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In einer gross angelegten Sonderausstellung präsentiert das Städel Museum vom 22. Juli bis 18. Oktober 2015 „Die 80er. Figurative Malerei in der BRD“. Mit rund 90 Werken von insgesamt 27 Künstlerinnen und Künstlern beleuchtet die Schau jene neuartige, irritierende und überaus dynamische figurative Malerei, die sich in den 1980er-Jahren nahezu zeitgleich vor allem in den Zentren Berlin, Hamburg und dem Rheinland entwickelte. Zu sehen sind Arbeiten u. a. von Ina Barfuss, Werner Büttner, Walter Dahn, Jiří Georg Dokoupil, Rainer Fetting, Georg Herold, Martin Kippenberger, Helmut Middendorf, Christa Näher, Albert Oehlen, Salomé oder Andreas Schulze. Die Ausstellung beleuchtet die künstlerischen Zentren der BRD – etwa den Berliner Moritzplatz oder die Mülheimer Freiheit in Köln – und macht zugleich die figurative Malerei jener Jahre in ihrer ganzen Komplexität und Differenziertheit sichtbar. Die Künstlerinnen und Künstler, die den Kunstbetrieb um 1980 mit einer ungezügelten Intensität und hohem malerischen Tempo auf den Kopf stellten, schufen figurative Bilder, die eine kritische Auseinandersetzung mit der Tradition der Malerei, den Nachkriegsavantgarden und ihrer unmittelbaren Gegenwart wagten. Die Themen entstammten in erster Linie dem unmittelbaren Umfeld der Künstler. Der etablierte Kunstbetrieb wird dabei genauso zum Inhalt der Bilder, wie die homosexuelle Emanzipation oder die rauschende Geschwindigkeit der internationalen Club- und Musikszene, die ab Mitte der 1970er-Jahre durch New Wave und Punk vermittelt wurde. Die Protagonisten der Zeit waren dennoch alles andere als eine homogene malerische Bewegung. Vielmehr zeichnet sich die Malerei jenes Jahrzehnts zwischen Studentenrevolte und wiedervereinigtem Deutschland durch ein vielschichtiges, zum Teil widersprüchliches Nebeneinander unterschiedlicher Strömungen, Einflüsse und Befindlichkeiten aus. Die Sammlung Gegenwartskunst des Städel Museums mit ihrem spezifischen Fokus auf der Malerei nach 1945 stellt einen idealen Rahmen für die Präsentation dieser ereignisreichen Dekade dar.
Die Ausstellung wird gefördert durch die Deutsche Bank AG.
„Mit der Ausstellung hebt das Städel einen gewaltigen Bilderschatz, der zu lange durch die Brille überkommener Klischees gesehen wurde. Werke, die einerseits zu unserem kollektiven Bildgedächtnis gehören, andererseits in ihrer malerischen Potenz und konzeptuellen Komplexität neu bewertet und gesehen werden können“, so Max Hollein, Direktor des Städel Museums.
Der zeitgenössische, historisierende Blick auf dieses unbestritten vielschichtige ästhetische Phänomen bietet die Möglichkeit, strukturelle Gemeinsamkeiten auszumachen und neue kunsthistorische Ansätze und Fragestellungen zu erproben, ohne die Vielfalt dieser Kunst unbeachtet zu lassen. Ohne die Neuheit und Besonderheit der Bilder zu negieren, wird die Frage gestellt, woher diese Malerei kam, wie sie sich zu ihrer eigenen Tradition im Umfeld der sogenannten Postmoderne verhält und welche Rolle sie durch eine neue oder differenziertere Verortung für unsere Gegenwart spielen könnte: „Wir haben es mit einer Künstlergeneration zu tun, die in einem klar definierten Zeitraum durch die Wucht ihres Auftretens und die Neuheit ihrer Malerei für ein ungeheuer kontroverses Echo sorgte. Gleichwohl gibt es bis heute keine schlüssige Narration, die diese Bilder sinnstiftend mit dem Davor und Danach verknüpft. Diese komplexe Gemengelage macht es erforderlich, ihre Bedeutung für die nachfolgende Künstlergeneration sowie ihr Verhältnis zur eigenen Tradition kunsthistorisch und museal zu fassen“, sagt Dr. Martin Engler, Leiter der Sammlung Gegenwartskunst im Städel und Kurator der Ausstellung.
Die Ausstellung möchte einen neuen, unverstellten Zugang zu einer Malerei ermöglichen, die allzu oft durch die Raster der Diskurse gefallen ist und deren Besonderheiten durch ihren – zweifellos wichtigen und prägenden – pop-kulturellen Kontext überschattet wurden. Ohne diesen spezifischen Zusammenhang zu übergehen, will die Schau einen kunsthistorischen Fokus setzen, der auch den Bezug zur Nachkriegsmalerei in den Blick nimmt. Die westdeutsche und West-Berliner Malerei der 1980er ist keineswegs losgelöst von künstlerischen Vorläufern wie Georg Baselitz, Gerhard Richter und Sigmar Polke zu sehen, von denen sie sich zugleich aber auch klar distanziert. Die Generation, die um 1980 in den Zentren Berlin, Hamburg und dem Rheinland auftrat, schuf Bilder, deren Energie, Intensität und Direktheit ihre Kunst von allem davor Entstandenen unterscheiden. Aufgrund ihrer ungewöhnlichen Ausdruckskraft wurden die Künstler der 80er Jahre von der zeitgenössischen Kunstkritik in die Nähe des deutschen Expressionismus und der französischen Fauves gerückt. Sie erhielten zahlreiche Etiketten, wie „Junge Wilde“ oder „Neo-Expressionisten“, und stellten selbst unter dem Schlagwort „Heftige Malerei“ aus. Doch keine dieser Titulierungen konnte sich verbindlich durchsetzen, nicht zuletzt, weil es sich um eine zweifellos heterogene Bewegung handelte. Trotz der Skepsis der Kritiker feierten die Künstlerinnen und Künstler auf dem damaligen Kunstmarkt rasch Erfolge, die sich schon nach wenigen Jahren wieder relativierten. Angesichts der Schnelllebigkeit jenes ereignisreichen Jahrzehnts blieb wenig Zeit für Kunstgeschichte. Den Besuchern der groß angelegten Überblicksschau „Die 80er. Figurative Malerei in der BRD“ wird vor Augen geführt, dass die gegenständliche Malerei jener Zeit noch heute, über dreißig Jahre später, gleichermaßen fremd und vertraut erscheint.
Die Ausstellung präsentiert rund 90 hochkarätige Leihgaben, darunter Werke aus Museumssammlungen, wie dem Hessischen Landesmuseum Darmstadt, der Klassik Stiftung Weimar, Neues Museum Weimar oder der Berlinische Galerie – Landesmuseum für Moderne Kunst, zahlreiche private Leihgaben sowie Werke aus der Sammlung Deutsche Bank und insgesamt neun Arbeiten aus dem Sammlungsbereich Gegenwartskunst im Städel Museum, darunter auch drei Gemälde, die 2008 im Kontext eines Konvolutes von insgesamt 600 Arbeiten aus der Sammlung Deutsche Bank ans Städel gelangt sind.
Rundgang durch die Ausstellung
Die Präsentation erstreckt sich über zwei Etagen des Ausstellungshauses und folgt einer geografischen wie thematischen Gliederung. So werden einerseits die jeweiligen lokalen Zentren in ihrer Ambivalenz aus Verwandtschaft und Diversität abgebildet, andererseits wird deren Verbindung untereinander anhand gemeinsamer thematischer oder motivischer Interessen aufgezeigt. Den Auftakt bildet das klassische Genre der Porträtmalerei. Insbesondere die Selbstporträts, etwa Albert Oehlens Selbstportrait mit Palette (1984), Werner Büttners Selbstbildnis im Kino onanierend (1980) Luciano Castellis Berlin Nite (1979) oder Walter Dahns Selbst doppelt (1982), zeigen die intensive Auseinandersetzung mit dem Medium der Malerei. Thematisch häufig nah an traditionellen malerischen Themen, zeichnet sich die „Neue Welle“ der Malerei der 80er Jahre vor allem durch ihren experimentellen und dynamischen Stilpluralismus aus. Auch wenn Albert Oehlen mit seinem Selbstporträt auf eine erstaunlich traditionelle Variation des Bildsujets zurückgreift, bleibt unklar, ob er diese Tradition affirmiert, überprüft, karikiert, sinnentleert repetiert oder alles zugleich.
Der Konfrontation mit dem Künstler-Ich im ersten Raum folgt eine erste geografische Gruppierung am Standort West-Berlin. Das Zentrum bilden Maler der Galerie am Moritzplatz, die 1977 von Rainer Fetting, Helmut Middendorf, Salomé und Bernd Zimmer in Kreuzberg gegründet wurde. Ab 1979 war auch G. L. Gabriel Mitglied und stellte bis zur Auflösung der Galerie 1981 in Gruppen- und Einzelausstellungen am Moritzplatz aus. Das Berlin jener Zeit, die liberale, chaotische Stadt jenseits von Bundeswehr und konservativer BRD-Provinz, wurde zum zentralen Motiv dieser Maler, die aus den westdeutschen Bundesländern in die Metropole gekommen waren. Rainer Fetting malt die Berliner Mauer gleich in verschiedensten Varianten. Für ihn war die Mauer zunächst einmal Alltag und Blick aus dem Atelierfenster und nicht politisches Statement, als das sie der Betrachter der Werke mit dem Abstand von rund drei Jahrzehnten wahrnimmt. Während Künstler wie Fetting, Gabriel oder Middendorf die Architektur ihrer Stadt thematisieren, befragt Bernd Zimmer mit seinen Landschaftsbildern die Grenzen zwischen Figur und Abstraktion. In der Gegenüberstellung von Zimmers Feld, Raps (1979) und Fettings Van Gogh und Mauer-Sonne (1979) wird die Diversität der malerischen Annäherung – von der Farbfeldmalerei bis hin zur annähernd rein gestischen, sich nahezu auflösenden Malerei – sichtbar. Ein wesentliches Element im Schaffen der Berliner Künstler ist die sich formierende Punk- und Subkulturszene, ihre Dynamik und Rohheit, die sie in die Malerei überführen. Besonders anschaulich wird dies beispielsweise in dem Gemälde Electric Night (1979) von Helmut Middendorf. „Elektrisiert“ sind hier nicht nur die schematisch dargestellten Figuren im bunten Dschungel der Nacht, elektrisiert ist hier gleichermaßen die Malerei allein in der Verbindung des intensiv leuchtenden Ultramarin mit einem knallig-strahlenden Rot.
Die „elektrisierten Großstadteingeborenen“ kehren in Große Dusche (1981) von Rainer Fetting gewissermaßen als klassische Aktmodelle in unterschiedlichen Posen wieder. Der Körperdiskurs, der hier bereits seinen Anfang nimmt, wird in den Bildern Salomés fortgeführt. In seinen Werken konfrontiert er den Betrachter in drastischer Weise mit ebenso politischen wie radikalen, vor allem explizit homoerotischen Akt-Darstellungen jenseits gesellschaftlicher Normen. Daneben stehen Bilder wie Goldener Mann schlägt Schlampe (1980) von Albert Oehlen oder die mystisch anmutenden Arbeiten Christa Nähers, in denen sich Zwitterwesen aus Tier und Mensch begegnen. Die Rolle der Geschlechter in der Paarbeziehung auf der einen und die freizügige Darstellung erotischer Fantasien fernab bürgerlicher Moralvorstellungen auf der anderen Seite werden zum Thema. Die Intensität und Rohheit der Subkultur überträgt beispielsweise Middendorf mit heftigem Pinselstrich in seine Werkreihe Großstadteingeborene und überführt damit in ganz anderer Weise seine Umgebung ins Bild.
Während der Körperdiskurs im Erdgeschoss durchaus schon politische Aspekte berührt, beginnt der zweite Teil der Präsentation im ersten Stock mit einer Reihe von offensichtlich politisch motivierten Werken. Neben Ikonen wie beispielsweise Albert Oehlens Führerhauptquartier (1982) sind hier auch Fettings Erstes Mauerbild (1977), Salomés Blutsturz (1979) oder Hans Peter Adamskis Bildnis MAO (1983) zu sehen. Es sind Gemälde wie Dokoupils Stern in Not (1982), die politische Symbole einerseits aufgreifen, nur um ihre Sinnzusammenhänge umgehend aufzuheben. So etwa auch bei Kippenbergers zentralem Werk Ich kann beim besten Willen kein Hakenkreuz entdecken (1984). Das zugleich sichtbare wie unsichtbare Hakenkreuz unterminiert, hinterfragt und ironisiert das politische Symbol gleichermaßen. Der Betrachter des Gemäldes erhält durch den Titel einen Hinweis auf seinen Gegenstand, der im Bild nie wirklich aufgelöst wird. Kippenberger arrangiert abstrakte geometrische Formen, sodass sie in ihrer Zusammensetzung zu ideologisch aufgeladenen Symbolen werden könnten ohne es je wirklich zu werden. Die in dieser Sektion der Schau ausgestellten Werke verdeutlichen, dass das Politische der Bilder nur eine Meta-Ebene ist, eines unter anderen thematischen Versatzstücken, die beständig changieren und neue Sinnzusammenhänge herstellen.
Die Bilder der Hamburger Szene um Werner Büttner, Georg Herold, Martin Kippenberger sowie Albert und Markus Oehlen schließen im folgenden Raum an den politischen Diskurs an. Die Gruppe ist weniger geografisch zu fassen und teilt als gemeinsamen Fokus vor allem die Nähe zu Sigmar Polkes Akademie-Klasse in Hamburg und der Galerie von Max Hetzler. Anders als die „Moritzboys“ fanden die Künstler hier nicht primär als Ausstellungsgemeinschaft, sondern als Bündnis von Freunden zusammen. Kippenberger, Albert Oehlen und Büttner trafen erstmals 1977 in Hamburg aufeinander. Georg Herold kam im selben Jahr von München nach Hamburg, Ina Barfuss und Thomas Wachweger, die mit Martin Kippenberger bereits seit Anfang der 1970er-Jahre befreundet waren, verließen die Hansestadt mit Kippenberger 1978 Richtung Berlin. Während die Berliner um Fetting oder Middendorf einen bewusst direkten, unverstellten Zugang zur Malerei pflegten, ist der Ansatz der Künstler um Oehlen und Kippenberger ein eher gebrochener, der Bild, Sujet und Inhalt der Malerei beständig infrage stellt. Ihre Arbeiten bewegen sich zwischen Malerei und Text, zwischen Pathos, Klischee und Banalität. Auch gesellschaftliche oder politische Sujets werden stets mit ironisch-sarkastischem Unterton behandelt. Bereits 1979 zeigten die Künstlerinnen und Künstler ihre Arbeiten auch in Berlin, in der von Kippenberger organisierten Ausstellung „Elend“, die in „Kippenbergers Büro“ stattfand. Wie der Künstler betonte, ging es vor allem darum, „was zusammen zu machen“, und nicht isoliert voneinander zu arbeiten. Dieser Ansatz des Gemeinschaftlichen, den Kippenberger nicht nur in den organisierten Gruppenausstellungen, sondern auch mit anderen Aktionen in seinem „Büro“ oder in dem von ihm ab 1978 geleiteten Club SO36 verfolgte, und in der großen Gruppenausstellung „Rundschau Deutschland I“ in München 1981 einen Höhepunkt erfuhr, findet sich in der Ausstellung im dritten Raum des ersten Obergeschosses mit den sogenannten Satelliten oder Einzelgängern wieder. Hier sind Werke von Ina Barfuss und Thomas Wachweger zu sehen, von Bettina Semmer, Volker Tannert, Andreas Schulze und der Gruppe Normal, zu der Peter Angermann, Jan Knap und Milan Kunc gehörten.
Es schließt sich der dritte geografische Raum an: Die „Mülheimer Freiheit“. Hans Peter Adamski, Peter Bömmels, Walter Dahn, Jiří Georg Dokoupil, Gerard Kever und Gerhard Naschberger arbeiteten ab 1980 in einem Gemeinschaftsatelier in der Straße in Köln-Deutz, nach der sie ihre Gruppe benannten. Dahn hielt die Entstehung dieses Zusammenschlusses in seinem Werk Die Geburt der Mülheimer Freiheit (1981) auf Leinwand fest. Keiner der sechs akademisch ausgebildeten Künstler verfügte über eine klassische Malerausbildung. Der Kunstbetrieb sowie die Banalitäten des Alltags waren Themen, die sie diskutierten und künstlerisch bearbeiteten. Die „Mülheimer Freiheit“ pflegte einen gezielt ästhetisierten Dilettantismus, der sich in klischeehaften, kitschigen und banalen, immer aber auch malerisch faszinierenden Arbeiten zeigte. Diese Direktheit und Hemmungslosigkeit kam etwa in Gemeinschaftsarbeiten von Dahn und Dokoupil, wie Ohne Titel (Kotzer II) (1980) zum Ausdruck. Die Arbeiten der „Mülheimer Freiheit“ vergegenwärtigen auf besonders anschauliche Weise den Stilpluralismus, der die neue Kunst um 1980 insgesamt prägte.
Diese faszinierende Vielfältigkeit wird nicht nur im Vergleich der Gruppierungen und Künstler untereinander, sondern gerade auch im Werk der einzelnen Künstler sichtbar. Es ist dieselbe Offenheit, diese inhaltliche wie malerische Heterogenität, die auch ihre Bilder auszeichnet. Was aber all die Künstlerinnen und Künstler jenseits der Vielfalt verbindet, ist ihr Vermögen, selbst größte ästhetische wie inhaltliche Gegensätze zu überaus schlüssigen und stimmigen Bildern zu fügen. Ihre Malereien lassen sich dann und immer wieder von Neuem lesen als poetische Bild-Metaphern, deren Sinn und Bedeutung nie abschließend bestimmt werden kann und will.
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog (herausgegeben von Martin Engler) im Hatje Cantz Verlag mit einem Vorwort von Max Hollein und Texten von Zdenek Felix, Walter Grasskamp, Martin Engler und Franziska Leuthäußer sowie einem Podiumsgespräch mit Walter Grasskamp, Max Hetzler und Ingrid Raab.
Künstlerliste: Hans Peter Adamski, Peter Angermann, Elvira Bach, Ina Barfuss, Peter Bömmels, Werner Büttner, Luciano Castelli, Walter Dahn, Jiří Georg Dokoupil, Rainer Fetting, G. L. Gabriel, Georg Herold, Gerard Kever, Jan Knap, Milan Kunc, Martin Kippenberger, Helmut Middendorf, Christa Näher, Gerhard Naschberger, Albert Oehlen, Markus Oehlen, Salomé, Andreas Schulze, Bettina Semmer, Volker Tannert, Thomas Wachweger und Bernd Zimmer.
Das Digitorial zur Ausstellung
Mit dem eigens für die Ausstellung entwickelten Digitorial bietet das Städel ein zusätzliches digitales Vermittlungsformat. Auf einer responsiven Website werden wissenswerte Hintergründe, kunst- und kulturhistorische Kontexte sowie wesentliche Ausstellungsinhalte aufbereitet. Das kostenlose, von der Aventis Foundation geförderte digitale Angebot in deutscher und englischer Sprache ermöglicht es dem Publikum, sich bereits vor dem Museumsbesuch auf die Themen der Ausstellung einzustimmen. Die multimediale Verschränkung von Bild, Ton, Film und Text schafft eine facettenreiche Vernetzung der Inhalte und eröffnet völlig neue Wege der Darstellung, Erzählung und Vermittlung von Kunst. Das Digitorial ist unter 80er.staedelmuseum.de abrufbar.
DIE 80ER. FIGURATIVE MALEREI IN DER BRD
Kuratoren: Dr. Martin Engler, Sammlungsleiter Gegenwartskunst; Franziska Leuthäußer, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Abteilung Gegenwartskunst
Ausstellungsdauer: 22. Juli bis 18. Oktober 2015
Pressevorbesichtigung: Dienstag, 21. Juli 2015, 11.00 Uhr
Information: www.staedelmuseum.de, info@staedelmuseum.de,
Telefon +49(0)69-605098-0, Fax +49(0)69-605098-111
Besucherdienst: +49(0)69-605098-232, besucherdienst@staedelmuseum.de
Ort: Städel Museum, Schaumainkai 63, 60596 Frankfurt am Main
Öffnungszeiten: Di, Mi, Sa, So + Feiertage 10.00–18.00 Uhr, Do + Fr 10.00–21.00 Uhr
Sonderöffnungszeiten: Sa, 3.10. 2015: 10.00–18.00 Uhr
Eintritt: 14 Euro, ermäßigt 12 Euro, Familienkarte 24 Euro; freier Eintritt für Kinder unter 12 Jahren; Gruppen ab 10 Personen: ermäßigter Eintrittspreis pro Person. Für Gruppen ist vorab eine Anmeldung unter +49(0)69-605098-200 oder info@staedelmuseum.de erforderlich.
Kartenvorverkauf unter: tickets.staedelmuseum.de
Katalog: Zur Ausstellung erscheint im Hatje Cantz Verlag ein umfassender, von Martin Engler herausgegebener Katalog. Mit einem Vorwort von Max Hollein und Texten u. a. von Martin Engler, Zdenek Felix, Walter Grasskamp und Franziska Leuthäußer sowie einem Podiumsgespräch mit Walter Grasskamp, Max Hetzler und Ingrid Raab. Deutsche Ausgabe, 264 Seiten, 276 Abbildungen, 34,90 Euro (Museumsausgabe).
Digitorial: Das Digitorial wird ermöglicht durch die Aventis Foundation. Design und Programmierung: Scholz & Volkmer. Es ist abrufbar unter 80er.staedelmuseum.de.
Social Media: Das Städel Museum kommuniziert die Ausstellung in den sozialen Medien mit den Hashtags #80er und #staedel.
Überblicksführungen durch die Ausstellung: Di, 17.00 Uhr, So, 11.00 Uhr. Tickets: 4 Euro zzgl. des Eintrittspreises, erhältlich ab zwei Stunden vor Führungsbeginn (So ab 10.00 Uhr) an der Städel Kasse.
Nachmittagsspecial: Eintritt + Führung durch die Sonderausstellung (nur online erhältlich), Sa, 15.00 Uhr, 16 Euro, tickets.staedelmuseum.de.
Abendspecial: Eintritt + Führung durch die Sonderausstellung (nur online erhältlich), Do, 19.00 Uhr, 16 Euro, tickets.staedelmuseum.de.
Gefördert durch: Deutsche Bank AG
Medienpartner: Cicero – Magazin für politische Kultur, Verkehrsgesellschaft Frankfurt am Main
Kulturpartner: hr2-kultur
Wandtexte zur 80er-Ausstellung
Das Ausstellungsereignis „Monet und die Geburt des Impressionismus“ biegt auf die Zielgerade ein und schon jetzt haben über 350.000 Besucher die Sonderausstellung im Städel Museum gesehen. Bis zum Ende der Ausstellung am 28. Juni 2015 rechnet das Frankfurter Museum mit insgesamt rund 400.000 Besuchern. Damit wäre „Monet und die Geburt des Impressionismus“ die erfolgreichste Schau in der 200-jährigen Geschichte des Hauses. Die bislang besucherstärkste Ausstellung des Städel war Botticelli (2009/2010, 367.033 Besucher), gefolgt von Dürer (2013/2014, 258.577 Besucher).
Für die Verabschiedung „Au revoir Monet“ am letzten Wochenende der Ausstellungslaufzeit hat sich das Städel noch einmal etwas Besonderes vorgenommen: Am 26. und 27. Juni wird das Haus von 10.00 bis 24.00 Uhr geöffnet. An beiden Abenden gibt es ab 20.00 Uhr regelmäßige Kurzführungen in der Ausstellung, Ballett-Tänzerinnen sowie eine Bar und ein elektronisch-französisches DJ-Set im Vorgarten des Museums.
„Monet bricht nicht nur alle Rekorde, sondern macht im Jubiläumsjahr des Städel wieder einmal die ungebrochene Relevanz und Anziehungskraft des Museums deutlich. Der große Zuspruch von allen Seiten – vom Wissenschaftler über den Kulturtouristen bis hin zur Schulklasse – zeigt uns, dass unser Vermittlungsmodell voll aufgegangen ist und wir unsere Begeisterung für eine der spannendsten Epochen der Kunstgeschichte weitergeben konnten“, betont Städel-Direktor Max Hollein.
Das Städel Museum empfiehlt insbesondere von den verlängerten Abendöffnungszeiten Gebrauch zu machen und gerade auch die Zeit ab 16.00 Uhr für einen Besuch der Sonderausstellung zu nutzen. Die Ausstellung endet am 28. Juni.
Dem Städel Museum ist es mit „Monet und die Geburt des Impressionismus“ gelungen, sowohl Expertenkreise als auch das breite Publikum anzusprechen. Die zahlreichen Publikationen, Rahmenprogrammpunkte sowie Vermittlungs- und Kommunikationsmaßnahmen, die für unterschiedliche Zielgruppen entwickelt und angeboten wurden, erfreuen sich sehr großer Beliebtheit. Im Verlauf der 15-wöchigen Ausstellungsdauer wurden insgesamt 3.489 Führungen abgehalten, darunter 1.931 Sonderführungen für Gruppen und 514 für Schulklassen. Allein an den beiden von der Commerzbank-Stiftung geförderten Schülertagen haben insgesamt 1.925 Schüler gemeinsam mit ihren Lehrern die Ausstellung besucht.
Die Jubiläumsausstellung im Rahmen von „200 Jahre Städel“ wurde von einem breitgefächerten Medienecho begleitet. Sowohl in der regionalen als auch überregionalen Presse und in internationalen Medien stieß „Monet und die Geburt des Impressionismus“ auf außerordentlich große und überaus positive Resonanz. Rekorde verzeichnet das Museum auch im Netz. Die Städel App wurde bereits über 25.000 Mal heruntergeladen, das Monet-Digitorial (http://monet.staedelmuseum.de), mit dem das Städel erstmals einen multimedialen Online-Vorbereitungskurs für eine eigene Ausstellung anbietet, startete erfolgreich mit bislang über 250.000 Seitenaufrufen und einer Nominierung für den Grimme Online Award 2015. Auch die Auftritte des Museums in den sozialen Netzwerken erfahren seit Beginn der Ausstellung enormen Zuspruch, was sich unter anderem in den beständig steigenden Nutzerzahlen und Reichweiten spiegelt. Für internationale Aufmerksamkeit sorgt zurzeit zum Beispiel eine vom Städel initiierte Instagram-Aktion, die noch bis zum Ende der Ausstellung Monet-Fans weltweit dazu auffordert, ihre ganz persönliche – von Monet inspirierte – Impression festzuhalten und in der Foto-Sharing-App zu teilen. Mehr als 300 Fotos mit dem Aktions-Hashtag #MonetMoment wurden bereits auf Instagram gepostet.
Monet und die Geburt des Impressionismus
Kurator: Dr. Felix Krämer, Sammlungsleiter der Abteilung Kunst der Moderne
Projektleitung: Dr. Nerina Santorius, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Abteilung Kunst der Moderne
Ausstellungsdauer: 11. März bis 28. Juni 2015
Information: www.staedelmuseum.de, info@staedelmuseum.de, Telefon +49(0)69-605098-0, Fax +49(0)69-605098-111
Besucherdienst: +49(0)69-605098-232, besucherdienst@staedelmuseum.de
Ort: Städel Museum, Schaumainkai 63, 60596 Frankfurt am Main
Öffnungszeiten: Tägliche Öffnung 10.00–21.00 Uhr; 26. und 27. Juni 2015 10.00–24.00 Uhr
Eintritt: 14 Euro, ermäßigt 12 Euro, Familienkarte 24 Euro; freier Eintritt für Kinder bis zu 12 Jahren; Gruppen ab 10 Personen: ermäßigter Eintrittspreis pro Person. Für Gruppen ist vorab eine Anmeldung unter +49(0)69-605098-200 oder info@staedelmuseum.de erforderlich.
Kartenvorverkauf unter: tickets.staedelmuseum.de
Katalog: Zur Ausstellung erscheint im Prestel Verlag ein umfassender, von Felix Krämer herausgegebener Katalog. Mit einem Vorwort von Max Hollein und Texten von Christoph Asendorf, Eva Bader, Marlene Bielefeld, Hollis Clayson, André Dombrowski, Chantal Eschenfelder, Dorothee Hansen, Felicity Korn, Felix Krämer, Svenja Mordhorst, Ingrid Pfeiffer, Isolde Pludermacher, Nele Putz, Nerina Santorius, Beate Söntgen und Maria Zinser. Deutsche und englische Ausgabe, ca. 300 Seiten, 39,90 Euro (Museumsausgabe).
Begleitheft: Zur Ausstellung erscheint ein Begleitheft in deutscher und englischer Sprache, 7,50 Euro.
Digitorial: Das kostenlos erhältliche Digitorial wird ermöglicht durch die Aventis Foundation. Es ist abrufbar unter monet.staedelmuseum.de. Design und Programmierung: Scholz & Volkmer.
Audiotour: Die Audiotour wird unterstützt von der Georg und Franziska Speyer’sche Hochschulstiftung. Die Audiotour führt in deutscher und englischer Sprache durch die Ausstellung. Gesprochen wird sie von Schauspielerin Diane Kruger. Der Preis für einen Audioguide beträgt 4 Euro, der Preis für zwei Audioguides 7 Euro.
Städel App: Die Städel App wird gefördert von der FAZIT-STIFTUNG. Die App ist für Android- und iOS-Smartphones in den aktuellen Versionen optimiert und bietet den Audioguide zur Ausstellung zum Download auf das eigene Smartphone für 2,99 Euro an. Download unter www.staedelmuseum.de/de/angebote/staedel-app
Social Media: Das Städel Museum kommuniziert die Ausstellung in den sozialen Medien mit den Hashtags #monet und #staedel.
Gefördert durch: Commerzbank-Stiftung
Medienpartner: Alnatura, Süddeutsche Zeitung, Verkehrsgesellschaft Frankfurt am Main. Mobilitätspartner: Deutsche Bahn AG
Kulturpartner: hr2-kultur
Die Kampagne zur Ausstellung am Flughafen Frankfurt wird unterstützt durch die Fraport AG und die Media Frankfurt.
Veranstaltungsprogramm Juli 2015
Monet exklusiv für Kinder und Jugendliche
Im Jubiläumsjahr „200 Jahre Städel“ zeigt das Frankfurter Städel Museum vom 10. Juni bis 6. September 2015 druckgrafische Arbeiten des englischen Malers, Kupferstechers und Radierers William Hogarth (1697–1764). Insgesamt 70 Werke, darunter die berühmten druckgrafischen Folgen A Harlot’s Progress (Der Weg einer Dirne, 1732), A Rake’s Progress (Der Weg eines Liederlichen, 1735) und Marriage à la Mode (Die Heirat nach der Mode, 1745), sind in der Ausstellungshalle der Graphischen Sammlung zu sehen. In diesen Bildromanen aus dem Sammlungsbestand des Städel thematisierte Hogarth die Moden, Laster und Kehrseiten des modernen Lebens in der Weltmetropole London. Er verstand seine Kunstwerke als gedrucktes Theater seiner Zeit und legte mit ihnen unter anderem den Grundstein für die gesellschaftskritische Karikatur in England. Die besondere Qualität der Arbeiten liegt in der scharfsinnigen Beobachtungsgabe und dem beißenden Witz des Künstlers, der seine Epoche so sehr prägte, dass sie bis heute auch als „Hogarth’s England“ bezeichnet wird. Die zu Lebzeiten von Johann Friedrich Städel entstandenen Kupferstiche gehören zum alten Bestand der Städelschen Sammlung und spiegeln den kritischen Geist wider, der der Institution seit ihrer Gründung eigen ist.
Die Ausstellung wird durch die Hessische Kulturstiftung gefördert.
William Hogarth wurde 1697 in London geboren. Sein Vater Richard eröffnete entsprechend einer Mode des frühen 18. Jahrhunderts ein Kaffeehaus, in dem nur Latein gesprochen werden sollte. Das Unternehmen scheiterte und Richard Hogarth musste wegen seiner Schulden für fünf Jahre in das berüchtigte Londoner Fleet-Gefängnis. Frau und Kinder mussten ihn, wie damals üblich, begleiten. Nach der Entlassung des Vaters begann William Hogarth 1713 eine Lehre als Silbergraveur, die ihm auch die Grundlagen für die komplexen Techniken des Tiefdrucks – Kupferstich und Radierung – vermittelte. Nach siebenjähriger Ausbildung machte er sich als Kupferstecher mit einem eigenen Geschäft selbstständig und trat der privat geführten Mal- und Zeichenschule „St Martin’s Lane Academy“ in London bei, um sich als Maler auszubilden. So wurde er 1724 auch Mitglied der Kunstakademie des königlichen Hofmalers James Thornhill (1675–1734), dessen Tochter Jane er 1729 heiratete. Den Durchbruch bei einem größeren Publikum erreichte Hogarth jedoch nicht mit seiner Malerei, sondern mit den nach den Gemälden entstandenen Druckgrafiken. Mit der Folge A Harlot’s Progress begründete er zu Beginn der 1730er Jahre ein neues Genre, welches er später selbst als modern moral subjects bezeichnete (was im Deutschen häufig mit „moderne Lebensbilder“ übersetzt worden ist). Seine modern moral subjects verstand Hogarth als zeitgenössische, moralisch-didaktische Historienbilder. Er wandte sich damit gegen die Hierarchisierung der bildenden Kunst in der Akademielehre, die der klassischen Historienmalerei den höchsten Rang zugestand. Mit seinen druckgrafischen Werken gelang es dem Künstler, ein neues, zeitgemäßes Genre zu schaffen, das auf der aufmerksamen Beobachtung der Wirklichkeit beruht. 1755 wurde Hogarth in die „Royal Society of Arts“ gewählt, aus der er jedoch aufgrund von künstlerischen und persönlichen Unstimmigkeiten bereits zwei Jahre später wieder austrat. Die Ernennung zum königlichen Hofmaler folgte 1757, zog allerdings keine Aufträge nach sich. Die letzten Lebensjahre waren durch erbitterte Querelen zwischen dem Künstler und seinen Kritikern gekennzeichnet. Nach einem Schlaganfall 1763 war William Hogarth stark eingeschränkt und starb im darauffolgenden Jahr in seinem Londoner Haus in Leicester Fields.
Im Zentrum der Präsentation in der Ausstellungshalle der Graphischen Sammlung stehen jene Druckfolgen William Hogarths, die ihn international bekannt gemacht haben: A Harlot’s Progress, A Rake’s Progress und Marriage à la Mode. Dass es seine Arbeiten auf Papier waren, die ihm einen Platz in der Kunstgeschichte sicherten, hat einen einfachen Grund: die besseren Verbreitungsmöglichkeiten von Druckgrafiken gegenüber Gemälden. Auf diesem Weg erreichte der Künstler das aufgeklärte und gebildete Publikum seiner Zeit in großer Zahl. Bereits die erste Auflage von A Harlot’s Progress (1732) umfasste 1240 verkaufte Exemplare. In dieser Bildfolge schildert Hogarth in sechs Episoden den Aufstieg und Niedergang einer jungen Frau, die vom Land in die Stadt kommt, um Arbeit zu finden. Um zu Geld zu gelangen, arbeitet sie schließlich als Prostituierte und landet dafür im Gefängnis. Die letzte Szene zeigt das unwürdige Begräbnis der bereits im Alter von 23 Jahren verstorbenen Protagonistin, für deren Schicksal dem Künstler zahlreiche reale und literarische Vorbilder vor Augen standen. Angetrieben von seinem großen Interesse an der sozialen Charakterisierung seiner Zeit, richtete sich Hogarths kritischer, ironischer Blick auf alle Gesellschaftsschichten, vom höchsten Adel bis in die elendsten Verhältnisse. Hungernde Kinder, Kranke und Notleidende bildeten die Kehrseite des wirtschaftlichen Aufschwungs der Kolonial- und Handelsmetropole und seiner zahlreichen Profiteure.
In seiner zweiten, acht Blätter umfassenden Folge A Rake’s Progress (1735) erzählt Hogarth vom sozialen Abstieg des jungen Tom Rakewell, der durch Unvernunft sein Erbe verprasst und erst im Schuldgefängnis, dann im Irrenhaus landet. Rakewells Inhaftierung aufgrund seiner Verschuldung erinnert an die eigene Geschichte des Künstlers. Ganz im Gegensatz zu seinem Vater war William Hogarth jedoch ein ausgezeichneter Unternehmer, der das zu seiner Zeit florierende Londoner Zeitungswesen und dessen öffentliche Wirkung gezielt für sich zu nutzen wusste. In Zeitungen wie der London Daily Post, dem General Advertiser oder dem London Journal veröffentlichte er Ankündigungen seiner Druckgrafiken und schrieb die Werke zur Subskription aus.
Den Titel seiner dritten großen Folge, veröffentlicht 1745, entlehnte Hogarth einer Komödie von John Dryden (1631–1700). Marriage à la Mode behandelt eine von zwei Vätern vereinbarte Ehe, in der die Partner keinerlei Interesse füreinander hegen, sich mit ihren Liebhabern vergnügen und die letztlich ein dramatisches Ende nimmt. Hogarths Protagonisten heucheln Unschuld und betrügen doch, sie geben sich ihren Leidenschaften hin und scheitern an ihren falschen Idealen. Unter Rückgriff auf reale Schicksale und Einbeziehung bekannter Personen und erkennbarer Orte warnt er in seinen Bildromanen vor den Gefahren des modernen Lebens, die auch heute durchaus noch Aktualität besitzen. 1751 unterstützte Hogarth mit den bekannten Grafiken Beer Street und Gin Lane eine öffentliche Kampagne gegen den übermäßigen Konsum von Gin. In Beer Street präsentiert er den Genuss von Bier als gesund und wohltuend gegenüber der zerstörerischen Wirkung von Gin.
Ab der Mitte des Jahrhunderts widmete sich Hogarth neben gesellschaftskritischen Inhalten zunehmend auch national und politisch ausgerichteten Themen. Sie bilden einen weiteren Schwerpunkt der Ausstellung. Mehrfach thematisierte der Künstler das Verhältnis zwischen den im Krieg befindlichen Staaten Frankreich und England: The Gate of Calais (1748) ist seine Antwort auf eine Festnahme wegen Spionageverdachts bei einer seiner Frankreichreisen. 1756 karikierte er in The Invasion die Franzosen erneut als hagere, groteske Gestalten, die nach dem schmackhaften Bier und dem üppigen Roastbeef der Engländer trachten. Knapp 15 Jahre später setzte sich Hogarth in der Grafik The Times, Plate 1 (1762) mit einem eindringlichen Appell für die Beendigung des Siebenjährigen Krieges ein.
Eigene kunsttheoretische Überlegungen veröffentlichte Hogarth 1753 in dem Buch The Analysis of Beauty (Die Analyse der Schönheit). Darin beschäftigte er sich mit den Grundlagen des bildkünstlerischen Schaffens und insbesondere mit der Frage, wie Schönheit und Anmut zu erreichen seien. Das Studium der Natur galt Hogarth als Schlüssel zur Schönheit. Er forderte seine Leser dazu auf, die Objekte der Natur mit eigenen Augen wahrzunehmen und sie nach den Kriterien der Vernunft zu beurteilen. Der deutsche Schriftsteller Christlob Mylius (1722–1754) war zum Zeitpunkt der Veröffentlichung in London und übersetzte den Text bereits 1754 ins Deutsche. Ein Exemplar dieser Übersetzung befand sich in der Bibliothek Johann Friedrich Städels und wird in der Ausstellung zu sehen sein.
Zur Ausstellung „Laster des Lebens. Druckgrafik von William Hogarth“ erscheint ein Katalog. Die Ausstellung wird nach ihrer Präsentation im Städel Museum im Schloss Neuhardenberg zu sehen sein.
Laster des Lebens. Druckgrafik von William Hogarth
Kuratorin: Annett Gerlach (Städel Museum)
Ausstellungsdauer: 10. Juni bis 6. September 2015
Pressevorbesichtigung: Dienstag, 9. Juni 2015, 11.00 Uhr
Ort: Städel Museum, Schaumainkai 63, 60596 Frankfurt
Information: www.staedelmuseum.de, info@staedelmuseum.de,
Telefon +49(0)69-605098-0, Fax +49(0)69-605098-111
Besucherdienst: +49(0)69-605098-232, besucherdienst@staedelmuseum.de
Überblicksführungen durch die Ausstellung: Fr, 19.00 Uhr, So, 15.00 Uhr (die Teilnahme ist im Eintrittspreis enthalten)
Sonderführungen auf Anfrage unter: +49(0)69-605098-200, info@staedelmuseum.de
Weitere Programmangebote unter: www.staedelmuseum.de
Katalog: Zur Ausstellung erscheint ein von Annett Gerlach verfasster Katalog, herausgegeben vom Städel Museum, deutsch, ca. 50 Seiten, 9,90 Euro.
Öffnungszeiten Städel Museum: Di, Mi, Sa, So + Feiertage 10.00–19.00 Uhr,
Do + Fr 10.00–21.00 Uhr
Sonderöffnungszeiten: 24.5., 25.5. sowie 4.6. 10.00–19.00 Uhr
Von Dienstag, 9.6., bis Sonntag, 28.6.: tägliche Öffnung 10.00–21.00 Uhr, auch montags
Eintritt: 14 Euro, ermäßigt 12 Euro, Familienkarte 24 Euro; freier Eintritt für Kinder bis zu 12 Jahren;
Gruppen ab 10 Personen: ermäßigter Eintrittspreis pro Person. Für Gruppen ist eine Anmeldung unter +49(0)69-605098-200 oder info@staedelmuseum.de erforderlich.
Kartenvorverkauf unter: tickets.staedelmuseum.de
Öffnungszeiten Studiensaal der Graphischen Sammlung:
Mi, Fr 14.00–17.00 Uhr, Do 14.00–19.00 Uhr
Gefördert durch: Hessische Kulturstiftung
Veranstaltungsprogramm Juni 2015
Sieben Wochen nach dem Start haben bereits über 160.000 Besucher "Monet und die Geburt des Impressionismus" gesehen
Das Städel reagiert auf den großen Zuspruch ab 9. Juni mit erweiterten Öffnungszeiten täglich von 10.00 bis 21.00 Uhr, Öffnung auch an Montagen, neuen Vermittlungsangeboten und einer Verlängerung der Ausstellungslaufzeit bis 28. Juni 2015
Anlässlich des 200. Städel-Jubiläums hat ein Filmteam des Hessischen Rundfunks für ARTE über Monate hinweg im Städel gedreht – in den Galerien des Museums, den Depots, der Jubiläumsausstellung „Monet und die Geburt des Impressionismus“ sowie in den Restaurierungswerkstätten. Der daraus entstandene Film von Natascha Pflaumbaum wird erstmalig im Fernsehen auf ARTE am Sonntag, den 19. April 2015, um 17.35 Uhr ausgestrahlt sowie im HR-Fernsehen am Dienstag, den 21. April 2015, um 21.00 Uhr.
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