen Prozess einschätzen und darüber Auskunft geben, ob beispielsweise nach dem Museumsbesuch ein Austausch über die Erlebnisse stattgefunden hat. Dies sollte den Vergleich einzelner Führungen ermöglichen. Am Ende wurde eine Gesamtevaluation durchgeführt, im Zuge derer die Teilnehmer angeben konnten, welche Kunstbegegnungen bzw. welche Art der kreativen Gestaltung ihnen am meisten Spaß gemacht hatte und was sie unter Umständen gerne weiterführen würden.
Die Forschungsergebnisse
Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass sich sowohl bei Menschen mit Demenz als auch bei den Angehörigen das Wohlbefinden nach den Museumsbesuchen signifikant verbesserte. Ähnliches gilt für die Selbsteinschätzung der Lebensqualität. Die stärksten Effekte zeigten sich bei Menschen mit Demenz bei biografisch angelegten Zugängen (z. B. „Familie und Kinder“ und „Frankfurt am Main“) oder bei mehrere Sinnesebenen ansprechenden Ansätzen (z. B. Malen zu Musik bei der Atelierarbeit zum Thema „Abstrakt“). Die betreuenden Angehörigen verspürten dagegen einen stärkeren Zugewinn an Wohlbefinden bei Kunstführungen, die vor allem durch neue Erfahrungen und das Entdecken eigener kreativer Potenziale zur emotionalen Entlastung beitragen konnten. So waren die höchsten Effektstärken für die Begleitpersonen bei den Themen „Farbe BLAU“ (Erstellung blauer Experimentalbilder), „Abstrakt“ (Malen zu Musik) und „Porträts“ (Modellieren mit Ton) zu verzeichnen.
Mit Blick auf die Frage, welche Kunstbegegnungen bzw. welche Art der kreativen Gestaltung den Teilnehmenden am meisten Spaß gemacht hat, äußerten Menschen mit Demenz bei der Kreativarbeit an biografisch relevanten („Frankfurt am Main“) und unterschiedliche Sinnesebenen ansprechenden Themen („Abstrakt“) besonders oft freudige Emotionen. Bei Sitzungen mit größerem Anteil an eigenständiger Arbeit (Modellieren mit Ton oder Erstellung einer Collage) ist den Angehörigen häufig aufgefallen, dass ihre Menschen mit Demenz länger ruhig sitzen blieben als sonst, entspannter wirkten und mehr Ruhe ausstrahlten.
Insgesamt stieß das Projekt auf sehr großen Zuspruch. Ein Großteil der Teilnehmer äußerte den Wunsch, solche Museumsbesuche auch künftig und dauerhaft fortsetzen zu wollen. Nahezu einstimmig (96,4 %) haben die Teilnehmer das Gesamtprojekt mit „sehr gut“ bewertet und würden ARTEMIS anderen Betroffenen uneingeschränkt (100 %) weiterempfehlen.
Weitere Informationen zur Studie:
Dr. rer. nat. Valentina Tesky und Dipl.-Psych., M.A. Arthur Schall, Arbeitsbereich Altersmedizin, Institut für Allgemeinmedizin, Goethe-Universität Frankfurt am Main, Tel.: +49(0)69-6301-83621 und -7657; E-Mail: tesky@allgemeinmedizin.uni-frankfurt.de; schall@allgemeinmedizin.uni-frankfurt.de.
ARTEMIS
Vermittlungsangebot für Menschen mit Demenz
Ablauf: Einstündige thematische Führungen und anschließende einstündige kreative Arbeit mit verschiedenen künstlerischen Techniken im Atelier
Termine: Die nächsten Durchgänge starten am 31.5., 12.7., 23.8., 4.10. sowie 15.11.
Turnus: Pro Durchgang drei Nachmittagstermine alle zwei Wochen
Gruppengröße: Max. sechs Paare (sechs Menschen mit Demenz plus je eine Begleitperson)
Ort: Städel Museum, Schaumainkai 63, 60596 Frankfurt am Main
Anmeldung: info@staedelmuseum.de, Telefon +49(0)69-605098-200, Fax +49(0)69-605098-112
Information: www.staedelmuseum.de/angebote/artemis, info@staedelmuseum.de, Telefon +49(0)69-605098-200, Fax +49(0)69-605098-112
Mit Unterstützung von: Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt am Main
Matisse – Bonnard. „Es lebe die Malerei!“
bis 14. Januar 2018
Ausstellungshaus
Noch bis 14. Januar 2018 zeigt das Frankfurter Städel Museum zwei herausragende Protagonisten der Klassischen Moderne erstmals gemeinsam in Deutschland: Henri Matisse (1869–1954) und Pierre Bonnard (1867–1947). Im Mittelpunkt der Sonderausstellung steht die über 40 Jahre andauernde Künstlerfreundschaft der beiden französischen Maler. Beide setzten sich intensiv mit den gleichen künstlerischen Sujets auseinander: Interieur, Stillleben, Landschaft und besonders auch mit dem weiblichen Akt. Anhand von rund 120 Gemälden, Plastiken, Zeichnungen und Grafiken eröffnet die Schau einen Dialog zwischen Matisse und Bonnard und bietet damit neue Perspektiven auf die Entwicklung der europäischen Avantgarde vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs. Bereichert wird die Werkauswahl durch eine Reihe von Fotografien Henri Cartier-Bressons, der die beiden Maler 1944 an der französischen Riviera besuchte.
Kurator: Dr. Felix Krämer (Städel Museum)
Ko-Kurator: Dr. Daniel Zamani (Städel Museum)
Maria Sibylla Merian und die Tradition des Blumenbildes
bis 14. Januar 2018
Ausstellungshalle der Graphischen Sammlung
Maria Sibylla Merian (1647–1717) zählt sowohl zu den bedeutendsten Naturforscherinnen als auch zu den namhaftesten Künstlerinnen ihrer Zeit. 2017 jährte sich der Todestag der gebürtigen Frankfurterin zum 300. Mal. Aus diesem Anlass präsentiert das Städel Museum die Sonderausstellung „Maria Sibylla Merian und die Tradition des Blumenbildes“. Zu sehen ist die faszinierende und filigrane Welt der Blumen- und Pflanzendarstellung in Zeichnungen und Druckgrafiken des 15. bis 18. Jahrhunderts. Die in Zusammenarbeit mit dem Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin und der Technischen Universität Berlin entwickelte Ausstellung zeigt bedeutende Werke Maria Sibylla Merians gerahmt von Blumendarstellungen ihrer Vorläufer, Zeitgenossen und Nachfolger.
Kuratoren: Dr. Martin Sonnabend (Städel Museum), Dr. Michael Roth (Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett)
Rubens. Kraft der Verwandlung
8. Februar bis 21. Mai 2018
Ausstellungshaus
Peter Paul Rubens (1577–1640) hat die europäische Barockmalerei geprägt wie kaum ein anderer Künstler. Vom 8. Februar bis 21. Mai 2018 widmet das Frankfurter Städel Museum dem weltbekannten Künstler eine umfassende Sonderausstellung. „Rubens. Kraft der Verwandlung“ thematisiert anhand von etwa100 Arbeiten – darunter 31 Gemälde und 23 Zeichnungen des Meisters – einen bisher wenig beachteten Aspekt in seinem Schaffensprozess: Sie zeigt, wie tief Rubens in den Dialog mit Kunstwerken berühmter Vorgänger und Zeitgenossen eintrat und wie dies sein fünfzigjähriges Schaffen prägte.
In Rubens’ umfangreichem Œuvre spiegeln sich die Einflüsse antiker Skulptur ebenso wider wie die der späteren Kunst aus Italien und nördlich der Alpen, von den Meistern des späten 15. Jahrhunderts bis zu seinen Zeitgenossen. Seine Bezugnahme auf Werke von Künstlern unterschiedlicher Epochen ist häufig erst auf den zweiten Blick erkennbar – in der Ausstellung kann der Besucher die zuweilen überraschenden Korrelationen nun im Detail nachvollziehen.
Die Gattungsgrenzen überschreitende Ausstellung vereint Malerei, Zeichnung, Druckgrafik, Skulptur und Werke der angewandten Kunst. Neben Originalskulpturen von der Antike bis zur Renaissance werden auch Gemälde und Grafiken von Rubens’ Vorläufern und Zeitgenossen zu sehen sein, darunter Schlüsselwerke von Tizian und Tintoretto, von Goltzius, Rottenhammer und Elsheimer sowie von Giambologna, van Tetrode und van der Schardt. Zu den zahlreichen internationalen Leihgebern der Schau zählen unter anderem das Koninklijk Museum voor Schone Kunsten in Antwerpen, die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, die Uffizien in Florenz, das Israel Museum in Jerusalem, die National Gallery in London, das J. Paul Getty Museum in Los Angeles, der Prado und das Museo Thyssen-Bornemisza in Madrid, der Pariser Louvre, das New Yorker Metropolitan Museum of Art, die Staatliche Eremitage in St. Petersburg, die Vatikanischen Museen und die National Gallery of Art in Washington.
Kuratoren: Prof. Dr. Jochen Sander (Städel Museum Frankfurt), Dr. Gerlinde Gruber (Kunsthistorisches Museum Wien), Stefan Weppelmann (Kunsthistorisches Museum Wien)
Auerbach und Freud
16. Mai bis 12. August 2018
Graphische Sammlung
Frank Auerbach ( 1931) und Lucian Freud (1922–2011) verbindet nicht nur ein ähnliches Schicksal: Beide wurden in Berlin geboren und noch im Kindesalter vor den Nationalsozialisten in England in Sicherheit gebracht. Sie teilten eine tiefe Freundschaft und veränderten mit ihrer figurativen Malerei die Sprache der modernen Kunst. Mit größter Intensität und Beharrlichkeit wandten sie sich über Jahrzehnte den immer gleichen Motiven zu, meist stellten sie Menschen aus ihrem engeren Umfeld dar. Der inhaltlichen Beschränkung liegt die Suche nach künstlerischem Erkenntnisgewinn zugrunde. Unerbittlich wird im Prozess des Schaffens um Wahrheit gerungen.
Anlässlich der bedeutenden Neuerwerbung eines gezeichneten Selbstbildnisses von Auerbach durch den Städelschen Museums-Verein e. V. zeigt die Graphische Sammlung des Städel Museums im Frühjahr 2018 ausgewählte Druckgrafiken und Zeichnungen von Frank Auerbach und Lucian Freud.
Kuratorin: Dr. Regina Freyberger (Städel Museum)
Colormaster F*, 2018. Manuel Franke im Städel Garten
20. Juni bis 23. September 2018
Städel Garten**
Im Rahmen der Reihe „Im Städel Garten“ entwickelt Manuel Franke ( 1964) ein monumentales Objekt, das – halb Skulptur, halb Malerei – ab Frühsommer 2018 den Garten des Städel Museums über den Gartenhallen in eine raumgreifende und körperlich erfahrbare Installation verwandeln wird.
Die Arbeit Colormaster F nimmt es mit dem auf drei Seiten von Gebäuden begrenzten Garten in seiner Ganzheit auf und setzt ihm eine Rampe aus Wellblech in leuchtenden Farben entgegen. Den Blick von der Straße auf den grünen Rasenhügel bewusst störend und sich dem im Garten verweilenden Besucher als massives, unüberwindliches Hindernis in den Weg stellend, macht Manuel Frankes Objekt den Städel Garten in ganz neuer Weise erfahrbar. Colormaster F* verändert nicht nur den Garten in seiner räumlichen Konstellation, sondern schafft auch einen weiteren, zusätzlichen Raum innerhalb des Gartens, der gleichermaßen offen wie abgeschlossen ist. Das Rasengeviert und der Hügel sind somit zumindest temporär von vier Seiten umschlossen.
Manuel Franke studierte bei Tony Cragg und Irmin Kamp an der Kunstakademie Düsseldorf sowie bei Daniel Buren und Pontus Hulten am Institut des hautes études en arts plastiques in Paris. Charakteristisch für seine raumgreifenden und den Raum transformierenden Installationen sind die malerische Oberflächenbehandlung und eine besondere Farbigkeit.
Kurator: Dr. Martin Engler (Städel Museum)
Ursula Schulz-Dornburg. The land in between
Fotografien von 1980 bis 2012
4. Juli bis 9. September 2018
Ausstellungshaus*
Ursula Schulz-Dornburgs ( 1938) Interesse gilt seit den frühen 1980er-Jahren Grenzlandschaften, Transitorten und Relikten überlebter Kulturen. Sie fotografiert Kult- und Kulturstätten in Europa, Asien und dem Nahen Osten, vor allem aber die sichtbaren und unsichtbaren Grenzen dieser Kontinente und Regionen. Die dort aufgenommenen vielteiligen Fotoserien, zumeist in Schwarz-Weiß, sind Zeugnisse verschwundener Landschaften, vergangener politischer Systeme, sich im Auflösen befindlicher Kulturkreise und verschwindender Gesellschaften. Mit ethnologischer Neugierde und archäologischem Auge geben ihre Aufnahmen im Grenzbereich von Dokumentarismus und politischer Fotografie, von Konzeptkunst und aufklärerischem Ansatz den Blick frei auf die unscharfen Ränder und Schnittstellen unserer Gegenwart zwischen globalisiertem Alltag und seinen blinden Flecken.
Anhand von 13 Serien bietet die Ausstellung einen ersten institutionellen Gesamtüberblick über die künstlerische Entwicklung und Bandbreite der in Berlin geborenen und in Düsseldorf lebenden Fotografin Ursula Schulz-Dornburg während der vergangenen 40 Jahre.
Kurator: Dr. Martin Engler (Städel Museum)
Ko-Kuratorin: Iris Hasler (Städel Museum)
Absolventen der Städelschule
11. Juli bis 5. August 2018
Ausstellungshaus
2018 findet die Absolventenausstellung der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste – Städelschule im Städel Museum statt. Die Präsentation im Ausstellungshaus ermöglicht einen fundierten Einblick in das facettenreiche Schaffen der Absolventinnen und Absolventen der international renommierten Kunsthochschule.
Lotte Laserstein. Von Angesicht zu Angesicht
19. September 2018 bis 17. März 2019
Durch sensibel gestaltete Porträts ihrer Zeitgenossen machte sich die Berliner Malerin Lotte Laserstein (1898–1993) in den späten Jahren der Weimarer Republik einen Namen. Erfolgreich beteiligte sie sich an zahlreichen Ausstellungen und Wettbewerben. Ihre Kritiker fanden hymnische Worte für sie, bezeichneten sie als „leidenschaftliche Malernatur“ und bestätigten ihr „ein Können von beachtlichem Ausmaß“. Nach der frühen Anerkennung endete ihre Karriere jedoch schlagartig: Die politischen Bedingungen im Nationalsozialismus schlossen die Malerin mit jüdischem Hintergrund zunehmend aus dem öffentlichen Kulturbetrieb aus. 1937 musste sie Deutschland verlassen. Abgeschnitten von der internationalen Kunstszene geriet ihr Werk weitgehend aus der öffentlichen Wahrnehmung. Heute gehört Lasersteins Œuvre zu den großen Wiederentdeckungen der letzten Jahre.
Das Städel Museum widmet der Malerin eine Ausstellung, die vom 19. September 2018 bis 13. Januar 2019 in Frankfurt gezeigt wird. Außerhalb Berlins ist dies die erste Einzelpräsentation Lasersteins in Deutschland. Die Schau baut auf den Sammlungsbeständen des Städel auf, das mit den Gemälden Russisches Mädchen mit Puderdose von 1928 und Junge mit Kasper-Puppe (Wolfgang Karger) von 1933 in den vergangenen Jahren wichtige Arbeiten der Künstlerin erwerben konnte. Anhand von etwa 40 Arbeiten nimmt die Ausstellung Lasersteins künstlerische Entwicklung in den Blick. Der Fokus liegt auf ihren Arbeiten der 1920er- und 1930er-Jahre, die den Glanzpunkt ihres Schaffens markieren. Zentrales Thema Lasersteins war die Porträtmalerei. Immer wieder negierte sie in ihren Werken klassische Rollenvorstellungen und entwickelte neue, vor allem weibliche Identifikationsbilder. Diese finden Ausdruck in souveränen, athletischen und modebewussten Frauenfiguren, die den neuen Typus der modernen Frau reflektieren. Die Ausstellung bietet die Chance, dem faszinierenden Werk dieser lange vergessenen Künstlerin zu begegnen und näherzukommen.
Kuratoren: Dr. Alexander Eiling (Städel Museum), Elena Schroll (Städel Museum)
Victor Vasarely. Im Labyrinth der Moderne
26. September 2018 bis 13. Januar 2019
Ausstellungshaus
Im Herbst 2018 zeigt das Städel Museum eine Retrospektive zum Werk des bedeutenden Künstlers Victor Vasarely (1906–1997). Der Mitbegründer und Hauptvertreter der Op-Art verbindet die Kunst der Moderne mit der unserer Gegenwart, die ästhetisch enorm produktive Zeit zwischen den beiden Weltkriegen mit den Avantgarden der Nachkriegsmoderne. Sein Œuvre erstreckt sich über mehr als sechs Jahrzehnte und integriert unterschiedlichste Stile und Einflüsse: Vasarely war Werbegrafiker und Künstler, zentrale Figur der französischen Nachkriegskunst mit ungarischer Herkunft und Wurzeln im Bauhaus der 1920er-Jahre. Vor allem aber stand Vasarely am Beginn einer Entwicklung, welche die Grenzen zwischen freier und angewandter Kunst, zwischen „high and low“, Tafelbild und Poster, Museum und Jugendzimmer immer weiter verflüssigte. Die in Kooperation mit dem Centre George Pompidou in Paris entwickelte Ausstellung „Victor Vasarely. Im Labyrinth der Moderne“ zeichnet ausgehend von zentralen Bildern und Objekten seines Hauptwerks die Wurzeln und die Entstehung dieses Jahrhundertœvres nach.
Es sind vor allem die Bilder der Vega-Serie aus den späten 1960er-Jahren, die bis heute unser Vasarely-Bild prägen: technoide und psychedelisch bunte Bilder, die mittels optischer Täuschungen in den Raum zu drängen scheinen. Eine ebenso perfide, wie faszinierende Mischung aus minimalistischer Reduktion und Pop-Art-Farbigkeit, die in ihrer industriellen Buntheit, Serialität und Reduktion für eine zukunftsgläubige Gesellschaft und die „Swinging Sixties“ emblematisch wurde. In seinen frühen, teils noch Figuration und Abstraktion mischenden Malereien wird deutlich, wie sehr Vasarely der Kunst der russischen und deutschen Avantgarden der 1910er- und 1920er-Jahre verbunden ist. Zugleich zeugen unter anderem abstrakte Bewegungsstudien dieser frühen Jahre von der ambivalenten Grundhaltung, die Vasarelys Œuvre bis zuletzt prägt: Die Strenge der Geometrie wird spielerisch in Bewegung versetzt, die anfangs noch stabil in sich ruhenden Kompositionen geraten aus dem Lot. Was oberflächlich als spielerische Täuschung der Wahrnehmung daherkommt, ist in Wirklichkeit eine der konsequentesten Infragestellungen und Fortentwicklungen des Projekts Moderne. Die Schau stellt Victor Vasarely, der allzu gerne auf seine die Sinne verwirrende Op-Art reduziert wird, in seiner Rolle als eine der zentralen Figuren der Moderne heraus.
Mit rund 100 Werken aus über 60 Jahren und aus europäischen wie US-amerikanischen Sammlungen wird die Durchdringung und gegenseitige Beeinflussung von Alltag und Kunst im Werk Vasarelys, der fortschreitende Übergang zwischen der Ästhetik von Pop und Moderne sichtbar gemacht. So ermöglicht die Ausstellung nicht nur die Begegnung mit einem der ersten Pop-Art-Künstler Europas, sondern darüber hinaus auch mit einer neuen Geschichte des Projekts Moderne, welches das gesamte 20. Jahrhundert durchzieht.
Kurator: Dr. Martin Engler (Städel Museum)
Ko-Kuratorin: Dr. Jana Baumann (Städel Museum)
Titel- und Laufzeitänderungen vorbehalten