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Presseinformation
Monets Küste. Die Entdeckung von Étretat
19. März bis 5. Juli
Ausstellungshaus
Der Küstenort Étretat wird zum Mythos – und fasziniert bis heute. Die Felsen von Étretat, in der Normandie an der Atlantikküste gelegen, zogen im 19. Jahrhundert zahlreiche Künstler in ihren Bann. Das Städel Museum präsentiert vom 19. März bis 5. Juli 2026 eine große Ausstellung über die künstlerische Entdeckung des einstigen Fischerdorfes und seinen Einfluss auf die Malerei der Moderne. In Frankfurt sind rund 170 herausragende Gemälde, Zeichnungen, Fotografien und historische Dokumente aus führenden französischen, deutschen und weiteren internationalen Museen sowie aus Privatsammlungen zu sehen, darunter allein 24 Werke von Claude Monet.
Étretat spielte eine bedeutende Rolle bei der Entstehung einer neuen Malerei, die als Impressionismus in die Geschichte der Kunst einging. Das Interesse der Künstler galt vor allem der charakteristischen Klippenlandschaft, die als aufregend schön und bedrohlich zugleich wahrgenommen wurde. Maler und Schriftsteller reisten nach Étretat und machten den abgelegenen Ort durch ihre Werke über die Grenzen Frankreichs hinaus berühmt. Mit der zunehmenden touristischen Erschließung um 1850 entwickelte sich Étretat zu einem beliebten Seebad und zu einem Treffpunkt für Künstler, Intellektuelle und das Pariser Bürgertum: Gustave Courbet malte hier seine berühmten Wellenbilder, Guy de Maupassant erhob Étretat literarisch zu einem Sehnsuchtsort und der Gentleman-Gauner Arsène Lupin, die Romanfigur von Maurice Leblanc, hortete hier seine Kunstschätze. Auch der aufstrebende Maler Claude Monet war von der einzigartigen Steilküste mit ihren drei Felsentoren – der Porte d’Amont, der Porte d’Aval und der Manneporte – derart fasziniert, dass er ihr etliche Gemälde widmete. Unter dem Eindruck der sich stets verändernden Licht- und Wetterverhältnisse begann Monet in Étretat Motivreihen zu malen – eine Arbeitsweise, die sich später zu seinem Markenzeichen entwickeln sollte.
Die Ausstellung vereint neben Werken von Eugène Delacroix, Gustave Courbet, Claude Monet und Henri Matisse eine Vielzahl weiterer wichtiger Positionen der modernen und zeitgenössischen Kunst – von Johann Wilhelm Schirmer und Eugène Le Poittevin über Camille Corot und Eugène Boudin bis hin zu Elger Esser. Gemeinsam verdeutlichen die Arbeiten die anhaltende Faszination, die dieser Ort bis heute ausübt. Die Leihgaben stammen unter anderem aus den Staatlichen Museen zu Berlin, dem Fitzwilliam Museum in Cambridge, dem Metropolitan Museum of Art in New York, der National Gallery of Canada in Ottawa sowie dem Musée d’Orsay in Paris.
Philipp Demandt, Direktor des Städel Museums, betont: „Mit unserer großen Sonderausstellung im Frühjahr 2026 widmen wir uns erstmals der Entstehung des Mythos Étretat. Der Küstenort mit seinen markanten Felsentoren und dem einzigartigen Licht fasziniert Künstler seit dem 19. Jahrhundert und hat bis heute nichts von seiner Anziehungskraft verloren. In Étretat entwickelte Claude Monet seine berühmten Motivreihen, die den Impressionismus entscheidend prägten. Besonders stolz sind wir, dass zwei herausragende Werke aus der Städel-Sammlung, die in Étretat entstanden sind, den Ausgangspunkt der Schau bilden: Monets Mittagessen und Gustave Courbets Woge. Ergänzt werden sie durch hochkarätige internationale Leihgaben, darunter allein 24 Werke von Monet. Unser herzlicher Dank gilt allen Leihgebern sowie unseren Förderern für ihre großzügige Unterstützung. Wir freuen uns darauf, gemeinsam mit unseren Besucherinnen und Besuchern der bis heute anhaltenden Faszination Étretats nachzuspüren.“
„In den rund hundert Jahren von der Romantik bis zur Klassischen Moderne zeigt sich eine vielgestaltige Veränderung des künstlerischen Blicks auf die beeindruckende Küstenlandschaft rund um den kleinen Ort Étretat. Von stimmungsvollen Aquarell- und Ölstudien über frühe Fotografien bis hin zu Claude Monets berühmten Gemälden der imposanten Felsen spannt sich der Bogen. Étretat war mit seiner einzigartigen Küstenlandschaft ein Anziehungspunkt für Künstler mehrerer Generationen. In der Zusammenarbeit mit dem Musée des Beaux-Arts de Lyon war es uns ein zentrales Anliegen, Courbets epochale Wogen-Bilder und Monets serielle Landschaftsgemälde in einen erweiterten Kontext zu stellen und Étretats Bedeutung für die moderne Kunst sichtbar zu machen“, so Alexander Eiling und Eva Mongi-Vollmer, Kuratoren der Ausstellung am Städel Museum.
Kuratoren: Alexander Eiling (Sammlungsleiter Kunst der Moderne, Städel Museum), Eva Mongi-Vollmer (Kuratorin, Städel Museum), Stéphane Paccoud (Conservateur en chef, Peintures et sculptures du XIXe siècle, Musée des Beaux-Arts de Lyon), Isolde Pludermacher (Conservatrice générale peinture, Musée d’Orsay, Paris) in Zusammenarbeit mit Eva-Maria Höllerer (Kuratorin, Städel Museum) und Nelly Janotka (Wissenschaftliche Volontärin, Städel Museum)
Gefördert durch: Fraport AG, Fontana Stiftung, Städelscher Museums-Verein e. V., Kulturamt der Stadt Frankfurt am Main
Marketing- und Medienpartner: Alnatura, Ströer Deutsche Städte Medien GmbH, Elisabethen Quelle, Frankfurter Allgemeine Zeitung, arte
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Große Endowment-Kampagne zur Grundfinanzierung des Museums / Zustiftungen durch Förderer haben begonnen
Als erstes deutsches Kunstmuseum startet das Städel Museum eine umfassende Endowment-Kampagne. Ziel ist es, das auf Dauer zu erhaltende Stiftungskapital des Museums signifikant zu erhöhen. Der Auftakt der Endowment-Kampagne wurde gestern auf einem Festakt im Städel bekanntgegeben. In Anwesenheit von 160 Förderern des Museums wurde der Aufbau des Städel Zukunftsfonds feierlich eingeläutet.
Das Städel wird von der gemeinnützigen Stiftung Städelsches Kunstinstitut getragen und ist eine der ältesten und erfolgreichsten bürgerlichen Museumsstiftungen Deutschlands. Maßgeblich finanziert wird das Städel Museum von seinen Besuchern, privaten Förderern, Stiftungen, Unternehmen sowie dem Städelschen Museums-Verein. Zusätzliche Mittel kommen von der Stadt Frankfurt und dem Land Hessen. Das Städel Endowment wird mittelfristig eine weitere, wichtige Säule der Grundfinanzierung des Museums sein.
Mehr als zwei Jahrhunderte nach der Gründung durch das großherzige Testament von Johann Friedrich Städel geht sein Museum nun den entscheidenden Schritt zur langfristigen Sicherung seiner finanziellen Eigenständigkeit. Mit Zustiftungen in den Städel Zukunftsfonds wird das Kapital der Museumsstiftung über die kommenden Jahre und Jahrzehnte sukzessive erweitert. Alle Zustiftungen an das Städel Museum sind von Rechts wegen unveräußerlich. Das Endowment wird nicht ausgegeben, sondern bleibt späteren Generationen erhalten; die Erträge indessen können für die Finanzierung aller Kernaufgaben des Museums verwendet werden.
Ziel ist es, das Grundstockvermögen der Stiftung Städelsches Kunstinstitut auf mindestens 100 Millionen Euro zu erweitern. Die Initiative des Städel Museums findet ihre Vorbilder in den Endowments der großen internationalen Kultur- und Wissenschaftseinrichtungen, insbesondere im US-amerikanischen Raum.
Mit dem Endowment wird Johann Friedrich Städels Vision eines Bürgermuseums in die Zukunft geführt. Unter dem Leitgedanken Städel bleibt Städel richtet sich die Kampagne an die breite Öffentlichkeit. Die Vorbereitungen für das Städel Endowment haben 2023 begonnen. Seitdem hat das Museum Zuwendungen und Zusagen in Höhe von über 10 Millionen Euro erhalten. Exzeptionelle Zustiftungen erfolgten hierbei über mehrere Privatpersonen, Frankfurter Stiftungen sowie den Städelschen Museums-Verein. Mindestens ein Viertel der Zielsumme wird das Städel Museum über zugesagte Testamente langjähriger Besucher erreichen. Weitere Nachlässe sind dem Haus bereits zugesichert. Auf der gestrigen Auftaktveranstaltung im Städel konnte diese Summe durch die Großzügigkeit der Gäste um einen Millionenbetrag erweitert werden.
Philipp Demandt, Direktor des Städel Museums, über das Endowment: „Die Welt verändert sich, und nur was sich wandelt, bleibt bestehen. Das Städel nimmt diesen Wandel an und gestaltet ihn entschlossen und selbstbestimmt. Die signifikante Erweiterung des Grundstockvermögens unserer Stiftung ist ein historischer Meilenstein und zugleich der nächste konsequente Schritt in Richtung Zukunft. Existenz und Erfolg des Städel Museums sind wie kaum irgendwo sonst von bürgerschaftlichem Engagement geprägt – und das seit über 200 Jahren. Die Offenheit und Freiheit unseres Hauses für die kommenden Generationen nun ebenso zu bewahren wie seine finanzielle Eigenständigkeit, ist unser oberstes Ziel. Die ersten großzügigen Zustiftungen für das Endowment erfüllen uns mit großer Zuversicht. Aus Wegbegleitern werden Wegbereiter! Jeder ist eingeladen, in den ‚Städel Zukunftsfonds‘ zuzustiften! Allen Freunden und Förderern, die sich dieser großen Aufgabe verschreiben, gilt mein aufrichtiger Dank.“
Das Städel Museum ist eines der bekanntesten und meistbesuchten Kunstmuseen Deutschlands und vereint internationale Meisterwerke aus über 700 Jahren Kunst. Das Museum präsentiert große Sonderausstellungen namhafter Künstlerinnen und Künstler und erweitert durch programmatische Neuentdeckungen kontinuierlich den Blick auf die Kunstgeschichte. Wissenschaft, Forschung und Vermittlung haben Exzellenzniveau. Mit seinem vielfältigen Bildungsprogramm und den kostenfreien digitalen Angeboten fördert das Städel Gemeinschaft für alle Generationen und kulturelle Teilhabe bis ins hohe Lebensalter.
Seit seiner Gründung 1815 ist das Städel Museum eine private Stiftung. Mit einer Eigenfinanzierung von 85 Prozent des Gesamtbudgets hat das Städel Museum eine der höchsten Eigenfinanzierungsquoten aller europäischer Museen. Eintrittserlöse und Zuwendungen aus der Zivilgesellschaft sind maßgebliche Grundlagen der Städel Finanzierung. Wesentliche Informationen über das Städel Endowment finden Sie auf unserer Website.
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Eine der bedeutendsten Skulpturenerwerbungen in der Geschichte des Städel Museums / Gotische Madonna kehrt in den Altenberger Altar im Städel zurück / Werk ist auf der Liste national wertvollen Kulturgutes verzeichnet
Für das Städel Museum ist es eine der bedeutendsten Erwerbungen seiner Geschichte: Die Thronende Muttergottes (um 1320/1330) aus dem Altenberger Altar konnte durch die Unterstützung der Ernst von Siemens Kunststiftung, des Städelschen Museums-Vereins sowie der Kulturstiftung der Länder für das Städel Museum angekauft werden. Die Figur, auch bekannt als Altenberger Madonna, zählt zu den bedeutendsten Kunstwerken der mittelalterlichen Bildhauerei in Deutschland und gehört zu den ältesten Beispielen der Kölner Bildhauerkunst des 14. Jahrhunderts. Einzigartig wird sie durch ihre hervorragend erhaltene originale Fassung. Die Altenberger Madonna ist im Verzeichnis national wertvollen Kulturguts aufgeführt und daher vor dem Export geschützt.
Die Thronende Muttergottes ist Teil des Altarretabels aus der Klosterkirche im hessischen Altenberg. Seit 100 Jahren besitzt das Städel Museum die Gemäldeflügel dieses Altars. Mit dem originalen Altarschrein, einer Dauerleihgabe aus dem Schlossmuseum Braunfels, ist der Altenberger Altar ein Hauptwerk der aktuellen Sammlungspräsentation. Die Gemälde auf den Altarflügeln sind die ältesten Zeugnisse deutscher Malerei im Städel Museum. Im Altarschrein thronte einst die Altenberger Madonna. Die Skulptur befindet sich seit den 1920er-Jahren in süddeutschem Privatbesitz und wurde seit 1981 als Dauerleihgabe im Bayerischen Nationalmuseum München verwahrt. Mit der Erwerbung der Altenberger Madonna sind nun alle Bestandteile des Altarretabels wieder vollständig vereint und ab sofort dauerhaft im Städel Museum zu sehen.
Philipp Demandt, Direktor des Städel Museums, über den Ankauf: „Nach einhundert Jahren ist die berühmte Altenberger Madonna zurück in ihrem zugehörigen Altar – eine lang ersehnte Sternstunde in der Geschichte des Städel Museums! Dass der Ankauf dieses herausragenden Kunstwerkes gelungen ist, verdanken wir der Weitsicht der Eigentümer und dem Engagement unserer Förderer. Mein großer Dank richtet sich an die Ernst von Siemens Kunststiftung, an den Vorstand und alle Mitglieder unseres Fördervereins sowie an die Kulturstiftung der Länder.“
Werkangaben
Thronende Muttergottes
Köln, um 1320/1330
Laubholz, gefasst
132 × 60 × 33 cm
Erworben 2026 mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder und von Traute Kirchholtes. Gemeinsames Eigentum mit der Ernst von Siemens Kunststiftung und dem Städelschen Museums-Verein e.V.
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Monets Küste und die Entdeckung von Étretat, Bruegels fantastische Welten, neue Perspektiven mit Elmgreen & Dragset, die Haut in der Kunst auf Papier, große Schau zu Maria Magdalena sowie 2027 zum Paradiesgärtlein
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Städel Museum startet einzigartiges digitales Angebot zur Förderung von Lebensqualität, kultureller Teilhabe und emotionalem Wohlbefinden von Betroffenen
Mit ARTEMIS Digital präsentiert das Städel Museum in Kooperation mit dem Arbeitsbereich Altersmedizin am Institut für Allgemeinmedizin der Goethe-Universität Frankfurt ein neues digitales Angebot, das die Lebensqualität und die kulturelle Teilhabe von Menschen mit leichter bis mittelgradiger Demenz fördern soll. Die kostenfreie webbasierte Anwendung lädt Betroffene und ihre Begleitpersonen ab dem 9. Dezember 2025 ein, unter artemis.staedelmuseum.de die Kunstwerke der Städel Sammlung auf eine neue, interaktive Weise zu entdecken – flexibel und unabhängig von Zeit und Ort. ARTEMIS Digital ist das erste digitale, kunstbasierte Vermittlungsformat für Menschen mit Demenz im deutschsprachigen Raum.
Angesichts der steigenden Zahl an Demenzerkrankungen wächst der Bedarf an Interventionsangeboten, die über die medizinische Versorgung hinausreichen. Kunst kann neue Verständnisebenen eröffnen und anhand von Farben, Formen und Motiven bei Menschen mit Demenz Erinnerungen wecken sowie emotionale Resonanzräume schaffen. Das Projekt ARTEMIS (ART Encounters: Museum Intervention Study) des Städel Museums und der Goethe-Universität Frankfurt wurde bereits 2014 initiiert. Seitdem bietet es demenzbetroffenen Menschen ein barrierearmes Kunstvermittlungsangebot anhand von Führungen in der Dauerausstellung und anschließender kreativer Atelierarbeit. Eine begleitende Studie zeigte deutliche Verbesserungen der neuropsychiatrischen Symptomatik sowie des emotionalen Wohlbefindens und der Lebensqualität.
ARTEMIS Digital wurde als Folgeprojekt des Führungs- und Workshop-Programms entwickelt, um den Zugang zu Kunst und kreativer Betätigung auch Menschen mit eingeschränkter Mobilität zu eröffnen. Vier geführte „Kunstreisen“ innerhalb der neuen Anwendung, jeweils ergänzt durch einfache Anleitungen zum eigenen kreativen Gestalten, steigern die Selbstwirksamkeit der Betroffenen und stärken gleichzeitig die Beziehung zwischen ihnen und ihren Begleitpersonen. Der interdisziplinäre Ansatz von ARTEMIS Digital vereint medizinische Kompetenz mit der Expertise digitaler Kunstvermittlung. Die Entwicklung erfolgte schrittweise und unter Einbeziehung der Zielgruppe. Das webbasierte Baukastensystem von ARTEMIS Digital erlaubt eine flexible Erweiterung und macht es zu einem zukunftsweisenden, nachhaltigen Modell für kultur- und kreativtherapeutische Ansätze, die gesellschaftliche Teilhabe stärken. Begleitet wird ARTEMIS Digital von einer wissenschaftlichen Studie der Goethe-Universität.
Philipp Demandt, Direktor des Städel Museums: „Demenz erhält in unserer Gesellschaft noch immer zu wenig Aufmerksamkeit. Mit ARTEMIS Digital setzt das Städel Museum ein deutliches Zeichen für Inklusion und kulturelle Teilhabe und erweitert zugleich seine digitalen Vermittlungsangebote. Kunst kann Erinnerungen wachrufen, Emotionen wecken und Verständigung jenseits von Sprache ermöglichen – eine Wirkung, die wir als Museum gezielt erschließen möchten. ARTEMIS Digital zeigt, wie Kultur Menschen mit Demenz Teilhabe, Selbstwirksamkeit und sinnliche Erfahrung eröffnen kann und damit zugleich einen gesellschaftlich bedeutsamen Beitrag leistet.“
Johannes Pantel, Leiter des Arbeitsbereichs Altersmedizin der Goethe-Universität Frankfurt, ergänzt: „Unsere Forschung zeigt klar: Kunstinterventionen können bei Menschen mit Demenz die Lebensqualität signifikant verbessern, sinnstiftende Kommunikation ermöglichen und pflegende Angehörige entlasten. Damit erhält und fördert ARTEMIS Digital nicht nur vorhandene Fähigkeiten und verbessert die Beziehung zwischen Betroffenen und ihren Betreuungspersonen, sondern ermöglicht kreative und aktivierende Kunsterfahrungen auch für all jene, die das Museum nicht besuchen können.“
Kooperationspartner: Lehrstuhl für Altersmedizin, Goethe-Universität Frankfurt
Abrufbar unter: artemis.staedelmuseum.de
Projektleitung: Dr. Chantal Eschenfelder, Prof. Dr. Johannes Pantel
Projektmanagement: Alexandra Reißer, Anna Huber, Freya Schlingmann
Konzeption: Anne Dribbisch, Anna Huber, Antje Lindner, Alexandra Reißer, Dr. Arthur Schall, Dr. Valentina Tesky
Wissenschaftliche Beratung (Psychogeriatrie und klinische Gerontologie): Dr. Arthur Schall, Dr. Valentina Tesky
Gefördert durch: Familie Schambach-Stiftung
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Meisterwerke der niederländischen Renaissance wieder in der Dauerausstellung Alte Meister zu sehen: Robert Campin und Werkstatt, Flémaller Tafeln: Heilige Veronika, Stillende Gottesmutter, Gnadenstuhl, (ca. 1428–1430)
Das Städel Museum präsentiert nach sieben Jahren intensiver Forschungs- und Restaurierungsarbeit zwei Hauptwerke aus der Sammlung Alte Meister wieder in neuem Glanz. Zwischen 2019 und 2025 wurden die Gemälde Heilige Veronika und Stillende Muttergottes des sogenannten Meisters von Flémalle einer umfassenden kunsttechnologischen Erforschung sowie einer konservatorischen und restauratorischen Bearbeitung unterzogen. Im Fokus der Maßnahmen standen die langfristige Sicherung der empfindlichen Substanz sowie die Wiederherstellung der ursprünglichen ästhetischen Wirkung der Gemälde. Des Weiteren konnten wichtige neue Erkenntnisse für die kunsthistorische Forschung gewonnen werden. Beide Werke sind ab sofort gemeinsam mit der dritten Flémaller Tafel, dem Gnadenstuhl, wieder im Sammlungsbereich Alte Meister zu sehen.
Gefördert wurde das Projekt durch die Enthusiasten des Städelschen Museums-Vereins e.V.
Mit Hilfe modernster kunsttechnologischer Untersuchungsverfahren, darunter Röntgenaufnahmen, Infrarotreflektografie und Mikro Röntgenfluoreszenz-Analysen, konnte die Maltechnik der Meisterwerke präzise rekonstruiert und das Ausmaß späterer Eingriffe nachvollzogen werden. In mehrjähriger Arbeit wurden die Tafeln anschließend konserviert und spätere Eingriffe Schritt für Schritt zurückgenommen. Die fragile Malschicht wurde gefestigt und stark vergilbte Firnisschichten, nicht originale Übermalungen sowie frühere Retuschen behutsam entfernt. Fehlstellen in der Malschicht wurden geschlossen, rekonstruiert und die ursprüngliche künstlerische Intention wieder erfahrbar gemacht. So kommen die außergewöhnliche Detailgenauigkeit und die intensive Farbigkeit der Malerei wieder eindrucksvoll zur Geltung. Besonders sichtbar wird dies zum Beispiel in den kostbar gestalteten Brokathintergründen, im tief leuchtenden Blau und Rot der Gewänder, in der mit höchster Präzision ausgeführten Malerei der Pflanzen oder in den fein modellierten Gesichtszügen.
Im Werk „Heilige Veronika“ konnte der großflächig geschädigte Brokathintergrund, von dem nur etwa 30 Prozent der Originalsubstanz erhalten war, dank detaillierter Voruntersuchungen präzise rekonstruiert werden. Eine besondere Entdeckung war dabei der Nachweis der Verwendung einer sogenannten Lochpause – einer Technik, mit der das aufwendige Rapportmuster durch eine mit feinen Löchern versehene Vorlage und das Einreiben von Kohlestaub auf die Bildoberfläche übertragen wurde. Diese Erkenntnis erlaubt einen tieferen Einblick in die Arbeitsweise des Meisters von Flémalle. Beim Gemälde „Stillende Muttergottes“ stand die Bearbeitung der großflächigen Beschädigung von Lasuren in den dunkelblauen Farbpartien wie zum Beispiel dem Madonnenmantel im Vordergrund. Der teilweise zerstörte originale Faltenwurf des Mantels wurde bei der jüngsten Restaurierung freigelegt und behutsam retuschiert, und so für die Betrachter wieder lesbar gemacht.
Über die Werke
Die drei Tafeln zählen zu den bedeutendsten Werken der frühen niederländischen Malerei. Sie waren ursprünglich Teile eines großen Flügelaltars und wurden nach ihrem vermeintlichen Herkunftsort im belgischen Maastal zunächst einem „Meister von Flémalle“ genannten Künstler zugewiesen. Deutliche Unterschiede zwischen den drei Bildern schließen die Zuschreibung an eine einzige Künstlerhand jedoch aus. Heute gilt als sicher, dass die Tafeln in der Werkstatt des Malers Robert Campin in Tournai entstanden, in der um 1430 auch Rogier van der Weyden tätig war. Die genaue Zuschreibung ist jedoch bis heute umstritten.
Meister von Flémalle, Robert Campin und Werkstatt, „Flémaller Tafeln: Heilige Veronika; Stillende Gottesmutter; Gnadenstuhl“, ca. 1428 – 1430, Mischtechnik auf Eichenholz, 151,8 x 61 cm; 160,2 x 68,2 cm; 148,7 x 61 cm, Städel Museum, Frankfurt am Main, Public Domain
Weitere Informationen zu den Flémaller Tafeln gibt es in der Digitalen Sammlung unter sammlung.staedelmuseum.de
Restauratoren: Stephan Knobloch, Leiter Kunsttechnologie und Restaurierung - Gemälde und moderne Skulpturen (Städel Museum), Linda Schmidt, Diplom-Restauratorin (Städel Museum)
Sammlungsleiter: Prof. Dr. Jochen Sander, Sammlungsleiter Deutsche, Holländische und Flämische Malerei vor 1800
Gefördert durch: Enthusiasten des Städelschen Museums-Vereins e.V.
Neues innovatives digitales Archiv macht Kunst- und Frauengeschichte für ein breites Publikum online erlebbar
Das Städel Museum macht mit dem digitalen Roederstein-Jughenn-Archiv ein einzigartiges Stück Kunst- und Frauengeschichte erstmals online zugänglich. Nutzer können vom eigenen Bildschirm aus in den Nachlass der Malerin Ottilie W. Roederstein (1859–1937) eintauchen, ihre Biografie erkunden und ihr weitreichendes Netzwerk von Freundinnen, Künstlerinnen und Akteurinnen der Frauenbewegung entdecken. Die digitale Anwendung ist ab dem 10. Oktober unter archiv.staedelmuseum.de abrufbar.
Nur selten sind Nachlässe von Künstlerinnen in diesem Umfang erhalten. Das außergewöhnliche Archivkonvolut wurde dem Städel Museum 2019 als großzügige Schenkung aus Privatbesitz übergeben. Es umfasst rund 1.000 Briefe, über 3.000 historische Fotografien und Werkreproduktionen sowie weitere Dokumente wie Ausstellungsbesprechungen oder Presseartikel. Für die Präsentation dieses einzigartigen Bestands wurde – angelehnt an die modulare Struktur der Digitalen Sammlung des Städel Museums – ein innovatives Online-Format entwickelt, in dessen Zentrum die dynamische Visualisierung des weitverzweigten Netzwerks der Künstlerin Ottilie Roederstein steht. Interaktive Such- und Filterfunktionen machen eine repräsentative Auswahl von über 1.000 Text- und Bilddokumenten aus dem Nachlass zugänglich. Sie ermöglichen es, das Material gezielt nach Themen, Orten oder Personen zu durchsuchen und die bewegenden Geschichten um Roederstein anhand der Archivalien nachzuvollziehen. Ergänzt wird das Angebot durch eine interaktive und bebilderte Chronologie ihres Lebens und Schaffens.
Ottilie Roederstein war zu Lebzeiten eine hoch angesehene Künstlerin, geriet jedoch nach ihrem Tod lange in Vergessenheit. Ihr Nachlass besitzt daher einen unschätzbaren Wert für die Kunst- und Frauengeschichte. Bisher teils unveröffentlichte und persönliche Quellen eröffnen Einblicke in ihren Lebensweg, ihre künstlerische Entwicklung und ihr dichtes Netzwerk. Sie laden zum Entdecken und Erkunden ein, bieten aber auch wertvolle Impulse für die weitere wissenschaftliche Forschung. Das Roederstein-Jughenn-Archiv baut auf der langjährigen Erfahrung mit der Digitalen Sammlung auf. Der Einzelarchivbestand Roederstein-Jughenn ist Teil des historischen Archivs des Städel Museums, das über 150 Jahre Museums- und Sammlungsgeschichte vereinigt.
Philipp Demandt, Direktor des Städel Museums: „In den Ausstellungen zur Malerin Ottilie W. Roederstein und den Städel Frauen konnten bereits mehr als 180.000 Besucherinnen und Besucher bedeutende Künstlerinnen der Jahrhundertwende und ihren Einfluss auf die moderne Kunst wiederentdecken. Nun bietet unser digitales Roederstein-Jughenn-Archiv dem Publikum die Möglichkeit, diesen Künstlerinnen dauerhaft digital zu begegnen. Mit historischen Fotografien, Briefen und weiteren Dokumenten macht das Städel Museum ihre Biografien und Netzwerke nachhaltig sichtbar. Die Entwicklung des digitalen Archivs basiert auf den wissenschaftlichen Forschungsleistungen unseres Hauses und auf unserer innovativen Digitalen Sammlung, in der wir die Städel Sammlung seit rund zehn Jahren einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen.“
Projektbeteiligte: Dr. Iris Schmeisser (Leiterin Provenienzforschung und historisches Archiv, Städel Museum), Gabi Schulte-Lünzum (stv. Abteilungsleitung Digitale Sammlung, Städel Museum), Aude-Line Schamschula (wissenschaftliche Mitarbeiterin, Städel Museum), Alexandra Reißer (Projektmanagerin für digitale Kultur, Städel Museum)
Gefördert durch: Rudolf-August Oetker-Stiftung, Damengesellschaft des Städelschen Museums-Vereins e.V., private Spende.
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Presseinformation
Beckmann
3. Dezember 2025 bis 15. März 2026
Ausstellungshalle der Graphischen Sammlung
Max Beckmanns Werk entsteht in einer von Krisen und Umbrüchen geprägten Welt und verwandelt diese Erfahrungen in eine bis heute faszinierende Bildsprache. Den intimsten Teil seines Œuvres bilden die Zeichnungen: Wie ein Tagebuch dokumentieren sie Beckmanns künstlerische Entwicklung und dienten ihm zugleich als Medium der Beobachtung, der Bildfindung, aber auch der Bild-Erfindung. Das Städel Museum rückt diese Arbeiten nun in den Mittelpunkt und präsentiert rund 80 Werke aus allen Schaffensphasen – von bislang wenig bekannten Blättern bis hin zu herausragenden Hauptwerken. Sie eröffnen einen direkten, intensiven Zugang zu Beckmann (1884–1950), einem der bedeutendsten Künstler der Moderne.
Das Städel Museum verfügt über einen der herausragendsten Beckmann-Bestände weltweit und widmet sich seit mehr als einem Jahrhundert der Sammlung, Erforschung und Vermittlung seines Werkes. 2021 erhielt das Museum durch wichtige Dauerleihgaben aus der Sammlung von Karin und Rüdiger Volhard bemerkenswerten Zuwachs. Zusammen mit der Veröffentlichung des dreibändigen Werkverzeichnisses der schwarz-weißen Zeichnungen Max Beckmanns im Hirmer Verlag – mit dem Hedda Finke und Stephan von Wiese eine der letzten großen Forschungslücken zu Beckmanns Zeichnungen geschlossen haben – ist dies der Anlass für die retrospektive Schau.
Den Grundstock der Ausstellung bilden Zeichnungen aus dem eigenen Bestand des Städel Museums, ergänzt durch Leihgaben renommierter internationaler Museen und Privatsammlungen, darunter das Museum of Modern Art in New York, das British Museum in London, das Art Institute of Chicago, das Kunstmuseum Basel, die Hamburger Kunsthalle, das Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin und das Museum der bildenden Künste Leipzig. Einzelne Gemälde und Druckgrafiken eröffnen darüber hinaus Einblicke in Beckmanns Arbeitsprozess und das Wechselspiel verschiedener Medien.
Die Ausstellung wird durch die Förderung der Adolf Würth GmbH & Co. KG, der Dagmar-Westberg-Stiftung und des Städelschen Museums-Vereins e. V. ermöglicht und erfährt darüber hinaus Unterstützung durch die Franz Dieter und Michaela Kaldewei Kulturstiftung sowie Dr. Ina Petzschke-Lauermann.
Philipp Demandt, Direktor des Städel Museums, zur Ausstellung: „Max Beckmann, das Städel Museum und die Stadt Frankfurt am Main sind seit über einem Jahrhundert eng miteinander verbunden. Trotz der Verluste fast aller Werke des Künstlers während der NS-Zeit verfügt das Museum heute über einen Beckmann-Bestand von internationalem Rang. Mit der aktuellen Ausstellung rücken wir nach über vierzig Jahren erstmals wieder gezielt Beckmanns Zeichnungen in den Mittelpunkt. Sie eröffnen einen eigenen, faszinierenden Kosmos seines Schaffens und machen seine künstlerische Entwicklung unmittelbar erfahrbar – nicht zuletzt dank der herausragenden Zusammenarbeit mit Hedda Finke und Stephan von Wiese, den Herausgebern des dreibändigen Werkverzeichnisses seiner Zeichnungen.“
Daniel Hoster, Vorstandsvorsitzender der Dagmar-Westberg-Stiftung: „Mit dem Blick unserer Stifterin auf Max Beckmann erscheint das Zitat aus seinem Tagebuch vom 18. Dezember 1940 als inspirierende Mahnung auch für unsere Zeit: ‚Die Rolle, die Du zur Zeit spielst, ist die schwierigste, aber auch großartigste die Dir das Leben bieten konnte – vergiß das nicht – Max Beckmann – und gerade so wie sie ist.‘ Im Sinne der großen Verbundenheit unserer Stiftungsgründerin mit dem Städel Museum freuen wir uns daher sehr, die Ausstellung zu Beckmanns Zeichnungen zu fördern. Sie eröffnet einen neuen Blick auf einen der bedeutendsten deutschen Künstler der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts – und auf ein Werk, das bis heute nichts von seiner Aktualität verloren hat.“
Die Kuratoren Regina Freyberger, Leiterin der Graphischen Sammlung ab 1800 am Städel Museum, Hedda Finke und Stephan von Wiese, Autoren des dreibändigen Werkverzeichnisses der Zeichnungen Beckmanns, ergänzen: „Die Zeichnungen sind ein Schlüssel zu Beckmanns Werk. Zeichnend entwickelte er seine unverwechselbare Bildsprache, hielt Gesehenes und Erlebtes fest, formte seine persönliche Weltanschauung und verwandelte flüchtige Eindrücke in vielschichtige, bedeutungsgeladene Kompositionen. Im Lauf seines Lebens entstanden mehr als 1.900 schwarz-weiße, nicht in Skizzenbüchern gebundene Zeichnungen in Feder, Kreide oder Bleistift – vom raschen Entwurf bis hin zum autonomen Bild. Die Ausstellung zeigt daraus eine ebenso konzentrierte wie repräsentative Auswahl, die – ergänzt um einzelne farbige Arbeiten, Druckgrafiken und Gemälde – den Zeichner Max Beckmann in großer Intensität erfahrbar machen.“
Rundgang durch die Ausstellung
Die Ausstellung verfolgt in sechs Kapiteln Beckmanns eigenständige künstlerische Entwicklung von der frühen Berliner Zeit bis zu den letzten Lebensjahren in den USA. Ergänzend sind ausgewählte druckgrafische Blätter in einem eigenen Kabinett neben dem Beckmann-Saal in der Dauerausstellung der Moderne zu sehen.
Anfänge in Berlin
Seine ersten künstlerischen Erfolge erzielte Max Beckmann 1906 in der Ausstellung der Berliner Secession. Akademisch ausgebildet, entwickelte er einen Stil, der dem deutschen Impressionismus nahestand. Dies zeigt sich etwa in den sanften Schraffuren des Selbstporträts von 1912 oder in der atmosphärischen Abendlichen Straßenszene (1913?). Inhaltlich reizten ihn die großen Themen: In monumentalen Historiengemälden mit biblischen, mythologischen oder zeitgeschichtlichen Motiven verarbeitete er grundlegende menschliche Konflikte, etwa in dem Entwurf Elefantenschlacht (1908). Mit dem Aufkommen des Expressionismus und der wachsenden kritischen Resonanz auf seine Werke begann Beckmann, sich stärker mit persönlichen Erlebnissen auseinanderzusetzen. Dies zeigen die Skizzen zum Entwurf von Die Nacht (1912), die Szenen einer Gewalttat festhalten, von der Beckmann vermutlich selbst Zeuge war.
Der Künstler im Krieg
Zu Beginn des Ersten Weltkriegs meldete sich Max Beckmann – wie viele Künstler seiner Generation – freiwillig zum Sanitätsdienst in der Hoffnung, neue Impulse für sein Schaffen zu gewinnen. Auf frühere, bildhaft komponierte Werke, die das Grauen des Krieges in Ostpreußen zeigen, folgten in Flandern zunehmend reduzierte Zeichnungen, die den Alltag der Soldaten, das Leid der Verwundeten und die Zerstörungen des Krieges sachlich und knapp festhalten. Werke wie Verwundeter Soldat mit Kopfverband (1915) zeigen den Menschen mit schnellen, kantigen Strichen in seiner Verletzlichkeit, während Aufgebahrter Toter (1915) durch seine eindringliche Bildsprache mit starken perspektivischen Verkürzungen wirkt. Auch die beiden Bildnisse Prof. Ferdinand Sauerbruch (1915) und Selbstporträt beim Zeichnen (1915) spiegeln diesen formalen Wandel und deuten bereits auf die charakteristische Bildsprache der kommenden Jahre hin.
Noch im Dezember 1914 entstanden Entwürfe für das Gemälde Auferstehung (Staatsgalerie Stuttgart), das Beckmann 1915 in Straßburg beginnen, aber nie vollenden sollte. Es ist das einzige Ölbild, das Beckmanns Kriegserfahrungen unmittelbar reflektiert. Fernab jeder Hoffnung steigen Tote aus ihren Gräbern in eine zersplitterte Landschaft. Erstmals wird in der Ausstellung eine große Entwurfszeichnung zu diesem Schlüsselwerk präsentiert, die vor wenigen Jahren im Nachlass Mathilde Q. Beckmanns im Zuge der Arbeit am Werkverzeichnis entdeckt wurde.
„Operationsbasis“ Frankfurt am Main
1915 kam Max Beckmann nach Frankfurt am Main und fand Zuflucht in der Schweizer Straße 3 bei seinem Studienfreund Ugi Battenberg und dessen Frau Fridel, die er in der intimen Federzeichnung Das Schäferstündchen (1915) festhielt. Nach den Erfahrungen im Ersten Weltkrieg entstand in diesem geschützten Umfeld eine neue Bildsprache. Die Kompositionen sind durch reduzierte, flächenhafte Formen geprägt. Perspektivische Verzerrungen erzeugen Bewegung und Spannung und betonen das „Groteske“, das etwa in Drei Zuschauer vor einer Bühne (1917) sichtbar wird. Dieser Stilwandel wird besonders deutlich im lithografischen Zyklus Die Hölle von 1919, zugleich eine der sozialkritischsten Arbeiten Beckmanns der Frankfurter Jahre. In der Ausstellung sind eine erste Variante sowie die Umdruckzeichnung und die Lithografie des vorletzten Blatts dieses Zyklus zu sehen. Sie verdeutlichen die enge Wechselwirkung zwischen Druckgrafik und Zeichnung, aber auch die Verbindung zur Malerei, etwa im Selbstbildnis mit Sektglas (1919), einem Hauptwerk der Städel-Sammlung, in dem Beckmann sich als Beobachter einer aus den Fugen geratenen Welt inszeniert. Beckmanns Zeichnungen werden immer eigenständiger, zudem beginnt sich in den späten 1920er-Jahren die Formensprache zu klären, sei es in Werken wie Spiegel auf einer Staffelei (1926), Junge mit Hummer (1926) oder Quappi mit Kerze (1928). Das gilt auch für seine größte Landschaftszeichnung Rimini (1927), die bis zur Beschlagnahmeaktion „Entartete Kunst“ Teil der ersten Beckmann-Sammlung im Städel unter Direktor Georg Swarzenski war.
Zäsur Nationalsozialismus
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 verlor Max Beckmann seine Lehrtätigkeit an der Frankfurter Kunstgewerbeschule, der heutigen Städelschule. Seine Werke wurden als „entartet“ diffamiert. Er zog sich in seine Arbeit zurück und schuf im Jahr 1933 eine Gruppe motivisch sehr unterschiedlicher Aquarelle. In der Ausstellung sind Der Mord (1933), Geschwister (1933/37) und Schlangenkönig und Hummerfrau (1933) zu sehen. Sie repräsentieren Beckmanns Schaffen dieser Jahre und zeigen die zunehmende Mythisierung sowie die geheimnisvolle Komplexität seiner Kompositionen.
Exil in Amsterdam
Vor dem Hintergrund der bedrohlichen politischen Entwicklung reisten Max und Mathilde Q. Beckmann 1937 nach Amsterdam. Der zunächst als Zwischenstation auf dem Weg nach Paris geplante Aufenthalt dauerte aufgrund des Zweiten Weltkriegs nahezu zehn Jahre. Beckmann erlebte diese Zeit als Exil, geprägt von existenziellen Ängsten und materieller Unsicherheit. Im Auftrag des Frankfurter Mäzens Georg Hartmann entstanden die sehr persönlichen Zeichnungen zu Goethes Faust. Der Tragödie zweiter Teil. Sie zählen zu den Hauptwerken der Amsterdamer Zeit und bildeten die Grundlage für Beckmanns weiteres zeichnerisches Schaffen. In den 143 Federzeichnungen, von denen vier Blätter in der Ausstellung zu sehen sind, setzte Beckmann sich mit weitreichenden Themen auseinander, darunter das Verhältnis der Geschlechter und die Auswirkungen des Krieges. Daneben entstanden bildmäßig komponierte Arbeiten wie Haltestelle (1945), die die Erfahrung von Isolation und Stillstand im Exil spiegeln, sowie Champagnerfantasie (Vergrößerungsglas) (1945), in der Beckmann sein Leibgetränk in einer surrealen Vision zu einer symbolischen Ursuppe des Menschen verwandelte.
Neuanfang in den USA
1947/48 gelang Max Beckmann ein Neuanfang in den Vereinigten Staaten. Unbeeindruckt von der wachsenden Abstraktion in der zeitgenössischen Kunst rang er weiterhin um eine lesbare Weltdeutung und blieb formal der Figuration verpflichtet. Selbstbildnis mit Fisch (1949) und Rodeo (1949) zählen zu den eindrücklichsten Kompositionen, die Beckmanns Auseinandersetzung mit seiner neuen Lebensumgebung spiegeln. Die Ausstellung schließt mit Backstage (Hinter der Bühne) (1950), einem der letzten unvollendeten Gemälde Beckmanns, sowie seiner letzten Zeichnung, dem Bildnis Georg Swarzenski (1950). Swarzenski hatte ab 1918 die bedeutende Beckmann-Sammlung im Städel Museum aufgebaut, die bis heute die Grundlage für die kontinuierliche Erforschung und Präsentation seines Werkes bildet.
Aufwändige Konservatorische und restauratorische Maßnahmen geplant
Das Städel Museum freut sich, den Start der umfassenden konservatorischen und restauratorischen Behandlung, ergänzt durch intensive konservierungswissenschaftliche Forschung, eines der bedeutendsten Werke seiner Sammlung bekanntzugeben: Die Blendung Simsons (1636) von Rembrandt Harmensz. van Rijn. Das monumentale Historiengemälde, über zwei Meter hoch und mehr als drei Meter breit, zählt zu den zentralen Hauptwerken der europäischen Kunstgeschichte. Frühere Restaurierungen sowie natürliche Alterungsprozesse haben Spuren am Gemälde hinterlassen. Die nun geplante, über die kommenden drei bis vier Jahre laufende Konservierungs- und Restaurierungsmaßnahme bietet die große Chance, Rembrandts Meisterwerk wieder in voller Tiefe und Ausdruckskraft erlebbar zu machen.
„Rembrandts Die Blendung Simsons ist ein Meisterwerk von internationalem Rang und eines der Schlüsselwerke unserer Sammlung niederländischer Malerei des 17. Jahrhunderts. Umso dankbarer sind wir der Bank of America, dass sie im Rahmen ihres Art Conservation Project die dringend notwendige Restaurierung ermöglicht. Diese Förderung ist ein bedeutender Beitrag zum Erhalt unseres kulturellen Erbes und stellt sicher, dass dieses außergewöhnliche Werk auch künftig in seiner ganzen Strahlkraft erlebbar bleibt“, so Philipp Demandt, Direktor des Städel Museums.
Bereits im Rahmen der Ausstellung „Nennt mich Rembrandt! Durchbruch in Amsterdam“ (2021/2022) haben die Planungen für dieses Projekt begonnen. Der Sammlungsleiter für Deutsche, Holländische und Flämische Malerei vor 1800, Jochen Sander, betont: „Mit der Sonderausstellung ‚Nennt mich Rembrandt! Durchbruch in Amsterdam‘ und dem begleitenden Forschungskolloquium Rembrandt im Spiegel neuer technologischer Untersuchungen, dessen Ergebnisse kürzlich in ‚ArtMatters. International Journal for Technical Art History‘ publiziert wurden, haben wir nicht nur neue Perspektiven auf Rembrandts Schaffen eröffnet, sondern zugleich die Grundlage für ein weiterführendes Forschungsprojekt gelegt. Dieses Vorhaben ist der konsequente nächste Schritt in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit einem Hauptwerk unserer Altmeister-Sammlung.“
„Unser Ziel ist es, Rembrandts Malerei wieder in ihrer ursprünglichen Intensität erfahrbar zu machen und gleichzeitig die Substanz des Gemäldes langfristig zu sichern. Jede Maßnahme wird sorgfältig auf die originalen Techniken und Materialien abgestimmt, um das Werk wie vom Künstler intendiert zu bewahren“, erläutert Stephan Knobloch, Leiter der Kunsttechnologie und Restaurierung am Städel Museum.
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Presseinformation
Rembrandts „Die Blendung Simsons“ wird restauriert
Aufwändige konservatorische und restauratorische Maßnahmen geplant
Das Städel Museum freut sich, den Start der umfassenden konservatorischen und restauratorischen Behandlung, ergänzt durch intensive konservierungswissenschaftliche Forschung, eines der bedeutendsten Werke seiner Sammlung bekanntzugeben: Die Blendung Simsons (1636) von Rembrandt Harmensz. van Rijn. Das monumentale Historiengemälde, über zwei Meter hoch und mehr als drei Meter breit, zählt zu den zentralen Hauptwerken der europäischen Kunstgeschichte. Frühere Restaurierungen sowie natürliche Alterungsprozesse haben Spuren am Gemälde hinterlassen. Die nun geplante, über die kommenden drei bis vier Jahre laufende Konservierungs- und Restaurierungsmaßnahme bietet die große Chance, Rembrandts Meisterwerk wieder in voller Tiefe und Ausdruckskraft erlebbar zu machen.
„Rembrandts Die Blendung Simsons ist ein Meisterwerk von internationalem Rang und eines der Schlüsselwerke unserer Sammlung niederländischer Malerei des 17. Jahrhunderts. Umso dankbarer sind wir der Bank of America, dass sie im Rahmen ihres Art Conservation Project die dringend notwendige Restaurierung ermöglicht. Diese Förderung ist ein bedeutender Beitrag zum Erhalt unseres kulturellen Erbes und stellt sicher, dass dieses außergewöhnliche Werk auch künftig in seiner ganzen Strahlkraft erlebbar bleibt“, so Philipp Demandt, Direktor des Städel Museums.
Bereits im Rahmen der Ausstellung „Nennt mich Rembrandt! Durchbruch in Amsterdam“ (2021/2022) haben die Planungen für dieses Projekt begonnen. Der Sammlungsleiter für Deutsche, Holländische und Flämische Malerei vor 1800, Jochen Sander, betont: „Mit der Sonderausstellung ‚Nennt mich Rembrandt! Durchbruch in Amsterdam‘ und dem begleitenden Forschungskolloquium Rembrandt im Spiegel neuer technologischer Untersuchungen, dessen Ergebnisse kürzlich in ‚ArtMatters. International Journal for Technical Art History‘ publiziert wurden, haben wir nicht nur neue Perspektiven auf Rembrandts Schaffen eröffnet, sondern zugleich die Grundlage für ein weiterführendes Forschungsprojekt gelegt. Dieses Vorhaben ist der konsequente nächste Schritt in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit einem Hauptwerk unserer Altmeister-Sammlung.“
„Unser Ziel ist es, Rembrandts Malerei wieder in ihrer ursprünglichen Intensität erfahrbar zu machen und gleichzeitig die Substanz des Gemäldes langfristig zu sichern. Jede Maßnahme wird sorgfältig auf die originalen Techniken und Materialien abgestimmt, um das Werk wie vom Künstler intendiert zu bewahren“, erläutert Stephan Knobloch, Leiter der Kunsttechnologie und Restaurierung am Städel Museum.
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