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Städel Newsroom Städel Museum

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Neue Leiterin für die Graphische Sammlung ab 1750 im Städel Museum 4.4.2017

Dr. Regina Freyberger wechselt zum 1. Juni 2017 von der Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin nach Frankfurt am Main

Frankfurt am Main, 5. April 2017. Das Frankfurter Städel Museum hat eine neue Leiterin für seine Graphische Sammlung ab 1750: Dr. Regina Freyberger tritt die Stelle zum 1. Juni 2017 an. Mit Freyberger, zuletzt wissenschaftliche Mitarbeiterin der Staatlichen Museen zu Berlin, gewinnt das Städel eine herausragende Kunsthistorikerin, die sich in den letzten Jahren durch ihre Mitwirkung an vielbeachteten Ausstellungen und durch rege wissenschaftliche Aktivitäten einen Namen gemacht hat. Freyberger tritt im Städel Museum die Nachfolge der im Oktober 2016 verstorbenen Dr. Jutta Schütt an.

„Regina Freyberger ist eine versierte, kompetente und äußerst kreative Kunsthistorikerin, die ich in unserer gemeinsamen Zeit an der Nationalgalerie in Berlin und insbesondere während der Arbeit an den Ausstellungen ‚Rembrandt Bugatti‘ und ‚Impressionismus – Expressionismus‘ überaus schätzen gelernt habe“, kommentiert Städel Direktor Dr. Philipp Demandt die Neubesetzung. „Ich freue mich auf die Fortsetzung unserer erfolgreichen Zusammenarbeit in Frankfurt.“

Regina Freyberger wurde 1980 in München geboren. Nach dem Studium der Kunstgeschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität in München promovierte sie dort mit einer Dissertation über Darstellungen zu Grimms Märchen in der Zeit von 1819 bis 1945. Für die von Prof. Dr. Frank Büttner und Prof. Dr. Andrea Gottdang betreute Arbeit wurde Freyberger mit dem Lutz-Röhrich-Preis ausgezeichnet. Nach einer mehrjährigen Tätigkeit in einem auf Grafik- und Buchhandel spezialisierten Auktionshaus arbeitete Freyberger von 2012 bis 2014 zunächst als wissenschaftliche Museumsassistentin in der Generaldirektion der Staatlichen Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz sowie an der Nationalgalerie, bevor sie für den Verein der Freunde der Nationalgalerie als wissenschaftliche Mitarbeiterin an den Ausstellungen „Rembrandt Bugatti“ sowie „Impressionismus – Expressionismus. Kunstwende?“ tätig war. Seit 2015 leitet sie das Projekt der Erstellung eines umfangreichen Bestandskatalogs der Gemälde des 19. Jahrhunderts der Nationalgalerie, der am 29. März dieses Jahres erschienen ist. Zuletzt kuratierte Regina Freyberger die Ausstellung „Kleine Meisterwerke“ an der Alten Nationalgalerie, die anhand von 112 selten gezeigten Gemälden Fragen der Sammlungspolitik einer großen Museumsinstitution nachgeht. Zudem war Freyberger als Autorin an diversen wissenschaftlichen Publikationen beteiligt und blickt auf eine rege Vortragstätigkeit zurück.

„Ich freue mich sehr auf die Arbeit in der Graphischen Sammlung des Städel Museums, auf das Team und das neue Lebensumfeld in Frankfurt. Die hochkarätige und umfangreiche Graphische Sammlung des Städel birgt nicht nur Werke zahlreicher bedeutender Künstler, sondern sicherlich auch noch vieles, das es zu entdecken lohnt. Diese Qualität und Vielfalt der Sammlung immer wieder auf neue und anregende Weise herauszustellen sowie durch Neuerwerbungen beständig zu erweitern, ist eine so reizvolle Aufgabe, dass ich ihr mit großer Freude entgegen sehe“, betont Regina Freyberger.

Die Graphische Sammlung im Städel Museum beherbergt etwa 100.000 Zeichnungen und Druckgrafiken vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart. Dank der hohen Qualität dieses Bestandes gehört sie zu den bedeutendsten Sammlungen ihrer Art in Deutschland. Die Bestände gehen auf Johann Friedrich Städel (1728–1816), den Stifter des Museums, zurück und wurden durch bedeutende Kenner wie Johann David Passavant (1787–1861) und Georg Swarzenski (1876–1957) im 19. und 20. Jahrhundert wesentlich ausgebaut. Höhepunkte der Sammlung sind neben den exzellenten Altmeister-Beständen vor 1800 (Dürer, Michelangelo, Raffael, Rembrandt) die nazarenischen Zeichnungen, die französischen Zeichnungen und Druckgraphiken des 19. Jahrhunderts, Werke des Expressionismus oder der amerikanischen Kunst nach 1945.

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Welcome! Städel öffnet Türen für internationalen Tag der Begegnung 3.4.2017

Am 23. April 2017 öffnet das Städel Museum bei freiem Eintritt seine Türen und heißt alle Interessierten herzlich willkommen in Deutschlands ältester bürgerlicher Museumsstiftung. Der erstmalig stattfindende „Tag der Begegnung“ im Städel steht ganz im Zeichen des Zusammentreffens und Austauschs verschiedenster Besucher. Den Rahmen dafür bieten zahlreiche Vermittlungsformate, welche die enorme Vielfalt und kunsthistorische Bandbreite der Städelschen Sammlung näherbringen und zum schlaglichtartigen bis ausgiebigen Erkunden von 700 Jahren Kunstgeschichte einladen. Den ganzen Tag über besteht die Möglichkeit, an Führungen teilzunehmen oder an Wissensstationen individuell mit Kunstvermittlern ins Gespräch zu kommen – und das in insgesamt 17 verschiedenen Sprachen: Arabisch, Bosnisch, Bulgarisch, Deutsch, Englisch, Farsi, Französisch, Griechisch, Italienisch, Japanisch, Kroatisch, Polnisch, Rumänisch, Russisch, Serbisch, Spanisch und Türkisch. Familien mit Kindern können die Kunst im Städel auf spielerische Weise kennenlernen und in kreativen Workshops selbst gestalterisch tätig werden. Führungen in Gebärdensprache und mit ausführlichen Bildbeschreibungen ergänzen das Programm. Abgerundet wird der Tag mit jazzigen Klängen sowie kulinarischen Snacks und Köstlichkeiten.

„Seit meiner Ankunft im Oktober 2016 erlebe ich Frankfurt aus nächster Nähe in seiner ungemeinen Weltoffenheit, Dynamik und Vielfalt, die in der Metropole am Main schon lange Tradition haben. Der ‚Tag der Begegnung‘ im Städel spiegelt und feiert das, was hier bemerkenswerter Alltag ist, in einer der zentralen Kulturinstitutionen der Stadt. Seit seiner Gründung ist das Städel Museum ein wichtiger Ort der Zusammenkunft und des Austausches, der einen essenziellen Baustein der Zivilgesellschaft darstellt“, kommentiert Philipp Demandt, Direktor des Städel Museums, die Veranstaltung.

Wie generell in der Ausrichtung und Gestaltung seines gesamten Vermittlungs- und Veranstaltungsangebots spricht das Städel Museum auch am „Tag der Begegnung“ in umfassendem Maße eine breite Besucherpalette aller Altersgruppen sowie unterschiedlichster sozialer, geografischer und kultureller Herkunft an – von alteingesessenen Frankfurtern bis zu Neuankömmlingen in der Stadt.


Welcome! Tag der Begegnung im Städel

Sonntag, 23. April 2017, 10.00 bis 18.00 Uhr, Eintritt frei

Programm für Erwachsene

Arabisch
Treffpunkt: Sammlungsbereich Gegenwartskunst
15.00–18.00 Uhr Wissensstation: Kunstwerke im Gespräch

Bosnisch
Treffpunkt: Sammlungsbereich Alte Meister
11.00–13.00 Uhr Wissensstation: Kunstwerke im Gespräch
14.00–16.00 Uhr Wissensstation: Kunstwerke im Gespräch

Bulgarisch
Treffpunkt: Sammlungsbereich Gegenwartskunst
12.00–15.00 Uhr Wissensstation: Kunstwerke im Gespräch

Deutsch
Treffpunkt: Metzler-Foyer
11.00 Uhr Führung „Gesichter: Blick in die Vergangenheit“
12.00 Uhr Führung „Die Idee als Kunstwerk“
13.00 Uhr Führung „Sehnsucht nach fremden Welten“
14.00 Uhr Führung „Aus der Mode?“
15.00 Uhr Führung „Um die Welt: Internationaler Handel um 1600“
16.00 Uhr Führung „Traumbilder“
17.00 Uhr Führung „Rundum. Skulpturen im Städel“

Englisch
Treffpunkt: Metzler-Foyer
11.00 Uhr Führung „Gesichter: Blick in die Vergangenheit“
12.00 Uhr Führung „Die Idee als Kunstwerk“ 13.00 Uhr Führung „Sehnsucht nach fremden Welten“
14.00 Uhr Führung „Aus der Mode?“
15.00 Uhr Führung „Um die Welt: Internationaler Handel um 1600“
16.00 Uhr Führung „Traumbilder“
17.00 Uhr Führung „Rundum. Skulpturen im Städel“

Farsi
Treffpunkt: Sammlungsbereich Kunst der Moderne
11.00–14.00 Uhr Wissensstation: Kunstwerke im Gespräch

Französisch
Treffpunkt: Metzler-Foyer
11.30 Uhr Führung „Deutsch-Französische Freundschaft im 19. Jahrhundert“
13.30 Uhr Führung „Vom Verlust der Form“
16.30 Uhr Führung „Warum so ernst? Mimik im Lauf der Zeit“

Griechisch
Treffpunkt: Sammlungsbereich Kunst der Moderne
14.00–17.00 Uhr Wissensstation: Kunstwerke im Gespräch

Italienisch
Treffpunkt: Metzler-Foyer
11.30 Uhr Führung „Florenz – Venedig – Rom. Kunstzentren der Renaissance“
12.30 Uhr Führung „Stillleben: Köstlichkeiten aus aller Welt“
16.30 Uhr Führung „Fernweh um 1800“

Japanisch
Treffpunkt: Metzler-Foyer
11.30 Uhr Führung „Stadträume“
15.30 Uhr Führung „Raumkonzepte. Zeitgenössische Installationen im Städel“

Kroatisch
Treffpunkt: Sammlungsbereich Alte Meister
11.00–13.00 Uhr Wissensstation: Kunstwerke im Gespräch
14.00–16.00 Uhr Wissensstation: Kunstwerke im Gespräch

Polnisch
Treffpunkt: Metzler-Foyer
16.30 Uhr Führung „Kaviar, Zimt und Schokolade. Materialien in der Gegenwartskunst“
17.30 Uhr Führung „Vom Goldgrund zur Perspektive“

Rumänisch
Treffpunkt: Sammlungsbereich Kunst der Moderne
12.00–14.00 Uhr Wissensstation: Kunstwerke im Gespräch
16.00–18.00 Uhr Wissensstation: Kunstwerke im Gespräch

Russisch
Treffpunkt: Sammlungsbereich Alte Meister
12.00–14.00 Uhr Wissensstation: Kunstwerke im Gespräch
16.00–18.00 Uhr Wissensstation: Kunstwerke im Gespräch

Serbisch
Treffpunkt: Sammlungsbereich Alte Meister
11.00–13.00 Uhr Wissensstation: Kunstwerke im Gespräch
14.00–16.00 Uhr Wissensstation: Kunstwerke im Gespräch

Spanisch
Treffpunkt: Sammlungsbereich Gegenwartskunst
11.00–12.00 Uhr Wissensstation: Kunstwerke im Gespräch
13.00–16.00 Uhr Wissensstation: Kunstwerke im Gespräch

Türkisch
Treffpunkt: Metzler-Foyer
13.30 Uhr Führung „Zusammen. Familienbilder im Städel Museum“
14.30 Uhr Führung „Frankfurter Bilder“


Barrierefreies Kunsterlebnis

Deutsch
Führungen mit Gebärdensprachendolmetscherin
Treffpunkt: Metzler-Foyer
13.00 Uhr Führung „Sehnsucht nach fremden Welten“
14.00 Uhr Führung „Aus der Mode?“

Führungen mit ausführlichen Bildbeschreibungen
Treffpunkt: Metzler-Foyer
12.00 Uhr Führung „Die Idee als Kunstwerk“
15.00 Uhr Führung „Um die Welt: Internationaler Handel um 1600“
16.00 Uhr Führung „Traumbilder“

Englisch
Führungen mit ausführlichen Bildbeschreibungen
Treffpunkt: Metzler-Foyer
12.00 Uhr Führung „Die Idee als Kunstwerk“
15.00 Uhr Führung „Um die Welt: Internationaler Handel um 1600“
16.00 Uhr Führung „Traumbilder“


Programm für Familien und Kinder

Deutsch
Treffpunkt: Metzler-Foyer
11.00 Uhr Handpuppenführung „Louis und Lulu sagen Hallo!“ (ab 4 Jahren)
14.30 Uhr Märchenreise „Lieder aus aller Welt“ (ab 4 Jahren)
15.30 Uhr Märchenreise „Lieder aus aller Welt“ (ab 4 Jahren)

Englisch
Treffpunkt: Metzler-Foyer
13.30 Uhr Familienführung „Tanzende Mäuse und hüpfende Hunde!“ (ab 4 Jahren)

Türkisch
Treffpunkt: Metzler-Foyer
12.00 Uhr Familienführung „Mein Lieblingsbild im Städel Museum“ (ab 4 Jahren)

Offenes Atelier
ab 6 Jahren, in den Städel Ateliers, 1. Etage
10.30–18.00 Uhr „Grüße aus dem Städel Museum – Farbenfrohe Postkarten aus Papier“
10.30–18.00 Uhr Kartendruckworkshop „Herzlich willkommen“

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Fotografien werden Bilder. Die Becher-Klasse 27.3.2017

In einer umfassenden Überblicksausstellung widmet sich das Städel Museum vom 27. April bis 13. August 2017 der Becher-Klasse und dem mit ihr verbundenen Paradigmenwechsel im Medium der Fotografie. Anhand von rund 200 Fotografien der international renommierten oder wiederzuentdeckenden Künstler Volker Döhne, Andreas Gursky, Candida Höfer, Axel Hütte, Tata Ronkholz, Thomas Ruff, Jörg Sasse, Thomas Struth und Petra Wunderlich geht die Ausstellung der Frage nach, welchen Einfluss Bernd und Hilla Becher auf ihre Studentinnen und Studenten an der Düsseldorfer Kunstakademie ausübten. Was eint bzw. trennt die Arbeiten der Schülerinnen und Schüler von ihren Lehrern? Gibt es überhaupt so etwas wie eine Becher-Schule oder haben wir es ‚nur’ mit einer Gruppe sehr erfolgreicher Fotografinnen und Fotografen zu tun, die in einem besonders günstigen historischen Moment am ‚richtigen Ort’ studiert haben? Und welchen Einfluss hatten die Künstlerinnen und Künstler auf unseren gegenwärtigen Bildbegriff? Die Ausstellung „Fotografien werden Bilder. Die Becher-Klasse“ nimmt das Werk des Künstlerpaares als Ausgangspunkt, um die radikale Veränderung im Umgang mit dem Medium der Fotografie, die sich ab den 1980er- und vor allem in den 1990er-Jahren in den Arbeiten der Becher-Schüler manifestiert, aufzuzeigen und ihre kunsthistorische Tragweite bis in unsere Gegenwart zu untersuchen. Zu sehen sind großformatige Hauptwerke sowie zentrale Frühwerke der wohl einflussreichsten deutschen Fotografengeneration.
Die Studentinnen und Studenten der ersten von vielen aufeinanderfolgenden Becher-Klassen an der Düsseldorfer Kunstakademie haben die Kunst unserer Gegenwart in Bezug auf ihre ästhetischen, medialen und ökonomischen Rahmenbedingungen elementar verändert. Sie prägten nicht nur die Fotografie in den 1990er-Jahren auf internationaler Ebene in entscheidendem Maße, sondern bestimmten zugleich den Stellenwert und die Wahrnehmung der künstlerischen Fotografie allgemein vollkommen neu. Ihre Werke sind Ausdruck einer selbstbewussten Emanzipation der Fotografie als künstlerisches Medium und reflektieren zugleich jenen – nicht nur digitalen – Moment, in dem sich die medialen Grenzen auflösen.

Gefördert wird die Präsentation durch die DZ BANK AG.

„Die ersten – inzwischen weltbekannten – Schülerinnen und Schüler von Bernd und Hilla Becher haben einen ganz maßgeblichen Anteil an der Etablierung der Fotografie als gleichberechtigter künstlerischer Ausdrucksform. Die neun in unserer Ausstellung präsentierten Künstlerinnen und Künstler bewegen sich im Unschärfebereich von Malerei und Fotografie und entsprechen mit dieser bewussten Durchlässigkeit der Gattungsgrenzen einem zentralen Schwerpunkt der Sammlung Gegenwartskunst im Städel Museum“, unterstreicht Städel Direktor Dr. Philipp Demandt.

„Was mit der Lehre Bernd und Hilla Bechers angestoßen und von ihren Schülerinnen und Schülern weiterentwickelt wurde, ist ein neuer Bildbegriff, in dem sich mediale wie ästhetische Grenzziehungen zwischen Skulptur, Malerei und Fotografie auflösen. In dem historischen Moment also, in dem sich die Fotografie als eigenständiges Medium emanzipierte, läutete sie zugleich ihr eigenes Ende ein“, ergänzt Dr. Martin Engler, Kurator der Ausstellung.

Als maßgeblicher Impuls für die veränderte Wahrnehmung des Mediums der Fotografie kann die Begründung des Lehrstuhls für künstlerische Fotografie 1976 an der Düsseldorfer Kunstakademie gesehen werden. Diesen hatte Bernd Becher in enger Zusammenarbeit mit seiner Frau Hilla Becher bis 1996 inne. Noch vor der Berufung an die Düsseldorfer Akademie hatten sich Bernd und Hilla Becher mit ihrer Fotografie historischer Industriearchitektur einem Werkbegriff verpflichtet, der auf Bereiche jenseits des Fotografischen zielt. Fördertürme, Hochöfen, Gasbehälter oder Wassertürme wurden mit bestechender Tiefenschärfe zentralperspektivisch in frontaler Ansicht und bevorzugt vor einheitlich grauem Himmel aufgenommen – Zeugnisse einer im Verschwinden begriffenen Industriekultur. Die Einzelbilder gruppierten sie im Raster zu großformatigen Tableaus – den Typologien. Es geht dabei nicht mehr einfach um das Abbilden der Realität, sondern um deren Wahrnehmung. Die Wirklichkeit lässt sich nicht mehr in einem Einzelbild darstellen, sondern nur noch in einer Vielzahl paralleler Bilder. Ihre formalästhetische Inszenierung ist weit mehr als nur dokumentarisch. Die Nähe zu Minimal Art und Konzeptkunst ist unübersehbar. Sie zeigt sich in der Strenge ihres Bildvokabulars, ihrer industriellen Ästhetik sowie in einer neuen Form der schrittweisen Wahrnehmung eines Werks.

Die Studentinnen und Studenten der ersten Stunde haben sich insbesondere in ihrem Frühwerk intensiv mit den künstlerischen Strategien ihrer Lehrer befasst, um diese mit Beginn der 1990er-Jahre sehr eigenständig und in unverwechselbaren Stilausprägungen weiterzuverfolgen. Mittels unterschiedlicher Strategien, wie Formatgröße, Präsentation oder Motivik und nicht zuletzt mit – durch die digitalen Bildtechniken provozierten – abstrakten Bildfindungen wird die Durchdringung der Medien Malerei und Fotografie ins Extrem geführt. Dadurch entsteht ein neuer Bildbegriff, der mediale wie ästhetische Grenzen verschwimmen lässt. „Die Auflösung der Gattungsgrenzen wie auch der Einsatz technischer Innovationen ist für die Werke der ersten Becher-Klasse charakteristisch. Hierin zeigen sich auch die Auswirkungen einer sich wandelnden Medienkultur“, erklärt Dr. Jana Baumann, Ko-Kuratorin der Ausstellung.

Eine Ausstellung, die sich einem derart komplexen Phänomen einerseits und einer überaus fruchtbaren Lehrtätigkeit andererseits widmet, muss sich zwangsläufig beschränken. „Fotografien werden Bilder“ konzentriert sich bewusst auf die Studentinnen und Studenten der frühen Jahre der Becher-Klasse, die 1976 mit Höfer, Döhne, Hütte und Struth beginnen und mit dem Abschluss des Studiums von Gursky und Sasse, 1987/1988 enden. Gerade die deutlich zutage tretende Heterogenität der ersten Becher-Klasse mit ihren vielfältigen Ansätzen, die sich auf unseren heutigen Bildbegriff ausgewirkt haben, verdeutlicht im Rückblick, wie erfolgreich die Lehre Bernd und Hilla Bechers war.

Candida Höfer (geb. 1944) ist vor allem durch ihre Aufnahmen von öffentlichen Innenräumen wie Bibliotheken, Universitäten, Museen oder Wartesälen bekannt. Wie bei ihren Lehrern ist das rein Dokumentarische letztlich nachrangig. Insbesondere mit ihrer Hinwendung zur Farbfotografie begann sie, ikonisch klare und in ihrer Strenge höchst beeindruckende Aufnahmen inhaltlich aufgeladener Innenräume anzufertigen. Die formale Inszenierung der Interieurs erinnert in Komposition, Wiederholung und Rhythmus sowie in der Betonung ihrer Skulpturalität an die Typologien der Bechers.
Eine deutliche Nähe zu diesen ist ebenfalls bei den frühen Straßenbildern von Thomas Struth (geb. 1954), etwa West Broadway, Tribeca, New York (1978) oder Sommerstrasse, Düsseldorf (1980), erkennbar. Seine Vorgehensweise erinnert an die seiner Lehrer, jedoch hat er seinen Motivkanon erweitert. In seinem Werk beschäftigt er sich mit kulturellen Strukturen, bildet neben Straßen auch Museen oder religiöse Kultstätten ab und porträtiert Familien. Er macht Ordnungen und Verhältnisse anhand sozialer wie ethnologischer Spuren sichtbar und gelangt so zu einer weltumfassenden Erkundung des Menschen und seiner Lebenswelt im Bild.
Die schwarz-weißen Bildreihen von Petra Wunderlich (geb. 1954) bilden Kirchen oder Steinbrüche ausschnitthaft ab. Diese überführt sie in ein neues, abstrahiertes Kompositionsgefüge. So lassen sich Architekturen visuell auf ihre stereometrische Tektonik zurückführen und in der „aufgebrochenen“ Natur scheinen unvermittelt Grundformen des Architektonischen auf. Wunderlichs Fotografien können, wie jene der Bechers, als soziologische und historische Zeugnisse gelesen werden.
Die Werkgruppen Volker Döhnes (geb. 1953) stehen konzeptuell wie motivisch den Typologien Bernd und Hilla Bechers sehr nahe: Er entwickelte Serien wie Kleineisenindustrie (1977/78) oder Kleine Eisenbahnbrücken und Unterführungen im Bergischen und Märkischen Land (1979). Mit seiner Reihe Bunt (1979) experimentierte Döhne dem Titel entsprechend mit Farbe und emanzipierte sich von seinen Lehrern.
Tata Ronkholz’ (1940–1997) fotografisches Hauptinteresse galt Fabriktoren, Schaufenstern oder Trinkhallen und Imbissen, die sie stets bildmittig und bei gleichmäßigem Tageslicht aufnahm. Die konsequente Ausführung der Fotografien in Schwarz-Weiß, die gleichbleibende Größe der Abzüge, aber auch das serielle, typologisch vergleichende Vorgehen erinnern stark an die Bilder der Bechers.
In besonderer Weise und in immer wieder neuen Formulierungen ist auch Thomas Ruff (geb. 1958) der seriellen Methodik seiner Lehrer verpflichtet. Seine Porträtaufnahmen sowie die zum Teil aus gefundenem Material entstandenen und stark vergrößerten Nachtaufnahmen verdeutlichen seine grundlegend skeptische Haltung gegenüber dem Wahrheits- und Dokumentationsanspruch von Fotografie. Sein konsequentes Befragen neuer Bildquellen und Technologien veranschaulichen vielleicht am eindrücklichsten die Art und Weise, wie Ruff den Ansatz von Bernd und Hilla Becher weiterführt.
Axel Hüttes (geb. 1951) frühe Architekturausschnitte befragen soziale Situationen mittels einer von Distanz und Anonymität bestimmten fotografischen Bildgestaltung. Er widmet sich dabei zersiedelten Landschaften ebenso wie vermeintlich unberührter Natur, die jedoch immer durch menschliche Eingriffe geformt worden ist. Auffällig bei Hütte ist sein starker Bezug zur historischen Landschaftsmalerei, deren formale Konstruktionsprinzipien er zugleich kopiert und dekonstruiert. Während die Bechers ihr Augenmerk auf das skulpturale oder konzeptuelle Potenzial ihrer Bilder lenkten, nimmt Axel Hütte die Malerei als Leitmedium der Moderne in den Blick.
Jörg Sasse (geb. 1962) widmete sich in seinem Frühwerk hochartifiziellen und zugleich prosaischen Arrangements kleinbürgerlicher Wohnkultur. Die reduzierte Strenge dieser frühen Werke verkehrt sich in seinen späteren „Tableaus“ in ihr Gegenteil. Gefundene wie eigene Bildvorlagen werden aufwendig digital wie analog von ihm bearbeitet und lassen die Grenzen von Malerei und Fotografie bis zur Unkenntlichkeit verschwimmen. Auch Andreas Gurskys (geb. 1955) frühe Fotografien sind vom unvermittelten Interesse an der alltäglichen Umgebung geprägt – im privaten wie im öffentlichen Raum, im Arbeits- wie im Freizeitkontext. Ähnlich wie Sasse setzt er sich mit der ästhetischen Grenze von fotografischer und malerischer Bildgebung auseinander. Durch digitale Manipulation, mit der er das Bildmotiv bis zur Abstraktion dupliziert und montiert, entstehen irritierende Bildarchitekturen, sodass Konstruktion und Wirklichkeit auf großformatigen Farbabzügen verschmelzen.

Die Entwicklung der Becher-Klasse zeigt, wie der sich öffnende Werkbegriff der Konzeptkunst in einen neuen Bildbegriff mündet. Was sich bei den Lehrern erst andeutete, wird durch die Schülerinnen und Schüler sowie nachfolgende Künstlergeneration zu einer epochalen Veränderung im Umgang mit den Bildern unserer Wirklichkeit. Die Einsicht, dass Fotografie die Wirklichkeit nicht unvoreingenommen wiedergeben kann, bedeutet sodann nicht ein Weniger, sondern ein Mehr an künstlerischem Potenzial, ihre Unschärfe im Abbilden der Realität – im konkreten wie übertragenen Sinne – ein Mehr an Komplexität. Nicht zuletzt digitale Eingriffe ermöglichen innovative Bildschöpfungen; aber auch im Schritt vom Einzelwerk zu Typologie und Serie, von Detail zu Gesamtbild verwischen die Grenzen des fotografischen Bildes. Die Antwort auf alle Fragen bezüglich Bedeutung und Einordnung, Lehre und Begrifflichkeit dessen, was wir „Becher-Schule“ nennen, läge dann in einer ebenso simplen, wie überraschenden Feststellung: In dem historischen Moment, in dem sich die Fotografie als eigenständiges Medium emanzipierte, läutete sie zugleich ihr eigenes Ende ein.

Fotografien werden Bilder. Die Becher-Klasse

Künstlerliste: Bernd und Hilla Becher, Volker Döhne, Andreas Gursky, Candida Höfer, Axel Hütte, Tata Ronkholz, Thomas Ruff, Jörg Sasse, Thomas Struth, Petra Wunderlich

Kurator: Dr. Martin Engler, Sammlungsleiter Gegenwartskunst am Städel Museum
Ko-Kuratorin: Dr. Jana Baumann, Städel Museum
Ausstellungsdauer: 27. April bis 13. August 2017
Pressevorbesichtigung: Mittwoch, 26. April 2017, 11.00 Uhr
Ort: Städel Museum, Schaumainkai 63, 60596 Frankfurt

Katalog: Zur Ausstellung erscheint im Hirmer Verlag ein Katalog mit 256 Seiten und ca. 178 Abbildungen, mit einem Vorwort von Philipp Demandt, Essays von Alexander Alberro, Jana Baumann, Martin Engler und Steffen Siegel sowie Texten von Lukas Engert, Iris Hasler, Markus Kramer und Kristin Schrader. Deutsche Ausgabe, 34,90 Euro (Museumsausgabe).

Information: www.staedelmuseum.de, info@staedelmuseum.de, Telefon +49(0)69-605098-200, Fax +49(0)69-605098-112
Besucherdienst: Telefon +49(0)69-605098-232, besucherdienst@staedelmuseum.de
Öffnungszeiten: Di, Mi, Sa, So + Feiertage 10.00–18.00 Uhr, Do + Fr 10.00–21.00 Uhr, montags geschlossen
Sonderöffnungszeiten: 1.5., 10.00–18.00 Uhr; 25.5., 10.00–18.00 Uhr; 4.6., 10.00–18.00 Uhr; 5.6., 10.00–18.00 Uhr; 15.6., 10.00–18.00 Uhr
Eintritt: 14 Euro, ermäßigt 12 Euro, Familienkarte 24 Euro; freier Eintritt für Kinder unter 12 Jahren; Gruppen ab 10 Personen: ermäßigter Eintrittspreis pro Person. Für Gruppen ist vorab eine Anmeldung unter Telefon +49(0)69-605098-200 oder info@staedelmuseum.de erforderlich.
Kartenvorverkauf: tickets.staedelmuseum.de

Digitorial: Ein aufwendig gestaltetes, interaktives Digitorial gibt ab 5. April 2017 unter becherklasse.staedelmuseum.de umfassende Einblicke in die Ausstellung. Das Digitorial wird durch die Aventis Foundation ermöglicht.

Social Media: Das Städel Museum kommuniziert die Ausstellung in den sozialen Medien mit den Hashtags #BecherKlasse und #Staedel.

Überblicksführungen durch die Ausstellung: Do 19.00 Uhr, Sa 16.00 Uhr sowie Mo, 1.5., Do, 25.5., Mo, 5.6., Do, 15.6. 16.00 Uhr. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt.

Gefördert durch: DZ BANK AG

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Veranstaltungsprogramm April 2017 6.3.2017

Veranstaltungsprogramm April 2017

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Veranstaltungsprogramm März 2017 8.2.2017

Veranstaltungsprogramm März 2017

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In die dritte Dimension. Raumkonzepte auf Papier vom Bauhaus bis zur Gegenwart 26.1.2017

Mit einer Ausstellung über die Darstellung von Raumkonzepten in Zeichnung und Druckgrafik startet das Städel Museum ins Ausstellungsjahr 2017. Vom 15. Februar bis 14. Mai zeigt das Frankfurter Museum „In die dritte Dimension. Raumkonzepte auf Papier vom Bauhaus bis zur Gegenwart“ in der Ausstellungshalle der Graphischen Sammlung. Die Schau geht der Frage nach, wie Raum bildende und Orientierung stiftende Merkmale wie Grenzen, Form und Volumen, Innen und Außen in Zeichnung und Druckgrafik, also in der Fläche, dargestellt werden. Sie setzt bei den geometrischen Kompositionen von El Lissitzky und László Moholy-Nagy aus dem Jahr 1923 an und führt bis zu Druckgrafiken der gegenwärtigen Konzeptkunst. Zu sehen sind ausgewählte Arbeiten von insgesamt 13 Künstlern, darunter Lucio Fontana, Eduardo Chillida, Sol LeWitt, Blinky Palermo, James Turrell und Michael Riedel. Lithografien mit konstruktivistischen Perspektivdarstellungen treffen auf in den Raum drängende Prägedrucke. Schlitzungen, die imaginative Räume eröffnen, werden Entwürfen für Wandarbeiten gegenübergestellt. Dreidimensionalität suggerierende Druckgrafiken von Künstlern der Minimal Art, der Raum- und Lichtkunst begegnen Kreidezeichnungen, Faltungen und Collagen von Bildhauern des 20. Jahrhunderts. Es sind keine vorbereitenden Skizzen oder nachträglich angefertigte Dokumentationen, die hier gezeigt werden, sondern eigenständige Werke, in denen die Künstler ihre Raumkonzepte unter den formalen Bedingungen druckgrafischer und zeichnerischer Techniken fortgeführt haben. Die Ausstellung versammelt bedeutende Blätter aus der Graphischen Sammlung des Städel Museums, ausgewählte Werke der Sammlung Deutsche Bank im Städel Museum, Dauerleihgaben der Commerzbank AG, Frankfurt am Main und Leihgaben aus Privatbesitz.

„Viele bedeutende Künstler haben sich mit dem Thema Raum und Dreidimensionalität auf dem zweidimensionalen Medium Papier auseinandergesetzt. Dass wir diese Ausstellung nahezu vollständig aus den eigenen Beständen heraus konzipieren konnten, zeigt, wie hochkarätig unsere Graphische Sammlung bestückt ist“, so Städel Direktor Dr. Philipp Demandt.

„Wenn man genau hinschaut, dann liegen in den Schubladen unserer Graphischen Sammlung einige Skulpturen“, konstatiert die Kuratorin der Ausstellung, Jenny Graser. „Viele Künstler haben im 20. Jahrhundert die Grenzen zwischen den Medien hinterfragt. Die Differenzen zwischen Skulptur, Zeichnung und Druckgrafik wurden aufgeweicht.“ In sieben Kapiteln präsentiert die Sonderausstellung ganz unterschiedliche Ansätze in der Darstellung von Räumlichkeit auf dem Papier und zeigt dabei Differenzen wie auch über Jahrzehnte hinweg bestehende gemeinsame Anknüpfungspunkte der einzelnen künstlerischen Positionen auf.

Am Ausgangspunkt der Ausstellung steht die von Martin Heidegger (1889–1976) in seiner Schrift Die Kunst und der Raum (1969) gestellte Frage nach dem Unterschied zwischen einer künstlerischen Erkundung des Raumes und einer auf mathematischen und physikalischen Gesetzmäßigkeiten beruhenden Erforschung von Raum. Gleich im ersten Kapitel der Präsentation werden etablierte Vorstellungen von Raum aufgebrochen. Den Auftakt bilden zwei Mappenwerke des russischen Avantgardisten El Lissitzky (1890–1941) und des ungarischen Künstlers und Bauhaus-Lehrers László Moholy-Nagy (1895–1946), in denen utopische Raumkonzepte vorgestellt werden. Lissitzky hat in den 1920er-Jahren das Modell eines idealen und universellen Raums entwickelt, der sich einer auf mathematischen Gesetzen beruhenden Messbarkeit entzieht. Dieser Raum weist keine Grenzen auf, er ist offen, unabgeschlossen. Die Charakteristika dieses Raumgefüges lassen sich in Lissitzkys Grafikmappe Proun (1923) nachvollziehen. Zur selben Zeit fertigte auch Moholy-Nagy ein druckgrafisches Mappenwerk an. Er widmete sich allerdings dem Phänomen Licht. Seine Auseinandersetzung mit dem Facettenreichtum transparenter Wirkungen fand Ausdruck in der sechs Lithografien umfassenden Mappe Konstellationen (1923). Das Medium der Lithografie mit seinem Reichtum an Schattierungen und feinsten Tonalitäten ermöglichte es dem Maler, die Untersuchung von Transparenzen in einer für ihn neuen Technik fortzuführen.

Das zweite Kapitel der Ausstellung widmet sich dem in Cotta bei Dresden geborenen Künstler Hermann Glöckner (1889–1987). Ein scheinbar simpler konstruktiver Akt, das Falten, beschreibt die Arbeitsweise, die sein gesamtes Schaffen prägte. In seiner Reihe der 3 Phasen (1980) schuf er Formen, indem er ein Blatt Papier mehrmals knickte und die so entstandenen Flächen mit Farbe bestrich. Glöckner untersuchte aus Flächen gestaltete dreidimensionale Gebilde nicht allein auf Papier und Leinwand, sondern ebenfalls anhand von Plastiken, wie das Werk Ein Paar symmetrischer Körper aus gefalteten Elementen (1968) veranschaulicht.

Die von den ersten beiden Kapiteln der Ausstellung vorbereiteten konstruktivistischen Ansätze finden ihre Fortsetzung in den linearen Konstruktionen des deutschen Bildhauers Norbert Kricke (1922–1984) und des amerikanischen Künstlers Fred Sandback (1943–2003). In seinen Zeichnungen erkundete Kricke die freie Bewegung der Linie im Raum. Die für das Medium der Zeichnung charakteristische Erscheinungsform der Linie überführte er auch in seine aus Stahldraht gebogenen Plastiken. Fred Sandback gelangte auf der Suche nach einem skulpturalen Körper ohne feste Masse, ohne Inneres, ebenfalls zur Linie. In seiner ersten Plastik zog er 1967 mit Stahldraht und Gummischnüren die Umrisse eines plastischen Körpers nach und reduzierte diesen auf seine grafische Substanz. Noch im selben Jahr weitete er seine Skulpturen auf Wände und Decken aus, wo er mit Schnüren verschiedenste Varianten von U-Formen, Diagonalen, Rechtecken, Dreiecken, Trapezoiden und Polygonen spannte. Das serielle Prinzip und die Vielfalt an Modulen führt uns der Künstler in der Mappe Twenty-two Constructions from 1967 (1986) vor Augen.

Die klare Formensprache geometrischer Figuren sowie das serielle Prinzip der Minimal Art findet im nächsten Kapitel seine Fortsetzung. Hier werden Druckgrafiken von Sol LeWitt (1928–2007) und James Turrell (*1943) präsentiert, die vor allem durch den Einsatz von Farben und Helligkeitsabstufungen die Wirkung dreidimensionaler Körper hervorrufen. Seine Experimente mit Raster- und Raumstrukturen führte LeWitt unter anderem in nahezu 300 druckgrafischen Projekten durch. Seit 1982 widmete sich der Künstler vorrangig Darstellungen dreidimensionaler Formen, wovon auch die fünf Linolschnitte der Serie Distorted Cubes (A–E) aus dem Jahr 2001 zeugen. Die dreidimensionale Wirkung der hier dargestellten verzerrten Würfel wird allein durch die Wirkkraft der Farbe erreicht. Ausschließlich mit projiziertem Licht untersucht der amerikanische Künstler James Turrell seit Mitte der 1960er-Jahre die illusionistische Dreidimensionalität geometrischer Körper. Die Aquatinta-Serie Still Light (1990–1991) geht auf Turrells Projection Pieces aus den Jahren 1966 bis 1967 zurück, bei denen Licht in Form von geometrischen Körpern auf Ecken abgedunkelter Räume geworfen wurde. Je nach Betrachterstandpunkt wurde der Eindruck eines grell leuchtenden Objekts, mal auf dem Boden aufsetzend, mal schwebend, erzeugt. Die vier ausgestellten Druckgrafiken greifen jeweils eine abstrakte Form der Projection Pieces auf: Dreieck, Würfel, Trapez und Balken.

An die raumkonstituierende Wirkung von Licht und Farbe knüpft das fünfte Kapitel der Ausstellung an. Wie einst Moholy-Nagy, so begann auch Blinky Palermo (1943–1977) die räumliche Wirkung transparenter, geschichteter Farb-Formen zu untersuchen. Während Palermos Drucke auf feinen, durchlässigen Farbschichten beruhen, sind die abstrakten Formen der Siebdruck-Reihe Rot Gelb Blau seines Freundes Imi Knoebel (*1940) in dicken, opaken Farbschichten gedruckt. Die glatten Farbflächen stehen auf dem Papier und bringen ein Relief aus übereinander gelagerten, konkaven und konvexen Formen hervor, das die dreidimensionalen Schichtungen der Wandarbeiten Knoebels auf die Fläche überträgt.

Die plastischen Qualitäten von Radierungen gelangen in den Prägedrucken des italienischen Bildhauers Giò Pomodoro (1930–2002) und des in Argentinien geborenen Künstlers Lucio Fontana (1899–1968) vollends zum Ausdruck. Hohe Wölbungen und tiefe Furchen durchziehen die Druckgrafiken Pomodoros, die an Gebirge und Gesteinsformationen erinnern. Dicke Farbkrusten kennzeichnen die Reliefs der Radierungen Lucio Fontanas aus dem Jahr 1964. Die Papierarbeiten der beiden Künstler weichen die scharfe Trennung von Skulptur und Grafik auf, indem sie mit Volumen, Höhen und Tiefen spielen. Kombiniert werden die Prägedrucke mit Werken des in Rüsselsheim geborenen Künstlers Michael Riedel (*1972), dessen raumbezogene Arbeiten nahezu sämtliche Medien umfassen, darunter Zeichnungen auf Transparentpapier, Wandbehänge aus Stoff und ganze Räume vereinnahmende Schriftbilder.

Den Höhepunkt der Ausstellung bildet das letzte Kapitel, das dem spanischen Bildhauer Eduardo Chillida (1924–2002) und seinem künstlerischen wie philosophischen Austausch mit Martin Heidegger (1889–1976) gewidmet ist. Besondere Berühmtheit erlangte das Buch Die Kunst und der Raum (1969), in dem Chillida einen Text von Martin Heidegger mit Collagen versah. Diese Collagen versinnbildlichen Chillidas in der zweiten und dritten Dimension formuliertes Raumkonzept: Raumüberschreitungen und -verschränkungen, Relationen zwischen Volumen und Formen, Zerstückelung und Dynamik, die Leere als raumbildendes Material. Das Buch wird von einer Schallplatte begleitet, die den eingesprochenen Text Martin Heideggers wiedergibt. In der Ausstellung wird diese Aufnahme für die Besucher in einer Hörstation präsentiert.

IN DIE DRITTE DIMENSION. RAUMKONZEPTE AUF PAPIER VOM BAUHAUS BIS ZUR GEGENWART

Kuratorin: Jenny Graser (Städel Museum)
Ausstellungsdauer: 15. Februar bis 14. Mai 2017

Information: www.staedelmuseum.de, info@staedelmuseum.de
Telefon: +49(0)69-605098-200, Fax +49(0)69-605098-112
Besucherdienst: Telefon +49(0)69-605098-232, besucherdienst@staedelmuseum.de
Ort: Städel Museum, Schaumainkai 63, 60596 Frankfurt am Main
Öffnungszeiten: Di, Mi, Sa, So + Feiertage 10.00–18.00 Uhr, Do + Fr 10.00–21.00 Uhr, montags geschlossen
Sonderöffnungszeiten: Fr, 14.4., 10.00–18.00; So, 16.4., 10.00–18.00 Uhr; Mo, 17.4., 10.00–18.00 Uhr; Mo, 1.5., 10.00-18.00 Uhr

Eintritt: 14 Euro, ermäßigt 12 Euro, Familienkarte 24 Euro; freier Eintritt für Kinder unter 12 Jahren; Gruppen ab 10 regulär zahlenden Personen: ermäßigter Eintrittspreis pro Person. Für Gruppen ist vorab eine Anmeldung unter Telefon +49(0)69-605098-200 oder info@staedelmuseum.de erforderlich.
Kartenvorverkauf: tickets.staedelmuseum.de

Überblicksführungen durch die Ausstellung: Do 18.00 Uhr und So 14.00 Uhr (die Teilnahme ist im Eintrittspreis enthalten).

Katalog: Zur Ausstellung erscheint ein von Jenny Graser verfasster Katalog, herausgegeben vom Städel Museum, deutsch, 52 Seiten, 9,90 Euro.

Social Media: Das Städel Museum kommuniziert die Ausstellung in den sozialen Medien mit den Hashtags #DritteDimension und #Staedel.

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Städel Digitale Sammlung: Werke

25.1.2017

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25.1.2017

Bereits über 60.000 Besucher sahen "Geschlechterkampf" im Städel – Grosse "Stereo Night" am 4. Februar 18.1.2017

Die am 24. November 2016 gestartete Sonderausstellung „Geschlechterkampf. Franz von Stuck bis Frida Kahlo“ erfreut sich großer Beliebtheit. Bereits über 60.000 Menschen besuchten in den ersten acht Wochen die groß angelegte Schau im Städel Museum. Während der Laufzeit bietet das Rahmenprogramm immer wieder Highlights. Am 4. Februar 2017 lädt das Städel Museum ab 20.00 Uhr unter dem Titel „Stereo Night“ zur großen Party-Nacht. Die Ausstellung bleibt bis spät in die Nacht geöffnet, junge Kunstexperten erläutern ausgewählte Werke und zudem finden stündlich „Art Battles“ statt, in denen Kunstvermittler angeregt über den Kampf der Geschlechter diskutieren. Im Metzler-Saal fordern sich die DJs DEBONAIR (NTS) und Bake (All Caps) bei einem B2B-Set gegenseitig heraus und lassen mit ihren elektronischen Sounds eine mitreißende Tanzarena entstehen. Die Londonerin DEBONAIR ist ein Club- und Radio-DJ – bekannt durch das NTS Radio –, die sich mit ihren anspruchsvollen Post-Punk-, Coldwave-, EBM-, Techno-, Italo-Disco- und Classic House-Sets einen Namen gemacht hat. DJ Bake (All Caps) aus Glasgow hat monatliche Auftritte auf Rinse FM und ist Co-Inhaber des Labels All Caps. Er schafft es mühelos, an den Turntabels aus bekannten Platten neuartige Sounds entstehen zu lassen. Zudem wird Franziska Berns als DJ-Support unterstützen. Im Vorfeld der Party ruft das Städel seine Social-Media-Community unter dem Hashtag #LetsTalkAboutSexes auf, Bild-, Video und Textbeiträge zu teilen, die sich um das spannungsgeladene Verhältnis von Mann und Frau heute drehen. Zum Abschluss der Aktion werden die besten Beiträge auf der Veranstaltung präsentiert.

Die Veranstaltung wird gefördert durch die Bank Julius Bär Europe AG.

Der Vorverkauf für die „Stereo Night“ ist limitiert und kostet 12 Euro, die Karten können unter tickets.staedelmuseum.de erworben werden. Tickets an der Abendkasse sind für 14 Euro erhältlich, Studenten zahlen dort 12 Euro.

Die umfassende Sonderausstellung „Geschlechterkampf. Franz von Stuck bis Frida Kahlo“, die noch bis zum 19. März 2017 im Städel Museum zu sehen ist, widmet sich einem zeitlosen Thema: der spannungsgeladenen Beziehung zwischen Mann und Frau und deren Darstellung in der Kunst. Beleuchtet wird die künstlerische Auseinandersetzung mit Geschlechterrollen und -beziehungen von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges. Anhand von über 150 Werken zeigt die Ausstellung, wie kontrovers Künstlerinnen und Künstler der Moderne auf die Konstruktion von Geschlechtermodellen reagierten und wie sie Stereotypen, Idealbilder und Identifikationsfiguren in Malerei, Skulptur, Grafik, Fotografie und Film behandelten.

Stereo Night – Die Party zur Ausstellung "Geschlechterkampf"

Samstag, 4. Februar 2017, Ab 20.00 Uhr

Information: www.staedelmuseum.de, info@staedelmuseum.de, www.facebook.com/staedelmuseum, Telefon +49(0)69-605098-200, Fax +49(0)69-605098-111
Ort: Städel Museum, Schaumainkai 63, 60596 Frankfurt am Main
Öffnungszeiten: ab 20.00 Uhr bis spät in die Nacht
Eintritt: 12 Euro (limitierter Vorverkauf), 14 Euro (Abendkasse; reduzierter Eintrittspreis von 12 Euro für Studenten)
Kartenvorverkauf: tickets.staedelmuseum.de

#LetsTalkAboutSexes: Mehr zur Aktion unter blog.staedelmuseum.de/letstalkaboutsexes-social-media-aktion-zu-geschlechterkampf/

Gefördert durch: Bank Julius Bär Europe AG

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