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Schirn Kunsthalle Frankfurt: 2017 eines der besucherstärksten Jahre in der Geschichte / erstes Ausstellungshighlight 2018 „Basquiat. Boom For Real“ // Städel Museum: wesentlicher Besucherzuwachs 2017 / Zugriffe auf die digitale Sammlung verdreifacht / große Ausstellung „Rubens. Kraft der Verwandlung“ ab 8. Februar // Liebieghaus Skulpturensammlung: 2017 Projekte zur Provenienzforschung und Restaurierung gestärkt / Ausstellung von William Kentridge im gesamten Museum ab dem 22. März
Im Jahr 2017 haben insgesamt 834.025 Besucher die Ausstellungen in der Schirn Kunsthalle Frankfurt, dem Städel Museum und der Liebieghaus Skulpturensammlung gesehen. Damit schließen die von Philipp Demandt seit mehr als einem Jahr geführten Frankfurter Kunstinstitutionen 2017 mit einer sehr erfolgreichen Publikumsresonanz. Mit 401.514 Besuchern verzeichnet die Schirn eines der besucherstärksten Jahre ihrer Geschichte (Vorjahr: 352.285). Das Städel Museum zählte mit 390.532 Besuchern deutlich mehr als im Jahr 2016 (311.138 Besucher). Die Liebieghaus Skulpturensammlung, die mit Projekten zur Provenienzforschung und Restaurierung auf sich aufmerksam machte, verbuchte 41.979 Besucher (Vorjahr: 72.804). Besuchermagnete 2017 waren die Ausstellungen „Magritte. Der Verrat der Bilder“ (190.120 Besucher) in der Schirn, „Fotografien werden Bilder. Die Becher-Klasse“ (80.888 Besucher) und „Matisse-Bonnard. ‚Es lebe die Malerei!‘“, die bis zum 31. Dezember 2017 bereits 162.787 Besucher zählte. Die Städel-Schau ist noch bis zum 14. Januar 2018 zu sehen.
Philipp Demandt, Direktor der drei Frankfurter Häuser zum Besuchererfolg:
„2017 konnten wir mit unserem international ausgerichteten Ausstellungsprogramm und einer zeitgemäßen Kommunikations- und Vermittlungsarbeit insgesamt 834.025 Besucher begeistern. Das ist Erfolg und Ansporn zugleich. Besonders freue ich mich über den wachsenden Zuspruch zu unserer digitalen Sammlung, die auszubauen mir sehr am Herzen liegt. Gespannt starten wir nun in das neue Jahr mit Höhepunkten wie der Rubens-Schau im Städel, der Basquiat-Ausstellung in der Schirn sowie William Kentridge im Liebieghaus.“
Die Bedeutung und Relevanz der drei Frankfurter Kunstinstitutionen zeigte sich ebenfalls in den umfangreichen und stark frequentierten Bildungs- und Vermittlungsangeboten sowie den zahlreichen Veranstaltungen des vergangenen Jahres. Besonders hervorzuheben sind in der Schirn das neue kostenfreie Workshop-Angebot für Kinder und Jugendliche „Schirn Studio. Die Kunstwerkstatt“, das ausstellungsbegleitende WiFi-Special, die Kinderkunstnächte (insgesamt 6.904 Besucher), die Schirn at Nights (insgesamt 3.751 Besucher) und die Summer Hang Outs. Die MINISCHIRN, der einzigartige, dauerhafte Spiel- und Lernparcours für Kinder ab drei Jahren, feierte im Dezember 2017 dreijähriges Jubiläum und wurde bereits von rund 30.000 Kindern besucht. 2017 haben in Städel und Liebieghaus mit rund 4.500 Führungen, Workshops und Sonderevents wieder eine große Anzahl von Veranstaltungen stattgefunden: Darunter im Städel ein internationaler Welcome Day mit Führungen in 17 Sprachen (2.810 Besucher), die Bildungswoche für Kinder und Jugendliche (3.063 Teilnehmer), Artemis-Führungen für Demenzkranke, ein Wandelkonzert mit dem HR- Sinfonieorchester oder die Städel-Party „Salon des amis“. Das Liebieghaus bot ein großes Kinderfest (1.216 Besucher), den „Weihnachtszauber“ sowie die neue Veranstaltungsreihe „Liebieghaus Live“, deren drei Termine jeweils komplett ausgebucht waren.
Neben den Besuchern vor Ort erreichen die Schirn, das Städel und das Liebieghaus mit ihren verschiedenen Onlineaktivitäten und digitalen Maßnahmen auch zahlreiche Menschen im digitalen Raum und tragen damit ihren Bildungsauftrag weit über die Grenzen der Häuser hinaus. Die Schirn erreichte mit ihrer Website (www.schirn.de) rund 2.7 Millionen Nutzer. Das beliebte Schirn Magazin (www.schirn-magazin.de) hat eine Leserschaft von rund 35.000 Lesern im Monat. Die Social Community der Schirn ist auch 2017 weiter gewachsen und weist aktuell 155.000 Fans und Follower auf. Die Websiten des Städel Museums (www.staedelmuseum.de) und des Liebieghauses (www.liebieghaus.de) wurden im vergangenen Jahr zusammen rund 4 Millionen Mal aufgerufen. Auf allen Social Media Kanälen gemeinsam folgen Städel und Liebieghaus bis heute rund 158.000 Fans. Ein besonderer Fokus richtete sich 2017 auf die Produktion von Film- und Bewegtbild, dem sich die drei Kunstinstitutionen auch in diesem Jahr verstärkt widmen werden. Im Rahmen der Digitalen Erweiterung des Städel Museums konnten die seit dem Jubiläumsjahr 2015 angestoßenen Initiativen und Projekte ebenfalls erfolgreich weiterentwickelt werden. Die Digitale Sammlung konnte mit 300.000 ihre Seitenaufrufe im Vergleich zum Vorjahr verdreifachen und die Nutzerzahl des Onlinekurses zur Kunst der Moderne ist aktuell auf 25.000 Nutzer angestiegen. Das preisgekrönte digitale Vermittlungsangebot, das Digitorial, wurde 2017 für das Städel Museum sammlungs- und themenspezifisch ausgebaut. In den letzten drei Jahren haben Schirn, Städel und Liebieghaus insgesamt 17 Digitorials produziert, die – bei einer überdurchschnittlich hohen Verweildauer – bisher 800.000 Seitenaufrufe zählten.
Ausblick 2018
Die Besucher der Schirn, des Städel Museums und des Liebieghauses erwartet im Jahr 2018 ein vielfältiges Programm mit zahlreichen Höhepunkten. In der Schirn läuft noch bis zum 25. Februar 2018 die Ausstellung „Glanz und Elend in der Weimarer Republik. Von Otto Dix bis Jeanne Mammen“, die mit 190 Werken von 62 Künstlerinnen und Künstler einen Blick auf die Kunst im Deutschland der Jahre 1918 bis 1933 wirft. Mehr als 30 Jahre nach seiner letzten Einzelpräsentation in einer öffentlichen Sammlung in Deutschland widmet die Schirn dem Werk von Jean-Michael Basquiat (1960–1988) ihre erste Ausstellung 2018 – organisiert in Kooperation mit der Barbican Art Gallery, London. Vom 16. Februar bis 27. Mai 2018 wird mit „Basquiat. Boom for Real“ in über 100 Werken erstmals die Beziehung des Künstlers zu Musik, Texten, Film und Fernsehen seiner Zeit in einem übergeordneten kulturellen Zusammenhang deutlich. Die Schirn hat hierfür herausragende Gemälde, Zeichnungen, Notizbücher und Objekte aus öffentlichen wie privaten Sammlungen sowie seltene Filme, Fotografien, Musik und Archivmaterial versammelt. Die Vielfalt und Dynamik des Ausnahmekünstlers wird so eindrücklich sichtbar.
Als erste Sonderausstellung im neuen Jahr zeigt das Städel in Kooperation mit dem Kunsthistorischen Museum Wien vom 8. Februar bis 21. Mai 2018 „Rubens. Kraft der Verwandlung“. Anhand bedeutender Leihgaben aus internationalen Museen wird für das Publikum die Kreativität und der Erfindungsreichtum des weltbekannten Barockkünstlers erstmals umfassend sichtbar. Die Schau gewährt einen direkten und faszinierenden Einblick in Rubens (1577–1640) schöpferische Arbeitsweise.
Die Liebieghaus Skulpturensammlung präsentiert vom 22. März bis 26. August 2018 mit „William Kentridge. O Sentimental Machine“ ein ebenso umfassendes wie außergewöhnliches Ausstellungsprojekt in Zusammenarbeit mit einem der international bedeutendsten zeitgenössischen Künstler. In vielen künstlerischen Disziplinen beheimatet, ist William Kentridge (* 1955) eingeladen, seine Werke in einen Dialog mit dem Bestand der 5.000 Jahre umfassenden Frankfurter Skulpturensammlung zu bringen.
Die vollständigen Jahresprogramme aller drei Institutionen können online in den jeweiligen Newsrooms eingesehen werden:
Schirn Kunsthalle Frankfurt: http://www.schirn.de/m/presse/newsroom/
Städel Museum: http://newsroom.staedelmuseum.de/de/
Liebieghaus Skulpturensammlung: http://newsroom.liebieghaus.de/de/
Pressekontakt:
Alexandra Hahn, stv. Leitung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Städel Museum, Dürerstraße 2, 60596 Frankfurt, E-Mail: hahn@staedelmuseum.de; Telefon: +49 (0)69 60 50 98-234, Fax: +49 (0)69 60 50 98-188
Pamela Rohde, Leiterin Presse/PR, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Römerberg, 60311 Frankfurt, E-Mail: pamela.rohde@schirn.de; Telefon: +49 (0)69 29 98 82-148, Fax: +49 (0)69 29 98 82-240
Veranstaltungsprogramm Januar 2019
Vor genau zehn Jahren wurde in Frankfurt das Städelkomitee 21. Jahrhundert ins Leben gerufen. Das deutschlandweit einzigartige Gremium ermöglicht dem Städel Museum einen kontinuierlichen und strategischen Ausbau seiner Sammlung der Gegenwartskunst. Dank des besonderen Engagements der derzeit über 40 Mitglieder konnten bereits 159 bedeutende Werke der zeitgenössischen Kunst für die Städelsche Sammlung angekauft werden. Neben Highlights von Hans Hofmann, Philip Guston und Konrad Klapheck sind darunter auch viele Entdeckungen und Künstler abseits des bereits gefestigten Kanons, wie Werke von Georg Karl Pfahler, Marwan, Hermann Glöckner oder Gerhard Hoehme. Sein zehnjähriges Jubiläum feierte der Freundeskreis gestern mit einem Festvortrag von Steffen Seibert, Mitglied des Städel Kuratoriums und Sprecher der Bundesregierung, und zahlreichen Künstlervorträgen im Städel Museum. Dabei wurde auch der jüngste und im Rahmen des Jubiläums getätigte Ankauf des Komitees vorgestellt: die großformatige Arbeit „Cieszowa III“ (1973) des bedeutenden US-amerikanischen Minimal Art Künstlers Frank Stella (*1936). Gegründet wurde das Städelkomitee 21. Jahrhundert 2007 im Kontext der baulichen Erweiterung des Städel Museums von dem damaligen Städel Direktor Max Hollein und Sylvia von Metzler, der Vorsitzenden des Städelschen Museums-Vereins.
„Aus der Idee und der mäzenatischen Initiative mehrerer Bürgerinnen und Bürger ist ein unvergleichbares Gremium entstanden, welches uns ermöglicht, die Sammlung Gegenwartskunst strategisch weiterzuentwickeln. Die über 60 Persönlichkeiten, die im letzten Jahrzehnt diesem Kreis angehörten, eint ihre besondere Leidenschaft für Kunst der Gegenwart, eine enge Verbundenheit mit dem Städel sowie gelebte bürgerschaftliche Verantwortung. Für dieses außergewöhnliche Engagement sind wir zu großem Dank verpflichtet. Es ist Garant für die Weiterentwicklung und das Fortbestehen unserer Sammlungen und damit der spezifischen Identität des Städel – als Frankfurter Bürgermuseum par excellence“, betont Städel Direktor Dr. Philipp Demandt.
„Der kontinuierliche Einsatz des Städelkomitees hat Spuren hinterlassen. Das Ergebnis dieser besonderen Initiative unter der Leitung von Philipp Demandt und Martin Engler ist eine außergewöhnliche Sammlung, die sich wesentlich von anderen Sammlungen der Gegenwartskunst unterscheidet, da sie eben nicht nur einem Kunstmarkt-Kanon folgt, sondern die Geschichte der Gegenwartskunst weiterschreibt“, kommentiert Sylvia von Metzler, Vorsitzende des Städelschen Museums-Vereins.
„Durch das Städelkomitee 21. Jahrhundert konnten wir immer wieder herausragende Schlüsselwerke jenseits des gängigen Kanons erwerben, um wichtige Sammlungskonvolute zu komplettieren, zu internationalisieren und untereinander zu verknüpfen. Das Ergebnis ist eine Erzählung der Kunst der Gegenwart, die mit überraschenden Gegenüberstellungen und Nachbarschaften einen Bogen von der Kunst der Nachkriegszeit bis in unsere unmittelbare Gegenwart spannt“, so Dr. Martin Engler, Sammlungsleiter für Kunst nach 1945 am Städel Museum.
Das Städelkomitee 21. Jahrhundert, zu dem aktuell 45 Privatpersonen zählen, ermöglicht den gezielten Ankauf wichtiger Werke der Gegenwartskunst für das Städel Museum. Wer sich für diesen exklusiven Freundeskreis des Städel engagiert, leistet unverzichtbare finanzielle Unterstützung und erhält einen besonderen Einblick in die strategische Sammlungsentwicklung des Frankfurter Museums. Bei Ankaufsbesuchen in Künstlerateliers und Galerien, bei gemeinsamen Reisen zu Kunstbiennalen oder auf wichtigen Messen und Ausstellungen im In- und Ausland werden Entwicklungen beobachtet, Arbeiten begutachtet und am Ende vielleicht für die Städelsche Sammlung erworben.
Seit seiner Gründung im Jahr 2007 hat das Städelkomitee 21. Jahrhundert insgesamt 159 Arbeiten von folgenden Künstlern für die Städelsche Sammlung erwerben können:
Hans Peter Adamski; Peter Angermann; John M Armleder; Art & Language; Herbert Aulich; Enrico Baj; Christiane Baumgartner; Thomas Bayrle; Michael Beutler; Dike Blair; Armin Boehm; Robert Breer; Daniel Buren; Janet Cardiff & George Bures Miller; David Claerbout; Thomas Demand; Jean Fautrier; Adolf Fleischmann; Otto Freundlich; Bernard Frize; Günter Fruhtrunk; Rupprecht Geiger; Isa Genzken; Hermann Glöckner; Leon Golub; Gotthard Graubner; Tamara Grčić; Philip Guston; Raymond Hains; Mary Heilmann; Philipp Hennevogl; Antonius Höckelmann; Gerhard Hoehme; Hans Hofmann; Jörg Immendorf; Per Kirkeby; Konrad Klapheck; Barbara Klemm; Peter Kogler; Arthur Köpcke; Norbert Kricke; Eugène Leroy; Markus Lüpertz; Adolf Luther; Michel Majerus; Marwan (Marwan Kassab-Bachi); Jonathan Meese; Johannes Molzahn; François Morellet; Reinhard Mucha; Otto Muehl; Olaf Nicolai; A. R. Penck; Georg Karl Pfahler; Arnulf Rainer; Tobias Rehberger; Ad Reinhardt; Daniel Richter; Michael Riedel; Larry Rivers; David Salle; Wilhelm Sasnal; Jörg Sasse; Dierk Schmidt; Julian Schnabel; Thomas Schütte; Dirk Skreber; Leon Polk Smith; Haim Steinbach; Frank Stella; Jessica Stockholder; Jan Svenungsson; Wolfgang Tillmans; Günther Uecker; Victor Vasarely; Wolf Vostell; Franz Erhard Walther; Corinne Wasmuht; Amelie von Wulffen; Erwin Wurm.
Die Besucher der Schirn Kunsthalle Frankfurt, des Städel Museums und der Liebieghaus Skulpturensammlung erwartet im Jahr 2018 ein vielfältiges Programm. Philipp Demandt, seit Oktober 2016 Direktor der drei Frankfurter Kunstinstitutionen, hat heute einen Ausblick auf die kommenden Projekte der drei Häuser gegeben, darunter zahlreiche Ausstellungen und Initiativen, die in seiner nunmehr einjährigen Amtszeit in Frankfurt neu entwickelt wurden.
Zu den Höhepunkten der Programme zählen 2018 in der Schirn die Ausstellung zu Jean-Michel Basquiat, die Retrospektive des Afrika-Malers Wilhelm Kuhnert und eine Schau zum Begriff der „Wildnis“ in der Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts. Auf der anderen Mainseite wird das Städel Museum Ausstellungen zu Peter Paul Rubens sowie zu Lotte Laserstein, Victor Vasarely und der Fotografin Ursula Schulz-Dornburg zeigen. In der Liebieghaus Skulpturensammlung ist William Kentridge dazu eingeladen, das gesamte Haus mit seinen teils raumfüllenden Arbeiten und Installationen zu bespielen.
„Unter Berücksichtigung der spezifischen Identitäten der drei Institutionen haben wir ereignisreiche, interdisziplinäre und international ausgerichtete Jahresprogramme zusammengestellt. Eingebettet in unsere innovative Kommunikation und Vermittlungsarbeit – analog wie digital – wollen wir möglichst viele Menschen erreichen und zur Beschäftigung mit der Kunst anregen – aber auch mit gesellschaftlichen Fragen früher wie heute. Zentral bleibt unser Anspruch, dass eine Kunstinstitution Menschen auf vielfältige Weise bewegen und berühren soll, und genau dafür stehen Schirn, Städel und Liebieghaus. 2018 beginnen zudem wichtige Bauarbeiten an den drei Häusern, die das Fundament der Institutionen und ihrer Kernaufgaben Sammeln, Bewahren, Forschen, Ausstellen, Vermitteln auch für die Zukunft sichern sollen“, kommentiert Philipp Demandt seine Pläne für die von ihm geleiteten Häuser.
In der Schirn werden die Ausstellungsflächen (ca. 1.500 qm²) im Zeitraum Juni bis September 2018 saniert. Die damit verbundenen Maßnahmen umfassen die Erneuerung der Klimatechnik, des Parketts in allen Ausstellungsräumen und der Elektroverkabelung sowie das Einbringen von BOS-Funkverstärkern für die Feuerwehr. Die Schirn bleibt während der Sanierung im Sommer jedoch für die Besucher in Teilen geöffnet. So wird der Künstler Neïl Beloufa in den nicht von der Sanierung betroffenen Räumen eine Präsentation mit installativen, skulpturalen und filmischen Bühnen realisieren. Zur Eröffnung am 7. Juni 2018 findet auch das jährliche Sommerfest der Schirn statt. Darüber hinaus wird es in den Sommermonaten ein abwechslungsreiches Vermittlungs- und Veranstaltungsprogramm geben, das unter anderem die beliebten Summer Hangouts mit Konzerten und das Open-Air-Kino umfasst.
Im Städel Museum ist eine umfassende Sanierung der mainseitigen Fassade geplant. Nach der Schadenskartierung in den letzten Monaten wird im Winter 2017/18 mit den aufwändigen Arbeiten an der Sandsteinfassade begonnen. Darüber hinaus wird auch der mainseitige Garten des Museums neugestaltet, um die Präsentation der Außenskulpturen ebenso zu verbessern wie die Aufenthaltsqualität. Auch ein neues Beleuchtungskonzept wird umgesetzt.
Nachdem sich alle drei Häuser in den vergangenen Jahren einer grundlegenden digitalen Transformation unterzogen haben, soll diese Strategie mittels technologischer Innovationen für alle Kernaufgaben der Häuser ausgebaut werden. Schwerpunkte der neuen Planungen sind ein stärkerer Einsatz von Film im Bereich der Kommunikation und Vermittlung von Kunst, die thematische Erweiterung des Digitorial-Formats hin zu Themen und Künstlern der Städel Sammlung sowie eine konsequente Fortführung – sowohl quantitativ als auch qualitativ – der Digitalisierung der Sammlungen.
Ausstellungsprogramm 2018
Die Schirn Kunsthalle Frankfurt beginnt das Jahr mit einem Höhepunkt: der Ausstellung „Basquiat. Boom for Real“ (16. Februar – 27. Mai 2018). Mehr als dreißig Jahre nach Jean-Michel Basquiats letzter Präsentation in einer öffentlichen Sammlung in Deutschland widmet die Schirn – organisiert in Kooperation mit der Barbican Art Gallery, London – dem Werk des US-amerikanischen Künstlers eine große Überblicksschau. Jean-Michel Basquiat (1960–1988) zählt heute zu den bedeutendsten Künstlern des 20. Jahrhunderts. Erstmals wird in der Ausstellung seine Beziehung zu Musik, Text, Film und Fernsehen in einem übergeordneten kulturellen Zusammenhang herausgestellt. Parallel dazu zeigt die Schirn eine Ausstellung über die Repolitisierung der Gegenwartskunst. Angesichts der politischen Umbrüche der letzten Jahre scheinen viele Künstler heute zunehmend unter dem Druck des Einspruchs zu stehen. Unter dem Titel „Power to the People“ (21. März – 27. Mai 2018) unternimmt die Schirn 50 Jahre nach 1968 eine Bestandsaufnahme zeitgenössischer, internationaler Kunstpositionen, die sich als Seismographen des politischen Handelns lesen lassen. Ihr Fokus liegt auf grundsätzlichen Fragen und der Auseinandersetzung mit Phänomenen und Möglichkeiten politischer Teilhabe.
Im Sommer entwirft der vielfach ausgezeichnete Künstler Neïl Beloufa (*1985) in den an die Ausstellungsflächen angrenzenden Räumen der Schirn installative, skulpturale und filmische Bühnen, in denen Fiktion und Realität verschmelzen. Der Fokus in Beloufas Œuvre liegt auf dem Film: Das Setting, das Licht, der Schnitt und die Perspektiven liegen sowohl der Entwicklung seiner Skulpturen als auch seiner Bilder und Installationen zugrunde.
Mit der Ausstellung zu Wilhelm Kuhnert (25. Oktober 2018 – 27. Januar 2019) wird die Schirn einem der erfolgreichsten und einflussreichsten Maler des frühen 20. Jahrhunderts erstmalig eine umfassende Retrospektive widmen. Wilhelm Kuhnert (1865–1926) zählte zu den außergewöhnlichsten Künstlerpersönlichkeiten Europas. Als erster deutscher Freilichtmaler gelangte er tief in das Innere der damaligen Kolonie „Deutsch-Ostafrika“, wo er auf jahrelangen Expeditionen die dortige Tier- und Pflanzenwelt studierte. Kuhnerts Bilder, die er mit internationalem Erfolg verbreitete, prägten in hohem Maße das Bild, das sich Europa und Nordamerika zur damaligen Zeit von Afrika machte. Kuhnerts Karriere spiegelt die Verbindung von Naturwissenschaft und Kunst um 1900 ebenso wider wie Aspekte des Kolonialismus und Eskapismus. Zeitgleich stellt die Schirn mit der Schau „Außer Kontrolle. Wildnis in der Kunst“ (1. November 2018 – 27. Januar 2019) den Begriff der „Wildnis“ in der Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts in den Mittelpunkt. Das Wilde, Ungezähmte, nicht Kultivierte hat seit Beginn der ästhetischen Moderne Künstler in seinen Bann gezogen. Die „Wildnis“ erscheint dabei oftmals als Projektionsfläche für das Andere und das Fremde. Von den erhabenen Naturdarstellungen der Romantik über die Trümmer verrohter Zivilisationen in surrealistischen Landschaften bis hin zu konzeptuell angelegten Arbeiten der Gegenwart haben Künstler das Thema Wildnis in wechselnden Bedeutungszusammenhängen reflektiert, in Form von Wunsch- genauso wie von Schreckensbildern. Die Ausstellung in der Schirn beleuchtet die Faszination und die vielfältigen Verbindungen von Kunst und Wildnis im 20. und 21. Jahrhundert aus aktueller Perspektive.
Neben dem monatlichen Videokunstformat „Double Feature“ werden auch die zeitgenössischen Kunstpräsentationen in der Rotunde der Schirn im Jahr 2018 fortgesetzt. Die polnische Künstlerin Maria Loboda (*1979), die an der Städelschule in Frankfurt studierte, wird vom 16. November 2018 bis 10. Februar 2019 neue Arbeiten in der öffentlich zugänglichen Rotunde präsentieren.
Mit einem groß angelegten Ausstellungsvorhaben startet das Städel Museum ins Jahr 2018. „Rubens. Kraft der Verwandlung“ (8. Februar – 21. Mai), eine Kooperation mit dem Kunsthistorischen Museum Wien, präsentiert dem Publikum anhand bedeutender Leihgaben aus internationalen Museen die Kreativität und den Erfindungsreichtum des weltbekannten Barockkünstlers erstmals umfassend in Frankfurt. Die Schau gewährt den Betrachtern einen direkten und faszinierenden Einblick in Rubens‘ (1577–1640) schöpferische Arbeitsweise. Auf das Barock folgen drei Projekte zur Gegenwartskunst: Der 1964 geborene Manuel Franke zeigt im Städel Garten von April bis Juli eine großflächige, speziell für das Städel entwickelte Arbeit, in der Graphischen Sammlung bildet ein zentraler Ankauf sowie eine umfangreiche Schenkung den Grundstock für eine Gegenüberstellung der beiden Maler und Graphiker Frank Auerbach (*1931) und Lucian Freud (1922–2011) (16. Mai – 12. August 2018), und im Ausstellungshaus ist im Sommer eine Einzelausstellung der Fotografin Ursula Schulz-Dornburg (4. Juli bis 16. September 2018) zu sehen. Anhand von 14 Serien bietet die Präsentation einen ersten institutionellen Gesamtüberblick über die künstlerische Entwicklung und Bandbreite der in Berlin geborenen und in Düsseldorf lebenden Fotografin während der vergangenen 40 Jahre. Mit ethnologischer Neugierde und archäologischem Auge liegt ihr Werk im Grenzbereich von Dokumentarismus und politischer Fotografie, von Konzeptkunst und aufklärerischem Ansatz.
Vom 19. September 2018 bis 13. Januar 2019 widmet das Städel der Malerin Lotte Laserstein (1898–1993) eine Schau mit 50 Werken, die im Anschluss im Moderna Museet in Malmö gezeigt wird – die erste Einzelpräsentation Lasersteins in einem großen deutschen Museum nach ihrer Wiederentdeckung im „Verborgenen Museum“ in Berlin vor anderthalb Jahrzehnten. Die Schau baut auf den Sammlungsbeständen des Städel auf, das mit den Gemälden Russisches Mädchen mit Puderdose von 1928 und Junge mit Kasper-Puppe (Wolfgang Karger) von 1933 in den vergangenen Jahren wichtige Arbeiten der Künstlerin erwerben konnte. Der Fokus der Präsentation liegt auf Lasersteins Arbeiten der 1920er- und 1930er-Jahre, die den Glanzpunkt ihres Schaffens markieren. Zeitgleich, vom 26. September 2018 bis 13. Januar 2019, zeigt das Städel eine Retrospektive zum Werk des Malers und Grafikers Victor Vasarely (1906–1997). Technoide und psychedelisch bunte Bilder, die mittels optischer Täuschungen in den Raum zu drängen scheinen, prägen bis heute hauptsächlich das Vasarely-Bild. Mit 120 Werken aus über 60 Jahren und aus europäischen wie US-amerikanischen Sammlungen wird die Durchdringung und gegenseitige Beeinflussung von Alltag und Kunst im Werk Vasarelys, der fortschreitende Übergang zwischen der Ästhetik von Pop und Moderne, sichtbar gemacht.
Im Frühjahr 2018 präsentiert die Liebieghaus Skulpturensammlung ein ebenso umfassendes wie außergewöhnliches Ausstellungsprojekt in Zusammenarbeit mit einem der international bedeutendsten zeitgenössischen Künstler, William Kentridge (* 1955). In vielen künstlerischen Disziplinen beheimatet, ist er vom 22. März bis 26. August 2018 eingeladen, seine Werke in einen Dialog mit dem Bestand der 5.000 Jahre umfassenden Frankfurter Skulpturensammlung zu bringen. In den musealen Räumen sind über 30, teils raumfüllende Arbeiten und Installationen zu sehen, die das Spektrum von Kentridges Œuvre aufzeigen. Im Herbst 2018 wird die Republik Georgien Ehrengast der Frankfurter Buchmesse sein. Aus diesem Anlass wird die Liebieghaus Skulpturensammlung bedeutende Leihgaben aus dem Georgischen Nationalmuseum in der Präsentation „Medeas Liebe und die Jagd nach dem Goldenen Vlies“ (AT, 5. Oktober 2018 – 10. Februar 2019) zeigen, eingebettet in die Erzählung der Argonauten-Sage.
Matisse – Bonnard. „Es lebe die Malerei!“
bis 14. Januar 2018
Ausstellungshaus
Noch bis 14. Januar 2018 zeigt das Frankfurter Städel Museum zwei herausragende Protagonisten der Klassischen Moderne erstmals gemeinsam in Deutschland: Henri Matisse (1869–1954) und Pierre Bonnard (1867–1947). Im Mittelpunkt der Sonderausstellung steht die über 40 Jahre andauernde Künstlerfreundschaft der beiden französischen Maler. Beide setzten sich intensiv mit den gleichen künstlerischen Sujets auseinander: Interieur, Stillleben, Landschaft und besonders auch mit dem weiblichen Akt. Anhand von rund 120 Gemälden, Plastiken, Zeichnungen und Grafiken eröffnet die Schau einen Dialog zwischen Matisse und Bonnard und bietet damit neue Perspektiven auf die Entwicklung der europäischen Avantgarde vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs. Bereichert wird die Werkauswahl durch eine Reihe von Fotografien Henri Cartier-Bressons, der die beiden Maler 1944 an der französischen Riviera besuchte.
Kurator: Dr. Felix Krämer (Städel Museum)
Ko-Kurator: Dr. Daniel Zamani (Städel Museum)
Maria Sibylla Merian und die Tradition des Blumenbildes
bis 14. Januar 2018
Ausstellungshalle der Graphischen Sammlung
Maria Sibylla Merian (1647–1717) zählt sowohl zu den bedeutendsten Naturforscherinnen als auch zu den namhaftesten Künstlerinnen ihrer Zeit. 2017 jährte sich der Todestag der gebürtigen Frankfurterin zum 300. Mal. Aus diesem Anlass präsentiert das Städel Museum die Sonderausstellung „Maria Sibylla Merian und die Tradition des Blumenbildes“. Zu sehen ist die faszinierende und filigrane Welt der Blumen- und Pflanzendarstellung in Zeichnungen und Druckgrafiken des 15. bis 18. Jahrhunderts. Die in Zusammenarbeit mit dem Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin und der Technischen Universität Berlin entwickelte Ausstellung zeigt bedeutende Werke Maria Sibylla Merians gerahmt von Blumendarstellungen ihrer Vorläufer, Zeitgenossen und Nachfolger.
Kuratoren: Dr. Martin Sonnabend (Städel Museum), Dr. Michael Roth (Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett)
Rubens. Kraft der Verwandlung
8. Februar bis 21. Mai 2018
Ausstellungshaus
Peter Paul Rubens (1577–1640) hat die europäische Barockmalerei geprägt wie kaum ein anderer Künstler. Vom 8. Februar bis 21. Mai 2018 widmet das Frankfurter Städel Museum dem weltbekannten Künstler eine umfassende Sonderausstellung. „Rubens. Kraft der Verwandlung“ thematisiert anhand von etwa100 Arbeiten – darunter 31 Gemälde und 23 Zeichnungen des Meisters – einen bisher wenig beachteten Aspekt in seinem Schaffensprozess: Sie zeigt, wie tief Rubens in den Dialog mit Kunstwerken berühmter Vorgänger und Zeitgenossen eintrat und wie dies sein fünfzigjähriges Schaffen prägte.
In Rubens’ umfangreichem Œuvre spiegeln sich die Einflüsse antiker Skulptur ebenso wider wie die der späteren Kunst aus Italien und nördlich der Alpen, von den Meistern des späten 15. Jahrhunderts bis zu seinen Zeitgenossen. Seine Bezugnahme auf Werke von Künstlern unterschiedlicher Epochen ist häufig erst auf den zweiten Blick erkennbar – in der Ausstellung kann der Besucher die zuweilen überraschenden Korrelationen nun im Detail nachvollziehen.
Die Gattungsgrenzen überschreitende Ausstellung vereint Malerei, Zeichnung, Druckgrafik, Skulptur und Werke der angewandten Kunst. Neben Originalskulpturen von der Antike bis zur Renaissance werden auch Gemälde und Grafiken von Rubens’ Vorläufern und Zeitgenossen zu sehen sein, darunter Schlüsselwerke von Tizian und Tintoretto, von Goltzius, Rottenhammer und Elsheimer sowie von Giambologna, van Tetrode und van der Schardt. Zu den zahlreichen internationalen Leihgebern der Schau zählen unter anderem das Koninklijk Museum voor Schone Kunsten in Antwerpen, die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, die Uffizien in Florenz, das Israel Museum in Jerusalem, die National Gallery in London, das J. Paul Getty Museum in Los Angeles, der Prado und das Museo Thyssen-Bornemisza in Madrid, der Pariser Louvre, das New Yorker Metropolitan Museum of Art, die Staatliche Eremitage in St. Petersburg, die Vatikanischen Museen und die National Gallery of Art in Washington.
Kuratoren: Prof. Dr. Jochen Sander (Städel Museum Frankfurt), Dr. Gerlinde Gruber (Kunsthistorisches Museum Wien), Stefan Weppelmann (Kunsthistorisches Museum Wien)
Auerbach und Freud
16. Mai bis 12. August 2018
Graphische Sammlung
Frank Auerbach ( 1931) und Lucian Freud (1922–2011) verbindet nicht nur ein ähnliches Schicksal: Beide wurden in Berlin geboren und noch im Kindesalter vor den Nationalsozialisten in England in Sicherheit gebracht. Sie teilten eine tiefe Freundschaft und veränderten mit ihrer figurativen Malerei die Sprache der modernen Kunst. Mit größter Intensität und Beharrlichkeit wandten sie sich über Jahrzehnte den immer gleichen Motiven zu, meist stellten sie Menschen aus ihrem engeren Umfeld dar. Der inhaltlichen Beschränkung liegt die Suche nach künstlerischem Erkenntnisgewinn zugrunde. Unerbittlich wird im Prozess des Schaffens um Wahrheit gerungen.
Anlässlich der bedeutenden Neuerwerbung eines gezeichneten Selbstbildnisses von Auerbach durch den Städelschen Museums-Verein e. V. zeigt die Graphische Sammlung des Städel Museums im Frühjahr 2018 ausgewählte Druckgrafiken und Zeichnungen von Frank Auerbach und Lucian Freud.
Kuratorin: Dr. Regina Freyberger (Städel Museum)
Colormaster F*, 2018. Manuel Franke im Städel Garten
20. Juni bis 23. September 2018
Städel Garten**
Im Rahmen der Reihe „Im Städel Garten“ entwickelt Manuel Franke ( 1964) ein monumentales Objekt, das – halb Skulptur, halb Malerei – ab Frühsommer 2018 den Garten des Städel Museums über den Gartenhallen in eine raumgreifende und körperlich erfahrbare Installation verwandeln wird.
Die Arbeit Colormaster F nimmt es mit dem auf drei Seiten von Gebäuden begrenzten Garten in seiner Ganzheit auf und setzt ihm eine Rampe aus Wellblech in leuchtenden Farben entgegen. Den Blick von der Straße auf den grünen Rasenhügel bewusst störend und sich dem im Garten verweilenden Besucher als massives, unüberwindliches Hindernis in den Weg stellend, macht Manuel Frankes Objekt den Städel Garten in ganz neuer Weise erfahrbar. Colormaster F* verändert nicht nur den Garten in seiner räumlichen Konstellation, sondern schafft auch einen weiteren, zusätzlichen Raum innerhalb des Gartens, der gleichermaßen offen wie abgeschlossen ist. Das Rasengeviert und der Hügel sind somit zumindest temporär von vier Seiten umschlossen.
Manuel Franke studierte bei Tony Cragg und Irmin Kamp an der Kunstakademie Düsseldorf sowie bei Daniel Buren und Pontus Hulten am Institut des hautes études en arts plastiques in Paris. Charakteristisch für seine raumgreifenden und den Raum transformierenden Installationen sind die malerische Oberflächenbehandlung und eine besondere Farbigkeit.
Kurator: Dr. Martin Engler (Städel Museum)
Ursula Schulz-Dornburg. The land in between
Fotografien von 1980 bis 2012
4. Juli bis 9. September 2018
Ausstellungshaus*
Ursula Schulz-Dornburgs ( 1938) Interesse gilt seit den frühen 1980er-Jahren Grenzlandschaften, Transitorten und Relikten überlebter Kulturen. Sie fotografiert Kult- und Kulturstätten in Europa, Asien und dem Nahen Osten, vor allem aber die sichtbaren und unsichtbaren Grenzen dieser Kontinente und Regionen. Die dort aufgenommenen vielteiligen Fotoserien, zumeist in Schwarz-Weiß, sind Zeugnisse verschwundener Landschaften, vergangener politischer Systeme, sich im Auflösen befindlicher Kulturkreise und verschwindender Gesellschaften. Mit ethnologischer Neugierde und archäologischem Auge geben ihre Aufnahmen im Grenzbereich von Dokumentarismus und politischer Fotografie, von Konzeptkunst und aufklärerischem Ansatz den Blick frei auf die unscharfen Ränder und Schnittstellen unserer Gegenwart zwischen globalisiertem Alltag und seinen blinden Flecken.
Anhand von 13 Serien bietet die Ausstellung einen ersten institutionellen Gesamtüberblick über die künstlerische Entwicklung und Bandbreite der in Berlin geborenen und in Düsseldorf lebenden Fotografin Ursula Schulz-Dornburg während der vergangenen 40 Jahre.
Kurator: Dr. Martin Engler (Städel Museum)
Ko-Kuratorin: Iris Hasler (Städel Museum)
Absolventen der Städelschule
11. Juli bis 5. August 2018
Ausstellungshaus
2018 findet die Absolventenausstellung der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste – Städelschule im Städel Museum statt. Die Präsentation im Ausstellungshaus ermöglicht einen fundierten Einblick in das facettenreiche Schaffen der Absolventinnen und Absolventen der international renommierten Kunsthochschule.
Lotte Laserstein. Von Angesicht zu Angesicht
19. September 2018 bis 17. März 2019
Durch sensibel gestaltete Porträts ihrer Zeitgenossen machte sich die Berliner Malerin Lotte Laserstein (1898–1993) in den späten Jahren der Weimarer Republik einen Namen. Erfolgreich beteiligte sie sich an zahlreichen Ausstellungen und Wettbewerben. Ihre Kritiker fanden hymnische Worte für sie, bezeichneten sie als „leidenschaftliche Malernatur“ und bestätigten ihr „ein Können von beachtlichem Ausmaß“. Nach der frühen Anerkennung endete ihre Karriere jedoch schlagartig: Die politischen Bedingungen im Nationalsozialismus schlossen die Malerin mit jüdischem Hintergrund zunehmend aus dem öffentlichen Kulturbetrieb aus. 1937 musste sie Deutschland verlassen. Abgeschnitten von der internationalen Kunstszene geriet ihr Werk weitgehend aus der öffentlichen Wahrnehmung. Heute gehört Lasersteins Œuvre zu den großen Wiederentdeckungen der letzten Jahre.
Das Städel Museum widmet der Malerin eine Ausstellung, die vom 19. September 2018 bis 13. Januar 2019 in Frankfurt gezeigt wird. Außerhalb Berlins ist dies die erste Einzelpräsentation Lasersteins in Deutschland. Die Schau baut auf den Sammlungsbeständen des Städel auf, das mit den Gemälden Russisches Mädchen mit Puderdose von 1928 und Junge mit Kasper-Puppe (Wolfgang Karger) von 1933 in den vergangenen Jahren wichtige Arbeiten der Künstlerin erwerben konnte. Anhand von etwa 40 Arbeiten nimmt die Ausstellung Lasersteins künstlerische Entwicklung in den Blick. Der Fokus liegt auf ihren Arbeiten der 1920er- und 1930er-Jahre, die den Glanzpunkt ihres Schaffens markieren. Zentrales Thema Lasersteins war die Porträtmalerei. Immer wieder negierte sie in ihren Werken klassische Rollenvorstellungen und entwickelte neue, vor allem weibliche Identifikationsbilder. Diese finden Ausdruck in souveränen, athletischen und modebewussten Frauenfiguren, die den neuen Typus der modernen Frau reflektieren. Die Ausstellung bietet die Chance, dem faszinierenden Werk dieser lange vergessenen Künstlerin zu begegnen und näherzukommen.
Kuratoren: Dr. Alexander Eiling (Städel Museum), Elena Schroll (Städel Museum)
Victor Vasarely. Im Labyrinth der Moderne
26. September 2018 bis 13. Januar 2019
Ausstellungshaus
Im Herbst 2018 zeigt das Städel Museum eine Retrospektive zum Werk des bedeutenden Künstlers Victor Vasarely (1906–1997). Der Mitbegründer und Hauptvertreter der Op-Art verbindet die Kunst der Moderne mit der unserer Gegenwart, die ästhetisch enorm produktive Zeit zwischen den beiden Weltkriegen mit den Avantgarden der Nachkriegsmoderne. Sein Œuvre erstreckt sich über mehr als sechs Jahrzehnte und integriert unterschiedlichste Stile und Einflüsse: Vasarely war Werbegrafiker und Künstler, zentrale Figur der französischen Nachkriegskunst mit ungarischer Herkunft und Wurzeln im Bauhaus der 1920er-Jahre. Vor allem aber stand Vasarely am Beginn einer Entwicklung, welche die Grenzen zwischen freier und angewandter Kunst, zwischen „high and low“, Tafelbild und Poster, Museum und Jugendzimmer immer weiter verflüssigte. Die in Kooperation mit dem Centre George Pompidou in Paris entwickelte Ausstellung „Victor Vasarely. Im Labyrinth der Moderne“ zeichnet ausgehend von zentralen Bildern und Objekten seines Hauptwerks die Wurzeln und die Entstehung dieses Jahrhundertœvres nach.
Es sind vor allem die Bilder der Vega-Serie aus den späten 1960er-Jahren, die bis heute unser Vasarely-Bild prägen: technoide und psychedelisch bunte Bilder, die mittels optischer Täuschungen in den Raum zu drängen scheinen. Eine ebenso perfide, wie faszinierende Mischung aus minimalistischer Reduktion und Pop-Art-Farbigkeit, die in ihrer industriellen Buntheit, Serialität und Reduktion für eine zukunftsgläubige Gesellschaft und die „Swinging Sixties“ emblematisch wurde. In seinen frühen, teils noch Figuration und Abstraktion mischenden Malereien wird deutlich, wie sehr Vasarely der Kunst der russischen und deutschen Avantgarden der 1910er- und 1920er-Jahre verbunden ist. Zugleich zeugen unter anderem abstrakte Bewegungsstudien dieser frühen Jahre von der ambivalenten Grundhaltung, die Vasarelys Œuvre bis zuletzt prägt: Die Strenge der Geometrie wird spielerisch in Bewegung versetzt, die anfangs noch stabil in sich ruhenden Kompositionen geraten aus dem Lot. Was oberflächlich als spielerische Täuschung der Wahrnehmung daherkommt, ist in Wirklichkeit eine der konsequentesten Infragestellungen und Fortentwicklungen des Projekts Moderne. Die Schau stellt Victor Vasarely, der allzu gerne auf seine die Sinne verwirrende Op-Art reduziert wird, in seiner Rolle als eine der zentralen Figuren der Moderne heraus.
Mit rund 100 Werken aus über 60 Jahren und aus europäischen wie US-amerikanischen Sammlungen wird die Durchdringung und gegenseitige Beeinflussung von Alltag und Kunst im Werk Vasarelys, der fortschreitende Übergang zwischen der Ästhetik von Pop und Moderne sichtbar gemacht. So ermöglicht die Ausstellung nicht nur die Begegnung mit einem der ersten Pop-Art-Künstler Europas, sondern darüber hinaus auch mit einer neuen Geschichte des Projekts Moderne, welches das gesamte 20. Jahrhundert durchzieht.
Kurator: Dr. Martin Engler (Städel Museum)
Ko-Kuratorin: Dr. Jana Baumann (Städel Museum)
Titel- und Laufzeitänderungen vorbehalten
Das erfolgreiche und preisgekrönte Format des Digitorials zu Ausstellungen (unter anderem Grimme Online Award 2015 in der Kategorie „Kunst und Unterhaltung“) wird auf Initiative von Städel Direktor Philipp Demandt weiterentwickelt: Ab jetzt bietet das Städel Museum auch Digitorials zu Themen an, die anhand von ausgewählten Werken aus der reichen Sammlung des Städel anschaulich erzählt werden können. Digitorials zu herausragenden Künstlern aus der Sammlung des Städel Museums werden folgen. Diese für den Nutzer kostenfreie Erweiterung der digitalen Vermittlungsinitiative wird von der FAZIT Stiftung ermöglicht und nimmt ihren Anfang mit einem umfassenden Themen-Digitorial zur Reformation.
Passend zum diesjährigen 500. Jubiläum von Martin Luthers Thesenanschlag untersucht das erste Themen-Digitorial des Städel Museums die Folgen der kirchlichen Erneuerung für die Kunst: Der Wechsel vom Kultbild zum Lehrbild, die Entstehung neuer Bildthemen und die reformatorische Interpretation bestehender Ikonografien gehören ebenso dazu wie der Verlust kirchlicher Aufträge und die Entstehung eines privaten Kunstmarktes. Anhand von Werken aus der Städel Sammlung werden sowohl die historischen Unterschiede zwischen katholischem und protestantischem Bildverständnis verdeutlicht als auch die Protagonisten der Reformation wie Luther und Melanchthon oder Schauplätze wie die Wartburg und Rom illustriert. Das kostenfreie, multimediale Vermittlungsangebot veranschaulicht, wie einschneidend Luthers theologische Positionen – beispielsweise der Vorrang des Wortes vor dem Bild – für Künstler waren und wie diese Zeitenwende den Umgang mit Bildern bis heute bestimmt.
„Wir freuen uns, dass uns die FAZIT-Stiftung dabei unterstützt, im wahrsten Sinne des Wortes ‚Kunstgeschichte‘ zu erzählen – und dies anhand der Werke unserer Sammlung und für ein breites Publikum. Mit den neuen Digitorials wollen wir jenseits von Sonderausstellungen den Reichtum unserer Sammlung mit all ihren Themen in historische Zusammenhänge einordnen und so den großen Bogen auch zur Gegenwart schlagen“, so Städel Direktor Philipp Demandt.
„Unsere neu konzipierten Themen- und Künstler-Digitorials dienen einem besseren Verständnis von Kunst – gerade auch im historischen Kontext ihrer Zeit. Das aktuelle Reformationsjubiläum ist ein idealer Ausgangspunkt, um die Funktion sowie Wirkweisen von Kunst und deren Beeinflussung durch religiöse, politische und gesellschaftliche Faktoren mittels modernster digitaler Vermittlung anschaulich zu machen“, erklärt die Leiterin der Abteilung Bildung und Vermittlung im Städel, Chantal Eschenfelder, das neue Format.
Fortgesetzt wird die neue digitale Vermittlungsreihe in der ersten Jahreshälfte 2018 mit einem Künstler-Digitorial zu Sandro Botticelli (1445–1510). Sein Gemälde „Weibliches Idealbildnis (Bildnis der Simonetta Vespucci als Nymphe)“ ist ein Hauptwerk der Städel Sammlung und einem breiten Publikum bekannt.
Themen-Digitorial: Kunst im Zeichen der Reformation
Das unter http://reformation.staedelmuseum.de kostenfrei abrufbare Digitorial beginnt mit einem Einblick in die religiöse Funktion der Tafelmalerei vor der Reformation. Die Städel Sammlung besitzt hier Werke von Rogier van der Weyden sowie des „Meisters von Flémalle“ aus dem 15. Jahrhundert. Religiöse Gemälde wie diese wurden zu der Zeit als Kultbilder verehrt und bedienten die Schaulust der Gläubigen – das Anbeten von Heiligenbildern sollte für das Seelenheil sorgen und die Zeit im drohenden Fegefeuer verkürzen.
Martin Luther wehrte sich gegen diese Praxis: Für ihn kam das Seelenheil einzig durch den inneren Glauben und Christus allein zustande. Aus diesem Grund lehnte er auch die Verehrung anderer Heiliger ab. Ebenso wandte er sich gegen den von der Kirche praktizierten Ablasshandel und geriet in Konflikt mit dem Papst. Luther nutzte für seine reformatorischen Anliegen nicht nur seine eigene Wortgewalt, er war sich auch der Wirkmacht von Bildern bewusst und arbeitete in Wittenberg eng mit dem Maler Lucas Cranach d. Ä. zusammen. Angesichts dessen liegt im Digitorial ein besonderes Augenmerk auf Cranachs Werken in der Städel Sammlung.
Durch die Reformation veränderte sich das Verständnis von Kunst grundlegend. Das Digitorial umfasst daher auch andere Länder, in denen zur gleichen Zeit ähnliche reformatorische Forderungen laut wurden. Der Kampf um religiöse Erneuerung vermischte sich mit machtpolitischen Auseinandersetzungen im europäischen Kräftegefüge und zeigte seine blutige Seite: Auf die Bilderstürme in den protestantischen Gebieten folgten die Bauernkriege, und die Religionskriege in Frankreich und den Niederlanden, die dann zu Beginn des 17. Jahrhunderts in den Dreißigjährigen Krieg mündeten. Flucht und Vertreibung waren die Folge – auch von Künstlern.
Vor allem in den protestantischen Gebieten fiel die Kirche als großer Auftraggeber weg. Es entstand ein freier Kunstmarkt mit privaten Käufern. Bildgattungen wie Stillleben – im Digitorial beispielhaft veranschaulicht durch Werke von Georg Flegel oder Jacob van Walscapelle – erlebten dadurch einen Aufschwung. Stillleben mit ihrer Erinnerung an die Vergänglichkeit des Lebens appellierten an die Tugend des Betrachters. Diese Bilder erfüllten somit nach protestantischer Überzeugung eine erzieherische Funktion.
Eine Antwort auf die reformatorischen Bewegungen in Europa formierte sich von Rom aus ab Mitte des 16. Jahrhunderts in der sogenannten Gegenreformation. Diese mündete in eine grundlegende Reform der katholischen Kirche selbst. Erneut stand auch die Kunst unter dem Einfluss theologischer Entscheidungen. Dem lehrhaften Stil protestantischer Kunst wurde eine gefühlsbetonte Malerei entgegengesetzt, die alle Möglichkeiten der Inszenierung zur sinnlichen Überwältigung des Gläubigen nutzte, wie dies an Werken von Guido Reni oder Cornelis de Vos deutlich wird.
Auch im 19. Jahrhundert waren die Auswirkungen der Reformation noch spürbar: Zur Veranschaulichung greift das Themen-Digitorial einen Bilderstreit aus den frühen Jahren des Städelschen Kunstinstitutes auf. Damals kam es bei Ankäufen zu einem Konflikt zwischen dem katholisch gesinnten Direktor Philipp Veit und der protestantisch orientierten Administration.
Abschließend zeigt ein Werk des Künstlers Hermann Nitsch aus dem Jahr 1989 die künstlerische Auseinandersetzung mit archaischen Opferritualen und Elementen aus der katholischen Glaubenspraxis. Nitsch unterstreicht damit die gemeinsamen Wurzeln religiöser Rituale. So macht das Digitorial deutlich, dass die Reformation und ihre Gegenbewegungen bis in die heutige Zeit hineinwirken und die Kunst vielfältig beeinflusst haben und nach wie vor beeinflussen.
Das Digitorial ist in die folgenden Kapitel gegliedert:
1) Kunst im Zeichen der Reformation
2) Vom Kultbild zum Lehrbild
3) Der Papst im Kreuzfeuer
4) Eine Bibel für alle
5) Bilderstürme, Krieg und Kunstmarkt
6) Visuelle Überwältigung – Gegenreformation in der Kunst
7) Bilderstreit am Städel
Wie schon bei den bisher produzierten Ausstellungsdigitorials werden für Desktop, Tablet und Smartphone aufschlussreiche Informationen, übergreifende Zusammenhänge und Hintergrundgeschichten responsiv in neuartiger Visualität gebündelt. Die multimediale Verschränkung von Bild, Ton und Text schafft eine vielfältige Vernetzung der Inhalte und völlig neue Wege der Darstellung, Erzählung und Vermittlung von Kunst.
THEMEN-DIGITORIAL: KUNST IM ZEICHEN DER REFORMATION
reformation.staedelmuseum.de
Autoren: Anne Sulzbach, Anna Huber, Chantal Eschenfelder, Jakob Schwerdtfeger
Ermöglicht durch: FAZIT-STIFTUNG
Social Media: Das Städel Museum kommuniziert das Digitorial in den sozialen Medien mit dem Hashtag #Reformation.
Städel Museum:
Information: www.staedelmuseum.de, info@staedelmuseum.de,
Telefon +49(0)69-605098-200, Fax +49(0)69-605098-112
Besucherdienst: Telefon +49(0)69-605098-232, besucherdienst@staedelmuseum.de
Ort: Städel Museum, Schaumainkai 63, 60596 Frankfurt am Main
Der Städelsche Museums-Verein e.V. freut sich, dass der Kreis seiner aktiven Kunstfreunde kontinuierlich wächst. Wie heute bekannt gegeben wurde, begrüßt der 1899 gegründete Förderkreis in diesen Tagen sein 8.000stes Mitglied. Damit zählt der Städelverein nicht nur zu den ältesten, sondern auch zu den größten Freundeskreisen eines Kunstmuseums in Deutschland.
„Über den großen Zuspruch und das stetige Wachstum freuen wir uns sehr. Auch 118 Jahre nach seiner Gründung sind das Engagement und die Dynamik des Museumsvereins ungebrochen. Ein lebendiger Museumsbetrieb hängt heute mehr denn je von Menschen ab, welche die Freude an der Kunst mit Engagement verbinden. Im Städelverein können wir auf die Unterstützung dieser breiten Basis bauen“, kommentiert Sylvia von Metzler, die Vorstandsvorsitzende des Städelvereins, die aktuelle Mitgliederzahl.
„Wir sind stolz auf den großen Zuspruch für unseren ältesten und größten Partner. Der Städelverein ist ein verlässlicher Garant, mit dessen Hilfe wir unsere Museumsarbeit in all ihren Facetten und auf höchstem Niveau weiterführen können“, betont Städel-Direktor Dr. Philipp Demandt.
Seit 1899 fördert der Städelsche Museums-Verein die Museumsarbeit. Er ist beispielhaft für die lange Frankfurter Tradition des bürgerlichen Mäzenatentums. Als Freundeskreis des Städel Museums und der Liebieghaus Skulpturensammlung gilt das Engagement der finanziellen und ideellen Unterstützung beider Häuser. Zentrale Aufgabe ist es, beide Sammlungen durch Ankäufe kontinuierlich zu erweitern. Viele zunächst unerreichbar scheinende Ankaufswünsche – von Cranach, über Rembrandt, Liebermann bis hin zu Picasso – konnten erfüllt und die Sammlungen durch rund 1.800 wichtige Kunstwerke zukunftsgerichtet ausgebaut werden. So gelang dem Städelverein im Jahr 1988 auch der Ankauf von Pierre Bonnards „Liegender Akt auf weißblau kariertem Grund“, mit dem aktuell in der ganzen Region auf die große „Matisse – Bonnard“-Ausstellung aufmerksam gemacht wird. Darüber hinaus zählen große Forschungs- und Restaurierungsvorhaben sowie Vermittlungsformate zu den Förderschwerpunkten des Freundeskreises. Zuletzt die Finanzierung der digitalen Vermittlungsarbeit mit dem erfolgreichen und inzwischen weltweit bereits von über 23.000 Usern genutzten Städel Onlinekurs zur Kunst der Moderne.
Erstmalig fördert der Verein mit „Matisse – Bonnard. ‚Es lebe die Malerei!‘“ (bis 14. Januar 2018) ein Ausstellungsprojekt im Städel Museum. Im Zentrum der Schau steht die 40 Jahre andauernde Künstlerfreundschaft zwischen Pierre Bonnard und Henri Matisse. Das Museum ist auf einen beständigen Freundeskreis angewiesen, um seinen Aufgaben auch künftig gerecht werden zu können. Daher soll der Kreis der Kunstfreunde weiter wachsen. Um weiter zur Freundschaft anzustiften, begrüßt der Städelverein seine neuen Mitglieder mit einer besonderen Aktion: Alle, die ab sofort Mitglied werden, können bis zum Jahresende die Vorzüge ihrer Mitgliedschaft kostenfrei nutzen und zahlen erst ab 2018.
Zum Dank für ihr Engagement ermöglicht der Freundeskreis allen Mitgliedern jederzeit – ganz ohne Anstehen – freien Eintritt in die Sammlungen und Ausstellungen von Städel und Liebieghaus, den exklusiven Members‘ Day zu großen Ausstellungen, besondere Führungen und Reisen, interessante Kontakte zur Kunstszene, Einblicke hinter die Kulissen des Museums- und Kunstbetriebs sowie viele weitere Gelegenheiten zum Austausch. Der Städelclub richtet sich mit einem eigenen Programm an junge Kunstfreunde bis 40 Jahren. Neben zahlreichen Führungen in den Ausstellungen und Sammlungen beider Häuser werden dort vor allem eine Vielzahl an Veranstaltungen rund um die Frankfurter Kunst- und Kulturszene angeboten. Ziel ist es, junge Kunstfans schon früh an den Gedanken des mäzenatischen Engagements heranzuführen. Im KinderKunstKlub haben Kinder und Jugendliche von 6 bis 13 Jahren die Möglichkeit, Museen, Ausstellungen und die eigenen künstlerischen Fähigkeiten zu entdecken, hinter die Kulissen der drei Häuser zu schauen und eigene Kunstprojekte zu realisieren.
Die Nachfolge für Dr. Felix Krämer am Städel Museum ist entschieden. Zum 19. Februar 2018 wechselt Dr. Alexander Eiling von der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe an das Frankfurter Städel Museum, wo er neuer Sammlungsleiter für die Kunst der Moderne (1800–1945) wird. Mit Eiling gewinnt das Städel einen renommierten Kunsthistoriker und Experten für die Kunst des 19. bis 21. Jahrhunderts, der sowohl langjährige Erfahrung in der Konzeption von Ausstellungen als auch in der Betreuung von Sammlungen mit sich bringt und aufs engste mit der Städelschen Sammlung vertraut ist. Eiling promovierte an der Goethe-Universität in Frankfurt über die Expressionismus-Sammlung der Deutschen Bank und war unter anderem Sammlungskurator am Wilhelm-Hack-Museum in Ludwigshafen sowie zuletzt Kurator für Neuere Malerei und Plastik (1800 bis heute) an der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe. Von 2002 bis 2007 arbeitete er als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Graphischen Sammlung des Städel Museums. Eiling folgt auf Felix Krämer, der zum 1. Oktober 2017 neuer Generaldirektor und künstlerischer Leiter der Stiftung Museum Kunstpalast in Düsseldorf wird.
„Mit Alexander Eiling haben wir unseren Wunschkandidaten für die Leitung unserer Kunst der Moderne gefunden. Mit seiner internationalen Erfahrung als versierter Ausstellungsmacher sowie seinen spannenden Ideen für die Weiterentwicklung der Städelschen Sammlung ergänzt Alexander Eiling unser Kuratorenteam auf perfekte Weise. Ich freue mich auf eine gemeinsame Zusammenarbeit in Frankfurt“, kommentiert Städel Direktor Dr. Philipp Demandt die Personalentscheidung.
„Ich freue mich sehr über meine Rückkehr ans Städel und in meine Heimatstadt. Frankfurt ist auf Grund seiner Mischung aus Bürgersinn und Weltoffenheit mit kaum einer anderen Stadt in Deutschland zu vergleichen. Dies und die großartige Sammlung des Städel sind ideale Voraussetzungen, um auch weiterhin attraktive und international beachtete Ausstellungen realisieren zu können. Daran werde ich mit meinen Kollegen in den nächsten Jahren mit Freude arbeiten“, so Dr. Alexander Eiling.
Dr. Alexander Eiling wurde 1974 in Frankfurt am Main geboren. Er studierte Kunstgeschichte, Rechtswissenschaften und Skandinavistik an den Universitäten Passau, Edinburgh und Frankfurt am Main und wurde im Fach Kunstgeschichte an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt mit der Arbeit „Beletage und ‚Kunst am Arbeitsplatz‘: Die Sammlung Deutsche Bank zwischen zeitgenössischer Kunst und deutschem Expressionismus“ promoviert. Von 2002 bis 2007 arbeitete er als wissenschaftlicher Assistent in der Graphischen Sammlung des Städel Museums, wo er unter anderem an der Konzeption, Organisation und Realisierung von Ausstellungen zu Albrecht Dürer, Max Beckmann oder Ernst Wilhelm Nay mitarbeitete. Anschließend wechselte er 2008 an das Wilhelm-Hack-Museum in Ludwigshafen. Als Sammlungskurator für Malerei, Skulptur und Graphik vom Mittelalter bis in die Moderne – mit einem Schwerpunkt auf Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts – zeichnete er dort u.a. verantwortlich für die wissenschaftliche Aufarbeitung und Neupräsentation des Bestandes im Rahmen der Neueröffnungsausstellung „Alles“ (2009) sowie für Ausstellungen zu Ernst Ludwig Kirchner, Anton Henning oder Gert und Uwe Tobias. Seit 2010 ist Eiling Kurator für Malerei und Plastik des 19. bis 21. Jahrhunderts an der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe. Seine Forschungs- und Ausstellungsschwerpunkte liegen im Bereich der französischen Kunst des 19. Jahrhunderts, der Kopienforschung sowie des deutschen Expressionismus. In Karlsruhe war er zuletzt Kurator der erfolgreichen Ausstellungen „Déjà-vu? Die Kunst der Wiederholung von Dürer bis Youtube“ (2012), „Degas. Klassik und Experiment“ (2014/15) sowie der groß angelegten Ausstellung „Cézanne. Metamorphosen“, die vom 28. Oktober 2017 bis 11. Februar 2018 an der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe zu sehen sein wird. Alexander Eiling ist Herausgeber und Autor zahlreicher Publikationen und wissenschaftlicher Beiträge.
Veranstaltungsprogramm Oktober 2017
Maria Sibylla Merian (1647–1717) zählt sowohl zu den bedeutendsten Naturforscherinnen als auch zu den namhaftesten Künstlerinnen ihrer Zeit. 2017 jährte sich der Todestag der gebürtigen Frankfurterin zum 300. Mal. Aus diesem Anlass präsentiert das Städel Museum vom 11. Oktober 2017 bis zum 14. Januar 2018 die Sonderausstellung „Maria Sibylla Merian und die Tradition des Blumenbildes“. Zu sehen ist die faszinierende und filigrane Welt der Blumen- und Pflanzendarstellung in Zeichnungen und Druckgrafiken des 15. bis 18. Jahrhunderts.
Die in Zusammenarbeit mit dem Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin und der Technischen Universität Berlin entwickelte Ausstellung zeigt bedeutende Werke Maria Sibylla Merians gerahmt von Blumendarstellungen ihrer Vorläufer, Zeitgenossen und Nachfolger, darunter der berühmte Hortus Eystettensis des Nürnberger Apothekers Basilius Besler (1561–1629), Ornamentstiche von Martin Schongauer (ca. 1445–1491), Apothekerbücher aus dem 15. und 16. Jahrhundert, Pflanzenstudien aus dem Umkreis von Albrecht Dürer sowie Naturstudien von Georg Flegel (1566–1638) und Georg Hoefnagel (1542–1600/01) aus der Zeit um 1600. Darüber hinaus sind unter anderem Blumenzeichnungen von Bartholomäus Braun sowie Blumenkompositionen von Barbara Regina Dietzsch (1706–1783) und ihrem Umkreis aus dem 18. Jahrhundert zu sehen. „Maria Sibylla Merian und die Tradition des Blumenbildes“ präsentiert insgesamt über 150 Werke, neben Blättern aus den Sammlungen des Städel und des Kupferstichkabinetts auch wertvolle Leihgaben aus der Bibliothèque Nationale in Paris, der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek in Dresden, der Staatsbibliothek zu Berlin sowie der Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg in Frankfurt.
Die Ausstellung „Maria Sibylla Merian und die Tradition des Blumenbildes“ wird gefördert durch den Kulturfonds Frankfurt RheinMain.
„Maria Sibylla Merian zählt zu den berühmtesten Töchtern der Stadt Frankfurt am Main. Hier hat sie ihre professionelle Ausbildung erhalten, hier wurden entscheidende Grundlagen für ihr ganz und gar außerordentliches Wirken als Naturforscherin und Künstlerin gelegt. Umso mehr freut es uns natürlich, dass wir nun aus Anlass des diesjährigen Jubiläums eine umfassende Ausstellung zu Merian und der von ihr maßgeblich vorangetriebenen Tradition des Blumenbildnisses im Städel Museum zeigen können“, kommentiert Philipp Demandt, Direktor des Städel Museums.
„Das Werk Maria Sibylla Merians nimmt eine Sonderstellung ein. Diese resultiert aus der genuinen und nicht aufzulösenden Ambivalenz, die zugleich den besonderen Reiz der Arbeiten ausmacht: Künstlerische und wissenschaftliche Aspekte sind bei Merian untrennbar miteinander verwoben, und ihre Darstellungen bewegen sich stets gekonnt an den Grenzlinien zwischen hoher Kunst und naturwissenschaftlicher Detailwiedergabe“, erklärt Martin Sonnabend, Leiter der Graphischen Sammlung bis 1750 am Städel Museum.
Maria Sibylla Merian
Maria Sibylla Merian fasziniert nicht nur mit ihren meisterhaft ausgeführten Blumenzeichnungen, sondern gleichermaßen durch ihre Biografie, die von ihrem Behauptungswillen als Frau in einer patriarchisch geprägten Gesellschaft zeugt. Getauft wurde Merian am 4. April 1647 in Frankfurt am Main. Ihr Vater, der Zeichner, Druckgrafiker und Verleger Matthäus Merian der Ältere (1593–1650), starb, als sie noch ein Kleinkind war. Ihre Ausbildung als Blumenmalerin in der Tradition der Florilegienmalerei des 17. Jahrhunderts erfuhr die junge Maria Sibylla in der Werkstatt ihres Stiefvaters, des Malers Jacob Marrel (1614–1681). Als einer der sehr wenigen Schüler Georg Flegels hatte sich Marrel auf Blumendarstellungen spezialisiert und war als Kunsthändler tätig. Das Umfeld, in dem Merian in ihrer Jugend lebte, brachte ihr also die bildende Kunst, den Kunsthandel und das Publikationswesen nahe und durch die Blumenmalerei zugleich die aufmerksame Naturbeobachtung. Maria Sibylla Merian wuchs in einer calvinistisch reformierten Familie auf. Dieser Hintergrund wie auch die Stadt Frankfurt waren wesentliche Faktoren in Merians Entwicklung. Als zentraler europäischer Verkehrsknotenpunkt bildete die Freie Reichsstadt am Main einen der wichtigsten Handelsorte mit Messebetrieb, an dem unter anderem Bücher, Blumen und Kunst vertrieben wurden.
1665 heiratete Merian Johann Andreas Graff (1636–1701), einen Schüler Marrels. Kurz nach der Geburt der ersten Tochter siedelte die Familie in Graffs Heimatstadt Nürnberg über. Dort verkaufte er topografische Ansichten von Bauwerken sowie Landkarten, und auch Merian trug zum Lebensunterhalt bei: mit Blumenmalereien in Florilegientradition, Unterricht für Damen im Sticken und Zeichnen von Blumen sowie dem Verkauf von Zeichenutensilien und Farben. Entsprechend umfasst ihre erste Publikation unter dem Titel Neues Blumenbuch dekorative Blumenmotive als Vorlagen für Zeichnungen oder Stickereien. Gleichzeitig verfolgte sie aber auch weiterhin ihre Naturbeobachtungen und publizierte ihre Erkenntnisse 1679 im ersten Band ihres Werkes Der Raupen wunderbare Verwandelung, und wundersame Blumennahrung. Mit dieser Veröffentlichung betrat Maria Sibylla Merian wissenschaftliches Neuland, denn bis dato gab es keine derart umfangreiche, sorgfältig dokumentierte und vollständige Beschreibung der Metamorphosen der Raupen unter Berücksichtigung des symbiotischen Zusammenhangs von Nahrungspflanzen und Insekten. Das Raupenbuch machte Merian bekannt und war zugleich ein wirtschaftlicher Erfolg. Nach dem Tod ihres Stiefvaters Jacob Marrel zog Merian mit ihrem Mann und ihren inzwischen zwei Töchtern zunächst zurück zu ihrer Mutter nach Frankfurt, wo sie 1683 den zweiten Band des Raupenbuchs herausbrachte.
Wenige Jahre später traf sie die folgenreiche Entscheidung, sich gemeinsam mit ihren beiden Kindern und der Mutter der radikal reformierten Gemeinschaft der Labadisten im niederländischen Wieuwert anzuschließen. Darüber kam es zum Bruch mit ihrem Mann und schließlich zur Scheidung. Nach einigen Jahren in der Labadisten-Gemeinde und nachdem ihre Mutter dort verstorben war, kündigte Maria Sibylla Merian ihr Frankfurter Bürgerrecht auf und siedelte nach Amsterdam um, wo sie neben dem Handel mit Farben, Mal- und Zeichenutensilien auch Tierpräparate sammelte und verkaufte. Ende des 17. Jahrhunderts begab sie sich in Begleitung ihrer jüngeren Tochter auf eine Reise in die niederländische Kolonie Surinam in Südamerika, ein zu jener Zeit ein ebenso abenteuerliches wie kostspieliges Unterfangen. Der Aufenthalt der beiden Frauen in Surinam mit zahlreichen Expeditionen in den Regenwald erstreckte sich über knapp zwei Jahre. Damit unternahm Merian die erste naturwissenschaftliche Forschungsreise in das Land im Norden Südamerikas und widmete sich als erste Frau dem Studium der tropischen Flora und Fauna. Nach ihrer Rückkehr nach Amsterdam erschien 1705 in lateinischer und holländischer Sprache ihre Abhandlung Metamorphosis Insectorum Surinamensium. Ein dritter Teil des Raupenbuchs erschien kurz nach Merians Tod am 13. Januar 1717. Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832), der wie Merian aus Frankfurt stammte, widmete ihr einige wenige und dennoch treffende Zeilen: Ihre erzählerischen Darstellungen von Pflanzen und Insekten bewegten sich aus seiner Sicht stets „zwischen Kunst und Wissenschaft, zwischen Naturbeschauung und malerischen Zwecken hin und her“.
Die Ausstellung
„Maria Sibylla Merian und die Tradition des Blumenbildes“ zeigt künstlerische Vorläufer Merians, an die sie anknüpfte, stellt jedoch gleichermaßen heraus, was Merians Eigenständigkeit ausmacht und in welche Richtungen sich das Blumenbild nach ihr und unter ihrem Einfluss entwickelte. Die Schau setzt deutlich vor Merians Zeit an und beginnt mit einer großen Auswahl floraler Darstellungen in Buchmalereien, Frühdrucken, Kupferstichen und Holzschnittillustrationen in Kräuter- und Apothekerbüchern des 15. Jahrhunderts. Mit seinen frühen Blumenbildern griff Georg Flegel (1566–1638) die wegweisende und auf Naturstudien basierende Darstellungstradition Albrecht Dürers (1471–1528) und Umkreis auf, entwickelte diese weiter und beeinflusste dadurch auch seinen Schüler Jacob Marrel, Merians Stiefvater. Die ebenfalls zur Zeit Flegels entstandenen emblematischen Blumen- und Insektenbilder des aus Antwerpen stammenden und zeitweilig in Frankfurt lebenden Georg Hoefnagel (1542–1600/01) wurden von dessen Sohn Jacob Hoefnagel (1573–1632/35) in delikaten Kupferstichen publiziert und damit einem größeren Kreis von Interessenten und Künstlern zugänglich gemacht. Ein Gegengewicht zu den kleinformatigen Kunstwerken der Hoefnagels bildet die wohl anspruchsvollste Publikation dieser Zeit, der 1613 veröffentlichte Hortus Eystettensis des Nürnberger Apothekers Basilius Besler (1561–1629). Dieses Buch wurde zum Vorbild zahlreicher Florilegien. Mithilfe solcher Handbücher konnten Gartenbesitzer den Reichtum und die botanische Qualität ihrer Blumensammlungen überdauern lassen. Gärten und wertvolle Pflanzen waren insbesondere im 17. Jahrhundert ein kostbares Gut, davon zeugen nicht zuletzt Florilegien aus dieser Zeit mit prachtvollen Deckfarbenzeichnungen auf Pergament oder als exklusive Drucke mit kolorierten Kupferstichen im Großformat. Das neben zwei weiteren Beispielen – eines davon mit Blumenporträts des Florilegienmalers Bartholomäus Braun (ca. 1626–1684) – gezeigte mehrbändige, zwischen 1651 und 1664 von Johann Walter d. Ä. (1603–1676/77) geschaffene Florilegium des Grafen Johannes von Nassau-Idstein (1603–1677) nimmt eine Sonderstellung in der Schau ein. Ein kleinerer Teil dieses Blumenbuchs, der seit Langem bekannt ist und in der Vergangenheit bereits ausführlich aufgearbeitet wurde, befindet sich im Besitz der Pariser Bibliothèque Nationale. Zwei weitere Alben wurden hingegen erst vor wenigen Jahren in der Städel Bibliothek wiederentdeckt, der sie bei der Inventarisierung Mitte des 19. Jahrhunderts zugeordnet worden und wo sie seitdem gelagert waren. Die zwei prachtvollen Exemplare sind in ihren mit rotem Samt bezogenen und mit feuervergoldeten Beschlägen versehenen Originaleinbänden erhalten und waren die erste Erwerbung für die Städelsche Sammlung an Zeichnungen. Sie werden in der Ausstellung erstmalig der Öffentlichkeit präsentiert und im Begleitkatalog publiziert. Den Mittelpunkt der Schau bildet Maria Sibylla Merian mit einer Gruppe sehr seltener Frühwerke, erweitert um Arbeiten, die in unmittelbarem Zusammenhang mit ihren wissenschaftlichen Publikationen wie den Blumenbüchern und dem Raupenbuch stehen. Zur Entstehung der kostbaren Deckfarbenzeichnungen auf Pergament aus dem Raupenbuch, die sich in der Sammlung des Städel Museum befinden, werden neue Erkenntnisse dargelegt. Die Ausstellung präsentiert zudem einige Arbeiten, deren traditionelle Zuschreibung an Maria Sibylla Merian in jüngerer Zeit infrage gestellt oder widerlegt worden ist. Sie verweisen auf die Tatsache, dass das Gesamtwerk der Künstlerin bis heute nicht umfassend kritisch erforscht ist. Auf Merian folgt die künstlerische Blumendarstellung des 18. Jahrhunderts, vertreten durch die Nürnberger Künstlerfamilie Dietzsch mit ihrer wichtigsten Vertreterin Barbara Regina Dietzsch (1706–1783). Abschließend wird sowohl ein Ausblick auf die Einbindung von Pflanzendarstellungen in die Landschaftsmalerei als auch auf die Verselbstständigung naturkundlicher Details in den Studienblättern der deutschen Frühromantik geboten.
„Maria Sibylla Merian und die Tradition des Blumenbildes“ wird von einem umfangreichen Vermittlungsprogramm begleitet, das von Überblicks- und Abendführungen über Veranstaltungen im Rahmen der Formate „Kunst und Religion“, „Barrierefreies Kunsterlebnis“ sowie „KUNSTKOLLEG“ bis hin zu hin zu Atelier- und Ferienkursen für Kinder reicht. Im Rahmen dieses Programms finden auch verschiedene Veranstaltungen in Zusammenarbeit mit dem Palmengarten Frankfurt statt: „Mit ruhiger Hand und geübtem Blick“ in der Reihe „KUNSTKOLLEG Aktiv“ (21. Oktober 2017), eine Führung im Bromelien-Haus mit anschließendem Zeichenkurs, geleitet von der botanischen Malerin Sue Hénon (4. November 2017), ein Gastkommentar mit Karin Wittstock, der Verantwortlichen für das kulturelle Programm des Palmengartens, (19. November 2017) sowie eine Führung zum Thema „Maria Sibylla Merian und die Pflanzenwelt von Surinam“ mit der Palmengarten-Kustodin Hilke Steinecke (22. November 2017). Am Mittwoch, 8. November 2017, präsentiert das Städel Museum zudem eine Lesung mit Barbara Beuys im Metzler-Saal, bei der die Autorin ihre unlängst im Insel Verlag erschiene Künstlerbiografie Maria Sybilla Merians vorstellt. Das vollständige Rahmenprogramm zur Ausstellung ist einsehbar unter www.staedelmuseum.de.
Maria Sibylla Merian
und die Tradition des Blumenbildes
Kuratoren: Dr. Martin Sonnabend (Leiter Graphische Sammlung bis 1750, Städel Museum), Dr. Michael Roth (Kupferstichkabinett – Staatliche Museen zu Berlin)
Ausstellungsdauer: 11. Oktober 2017 bis 14. Januar 2018
Pressevorbesichtigung: Montag, 9. Oktober 2017, 12.00 Uhr
Ort: Städel Museum, Schaumainkai 63, 60596 Frankfurt am Main
Katalog: Zur Ausstellung erscheint im Hirmer Verlag ein Katalog mit 256 Seiten und ca. 150 Abbildungen, herausgegeben von Michael Roth, Magdalena Bushart und Martin Sonnabend unter Mitarbeit von Catalina Heroven, mit einem Vorwort von Heinrich Schulze Altcappenberg und Philipp Demandt. Deutsch, 29,90 Euro (Museumsausgabe).
Information: www.staedelmuseum.de, info@staedelmuseum.de, Telefon +49(0)69-605098-200, Fax +49(0)69-605098-112
Besucherdienst: Telefon +49(0)69-605098-232, besucherdienst@staedelmuseum.de
Öffnungszeiten: Di, Mi, Sa, So 10.00–18.00 Uhr; Do, Fr 10.00–21.00 Uhr; montags geschlossen
Sonderöffnungszeiten: 31.10.2017, 10.00–18.00 Uhr; 24.12.2017 geschlossen; 25., 26.12.2017, 10.00–18.00 Uhr; 31.12.2017 geschlossen; 1.1.2018, 11.00–18.00 Uhr; 8.1.2018, 10.00–18.00 Uhr
Eintritt: Di–Fr: 14 Euro, ermäßigt 12 Euro; Sa–So, Feiertage: 16 Euro, ermäßigt 14 Euro; Familienkarte 24 Euro, freier Eintritt für Kinder unter 12 Jahren; Gruppen ab 10 regulär zahlenden Personen: ermäßigter Eintrittspreis pro Person. Für Gruppen ist vorab eine Anmeldung unter Telefon +49(0)69-605098-200 oder info@staedelmuseum.de erforderlich.
Kartenvorverkauf: tickets.staedelmuseum.de
Überblicksführungen durch die Ausstellung: Fr 18.00 Uhr, So 14.00 Uhr. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Begleitprogramm (Auszug):
KUNSTKOLLEG Aktiv: „Mit ruhiger Hand und geübtem Blick“, 21. Oktober 2017, 13.00 –17.00 Uhr
Maria Sibylla Merian „Ananas mit Kakerlaken“. Zeichenkurs mit Führung im Palmengarten, 4. November 2017, 13.00–17.00 Uhr, Palmengarten Frankfurt
Gastkommentar mit Karin Wittstock: Botanische Malerei zwischen Kunst und Wissenschaft, 19. November 2017, 12.00 Uhr, Städel Museum
Maria Sybilla Merian und die Pflanzenwelt von Surinam, Führung im Palmengarten mit Palmengarten-Kustodin Hilke Steinecke, 22. November 2017, 18.00 Uhr
Lesung mit Barbara Beuys, 8. November 2017, 19.00 Uhr (Einlass ab 18.30 Uhr), Metzler-Saal, Städel Museum, Eintritt: 14 Euro, ermäßigt 12 Euro, Tickets ab Mitte September online verfügbar unter tickets.staedelmuseum.de
Social Media: Das Städel Museum kommuniziert die Ausstellung in den sozialen Medien mit den Hashtags #MSMerian und #Staedel.
Gefördert durch: Kulturfonds Frankfurt RheinMain
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