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Veranstaltungsprogramm Oktober 2018
Ab dem 26. September 2018 zeigt das Städel Museum die groß angelegte Sonderausstellung „Victor Vasarely. Im Labyrinth der Moderne“. Anhand von über 100 Werken präsentiert die Retrospektive den Erfinder der Op-Art der 1960er-Jahre. Victor Vasarelys (1906–1997) Œuvre erstreckt sich jedoch über mehr als 60 Jahre und bedient sich unterschiedlichster Stile und Einflüsse. Die Entwicklung des Jahrhundertkünstlers wird mit zentralen Arbeiten aller Werkphasen nachgezeichnet. Der oftmals auf seine Op-Art reduzierte Künstler verbindet die Kunst der frühen Moderne Ost- und Mitteleuropas mit den Avantgarden der Swinging Sixties in Europa und Amerika. Er bediente sich Zeit seines Lebens klassischer Medien und Genres und integrierte in den 1950er-Jahren das Multiple, die Massenproduktion und die Architektur in sein weitverzweigtes Werk. Zugleich blickt die Ausstellung mit Arbeiten wie Hommage au carré (1929) oder figurativen Malereien wie Autoportrait (1944) zurück zu Vasarelys künstlerischen Anfängen. Von diesen frühesten Werken wie Zèbres (1937) über seine Noir-et-Blanc-Periode der 1950er-Jahre erstreckt sich die Auswahl bis zu den Hauptwerken der Op-Art wie den Vega-Bildern der 1970er-Jahre. Die umfassende Retrospektive Vasarelys versteht sich als Wiederentdeckung einer zentralen Künstlerfigur des 20. Jahrhunderts, welche die Moderne wie keine andere in all ihrer Komplexität widerspiegelt.
Neben wichtigen Leihgaben etwa aus dem Centre Pompidou in Paris, der Tate Modern in London, dem Solomon R. Guggenheim Museum in New York oder der Michele Vasarely Foundation präsentiert die Ausstellung nicht zuletzt den für die Deutsche Bundesbank geschaffenen Speisesaal als herausragendes Beispiel für Vasarelys raumgreifende architektonische Gestaltungen. „Victor Vasarely. Im Labyrinth der Moderne“ entstand in enger Kooperation mit dem Pariser Centre Pompidou, das direkt im Anschluss die Ausstellung „Vasarely, le partage des formes“ eröffnen wird. Die beiden Ausstellungen verbinden zentrale Leihgaben wie der eigens für die Frankfurter Präsentation ausgebaute Speisesaal.
Die Ausstellung konnte dank der Unterstützung der Kulturstiftung des Bundes und der Kulturstiftung der Länder realisiert werden. Hinzu kommt die langjährige Förderung der Deutschen Bank als Partner des Städel Museums, welche die Sammlungsarbeit der Abteilung Gegenwart ermöglicht.
„Mit ‚Victor Vasarely. Im Labyrinth der Moderne‘ widmet sich das Städel Museum nicht nur einem der vielleicht bekanntesten Unbekannten der europäischen Nachkriegskunst, sondern einmal mehr einer der zentralen Fragen der Gegenwartskunst, nämlich der nach der Kontinuität von Erster und Zweiter Moderne – und ihrer Bedeutung für die Kunst unserer Gegenwart“, so Städel Direktor Philipp Demandt.
„Vasarely holte den Raum der Renaissance, den die Moderne negierte, wieder zurück ins Bild. Die Koordinaten der Zentralperspektive waren aber nicht mehr verlässlich. Die Räume, die er entwirft, sind dynamisch einladend, labyrinthisch und problematisch zugleich. Nur wenn wir in seinen raumgreifenden Op-Art-Kompositionen auch ihre atemberaubenden formalen wie inhaltlichen Abgründe erkennen, wird seine Kunst zum faszinierenden Zeugnis jenes Jahrhundertprojekts, das wir Moderne nennen“, ergänzt Martin Engler, Kurator der Ausstellung und Sammlungsleiter Gegenwartskunst im Städel Museum.
Victor Vasarely kann heute als eine der zentralen Künstlerfiguren des 20. Jahrhunderts wiederentdeckt werden, deren Bildsprache sich im kollektiven Gedächtnis festgesetzt hat, ohne eine exakte kunsthistorische Verortung erfahren zu haben. Seine künstlerischen Wurzeln liegen in der Auseinandersetzung mit der frühen Moderne. Beeinflusst wurde er durch die Theorien des Bauhauses und des Suprematismus. Später sind es seine technoiden und psychedelisch bunten Arbeiten, die durch optische Effekte in den Raum drängen und auf die Täuschung der Wahrnehmung abzielen. Diese Werke stehen stellvertretend für eine zukunftsgläubige Gesellschaft im Aufbruch. Sie prägen das Erscheinungsbild der Moderne der 1960er- und 1970er-Jahre und sind ebenso Teil der künstlerischen Avantgarde wie der Populärkultur. Durch die Verbreitung seines Werks in Form von Multiples und Auflagenwerken war Vasarely allgegenwärtig. Die Popularität, die er im Sinn einer Demokratisierung der Kunst anstrebte, machte diese auch zum Massenprodukt – im besten wie im schlechtesten Sinn. Wenn seine labyrinthischen Kompositionen, die farbigen Illusionismen, die Abgründe seiner frühen Werke und die vordergründig bunten Op-Art-Bilder malerisch wie inhaltlich im Kontext der Zeit gelesen werden, dann wird seine Kunst zum faszinierenden Zeugnis des Jahrhundertprojekts der Moderne – in seiner ganzen Widersprüchlichkeit.
Ausstellungsrundgang
Die Ausstellung „Victor Vasarely. Im Labyrinth der Moderne“ erzählt über zwei Stockwerke die Entstehung und Entwicklung Vasarelys Werk entlang einer rückläufigen Chronologie. Der Besucher begegnet zunächst den Hauptwerken der 1970er- und 1960er-Jahre und wird anschließend durch das vielgestaltige Œuvre bis zum Frühwerk der 1920er- und 1930er-Jahre geführt. „Zentrales Anliegen des rückläufigen Ausstellungsrundgangs mit seinen freistehenden Display-Wänden ist es, das gesamte, von künstlerischen Verknüpfungen wie Widersprüchen durchdrungene Werk Vasarelys als eines der bekanntesten Unbekannten der Kunst des 20. Jahrhunderts visuell erfahrbar zu machen. Das Unmögliche als Möglichkeit war der Antrieb Victor Vasarelys, womit er tradierte Vorstellungen vom Raum in der bildenden Kunst erschütterte und zugleich visionär erweiterte“, erläutert Jana Baumann, Kuratorin der Ausstellung im Städel Museum. Dank der multiplen Blickachsen, die durch die offene Ausstellungsarchitektur der Berliner Architekten Kuehn Malvezzi entstehen, wird deutlich, wie sich Vasarelys Werk trotz formaler Unterschiede der einzelnen Werkgruppen über die Jahrzehnte konsistent weiterentwickelt hat.
Die Schau beginnt im Untergeschoss des Ausstellungshauses mit dem von Vasarely und seinem Sohn Yvaral gestalteten Speisesaal der Deutschen Bundesbank in Frankfurt, der für die Ausstellung im Städel Museum eigens ausgebaut wurde. Das Bestreben des Künstlers, sein Werk von der Leinwand in den Raum zu erweitern und damit ins Alltägliche vorzudringen, lässt sich an diesem Beispiel eindrücklich nachvollziehen. Vasarelys reproduzierbares Bildsystem hat die Möglichkeit einer demokratischen Verbreitung von Kunst eröffnet. Mit seinen architektonischen Integrationen und Multiples – etwa Kroa Multicolor (1963–1968) oder Pyr (1967) – verfolgt er in der Tradition des Bauhaus das Ziel, gestaltend in den Alltag einzugreifen. 1972 ist er am Höhepunkt seiner Karriere angelangt, seine Arbeit allgegenwärtig: Neben dem Entwurf für das Logo der Olympischen Spiele von München wird er von Renault beauftragt, das Logo der Marke zu überarbeiten.
Anschließend begegnet der Besucher Vasarelys psychedelisch bunter Vega-Serie. Bis heute prägen die technoiden Kompositionen das Bild der Op-Art und die Wahrnehmung des Künstlers. Die Quader, Kugeln oder Rhomben der Werkreihe schieben sich trompe-l’œil-artig in den Raum. Diesen visuellen Effekt erzielt Vasarely durch die systematisch verzerrende Vergrößerung beziehungsweise Verkleinerung einzelner Quadrate oder Kreise. In der zwei mal zwei Meter großen Arbeit Vega Pal (1969) oder in Vega 200 (1968) drängt die Komposition als dynamische Halbkugel förmlich aus dem Bild heraus. Vasarelys Malerei in Öl oder Acryl nimmt die computergenerierte Ästhetik folgender Generationen vorweg. Der nun bewusst vielstimmig sich entspinnende Parcours zeigt, wie sehr Vasarely das Erbe der Moderne – vor allem der geometrischen Abstraktion – dehnt und zum Schwingen bringt. Statt in sich ruhender Geometrie begegnet dem Besucher raumgreifende, in den Raum sich erweiternde Malerei, die den Betrachter verwirrt und in Abgründe ziehende Dynamiken entfaltet.
Von den Vega-Bildern ausgehend eröffnen verschiedene Sichtachsen den Blick auf die form- und farbgewaltige Periode der Folklore planétaire sowie die Erfindung der „Unité plastique“ (1959), aus der diese Werkphase entstanden ist. Vasarelys strenge Bildsystematik kombiniert zwei geometrische Grundformen – Quadrat und Kreis – mit einem ebenso klar umrissenen Farbspektrum, bestehend aus sechs Lokalfarben. Das Ergebnis ist ein Bildverfahren, mit dem – fast ohne künstlerische Entscheidungen – immer neue Bilder „produziert“ werden können: das „plastische Alphabet“. Auf der „plastischen Einheit“ basierende und aus dem „plastischen Alphabet“ hervorgegangene Werke wie Calota MC (1967) oder CTA 102 (1965) treten in der offenen Ausstellungsarchitektur mit den Vega-Arbeiten ebenso in Dialog wie mit jenen der vorangegangenen Noir-et-Blanc-Periode. Neben einer Reduktion auf Schwarz und Weiß vollzieht sich in dieser Schaffensphase die endgültige Hinwendung Vasarelys zur geometrischen Abstraktion – einer Abstraktion allerdings, die schon hier behutsam in Bewegung versetzt wird und die bildimmanente Dynamik der Vega-Arbeiten vorwegnimmt.
Das im Zentrum des Untergeschosses platzierte Programmbild Hommage à Malevich (1952–1958) verbindet Vasarelys Früh- und Hauptwerk und präsentiert sich als Schlüsselarbeit für sein gesamtes Œuvre, wenn Malewitschs Schwarzes Quadrat in Bewegung gerät, die geometrischen Formen in den Raum drehen, Quadrate zu Rauten werden und verschiedene Ebenen entstehen lassen. In der Ausstellung zeigt dies ähnlich eindrücklich Tlinko-II (1956), eine Arbeit, deren klares Raster durch vereinzelt aus der Bildfläche kippende – und somit zu Rauten werdende – Quadrate dynamisiert wird. Für Vasarelys Kunst, die das Sehen und die Wahrnehmung zum künstlerischen Experimentierfeld erklärt und die Statik der Moderne überwinden will, werden hier die Grundlagen gelegt.
Von ähnlicher Bedeutung für die Bildsprache Vasarelys sind die am Beginn der Noir-et-Blanc-Serie – und somit seiner Op-Art – stehenden Photographismes. Vasarely setzt sich hier mit dem Positiv-Negativ-Prinzip der Fotografie auseinander. Für die frühen Photographismes wendet er dieses Prinzip in Tuschzeichnungen an. Es scheint, als ob die positiven und negativen Versionen einer Fotografie nicht deckungsgleich übereinandergelegt worden wären. Die dicht an dicht gesetzten Streifen in Schwarz und Weiß erzeugen den Eindruck einer flirrenden Bildoberfläche. So beleuchtet der Abschnitt mit Werken wie Naissance-N (1951) oder Fugue (1958-1960) die jüngsten Anfänge und Vorstufen der Op-Art.
Die Werkchronologie weiterhin rückläufig erzählend beginnt der zweite Teil der Ausstellung im Obergeschoss des Ausstellungshauses mit drei sehr unterschiedlichen, jedoch mehr oder weniger parallel entstehenden Werkgruppen. Die Bilder der Belle-Isle-, Gordes-Cristal- und Denfert-Serien sind Abstraktionen, die ihren Gegenstand noch im Titel tragen. Es sind ebenso eigenständige wie wunderschöne, im besten Sinn spätmoderne Malereien, die, was ihre handwerkliche Faktur, ihre formale wie gedankliche Strenge betrifft, den Perfektionisten der folgenden Jahrzehnte ankündigen. In den Belle-Isle-Arbeiten wird Vasarely von am Meer gefundener Muscheln und Steinen zu organischen Farb- und Formflächen inspiriert. Die Gordes-Cristal-Arbeiten gehen dagegen auf die optischen Erfahrungen zurück, die Vasarely im Bergdorf Gordes gemacht hat. Die verwinkelten – kristallinen – Dachlandschaften kippen in die Fläche und werden zu abstrakt geometrischen Kompositionen. Bei der Betrachtung einer rechteckigen Fensteröffnung im dunklen Innern eines Hauses hingegen ist ihm diese im Licht der Sonne nicht mehr flach, sondern als Lichtkubus erschienen. Hier legt Vasarely den Grundstein für seine Idee der Umkehrbarkeit von Flächenformen und das damit verbundene räumliche Sehen. Die Denfert-Serie verdankt ihren Namen der Pariser Métro-Station Denfert-Rochereau, die er Ende der 1930er-Jahre regelmäßig passierte und die ihn mit ihren gesprungenen Kacheln inspirierte.
Der letzte Teil der Ausstellung widmet sich Victor Vasarelys Anfängen in Budapest im Umfeld der historischen Avantgarden. Schon hier, in seinen ersten bekannten Werken, etwa bei Hommage au carré (1929), deutet sich die raumgreifende Dynamik der Op-Art der 1960er-Jahre an. Die in sich ruhende Statik der Moderne gerät – vorerst nur feinstofflich – in Bewegung, wenn die verschiedenfarbigen Quadrate langsam in die Tiefe des Bildes fluchten. Schon hier wird aber deutlich, dass es um mehr geht als das rein Visuelle, die optische Spielerei. Die technisch perfekten Études de mouvement – Fingerübungen des Werbegrafikers, der Vasarely ursprünglich in Budapest und Paris war – beleuchten die Bedeutung, die der angewandten Kunst von Anfang an für sein Werk und Denken zukam. Vor allem aber ist es die Parallelität der ersten Zèbres und einer verstörenden Figuration wie Les bagnards (Sträflinge) (1935), die über alle Maßen erstaunt. Die in Anspruch und Ästhetik sehr unterschiedlichen Bilder treffen einander im reduzierten Schwarz-Weiß-Rapport, der Zebras wie Gefangene in ganz ähnlicher Weise abstrahiert und oszillieren lässt und den Betrachter optisch wie inhaltlich irritiert. Nicht zuletzt spiegelt sich hier die von totalitären Regimen geprägte Zwischenkriegszeit in Moskau und Berlin. Dem Spiel mit Rapport und Irritation haftet somit schon in seinem Frühwerk, historisch wie inhaltlich, ein dunkler, unheimlicher Unterton an. Dass die von ihm entworfenen Bildwelten in der Nachfolge der Moderne instabil und flüchtig sind, dass sie changieren und sich entziehen, ist in Anbetracht ihrer Genese am Vorababend des Zweiten Weltkrieges ebenso logisch wie aufschlussreich.
Die Geometrie löst sich auf; was zuvor statisch war, kommt ins Trudeln; die Strenge der Moderne wird von optischen Untiefen unterminiert. Ein Befund, der sich an Vasarelys frühen geometrischen Spielereien ebenso ablesen lässt wie an Vonal-Prim, Reytey oder den Vega-Arbeiten, mit denen der Ausstellungsparcours beginnt. Die Bildräume Vasarelys sind sowohl in den 1920er- als auch in den 1960er-Jahren ebenso dynamisch einladend wie labyrinthisch und problematisch. Erst dieses Moment der Verunsicherung macht die dekorativen Oberflächen seiner Kunst komplett. Nur wenn in Victor Vasarelys raumgreifenden Op-Art-Kompositionen auch ihre Abgründe erkennbar werden, wird seine Kunst zum faszinierenden Zeugnis des Jahrhundertprojekts der Moderne.
Victor Vasarely. Im Labyrinth der Moderne
Ausstellungsdauer: 26. September 2018 bis 13. Januar 2019
Kuratoren: Dr. Martin Engler (Sammlungsleiter Gegenwartskunst, Städel Museum),
Dr. Jana Baumann (Wissenschaftliche Mitarbeiterin Sammlung Gegenwartskunst, Städel Museum)
Information: www.staedelmuseum.de
Besucherservice und Führungen: +49(0)69-605098-200, info@staedelmuseum.de
Ort: Städel Museum, Schaumainkai 63, 60596 Frankfurt am Main
Öffnungszeiten: Di, Mi, Sa, So 10.00–18.00 Uhr; Do, Fr 10.00–21.00 Uhr; montags geschlossen
Sonderöffnungszeiten: 03.10.2018 10.00–18.00 Uhr; 24.12.2018 geschlossen; 25., 26.12.2018 10.00–18.00 Uhr; 31.12.2018 geschlossen; 01.01.2019 10.00–18.00 Uhr
Eintritt: Samstag, Sonntag und Feiertag 16 Euro, ermäßigt 14 Euro, Dienstag bis Freitag 14 Euro, ermäßigt 12 Euro, Familienkarte 24 Euro; freier Eintritt für Kinder unter 12 Jahren; Gruppen ab 10 regulär zahlenden Personen: ermäßigter Eintrittspreis pro Person. Für Gruppen ist vorab eine Anmeldung unter Telefon +49(0)69-605098-200 oder info@staedelmuseum.de erforderlich.
Kartenvorverkauf unter: tickets.staedelmuseum.de.
Für Mitglieder des Städelschen Museums-Vereins ist der Eintritt in die Sonderausstellung frei.
Rahmenprogramm: Die Party zur Vasarely-Ausstellung findet am 27. Oktober 2018 ab 20.00 im Städel Museum statt.
Überblicksführungen durch die Ausstellung: dienstags 15.00 Uhr, donnerstags 19.00 Uhr, samstags 14.00 (außer 13.10.) Uhr sowie 3.10., 16.00 Uhr. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Tickets für die Führungen sind für 5 Euro ab zwei Stunden vor Führungsbeginn an der Kasse oder unter tickets.staedelmuseum.de erhältlich.
Katalog: Zur Ausstellung erscheint unter dem Titel „Victor Vasarely. Im Labyrinth der Moderne“ im Verlag für moderne Kunst ein von Dr. Martin Engler herausgegebener Katalog mit 249 Seiten. Mit Beiträgen von Martin Engler, Györgyi Imre, Michel Gauthier, Jana Baumann und Valerie Hillings sowie einem Vorwort von Philipp Demandt. Der Katalog erscheint in einer deutschen und einer englischen Version, je 39,90 Euro (Museumsausgabe).
Begleitheft: Zur Ausstellung erscheint ein Begleitheft in deutscher Sprache, 7,50 Euro.
Audiotour: Die Audiotour führt in deutscher und englischer Sprache durch die Ausstellung. Die deutsche Audiotour wird von Theater-, Film und Fernsehschauspieler sowie Grimme-Preisträger Sebastian Blomberg gesprochen. Die Tour ist als kostenlose App im Google Play und Apple Store verfügbar und kann bequem von zu Hause auf das Smartphone geladen werden. Vor Ort im Museum kann der Audioguide zu einem Preis von 4,50 Euro (8 Euro für zwei Audioguides) ausgeliehen werden.
Digitorial®: Das Digitorial ist ab sofort unter vasarely.staedelmuseum.de abrufbar.
Social Media: Das Städel Museum kommuniziert die Ausstellung in den sozialen Medien mit dem Hashtag #Vasarely.
Gefördert durch: Kulturstiftung des Bundes und Kulturstiftung der Länder
Förderer der Gegenwartskunst im Städel Museum: Deutsche Bank AG
Medienpartner: Frankfurter Allgemeine Zeitung, Handelsblatt, Verkehrsgesellschaft Frankfurt am Main
Kulturpartner: hr2-kultur
Ausstellungsarchitektur: Kuehn Malvezzi
Eine Ausstellung des Städel Museums, Frankfurt am Main, in Zusammenarbeit mit dem Centre Pompidou, Paris
Vom 23. Oktober 2019 bis zum 16. Februar 2020 zeigt das Städel Museum eine umfassende Ausstellung zu einem der berühmtesten Künstler der Welt: Vincent van Gogh (1853–1890). Die bis dato größte und aufwendigste Präsentation in der Geschichte des Frankfurter Museums thematisiert die besondere Rolle, die deutsche Galeristen, Sammler, Kritiker und Museen für die Erfolgsgeschichte des Malers spielten, der als Vorreiter der modernen Malerei gilt. Zum anderen wird die entscheidende Rolle van Goghs als Vorbild für die Kunst des deutschen Expressionismus beleuchtet. Zu sehen sind mehr als 120 Gemälde und Arbeiten auf Papier, darunter über 50 zentrale Werke von van Gogh und 70 Werke weiterer für die Moderne bedeutender Künstlerinnen und Künstler.
Das Städel wird hochkarätige Werke aus deutschen wie internationalen Sammlungen präsentieren, darunter das Museum of Fine Arts in Boston, das Cleveland Museum of Art, die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen München, das Metropolitan Museum of Art in New York, die Nationalgalerie in Prag sowie die National Gallery of Art in Washington. Besondere Höhepunkte stellen die Selbstbildnisse aus dem Art Institute in Chicago und dem Kröller-Müller Museum in Otterlo dar. Weitere Höhepunkte sind die berühmte Darstellung der Berceuse Augustine Roulin (1889, Stedelijk Museum, Amsterdam) sowie die Segelboote am Strand von Les Saintes-Maries-de-la-Mer (1888, Van Gogh Museum, Amsterdam).
„Zum Zeitpunkt seines Todes in Auvers-sur-Oise 1890 war das Werk van Goghs nur wenigen Zeitgenossen vertraut. Als zur Jahrhundertwende in den Kulturmetropolen Europas die ersten Van-Gogh-Ausstellungen stattfanden, stieg die Bekanntheit seines Œuvres drastisch an. Die Sonderausstellung im Städel Museum zeigt auf, dass ohne die Rezeptionsgeschichte in Deutschland diese Entwicklung und die bis heute anhaltende Popularität Vincent van Goghs kaum denkbar wären“, so Philipp Demandt, Direktor des Städel Museums.
Die Ausstellung nimmt das Œuvre van Goghs erstmalig umfassend im Kontext seiner Rezeption in Deutschland in den Blick. Den Ausgangspunkt bildet eine Auswahl von Schlüsselwerken aus allen Schaffensphasen des niederländischen Malers. Darauf aufbauend widmet sich die Präsentation der Bedeutung van Goghs für die Entwicklung der deutschen Kunst zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Wichtiger Referenzpunkt ist hierbei die umfangreiche Städel Sammlung von Werken des Expressionismus. Neben bekannten Beispielen von Ernst Ludwig Kirchner (1880-1938), Erich Heckel (1883–1970), Karl Schmidt-Rottluff (1884–1976), Paula Modersohn-Becker (1876–1907), Gabriele Münter (1877–1962) oder Max Beckmann (1884–1950) werden auch wiederzuentdeckende Positionen präsentiert, für die van Gogh ebenso prägend war, darunter Peter August Böckstiegel (1889–1951), Maria Slavona (1865–1931) oder Heinrich Nauen (1880–1940). Im Zentrum des groß angelegten Ausstellungs- und Forschungsprojekts steht das Anliegen, einen entscheidenden Beitrag für das Verständnis der Kunstentwicklung in Deutschland zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu liefern und dabei Vincent van Goghs Rolle als Schlüsselfigur für die Kunst der deutschen Avantgarde aufzuzeigen.
Die Ausstellung wird von der Franz Dieter und Michaela Kaldewei Kulturstiftung und dem Städelschen Museums-Verein e.V. gefördert.
„Van Gogh ist tot, aber die van Gogh-Leute leben. Und wie leben sie! Überall van Goghelt’s“, formulierte Ferdinand Avenarius 1910 in der Zeitschrift „Der Kunstwart“ und beschrieb damit die Faszination, die Vincent van Goghs Malerei Anfang des 20. Jahrhunderts vor allem auf junge Künstlerinnen und Künstler in Deutschland ausübte. Deutschland ist für die Erfolgsgeschichte des Niederländers von entscheidender Bedeutung: Bereits knapp fünfzehn Jahre nach seinem Tod und damit früher als in anderen Ländern wurde der Künstler hier durch das Engagement von Galeristen, Kritikern und Museumsdirektoren als einer der bedeutendsten Vorreiter der modernen Malerei wahrgenommen. Auch das Städel und sein damaliger Direktor Georg Swarzenski spielten hierfür eine zentrale Rolle. Als erstes öffentliches Museum in Deutschland erwarb das Städel mit Unterstützung seines Museums-Vereins 1908 das frühe Gemälde Bauernhaus in Nuenen und eine Zeichnung van Goghs. 1912 folgte das Gemälde Bildnis des Dr. Gachet (1890), das dem Städel Museum im Rahmen der Aktion „Entartete Kunst“ entzogen wurde. Der Städel Direktor Swarzenski befürwortete darüber hinaus aktiv den Ankauf von van Goghs Werken durch andere Museen wie die Kunsthalle Bremen.
MAKING VAN GOGH. GESCHICHTE EINER DEUTSCHEN LIEBE
Kuratoren: Dr. Alexander Eiling (Leiter Kunst der Moderne, Städel Museum) und Dr. Felix Krämer (Generaldirektor, Kunstpalast Düsseldorf)
Projektleitung: Elena Schroll (Wissenschaftliche Mitarbeiterin Kunst der Moderne, Städel Museum)
Ausstellungsdauer: 23. Oktober 2019 bis 16. Februar 2020
Pressevorbesichtigung: Dienstag, 22. Oktober 2019, 11.00 Uhr
Information: www.staedelmuseum.de
Besucherservice und Führungen: +49(0)69-605098-200, info@staedelmuseum.de
Ort: Städel Museum, Schaumainkai 63, 60596 Frankfurt am Main
Kartenvorverkauf: Flextickets zum Preis von 25 Euro ab sofort online unter shop.staedelmuseum.de erhältlich
Gefördert durch: Franz Dieter und Michaela Kaldewei Kulturstiftung, Städelscher Museums-Verein e.V.
Zusätzliche Unterstützung durch: Stadt Frankfurt am Main
Veranstaltungsprogramm September 2018
Vom 19. September 2018 bis 17. März 2019 präsentiert das Frankfurter Städel Museum die Malerin Lotte Laserstein (1898–1993) in einer umfassenden Einzelausstellung. Lasersteins Œuvre gehört zu den großen Wiederentdeckungen der letzten Jahre und zeichnet sich durch ebenso sensibel wie eindringlich gestaltete Porträts aus den späten Jahren der Weimarer Republik aus. Die Schau baut auf den Sammlungsbeständen des Städel Museums auf, das mit den Gemälden Russisches Mädchen mit Puderdose von 1928 und Junge mit Kasper-Puppe (Wolfgang Karger) von 1933 in den vergangenen Jahren wichtige Arbeiten der Künstlerin erwerben konnte. Anhand von rund 40 Gemälden und Zeichnungen nimmt die Ausstellung Lasersteins künstlerische Entwicklung in den Blick. Der Fokus liegt auf ihren Arbeiten der 1920er- und 1930er-Jahre, die den Glanzpunkt ihres Schaffens markieren. „Lotte Laserstein. Von Angesicht zu Angesicht“ ist die erste Einzelpräsentation der Künstlerin in Deutschland außerhalb Berlins.
Die Ausstellung wird gefördert durch die Ernst Max von Grunelius-Stiftung, die Rudolf-August Oetker-Stiftung und die Friede Springer Stiftung. Zusätzliche Unterstützung erfährt die Schau durch die Stadt Frankfurt am Main.
„Das Kinderporträt Junge mit Kasper-Puppe (Wolfgang Karger) war die erste Neuerwerbung in meinem Amt als Direktor des Städel Museums und auch generell begleitet mich das Werk Lotte Lasersteins persönlich und beruflich schon seit vielen Jahren. Umso mehr freut es mich, dass unsere Ausstellung die Chance bietet, einen neuen Blick auf die Arbeit dieser bedeutenden Malerin zu richten und sie einem größeren Publikum vorzustellen“, so Städel Direktor Philipp Demandt über das von ihm initiierte Ausstellungsprojekt.
Durch Porträts ihrer Zeitgenossen machte sich die Malerin Lotte Laserstein im pulsierenden Berlin der Weimarer Republik einen Namen. In ihren Gemälden zeigte die Künstlerin das sie umgebende Berliner Leben, richtete dabei den Fokus auf Darstellungen der sogenannten „Neuen Frau“ und fing ihre Bildmotive mit einem dezidiert weiblichen Blick ein. Erfolgreich beteiligte sie sich an zahlreichen Ausstellungen und Wettbewerben und erhielt viel Lob von der Kunstkritik. Nach der frühen Anerkennung endete ihre Karriere jedoch schlagartig: Aufgrund der politischen Bedingungen im Nationalsozialismus wurde die Malerin, die zwar christlich getauft war, doch aufgrund ihrer Großeltern als jüdisch deklariert wurde, zunehmend aus dem öffentlichen Kulturbetrieb ausgeschlossen. 1937 gelang es ihr, Deutschland zu verlassen und nach Schweden zu emigrieren, wo sie allerdings nicht mehr an ihre frühen Erfolge anknüpfen konnte. Abgeschnitten von der internationalen Kunstszene geriet ihr Werk weitgehend aus der öffentlichen Wahrnehmung. In den Fokus der Aufmerksamkeit rückte Laserstein im Jahr 2010 mit dem Ankauf eines ihrer Hauptwerke durch die Berliner Nationalgalerie, Abend über Potsdam von 1930, welches auch in der Frankfurter Ausstellung zu sehen sein wird.
„Lotte Laserstein teilt das Schicksal vieler ihrer Zeitgenossen, die in der Weimarer Republik anfingen, sich eine Reputation aufzubauen, deren künstlerische Laufbahn durch das NS-System aber massiv beschnitten wurde. Sie kann der sogenannten ‚verschollenen Generation‘ zugerechnet werden, da ihre realistisch gemalten Bilder in der avantgardeorientierten Nachkriegsforschung vernachlässigt wurden. Erst seit den 1990er-Jahren findet diese außergewöhnliche Künstlerin eine späte Würdigung, zu der unsere Ausstellung einen entscheidenden Teil beitragen kann.“, stellen die Kuratoren der Ausstellung, Alexander Eiling und Elena Schroll, heraus.
Stil und Motive
Die Bilder Lasersteins stehen stilistisch der Neuen Sachlichkeit nah, doch passen sie nicht recht in diese kunsthistorische Kategorie. Im Hinblick auf Sujets und Grundhaltung lassen sich in Lasersteins Arbeiten zwar Anklänge an diese Kunstströmung finden, doch ist ihr Malstil weder objektivierend unterkühlt noch gesellschaftskritisch überzeichnet, wie für die Neue Sachlichkeit typisch. Ihre Malweise verbleibt stets realistisch, mit teilweise spätimpressionistisch lockerem Pinselduktus und einem sorgsam komponierten Bildaufbau. Insgesamt ist der Einfluss ihrer akademischen Ausbildung – zu der sich Frauen damals gerade erst den Zugang erkämpft hatten – in ihren Werken deutlich erkennbar, weshalb ihr Stil als akademischer Realismus bezeichnet werden kann. Obwohl handwerklich traditionell, waren ihre Bilder inhaltlich von großer Aktualität.
Lotte Lasersteins favorisiertes Thema ist der Mensch in all seinen Facetten, weshalb sie sich hauptsächlich der Porträtmalerei widmet. In ihren Porträts setzt sie virtuos die Menschen der Zwischenkriegszeit ins Bild, wie etwa in Liegendes Mädchen auf Blau (1931) oder in Der Mongole (1927). Dabei zeichnen Nüchternheit, Modernität wie auch psychologische Tiefe ihre Darstellungen aus. In ihrem Œuvre gibt es ebenso Motive, die von der Technik- und Sportbegeisterung der Zeit künden, doch sind diese zahlenmäßig weit weniger bedeutend. In ihren Bildnissen malt Laserstein Typen des modernen Alltags: sportive Frauen, sich schminkende junge Mädchen, einen Motorradfahrer in voller Montur und modisch gekleidete Großstädterinnen. Die Künstlerin spielt mit Zitaten aus der Kunstgeschichte und baut oftmals Spiegelungen und Verdoppelungen der Figuren ein. Häufig malt sie komplexe Kompositionen, in denen sie sich auch selbst beim Malen im Atelier zeigt, um auf ihre Rolle als akademisch ausgebildete Künstlerin zu verweisen. Darüber hinaus entwirft Laserstein mit ihren modisch gekleideten Protagonistinnen den Typus der emanzipierten Städterin, die sich ohne männliche Begleitung frei und selbstbewusst im öffentlichen Raum bewegt. Dieses zeitgenössische Bild der sogenannten „Neuen Frau“ ist von besonderem Interesse für sie. So machen Frauenporträts auch den größten Teil ihrer Kunst aus, selten fertigt sie Bildnisse von Männern an.
Ihr Modell Traute Rose
Neben den professionellen Modellen an der Akademie und sich selbst porträtiert Laserstein immer wieder ihre langjährige Muse und Freundin Gertrud Rose (geb. Süssenbach), genannt Traute. Diese verkörpert den Typus der „Neuen Frau“, wie er in den Zwischenkriegsjahren in den Medien geradezu propagiert wurde, und ist damit ein ideales Modell. Rose entspricht – genau wie Laserstein selbst – dem Ideal der Zeit: eine androgyne, sportliche, emanzipierte junge Dame mit Bubikopf und locker sitzender Kleidung. In ihren Porträts erscheint Rose mal als Tennisspielerin, mal in Doppelporträts an der Seite der Künstlerin oder als Aktmodell im Kontext des Ateliers. In Abgrenzung zu herkömmlichen Darstellungen weiblicher Modelle durch männliche Künstler, in denen die Frau zum objektivierten Gegenüber des Malers wird, zeugen die Bilder Lasersteins von der gleichberechtigten und vertrauten Beziehung zwischen den beiden Freundinnen. Dies wird besonders in Vor dem Spiegel von 1930/31 und In meinem Atelier (1928) deutlich, in denen Rose jeweils nackt und Laserstein in der Rolle der Malerin zu sehen ist. Besonders diese Aktdarstellungen führten in der Forschung immer wieder zur Annahme einer homosexuellen Liebesbeziehung zwischen den beiden Frauen, wofür es jedoch keinerlei biografische Hinweise gibt. Mit Traute Rose, die in Deutschland blieb, verband Laserstein zeitlebens eine tiefe Freundschaft und die beiden führten auch während ihrer Zeit in Schweden eine umfangreiche Korrespondenz.
Biografisches
Die 1898 in Ostpreußen geborene Lotte Laserstein wuchs in bürgerlichen Verhältnissen auf. Nach dem frühen Tod des Vaters zog ihre Mutter mit ihr und der jüngeren Schwester Käte zu der verwitweten Großmutter nach Danzig. Ersten Zeichenunterricht erhielt sie ab 1908 von ihrer Tante Elsa Birnbaum, die eine private Malschule betrieb. Zwischen 1921 und 1927 besuchte sie die Berliner Hochschule für die Bildenden Künste, wo sie als eine der ersten Frauen ihr Meisterstudium abschloss. Durch ihre Beteiligung an der Frühjahrsausstellung der Preußischen Akademie der Künste 1928 erlangte sie große Aufmerksamkeit und verkaufte ihr erstes Werk an eine öffentliche Einrichtung, den Magistrat der Stadt Berlin. Das Gemälde Im Gasthaus (1927) wurde später im Rahmen der nationalsozialistischen Propaganda als „entartete Kunst“ beschlagnahmt.
Seit dem Ende der 1920er-Jahre nahm Laserstein regelmäßig an Ausstellungen teil. Es gelang ihr bald, sich einen Ruf aufzubauen und Feuilletons und Kritiker fanden geradezu hymnische Worte für ihre Kunst. 1928 beteiligte sich Laserstein an dem Wettbewerb „Das schönste deutsche Frauenporträt“, der von der Kosmetikfirma Elida zusammen mit dem Reichsverband bildender Künstler ausgeschrieben wurde. Aus den 365 eingereichten Werken wurde das heute in der Städel Sammlung befindliche Gemälde Russisches Mädchen mit Puderdose für die Endrunde nominiert und zusammen mit 25 Arbeiten von fast ausschließlich männlichen Künstlern in der angesehenen Berliner Galerie von Fritz Gurlitt gezeigt. Dort fand 1931 auch ihre erste Einzelausstellung statt.
Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten endete Lasersteins einsetzende Karriere unvermittelt. Sie wurde aus dem Vorstand des Vereins Berliner Künstlerinnen entlassen und konnte ab 1935 lediglich im Rahmen des jüdischen Kulturbundes in Deutschland ausstellen. Auch die kleine Malschule, welche sie zur finanziellen Absicherung seit 1927 betrieb, musste geschlossen werden. Die politischen Restriktionen erschwerten ihre Lebens- und Arbeitsbedingungen zunehmend. Eine Ausstellung in der Stockholmer Galerie Moderne bot ihr 1937 die Möglichkeit, Deutschland zu verlassen. Obwohl Laserstein im schwedischen Exil weiterhin äußerst produktiv war und ihren Lebensunterhalt durch Auftragsarbeiten verdiente, gelang es ihr nicht, an ihre frühen Erfolge anzuknüpfen. Ihr Werk verschwand weitgehend aus der öffentlichen Wahrnehmung.
In Deutschland wurde Laserstein 2003 durch die Ausstellung "Lotte Laserstein. Meine einzige Wirklichkeit" wiederentdeckt, die von Anna-Carola Krausse für Das Verborgene Museum in Zusammenarbeit mit der Stiftung Stadtmuseum Berlin im Ephraim-Palais kuratiert wurde. 2010 erwarb die Berliner Nationalgalerie mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder Lasersteins monumentales Hauptwerk Abend über Potsdam von 1930.
Zur Ausstellung erscheint im Prestel Verlag ein Katalog mit einem Vorwort von Philipp Demandt und einem Grußwort von Thomas Köhler. Die Publikation bietet eine Einführung in die Kunst Lasersteins von Alexander Eiling, Elena Schroll untersucht die Malerin als Teil der „verschollenen Generation“, Annelie Lütgens vergleicht Lasersteins Porträts mit Werken weiterer Künstlerinnen ihrer Zeit und die Laserstein-Expertin Anna-Carola Krausse analysiert die Neuinterpretation tradierter Bildmuster durch die Künstlerin. Außerdem enthält der Katalog Beiträge von Kristin Schroeder, Kristina Lemke, Maureen Ogrocki, Philipp von Wehrden und Valentina Bay, die Lasersteins Aktdarstellungen, ihre Exilzeit in Schweden sowie ihre künstlerischen Vermarktungsstrategien untersuchen.
Nach ihrem Auftakt im Frankfurter Städel Museum wandert die Ausstellung weiter an die Berlinische Galerie. Dort wird die Ausstellung unter anderem um Exilwerke von Lotte Laserstein ergänzt.
Lotte Laserstein. Von Angesicht zu Angesicht
Ausstellungsdauer: 19. September 2018 bis 17. März 2019
Kuratoren: Dr. Alexander Eiling (Sammlungsleiter Kunst der Moderne, Städel Museum), Elena Schroll (Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Städel Museum)
Ort: Städel Museum, Schaumainkai 63, 60596 Frankfurt am Main
Information: www.staedelmuseum.de
Besucherservice und Führungen: +49(0)69-605098-200, info@staedelmuseum.de
Öffnungszeiten: Di, Mi, Sa, So 10.00–18.00 Uhr; Do, Fr 10.00–21.00 Uhr; montags geschlossen
Sonderöffnungszeiten: 03.10.2018 10.00–18.00 Uhr, 24.12.2018 geschlossen, 25., 26.12.2018 10.00–18.00 Uhr, 31.12.2018 geschlossen, 01.01.2019 11.00–18.00 Uhr
Eintritt: 14 Euro, ermäßigt 12 Euro; Sa, So, Feiertage: 16 Euro, ermäßigt 14 Euro; Familienkarte 24 Euro; freier Eintritt für Kinder unter 12 Jahren; Gruppen ab 10 regulär zahlenden Personen: ermäßigter Eintrittspreis pro Person. Für Gruppen ist vorab eine Anmeldung unter Telefon +49(0)69-605098-200 oder info@staedelmuseum.de erforderlich.
Kartenvorverkauf: tickets.staedelmuseum.de
Für Mitglieder des Städelschen Museums-Vereins ist der Eintritt in die Sonderausstellung frei.
Überblicksführungen durch die Ausstellung: freitags 19.00 Uhr, sonntags 14.00 Uhr sowie Mi 3.10., Di 25.12., Mi 26.12., Di 1.1., 12.00 Uhr. Kosten: 5 Euro zzgl. Eintritt (Tickets ab zwei Stunden vor Führungsbeginn, sonntags ab 10.00 Uhr an der Kasse erhältlich)
Die Ausstellung wird von einem umfassenden Rahmenprogramm begleitet. Eine aktuelle Übersicht finden Sie unter www.staedelmuseum.de
Katalog: Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Prestel Verlag mit 192 Seiten und 159 Farbabbildungen. Mit Beiträgen von Valentina Bay, Alexander Eiling, Anna-Carola Krausse, Kristina Lemke, Annelie Lütgens, Maureen Ogrocki, Kristin Schroeder, Elena Schroll und Philipp von Wehrden. Deutsche / englische Ausgabe, 39,90 Euro (Museumsausgabe).
Audiotour: Die Audiotour führt in deutscher und englischer Sprache durch die Ausstellung. Die deutsche Audiotour wird von der Schauspielerin und Sängerin Meret Becker gesprochen. Die Tour ist als kostenlose App im Android und Apple Store verfügbar und kann bequem von zu Hause auf das Smartphone geladen werden. Vor Ort im Museum kann der Audioguide zu einem Preis von 4,50 Euro (8 Euro für zwei Audioguides) ausgeliehen werden.
Social Media: Das Städel Museum kommuniziert die Ausstellung in den sozialen Medien mit dem Hashtag #LotteLaserstein
Förderer und Partner der Ausstellung
Gefördert durch: Ernst Max von Grunelius-Stiftung, Rudolf-August Oetker-Stiftung, Friede Springer Stiftung.
Mit zusätzlicher Unterstützung: Stadt Frankfurt am Main.
Medienpartner: Frankfurter Allgemeine Zeitung
Eine Ausstellung des Städel Museums, Frankfurt am Main, in Zusammenarbeit mit der Berlinischen Galerie.
Das Städel Museum freut sich über einen kapitalen Neuzugang für seine Sammlung. Der Bestand der Surrealisten des Frankfurter Museums wird durch ein Hauptwerk des deutschen Surrealisten Richard Oelze (1900–1980) verstärkt. Der Städelsche Museums-Verein und das Städel Museum konnten mit großzügiger Unterstützung der Kulturstiftung der Länder sowie einem Zuschuss der Kurt und Marga Möllgaard-Stiftung das Gemälde Archaisches Fragment (1935) aus Privatbesitz erwerben. Das lange Zeit als verschollen gegoltene Werk ist eine von nur drei großformatigen Arbeiten aus Oelzes wichtigster Schaffensphase in Paris – die beiden anderen Werke, Erwartung (1935–36) sowie Tägliche Drangsale (1934) befinden sich im Museum of Modern Art in New York und in der Kunstsammlung NRW in Düsseldorf. Nach sorgsamen Konservierungs- und Restaurierungsmaßnahmen ist das Archaische Fragment ab sofort in einer eigens eingerichteten Kabinettpräsentation in der Sammlung Kunst der Moderne des Städel Museums zu sehen.
„Richard Oelze hat in seinem Leben nur extrem wenige Großformate gemalt. Umso mehr freut es uns, dass wir – gemeinsam mit dem Städelschen Museums-Verein und mit großzügiger Unterstützung der Kulturstiftung der Länder – die Gelegenheit ergreifen konnten, eines dieser Hauptwerke des deutschen Surrealismus für unsere Sammlung zu gewinnen“, so Städel Direktor Dr. Philipp Demandt.
„Archaisches Fragment steht exemplarisch für die unverkennbare Bildsprache Richard Oelzes und strahlt nach seiner Restaurierung nun wieder in neuem Glanz. Das Gemälde ergänzt unseren eigenen Bestand der Surrealisten auf ideale Art und Weise“, freut sich Dr. Alexander Eiling, Sammlungsleiter Kunst der Moderne im Städel Museum.
In seinen Pariser Jahren pflegte Richard Oelze Kontakte zu den Hauptvertretern der surrealistischen Bewegung, darunter André Breton, Max Ernst, Yves Tanguy und Salvador Dalí, deren Ideen und Gestaltungsweisen deutliche Spuren in seinem Werk hinterließen. Die Künstler dieser Gruppe waren vor allem an Themen interessiert, die sich der menschlichen Logik widersetzten. Träume, Visionen und das Erkunden des Unterbewussten waren ihr zentrales Anliegen. In Archaisches Fragment mischen sich die fantastischen Motive der Surrealisten mit der präzisen Malweise der Neuen Sachlichkeit, die Oelze durch seine Dresdner Lehrer Otto Dix und Richard Müller kennen gelernt hatte. Obwohl äußerst detailliert gemalt, entzieht sich das Dargestellte einer abschließenden Deutung: Vor dem Hintergrund einer unwirklichen Landschaft schwebt ein animiert wirkendes Mischgebilde, in dem Anklänge an Pflanzen und Tiere mit menschlichen Körperformen verschmelzen. Vertrautes und Fremdartiges treffen aufeinander und verbinden sich in der surrealistischen Logik zu einer beunruhigenden Landschaft des Inneren. Der Künstler spielt dabei auch mit erotischen Untertönen, erweckt Ängste und Begierden, die wie ein „archaisches Fragment“ in der menschlichen Psyche schlummern.
„Eine der Kernaufgaben eines lebendigen Museums ist der kontinuierliche Ausbau seiner Sammlung. Umso mehr freue ich mich, dass der Städelsche Museums-Verein, als ältester und größter Mäzen des Hauses, mit dem Ankauf des Archaischen Fragments erneut dazu beitragen konnte, die Frankfurter Sammlung auf höchstem Niveau weiterzuentwickeln“, betont Sylvia von Metzler, Vorsitzende des Städelschen Museums-Vereins.
„Richard Oelze ist neben Max Ernst der bedeutendste deutsche Vertreter des Surrealismus. Archaisches Fragment gehört zu seinen raren großformatigen Hauptwerken, das lange Zeit als verschollen galt. Ich freue mich, dass mit dieser Erwerbung die Surrealismus-Sammlung des Städel einen neuen herausragenden Mittelpunkt erhält“, kommentiert Prof. Dr. Markus Hilgert, Generalsekretär der Kulturstiftung der Länder.
Restaurierung und Konservierung
Das in seiner Originalsubstanz vorzüglich erhaltene Gemälde wurde von Stephan Knobloch, dem Leiter der Gemälderestaurierung im Städel Museum, einer behutsamen Restaurierung und Konservierung unterzogen, die die Abnahme von Flicken auf der Rückseite, das Schließen von kleineren Leinwandrissen und die Abnahme zweier vergilbter Firnisschichten sowie älterer Retuschen beinhaltete. So konnte die Erscheinung des Gemäldes wieder seinem Originalzustand angenähert werden. Nicht nur das originale Kolorit ist wieder erkennbar, sondern auch die vom Künstler gewollte Perspektive der gesamten Bildkomposition. Ein in den 1920er- und 1930er-Jahren häufig verwendetes Rahmenprofil wurde für das Oelze-Gemälde passend kopiert und mit einer für die Zeit typischen Fassung versehen.
Kabinettpräsentation
Innerhalb der Städelschen Sammlung ergänzt Archaisches Fragment das bereits 1979 erworbene Oelze-Gemälde Gefährlicher Wunsch (1936). Die beiden Bilder stehen – gemeinsam mit drei weiteren Werken aus Privatbesitz – im Zentrum einer neu eingerichteten Kabinettpräsentation in der Sammlung Kunst der Moderne, die einen konzentrierten Blick auf das Werk Richard Oelzes und seine innovative und eigenständige Position innerhalb der surrealistischen Bewegung ermöglicht. Die Präsentation läuft bis zum 21. Oktober 2018 in Kabinett 1.11.1 des Städel Gartenflügels.
Im Anschluss an die Kabinettpräsentation wird das Werk Archaisches Fragment vom 1. November 2018 bis 3. Februar 2019 in der Schirn Kunsthalle Frankfurt zusammen mit rund 100 bedeutenden Arbeiten internationaler Künstlerinnen und Künstler in der Ausstellung „Wildnis“ zu sehen sein. Die umfassende Themenausstellung beleuchtet die vielfältigen Verbindungen von Wildnis und Kunst von 1900 bis zur Gegenwart.
Kurzbiografie Richard Oelze
Richard Oelze wurde 1900 in Magdeburg geboren und studierte von 1921 bis 1925 am Bauhaus in Weimar. Zwischen 1926 und 1929 lebte er in Dresden, 1933 ging er nach Paris. Auch nach seinem Aufenthalt in Paris bis 1936 verfolgte Oelze künstlerische Ziele, die Parallelen mit der Bildwelt des Surrealismus aufweisen. 1940 wurde er zum Kriegsdienst einberufen und begann nach seiner Rückkehr fünf Jahre darauf nur zögerlich erneut mit dem Malen. Nach einer ersten Einzelausstellung 1950 in der moderne galerie in Köln wurden die 1950er-Jahre zu einer seiner produktivsten Werkphasen. Auf der Documenta II (1959) war er prominent vertreten. 1969 war er einer der drei Vertreter Deutschlands auf der Biennale in Venedig. Zu seinen zahlreichen Auszeichnungen zählt auch der Max-Beckmann-Preis der Stadt Frankfurt am Main, den er 1978, zwei Jahre vor seinem Tod, entgegennahm.
Die herausragende Bedeutung des Gemäldes Archaisches Fragment zeigt unter anderem dessen Ausstellungsgeschichte. Die 98 x 130 cm große Leinwand wurde Seite an Seite mit Arbeiten von Max Ernst, Salvador Dalí oder Man Ray auf zahlreichen bedeutenden internationalen Ausstellungen zum Surrealismus gezeigt – zum Beispiel bei der „International Surrealist Exhibition“ in den New Burlington Galleries in London 1936. In den 1930er- und 1940er-Jahren avancierte Oelze somit gerade durch dieses prominent gewordene Gemälde zu einem der bedeutendsten Vertreter des Surrealismus und wurde von wichtigen Kunsthistorikern und Händlern gefördert. Max Ernst gehörte zu Oelzes größten Bewunderern.
Werkangaben:
Richard Oelze (1900–1980)
Archaisches Fragment, 1935
Öl auf Leinwand, 98 x 130 cm
Gemeinsames Eigentum des Städelschen Museums-Vereins e. V. und des Städel Museums, Frankfurt am Main
Erworben mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder sowie einem Zuschuss der Kurt und Marga Möllgaard-Stiftung
© Estate of Richard Oelze
Information: www.staedelmuseum.de
Besucherservice: +49(0)69-605098-200, info@staedelmuseum.de
Ort: Städel Museum, Schaumainkai 63, 60596 Frankfurt am Main
Öffnungszeiten: Di, Mi, Sa, So 10.00–18.00 Uhr; Do, Fr 10.00–21.00 Uhr; montags geschlossen
Eintritt: 14 Euro, ermäßigt 12 Euro, Familienkarte 24 Euro; Sommer-Special bis 31.8.: Di–So ab 15 Uhr nur 10 Euro; Gruppen ab 10 regulär zahlenden Personen: ermäßigter Eintrittspreis pro Person. Für Gruppen ist vorab eine Anmeldung unter Telefon +49(0)69-605098-200 oder info@staedelmuseum.de erforderlich.
Veranstaltungsprogramm August 2018
Veranstaltungsprogramm Juli 2018
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