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Das Städel Museum richtet am 13. und 14. November 2015 ein international besetztes Kolloquium aus. Unter dem Titel „Aus der Nähe betrachtet. Bilder am Hochaltar und ihre Funktionen im Mittelalter“ sprechen 17 Gastredner auf der wissenschaftlichen Fachtagung. Ausgangspunkt des Kolloquiums ist das wandelbare Retabel aus der Kirche des Prämonstratenserinnenklosters in Altenberg an der Lahn. Seit ca. 1330 schmückte es als Ausstattungskernstück den Hauptaltar der zwischen 1260 und 1270 errichteten Kirche. Die Flügel des Altarretabels gingen bereits 1925 in die Städelsche Sammlung über und gehören seitdem zum herausragenden Bestand der frühen deutschen Malerei des Museums. 2014 gelangte der dem Retabel zugehörige, ursprüngliche Altarschrein aus Schloss Braunfels als Leihgabe ins Städel. Seitdem wird er dort wissenschaftlich analysiert. Das Altenberger Altarretabel ist aktuell bereits eines der Exponate der groß angelegten Sonderausstellung „Dialog der Meisterwerke. Hoher Besuch zum Jubiläum“. Anlässlich dieser Zusammenführung und anknüpfend an die jüngsten Forschungen von Stefanie Seeberg zum Ensemble der Altenberger Hochaltarausstattung sowie der jüngsten Entdeckung einer ursprünglichen Seiten- und Rückwandbemalung des Schreinkastens widmet das Städel Museum sein diesjähriges Passavant-Kolloquium dem mittelalterlichen Hochaltarbild.
Die Veranstaltung findet im Metzler-Saal des Städel Museums statt. Der Teilnehmerbeitrag ist im Eintrittspreis des Museums enthalten. Um Anmeldung unter +49(0)69-605098-200 oder info@staedelmuseum.de wird gebeten.
Das Passavant-Kolloquium wird ermöglicht durch die großzügige finanzielle Unterstützung eines privaten Förderers. Die Reihe der wissenschaftlichen Johann David Passavant-Kolloquien wie die Verleihung des Johann David Passavant-Preises an herausragende kunsthistorische Forschung finden seit 1996 in regelmäßigen Abständen am Städel Museum und der Liebieghaus Skulpturensammlung statt.
Der Fokus der diesjährigen Fachtagung liegt auf Bildern und Inschriften am Hochaltar. Diese waren, wie neue Funde am Altenberger Retabel nahelegen, offensichtlich dafür konzipiert, bei näherem Herantreten oder Umschreiten des Altares gesehen zu werden. Das Kolloquium widmet sich daher Fragen zur Zugänglichkeit des Chor- und Altarbereichs sowie zur zeitgenössischen, Gattungsgrenzen überschreitenden Rezeption, insbesondere bemalter Retabelrückseiten. Die Erkenntnisse des Passavant-Kolloquiums werden im Rahmen der Ausstellung „Schaufenster des Himmels. Der Altenberger Altar und seine Bildausstattung“, die vom 15. Juni bis zum 25. September 2016 im Städel Museum zu sehen sein wird, aufgegriffen und vertieft werden.
PROGRAMM FÜR FREITAG, 13. NOVEMBER 2015
9.45 Uhr: Begrüßung und Einführung durch Jochen Sander und Stefanie Seeberg
Das Altenberger Altarretabel (I)
10.00 Uhr: Stefanie Seeberg (Köln): Der Altenberger Hochaltar um 1330: Seine Ausstattung im medialen und funktionalen Kontext
10.45 Uhr: Christiane Weber (Frankfurt/Wiesbaden): Ergebnisse der gemäldetechnologischen Untersuchung des Altenberger Altars
11.30 Uhr: Jochen Sander (Frankfurt): Zur nachmittelalterlichen Nutzung des Altenberger Altarretabels
12.30–14.30 Uhr: Mittagspause
Das Altenberger Altarretabel (II)
14.30 Uhr: Angela Kappeler-Meyer (Marburg): Die Außenseiten der Altenberger Altarretabelflügel
15.15 Uhr: Fabian Wolf (Frankfurt): Aus der Nähe betrachtet. Ergänzende Überlegungen zum Bildprogramm des Altenberger Retabels aus kunsthistorischer und frömmigkeitsgeschichtlicher Sicht
16.00–16.30 Uhr: Pause
Die Zugänglichkeit des Chor- bzw. Altarbereichs und die Nutzungsmöglichkeiten von Retabelrückseiten
16.30 Uhr: Christian N. Opitz (London/Wien): „...warum in der gothischen Zeit auch die Rückseiten der Altäre mit Bildern geschmückt worden seyen...“ – Neue Antworten auf eine alte Frage
17.15 Uhr: Stephan Kemperdick (Berlin): Außerliturgische Wandlungen. Die Zugänglichkeit von Retabeln außerhalb des Gottesdienstes
18.00 Uhr: Johannes Tripps (Leipzig): Flügel in Retabelrückseiten. Eine Bestandsaufnahme und sich erhebende Fragen
Öffentlicher Abendvortrag
19.30 Uhr: Thomas Lentes (Münster): Liturgie und Bild im Mittelalter
PROGRAMM FÜR SAMSTAG, 14. NOVEMBER 2015
Fallbeispiele (I)
09.00 Uhr: Xenia Stolzenburg (Marburg): In, um und auf dem Hochaltar der Elisabethkirche in Marburg
09.45 Uhr: Gerhard Weilandt (Greifswald): Das Hochaltarretabel im Kontext der Chorausstattung des Doberaner Münsters
10.30–10.45 Uhr: Pause
10.45 Uhr: Peter Knüvener (Hannover): Hochkunst im Neusiedelland. Überlegungen zur Altarausstattung um 1300 im Brandenburger und im Havelberger Dom
11.30 Uhr: Susanne Wittekind (Köln): „Miserere mei deus“ – Überlegungen zur Umgestaltung des Klosterneuburger Ambos in ein Flügelretabel
12.30–14.00 Uhr: Mittagspause
Blick über den Tellerrand
14.00 Uhr: Jörg Widmaier (Tübingen): Das Gotländische Altarensemble. Der Hochaltar im Kontext seines Kirchenraumes
14.45 Uhr: Victor M. Schmidt (Utrecht): Polyptychon vs. Flügelretabel. Zur Herausbildung zweier Altartypen im 14. Jahrhundert
15.15–15.45 Uhr: Pause
Fallbeispiele (II)
15.45 Uhr: Matthias Weniger (München): Graffiti als Zeugen der Kirchenraumnutzung
16.30 Uhr: Iris Grötecke (Passau/Köln): Nahsicht und Fernwirkung: Schrift, Zeichen und Pseudo-Heraldik am Wildunger Retabel
17.15 Uhr: Abschlussdiskussion
PASSAVANT-KOLLOQUIUM: AUS DER NÄHE BETRACHTET. BILDER AM HOCHALTAR UND IHRE FUNKTIONEN IM MITTELALTER
Projektleitung: Prof. Dr. Jochen Sander, Sammlungsleiter Deutsche, Holländische und Flämische Malerei vor 1800 am Städel Museum
Termin: Freitag, 13. November 2015, ab 9.45 Uhr; Samstag, 14. November 2015, ab 9.00 Uhr
Eintritt: Der Teilnehmerbeitrag ist im Eintrittspreis des Museums enthalten.
Anmeldung: info@staedelmuseum.de oder 069-605098-200
Ort: Städel Museum, Schaumainkai 63, 60596 Frankfurt am Main
Information: www.staedelmuseum.de, info@staedelmuseum.de, Telefon +49(0)69-605098-0, Fax +49(0)69-605098-111
Die Veranstaltung wird ermöglicht durch einen privaten Förderer.
Veranstaltungsprogramm November 2015
Anlässlich seines 200-jährigen Jubiläums erhält das Frankfurter Städel Museum ein großzügiges Geschenk aus der renommierten DZ Bank Kunstsammlung für zeitgenössische Fotografie: Die Gemeinschaftsarbeit von Richard Prince (geb. 1949) und Cindy Sherman (geb. 1954) Untitled (Richard Prince and Cindy Sherman) (1980) aus der Serie Double Portrait bereichert ab sofort die Abteilung Gegenwartskunst im Städel. Die 1980 entstandene Fotoarbeit ist ein Portrait-Diptychon der beiden US-amerikanischen Künstler, die sich in gleicher Pose, mit gleichem Anzug und Perücke abgelichtet haben. Das Werk ist einer der frühesten künstlerischen Beiträge zur aufkommenden Genderdiskussion in den 1980er-Jahren und eine zentrale Arbeit im Oeuvre von Sherman, die sich konzeptuell mit wesentlichen Fragen zu Identität, Rollenbild oder Sexualität auseinandersetzt. Die Arbeit ergänzt im Städel das bereits bestehende Konvolut zeitgenössischer Fotografie aus der DZ Bank Kunstsammlung, welches 2008 im Rahmen der Erweiterung des Städel Museums ans Haus gekommen ist. Die aktuelle Übergabe markiert damit einen weiteren Höhepunkt in der langjährigen Partnerschaft zwischen dem Städel Museum und der DZ Bank.
Das zweiteilige Doppelportrait zeigt zwei androgyn wirkende Personen in fast identischer Aufmachung und Pose. Beide tragen einen schwarzen Anzug und Krawatte, markante Perücken und sind stark geschminkt. Sie halten die jeweils rechte Hand in Höhe des Mundes und imitieren eine klassische Denkerpose. Das Ergebnis der Kollaboration von Cindy Sherman und Richard Prince steht ganz im Zeichen einer introvertierten Androgynität (und heimlichen Zärtlichkeit). Beide sind die Autoren des jeweils anderen. Daher kann die Darstellung weniger als Paarbildnis als vielmehr als Allegorie des „cross-dressing“ und „gender-crossing“ gelesen werden, in der Geschlecht nichts anderes als Maskerade zu sein scheint.
Die 1954 in New Jersey, USA, geborene Cindy Sherman zählt zu den wichtigsten Künstlerinnen ihrer Generation. Das Museum of Modern Art (MoMA) zeigte 2012 eine groß angelegte Retrospektive zum Werk der in New York lebenden Sherman. Berühmt wurde sie mit ihren zwischen 1976 und 1980 entstandenen Film Stills, in denen Sherman sich selbst mit äußerster Präzision und großem Aufwand als 69 verschiedene, klischeehafte Frauentypen inszenierte und damit den männlichen Blick und die mediale Stereotypisierung des (keineswegs nur weiblichen) Menschenbildes in Hollywood-Produktionen thematisierte. In folgenden Werkreihen realisierte Sherman – vorzugsweise am eigenen Körper – eine Vielfalt von Arbeiten, in der die Frau als Projektionsfläche unterschiedlicher Fiktionen dient. Neben Untitled (Richard Prince and Cindy Sherman), Double Portrait (1980) besitzt das Städel zwei Film Stills von 1980, Ohne Titel #77 und Ohne Titel #78, die ebenfalls Teil der DZ Bank Kunstsammlung im Städel Museum sind.
DZ Bank und Städel
Das Frankfurter Städel Museum und die DZ Bank verbindet eine lange Partnerschaft, die immer wieder neue Wege in der Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Kultur beschritten hat. Im Vorfeld der baulichen Erweiterung erhielt das Städel Museum 2008 ein Konvolut von 220 Werken der zeitgenössischen Fotografie aus der DZ Bank Kunstsammlung. Die Zuwendung anlässlich des 125-jährigen Bestehens der Bank umfasste Werke und Werkkomplexe von 76 Fotokünstlerinnen und -künstlern, darunter Arbeiten von Richard Avedon, Olafur Eliasson, Gilbert & George, Nan Goldin, Andreas Gursky, Robert Mapplethorpe, Thomas Ruff, Cindy Sherman, Katharina Sieverding, Thomas Struth und Hiroshi Sugimoto und bildete die Grundlage für den neuen Sammlungsschwerpunkt „Fotografie“ im Städel Museum. Darüber hinaus steht die DZ Bank dem Städel Museum als Förderer zur Seite: sei es als Sponsor der ersten Fotografie-Ausstellung am Städel, „REAL“ (2008), oder zuletzt mit einer Förderung der Digitalen Erweiterung des Museums. Aktuell unterstützt die DZ Bank im Städel Museum die Sonderausstellung „Dialog der Meisterwerke. Hoher Besuch zum Jubiläum“ (7. Oktober 2015 bis 24. Januar 2016) als Corporate Sponsor.
Bildangaben
Richard Prince (1949) und Cindy Sherman (1954)
„Untitled (Richard Prince and Cindy Sherman)“, 1980
aus der Serie „Double Portrait"
Farbfotografie
2-teilig
je 50 x 80 cm
DZ Bank Kunstsammlung im Städel Museum, Frankfurt am Main
© Richard Prince und Cindy Sherman
Städel Museum
Information: www.staedelmuseum.de, info@staedelmuseum.de,
Telefon +49(0)69-605098-0, Fax +49(0)69-605098-111
Besucherdienst: +49(0)69-605098-232, besucherdienst@staedelmuseum.de
Öffnungszeiten: Di, Mi, Sa, So, 10.00–18.00 Uhr; Do, Fr 10.00–21.00 Uhr; montags geschlossen
Sonderöffnungszeiten: 3.10.2015, 10.00–18.00 Uhr; 24.12.2015 geschlossen; 25.12.2015, 10.00–18.00 Uhr; 26.12.2015, 10.00–18.00 Uhr; 28.12.2015 10.00–18.00 Uhr; 31.12.2015 geschlossen; 1.1.2016, 11.00–18.00 Uhr; 4.1.2016, 10.00–18.00 Uhr
Eintritt: 14 Euro, ermäßigt 12 Euro, Familienkarte 24 Euro; freier Eintritt für Kinder unter 12 Jahren; Gruppen ab 10 Personen: ermäßigter Eintrittspreis pro Person. Für Gruppen ist eine Anmeldung unter +49(0)69-605098-200 oder info@staedelmuseum.de erforderlich.
Kartenvorverkauf: tickets.staedelmuseum.de
Zum krönenden Abschluss des Jubiläumsjahres „200 Jahre Städel“ präsentiert das Frankfurter Städel Museum vom 5. November 2015 bis zum 24. Januar 2016 eine Einzelausstellung des international renommierten US-Künstlers John Baldessari (*1931). Für „John Baldessari. The Städel Paintings“ hat der Künstler, der zu den einflussreichsten der Gegenwart zählt, insgesamt 16 neue Werke geschaffen, die sich explizit auf die 700 Jahre europäische Kunstgeschichte umfassende Sammlung des Städel Museums beziehen. Als visuelles Material für seine großformatigen Bildcollagen dienten ihm ganz unterschiedliche Arbeiten aus der Städel’schen Sammlung – Meisterwerke oder ungewöhnliche Depot-Fundstücke –, unter anderem von Lucas Cranach d. Ä., Agnolo Bronzino, Dirck van Baburen, Bartolomeo Veneto, Justus Juncker, Erró und Maria Lassnig. Anhand der ausgewählten Sammlungswerke setzt sich der Künstler mit dem Verhältnis von Malerei und Fotografie sowie von Bild und Sprache auseinander. Dabei isoliert er nicht nur spezifische Details der Städel Bilder, sondern übermalt diese Details partiell und kombiniert sie mit Texten, die in ihrer Form an Ausschnitte aus Hollywood-Drehbüchern erinnern, zu großen horizontal oder vertikal geteilten Diptychen. Auf diese Weise entsteht ein spannungsreiches und vielschichtiges Gegen- und Miteinander, das alte wie neue Kunst gleichermaßen befragt und mit etablierten Wahrnehmungsmustern bricht. Der Katalog, der begleitend zur Ausstellung auf Deutsch und Englisch erscheint, spannt den Bogen der Schau weiter und ordnet die jüngst entstandene Werkgruppe Baldessaris in das äußerst vielseitige Gesamtwerk dieses bedeutenden Wegbereiters der amerikanischen Konzeptkunst ein.
„Ich könnte mir keinen besseren Abschluss des 200-jährigen Städel Jubiläums vorstellen. Die Tatsache, dass sich John Baldessari, diese Ikone des zeitgenössischen Kunstgeschehens, derart ausführlich unserer Sammlung widmet, unterstreicht die internationale Strahlkraft des Städel und seines Programms. Wir sind sehr stolz, Baldessaris neue Arbeiten nun im Städel Museum zeigen zu können“, kommentiert Städel Direktor Max Hollein.
John Baldessari, 1931 in National City, Kalifornien, geboren, wendet sich in den späten 1960er-Jahren der für seine Kunst charakteristischen Zusammenführung von Bild und Text zu. 1970 beschließt er, alle seine zwischen 1953 und 1966 entstandenen und in seinem Besitz befindlichen Gemälde zu verbrennen, und betitelt die symbolträchtige Aktion als „Cremation Project“. Was auf diese radikale Geste folgt, ist jedoch nicht das Ende seiner künstlerischen Tätigkeit, sondern vielmehr der Neubeginn einer intensiven Bildproduktion. Hierbei schöpft Baldessari sowohl aus der zeitgenössischen US-amerikanischen Massenkultur als auch aus dem Kanon der Kunstgeschichte. In seinen Bildern greift er künstlerische Strategien der klassischen Moderne wie Montage oder die Integration von Alltagselementen auf und verbindet diese mit Themen der Nachkriegsavantgarden, etwa den Konsum- und Mediendiskursen. So verwendet er für seine Werke Found Footage aus Filmen und anderen Massenmedien, die er neu kombiniert und teilweise malerisch bearbeitet. Neben Bild und Sprache verknüpft Baldessari Malerei und Fotografie, indem er bereits in seinem Frühwerk mit Fotoemulsion auf Leinwand experimentiert. Durch seine interdisziplinäre Arbeitsweise sowie die Verbindung ganz unterschiedlicher Motivwelten, Medien und Materialien schafft er völlig neue Bedeutungszusammenhänge. John Baldessari wurde unter anderem mit dem Goldenen Löwen der 53. Biennale von Venedig und 2012 dem Kaiserring der Stadt Goslar ausgezeichnet.
„Baldessaris Städel Paintings zeugen von Respekt und Ironie gegenüber der Malereigeschichte gleichermaßen sowie von jener anderen, besseren Welt, die uns die Malerei über Jahrhunderte hinweg versprochen hat – und zugleich können sie nicht anders, als dieser Verheißung zu misstrauen“, so Martin Engler, Kurator der Ausstellung und Sammlungsleiter für Gegenwartskunst im Städel Museum.
Mit der Werkgruppe der 16 Diptychen, die im Rahmen von „John Baldessari. The Städel Paintings“ im Städel Museum gezeigt werden, verhandelt der Künstler grundlegende Fragen zur Entstehung und Rezeption, zum Wert und zur Bewertung von Kunst. Die Arbeit Movie Scripts / Art: Hang in there (2014) zeigt einen Ausschnitt von Agnolo Bronzinos (1503–1572) Bildnis einer Dame mit Schoßhündchen (1537–1540), ein Schlüsselwerk der Sammlung Alte Meister des Städel Museums. Zu sehen ist neben den Händen der Dame lediglich ein Teil des Hündchens, das in ihrem Schoß ruht. Kleine Partien sind monochrom übermalt und stellen so einen abstrakten Gegenpart zum Illusionsraum der Malerei dar. Der kurze Text im Drehbuchstil, der darunter zu lesen ist, bezieht sich auf eine fiktive Sotheby’s-Auktion in New York. Die zwei Protagonisten, Arthur und Hans, sitzen in der VIP-Lounge und konkurrieren um ein Bild; zuletzt hat Arthur 1,2 Millionen Dollar geboten. Hans hält einen Moment inne und fragt seine Begleitung um Rat. Sie erinnert ihn an seine Yacht, die er bereits besitze, und in der er das Bild aufhängen könne.
Für Movie Scripts / Art: I wouldn’t even try (2014) hat John Baldessari ein Fragment aus Idealbildnis einer Kurtisane als Flora (um 1520) von Bartolomeo Veneto (1502–1531) bearbeitet. Der Drehbuchtext in der linken Bildhälfte beschreibt die Autofahrt eines Pärchens in der Nähe von Albuquerque, New Mexico. Sie fahren auf ein riesiges Billboard zu. Die knappe Beschreibung des darauf zu erkennenden Bildes scheint sich unmittelbar auf ein Detail des Veneto-Werks zu beziehen. Im Gespräch merkt die Frau im Auto an, sie wünschte sich, ebenso malen zu können, würde es aber gar nicht erst versuchen. Der Mann entgegnet unumwunden: „I’m thinking about it, baby!“ Klischees über Kunst, Qualität und Handwerk treffen auf ein Symbol der amerikanischen Alltagskultur und auf die verbreitete Annahme, Kunst beruhe allein auf Könnerschaft und künstlerischer Fertigkeit.
Wie diese zwei Werke wirft die gesamte Reihe einen kritischen und pointierten Blick auf die Institutionen und Mechanismen des Betriebssystems Kunst. Thematisiert werden dabei die vielschichtigen und teils absurden kommerziellen Auswüchse in der zeitgenössischen Kunstwelt und ihrem Markt.
Der von Martin Engler herausgegebene und im Hirmer Verlag erscheinende Begleitkatalog zur Ausstellung „John Baldessari. The Städel Paintings“ verortet die im Städel gezeigte Reihe im vielfältigen Œuvre Baldessaris und beleuchtet gleichzeitig entscheidende kunsthistorische und institutionelle Bezüge. Die Publikation stellt diesen herausragenden Vertreter der Konzept- und Medienkunst als eine zentrale Figur vor, die eine wichtige Position in der jüngeren Kunstgeschichte markiert.
Mit der Schau aktueller Bilder von John Baldessari, die auf der Städel’schen Sammlung basieren, fragt das Frankfurter Museum auch nach dem gegenwärtigen Status der Malerei. Als „Malerei-Museum“ schlägt das Städel am Ende seines Jubiläumsjahres so eine Brücke von der Vergangenheit in die unmittelbare Gegenwart und blickt gespannt in die Zukunft.
John Baldessari. The Städel Paintings
Kurator: Dr. Martin Engler (Sammlungsleiter Gegenwartskunst, Städel Museum)
Ausstellungsdauer: 5. November 2015 bis 24. Januar 2016
Pressevorbesichtigung: Mittwoch, 4. November 2015, 11.00 Uhr
Ort: Städel Museum, Schaumainkai 63, 60596 Frankfurt
Information: www.staedelmuseum.de, info@staedelmuseum.de,
Telefon +49(0)69-605098-0, Fax +49(0)69-605098-111
Besucherdienst: +49(0)69-605098-232, besucherdienst@staedelmuseum.de
Öffnungszeiten: Di, Mi, Sa, So, 10.00–18.00 Uhr; Do, Fr 10.00–21.00 Uhr; montags geschlossen
Sonderöffnungszeiten: 3.10.2015, 10.00–18.00 Uhr; 24.12.2015 geschlossen; 25.12.2015, 10.00–18.00 Uhr; 26.12.2015, 10.00–18.00 Uhr; 28.12.2015 10.00–18.00 Uhr; 31.12.2015 geschlossen; 1.1.2016, 11.00–18.00 Uhr; 4.1.2016, 10.00–18.00 Uhr
Eintritt: 14 Euro, ermäßigt 12 Euro, Familienkarte 24 Euro; freier Eintritt für Kinder bis zu 12 Jahren; Gruppen ab 10 Personen: ermäßigter Eintrittspreis pro Person. Für Gruppen ist eine Anmeldung unter +49(0)69-605098-200 oder info@staedelmuseum.de erforderlich.
Kartenvorverkauf: tickets.staedelmuseum.de
Katalog: Zur Ausstellung erscheint im Hirmer Verlag ein von Martin Engler herausgegebener Katalog mit Beiträgen von Jana Baumann, Martin Engler, David Salle, Philipp Kaiser, deutsch/englisch, 184 Seiten, ca. 35,00 Euro (Museumsausgabe).
Social Media: Das Städel Museum kommuniziert die Ausstellung in den sozialen Medien mit den Hashtags #baldessari und #staedel.
Überblicksführungen durch die Ausstellung: Do, 19.00 Uhr; So, 14.00 Uhr (die Teilnahme ist im Eintrittspreis enthalten)
Sonderführungen auf Anfrage unter: +49(0)69-605098-200, info@staedelmuseum.de
Weitere Programmangebote unter: www.staedelmuseum.de
Medienpartner: Andy Warhol's INTERVIEW Magazin, Verkehrsgesellschaft Frankfurt am Main
Am Samstag, 26. September 2015, lässt das Städel Museum ab 20.00 Uhr die ausschweifenden Nächte der 80er-Jahre wieder aufleben. Anlässlich der Ausstellung „Die 80er. Figurative Malerei in der BRD“ steigt eine Party, die wenig mit Schulterpolstern, Dauerwelle und Neonfarben gemein hat, sondern vielmehr die Undergroundbewegung des New Wave und Punk jenes lauten Jahrzehnts feiert. Aus dem Metzler-Saal tönen kosmisch bis verruchte Diskosounds von Midnight Magic (DJ-Set) aus New York, Thomas Hammann (Robert Johnson, Frankfurt) und Jackmode (Frankfurt). Die 80er-Ausstellung bleibt bis tief in die Nacht geöffnet, junge Kunstexperten geben dort Einblick in die dynamischen figurativen Werke der 27 vertretenen Künstler wie Ina Barfuss, Werner Büttner, Walter Dahn, Jiří Georg Dokoupil, Rainer Fetting, Georg Herold, Martin Kippenberger, Helmut Middendorf, Christa Näher, Albert Oehlen, Salomé oder Andreas Schulze. An den Bars im Metzler-Saal und im Städel Garten reicht das Getränkeangebot an diesem Abend von Schampus bis Dosenbier.
Der Vorverkauf zur Veranstaltung „Wild Nite“ ist limitiert und kostet 10 Euro, die Karten können unter tickets.staedelmuseum.de erworben werden. Tickets an der Abendkasse sind für 14 Euro erhältlich, Studenten zahlen dort 12 Euro.
In einer groß angelegten Sonderausstellung präsentiert das Städel Museum bis zum 18. Oktober 2015 „Die 80er. Figurative Malerei in der BRD“. Mit rund 90 Werken von insgesamt 27 Künstlerinnen und Künstlern beleuchtet die Schau die künstlerischen Zentren der BRD – etwa den Berliner Moritzplatz oder die Mülheimer Freiheit in Köln – und macht zugleich die figurative Malerei jener Jahre in ihrer ganzen Komplexität und Differenziertheit sichtbar. Die Künstlerinnen und Künstler, die den Kunstbetrieb um 1980 mit einer ungezügelten Intensität und hohem malerischen Tempo auf den Kopf stellten, schufen figurative Bilder, die eine kritische Auseinandersetzung mit der Tradition der Malerei, den Nachkriegsavantgarden und ihrer unmittelbaren Gegenwart wagten. Die Themen entstammten in erster Linie dem unmittelbaren Umfeld der Künstler. Der etablierte Kunstbetrieb wird dabei genauso zum Inhalt der Bilder, wie die homosexuelle Emanzipation oder die rauschende Geschwindigkeit der internationalen Club- und Musikszene, die ab Mitte der 1970er-Jahre durch New Wave und Punk vermittelt wurde. Die Protagonisten der Zeit waren dennoch alles andere als eine homogene malerische Bewegung.
Die Ausstellung wird gefördert durch die Deutsche Bank AG.
WILD NITE – DIE PARTY ZUR 80ER-AUSSTELLUNG
Samstag, 26. September 2015, ab 20.00 Uhr
Information: www.staedelmuseum.de, info@staedelmuseum.de,
Telefon +49(0)69-605098-0, Fax +49(0)69-605098-111
Ort: Städel Museum, Schaumainkai 63, 60596 Frankfurt am Main
Öffnungszeiten: ab 20.00 Uhr bis spät in die Nacht
Eintritt: 10 Euro (limitierter Vorverkauf),
14 Euro (Abendkasse; reduzierter Eintrittspreis von 12 Euro für Studenten)
Kartenvorverkauf: tickets.staedelmuseum.de
Der designierte Preisträger des diesjährigen Friedenspreises des Deutschen Buchhandels, Navid Kermani, liest am Dienstag, den 22. September 2015, um 19.00 Uhr im Städel Museum aus seinem neuesten Buch „Ungläubiges Staunen. Über das Christentum“. Im Anschluss diskutiert der Schriftsteller, Publizist und habilitierte Orientalist mit Schriftsteller Martin Mosebach und Städel-Kurator Jochen Sander über die christliche Bildwelt. Die Veranstaltung findet im Metzler-Saal des Städel Museums statt. Der Eintritt für Lesung und Gespräch ist im regulären Eintrittspreis des Städel enthalten, um Anmeldung wird gebeten unter info@staedelmuseum.de oder +49(0)69-605098-200.
Was geschieht, wenn einer der bedeutendsten deutschen Schriftsteller, der selbst ein Muslim ist, sich in die christliche Bildwelt versenkt? Navid Kermani sieht staunend eine Religion voller Opfer und Klage, Liebe und Wunder, unvernünftig und abgründig, zutiefst menschlich und göttlich – ein Christentum, von dem Christen in dieser Ernsthaftigkeit, Kühnheit und auch Begeisterung nur noch selten sprechen. Kermanis geschriebene Meditationen geben dem Christentum den Schrecken und die Schönheit zurück. Er hadert mit dem Kreuz, verliebt sich in den Blick der Maria, erlebt die orthodoxe Messe und ermisst die Größe des heiligen Franziskus. Er lehrt uns, in den Bildern der Alten Meister auch die Fragen unserer heutigen Existenz zu erkennen.
Navid Kermani, geboren 1967 in Siegen, lebt als freier Schriftsteller in Köln. Für sein literarisches und akademisches Werk erhielt er unter anderem die Buber-Rosenzweig-Medaille, den Hannah Arendt-Preis, den Kleist-Preis und zuletzt den Joseph Breitbach-Preis. Am 18. Juni 2015 wurde ihm der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels zuerkannt. Navid Kermani „ist eine der wichtigsten Stimmen in unserer Gesellschaft, die sich mehr denn je den Erfahrungswelten von Menschen unterschiedlichster nationaler und religiöser Herkunft stellen muss, um ein friedliches, an den Menschenrechten orientiertes Zusammenleben zu ermöglichen“ (aus der Begründung des Stiftungsrats für den Friedenspreis des deutschen Buchhandels).
Kermanis Sachbücher erscheinen bei C. H. Beck, seine literarischen Werke im Carl Hanser Verlag. Sein unlängst erschienenes Sachbuch „Ungläubiges Staunen. Über das Christentum“ steht derzeit auf Platz eins der Sachbuchbestenliste von Süddeutsche Zeitung und NDR und auf Platz vier der Spiegel-Bestsellerliste.
'Ungläubiges Staunen. Über das Christentum' – Lesung und Gespräch mit Navid Kermani, Martin Mosebach und Jochen Sander
Termin: Dienstag, 22. September 2015, 19.00 Uhr
Ort: Städel Museum, Metzler-Saal, Schaumainkai 63, 60596 Frankfurt am Main
Eintritt frei (im Rahmen des Museumsbesuchs)
Anmeldung unter: info@staedelmuseum.de oder +49(0)69-605098-200
Kartenvorverkauf: tickets.staedelmuseum.de
Information: www.staedelmuseum.de, info@staedelmuseum.de, Telefon +49(0)69-605098-0, Fax +49(0)69-605098-111
Veranstaltungsprogramm Oktober 2015
Das Frankfurter Städel Museum hat seine Sammlungswerke „auf die Couch gesetzt“ und ein völlig neues Webfilmformat entwickelt. Ab sofort ist „Talk im Rahmen“ auf dem YouTube-Kanal des Städel Museums zu sehen (www.youtube.com/staedelmuseum). Das ebenso unterhaltsame wie informative und innovative Filmformat bedient sich des klassischen TV-Formats der Talkshow. Der bekannte TV-Moderator Gert Scobel (3sat) spricht mit Gästen im Städel über ausgewählte Themen. Das Besondere dabei: Die Studiogäste sind Kunstwerke aus allen Sammlungsbereichen des Museums. „Alte Meister“ treten in den etwa zehnminütigen Episoden in hitzige Diskussionen mit Werken der Kunst der Moderne sowie der Gegenwartskunst. Synchronsprecher verleihen den Gemälden eine prägnante Stimme und eine fiktive Persönlichkeit. Die Serie spielt auf ironische Weise mit gängigen Talkshow-Klischees, wie einem klassisch eingerichteten Studio mit Wasserglas für den Moderator, biederen Sitzmöbeln für die Gäste und stereotypischen Kameraeinstellungen, die die Konversation verfolgen. Die Talkgäste von „Talk im Rahmen“ werden jeweils durch kurze Einspiel-Filme vorgestellt, in denen der Zuschauer sie näher kennenlernt und erfährt, wer sie geschaffen hat, in welcher Zeit und unter welchen Umständen sie entstanden sind. Gemeinsam mit den spitz artikulierten Diskussionsbeiträgen erfährt der Zuschauer so auf eine völlig untypische, neuartige und unterhaltsame Art und Weise zentrale Inhalte und Besonderheiten über alle teilnehmenden Kunstwerke.
In jeder Folge sind drei Gemälde aus verschiedenen Epochen zu einem Thema zu Gast, das sie verbindet oder auch gegeneinander abgrenzt. So diskutieren beispielsweise zum Thema „Emanzipation“ Lucas Cranachs Venus (1532) als „Femme fatale“, die bewusst ihre Reize einsetzt, um ihre Ziele zu erreichen, Ottilie W. Roedersteins Selbstbildnis mit verschränkten Armen (1926) als Werk einer selbstbewussten Künstlerin, die sich in der männerdominierten Kunstwelt ihrer Zeit zu behaupten wusste, und Carl Spitzwegs Der Witwer (1844), der wenig von Roedersteins Plädoyer für starke Frauen hält. In dieser Folge leiht u. a. Sonja Deutsch, Synchronsprecherin der britischen Schauspielerin Helen Mirren, dem Selbstbildnis der Ottilie W. Roederstein ihre Stimme.
Produziert wurde das neue Webfilmformat vom Städel Museum und den Berliner Readymade-Films. Hintergrund des Projekts ist, dass das Städel im Rahmen seiner Digitalen Erweiterung derzeit auch ganz neue Formate für unterschiedlichste Zielgruppen und Kommunikationskanäle entwickelt.
„Unsere neue Webfilmserie ‚Talk im Rahmen‘ ist beispiellos und ein faszinierendes neues Bildungs-, Unterhaltungs- und Vermittlungsformat. Kunstwerke, die zu den großen Themen unserer Zeit diskutieren – das bedeutet nicht nur einen innovativen, überraschenden und spielerischen Zugang zu Werken der Städelschen Sammlung, sondern auch eine vollkommen neue Art die brisanten Themen und fortwährende Relevanz dieser Bilder für uns heute evident zu machen. ‚Talk im Rahmen‘ ist ein weiteres, wesentliches Element unserer umfassenden digitalen Vermittlungsinitiative und wird als YouTube-Format neben unserem bereits bestehenden Publikum auch ganz neue Zielgruppen ansprechen“, sagt Max Hollein, Direktor des Städel Museums.
Moderator Gert Scobel kommentiert seine Erfahrung beim Dreh wie folgt: „Das Projekt ‚Talk im Rahmen‘ stellte mich als Moderator vor ganz neue Herausforderungen. Stellen Sie sich vor, Sie müssen mit jemandem ein angeregtes, kontroverses Gespräch führen, der ihnen einfach nicht antwortet und stumm dasitzt. Und weiter, dass derjenige, der da sitzt, gar keine Person ist, sondern ein Gemälde. Zusammen mit den Machern dieser Filmserie habe ich mich auf ein spannendes filmisches Experiment eingelassen. Ob es gelungen ist, wird die öffentliche Resonanz zeigen, auf die ich sehr gespannt bin. Ich hoffe, dass die Folgen dieses neuen, innovativen Formats etwas von der Erfahrung, lange Zeit mit den Originalbildern in einem Raum zu verbringen und tatsächlich zu versuchen, mit ihnen zu sprechen, zu den Betrachtern transportieren können.“
Die Digitale Erweiterung des Städel Die Produktion des neuen Webfilmformats ist eingebettet in die Digitale Erweiterung des Städel Museums. Das 200-jährige Bestehen des Städel in diesem Jahr ist Anlass für Deutschlands älteste bürgerliche Museumsstiftung, sowohl ihr vielfältiges Vermittlungsprogramm als auch das Erlebnis des Museumsbesuchs völlig neu zu definieren. Vor dem Hintergrund der zunehmenden Digitalisierung des Alltags ist die Erweiterung des Bildungsauftrags in den digitalen Raum ein zentrales Anliegen des Frankfurter Museums. Im Rahmen der Digitalen Erweiterung wird unter anderem das Webfilmprogramm des Städel massiv ausgebaut. Neben bereits etablierten Formaten wie klassischen Ausstellungsfilmen zu Sonderausstellungen, Filmen über Künstler aus der Städelschen Sammlung und der Dokumentation von Veranstaltungen werden derzeit weitere Formate produziert, die auf den museumseigenen Kommunikationskanälen veröffentlicht werden.
Der Moderator
Gert Scobel (*1959 in Aachen) führt als Moderator durch das Format. Von 1995 bis 2007 war Scobel Moderator der 3sat-Sendung „Kulturzeit“. Seit April 2008 präsentiert er bei 3sat die einmal wöchentlich ausgestrahlte Sendung „scobel“. Nachdem er 1999 und 2001 bereits für den Adolf-Grimme-Preis nominiert war, wurde Scobel 2005 für die Moderation von „Kulturzeit“ und „delta“ mit diesem Preis ausgezeichnet und vom Medium Magazin zum „Kulturjournalisten des Jahres“ gewählt.
Die Themen und Gäste der Episoden
Ist Emanzipation noch zeitgemäß? – Zu Gast:
Lucas Cranach d. Ä. (1472–1553): Venus (1532)
Ottilie W. Roederstein (1859–1937): Selbstbildnis mit verschränkten Armen (1926)
Carl Spitzweg (1808–1885): Der Witwer (1844)
https://www.youtube.com/watch?v=ocSS_Km502U
Ich poste, also bin ich. Authentizität, Selfies und das Netz – Zu Gast:
Maria Lassnig (1919–2014): Selbstbildnis mit Affen (2001)
Gerhard Hoehme (1920–1989): Zimbal (1966)
Hans Holbein d. J. (1497/98–1543): Bildnis des Simon George of Cornwall (um 1535–1540)
https://www.youtube.com/watch?v=Xcrma-9OLdU
TALK IM RAHMEN
URL: www.youtube.de/staedelmuseum
Playlist mit allen Folgen: https://www.youtube.com/playlist?list=PL2P7h0ecB-f_SxBUagvb1NmegMIXv2EY8
Redaktion: Städel Museum, Readymade-Films
Moderator: Gert Scobel
Musik: Wolfram Gruss
Bühnenbau: set:art GmbH
Produktion: www.readymade-films.com
Postproduktion: www.goodguys.de
Soundmischung: www.hofkapellmeister.com
Social Media: Das Städel Museum kommuniziert die Webfilmserie mit den Hashtags #TalkImRahmen und #staedel.
Beim diesjährigen Museumsuferfest von Freitag, 28. August, bis Sonntag, 30. August 2015, erhalten Besucher aller Altersgruppen im Jubiläumsjahr des Städel Museums mit einem vielfältigen Programm spannende Einblicke in 700 Jahre Kunstgeschichte. In abwechslungsreichen Führungen durch alle Sammlungsbereiche des Hauses werden unter anderem Licht und Atmosphäre in Gemälden genauer untersucht, die Werkstätten der Alten Meister unter die Lupe genommen und expressive Gegenwartskunstwerke entdeckt. Bei Führungen in den aktuellen Sonderausstellungen „Die 80er. Figurative Malerei in der BRD“ und „Laster des Lebens. Druckgrafik von William Hogarth“ können die Besucher tiefer in die vielfältigen Themen der beiden Präsentationen eintauchen. Am Freitag, 28. August 2015, um 19.00 Uhr diskutiert der Kunstwissenschaftler und freie Autor Dr. Jörn Schafaff (Berlin) im Gespräch mit Dr. Martin Engler (Sammlungsleiter Gegenwartskunst, Städel Museum) unter dem Titel „Malerei nach der Avantgarde oder Avantgarde der Malerei“ Hintergründe zur 80er-Ausstellung. Das Programm wartet mit zahlreichen weiteren Höhepunkten auf und gibt zudem bereits einen Vorgeschmack auf die große Jubiläumsausstellung „Dialog der Meisterwerke“ ab 7. Oktober 2015. Auch die kleinen Städel-Besucher kommen nicht zu kurz: Sie erwartet ein buntes Workshop-Angebot, bei dem sie ihrer Kreativität freien Lauf lassen können, sowie unterhaltsame Familienführungen in der Sammlung.
Programm
Freitag, 28. August 2015
16.00 Uhr Laster des Lebens. Druckgrafik von William Hogarth, Führung in der Ausstellung
17.30 Uhr Städel Double: Mit Warhol, Dürer und Co. durchs Museum, Führung
18.30 Uhr Lust und Leid in der Kunst der Alten Meister, Führung
19.00 Uhr Die 80er. Figurative Malerei in der BRD, Führung in der Ausstellung
19.00 Uhr Malerei nach der Avantgarde oder Avantgarde der Malerei. Standpunkte zur Kunst (Gespräch) mit Dr. Jörn Schafaff (Kunstwissenschaftler und freier Autor, Berlin) und Dr. Martin Engler (Sammlungsleiter Gegenwartskunst, Städel Museum), Metzler-Saal
20.00 Uhr Und plötzlich diese Atmosphäre! Von Licht und Stimmung in der Kunst der Moderne, Führung
Samstag, 29. August 2015
11.00–18.00 Uhr Dialog der Porträts, Workshop für Kinder vor dem Museum
11.00–18.00 Uhr Jubiläumsschleifen, Workshop für Kinder vor dem Museum
11.00–18.00 Uhr Glückwunschkarten, Workshop für Kinder vor dem Museum
11.00 Uhr Was sich liebt… Von Familie und Freundschaft, Familienführung
11.30 Uhr Die 80er. Figurative Malerei in der BRD, Führung in der Ausstellung
12.00 Uhr Laster des Lebens. Druckgrafik von William Hogarth, Führung in der Ausstellung
12.30 Uhr Städel Double: Mit Warhol, Dürer und Co. durchs Museum, Führung
13.00 Uhr Teamwork oder Einzelkämpfer? In den Werkstätten der Alten Meister, Führung
14.00 Uhr Von Schlangenhaut bis Schokolade. Materialien der Gegenwartskunst, Führung
15.00 Uhr Ein Fest der Farben. Führung zum Mitmalen für Kinder ab 6 Jahren
15.00 Uhr Kunst und Religion Führung
16.30 Uhr Städel Double: Mit Warhol, Dürer und Co. durchs Museum, Führung
17.00 Uhr Impressionismus, Expressionismus, Surrealismus. Kunst der Moderne, Führung
17.30 Uhr Laster des Lebens. Druckgrafik von William Hogarth, Führung in der Ausstellung
18.30 Uhr Im Auftrag Ihrer Majestät! Repräsentation bei den Alten Meistern, Führung
19.00 Uhr Städel Double: Mit Warhol, Dürer und Co. durchs Museum, Führung
19.30 Uhr Farbe an die Macht! Expressive Gegenwartskunst, Führung
20.30 Uhr Die 80er. Figurative Malerei in der BRD, Führung in der Ausstellung
21.00 Uhr Durch die Nacht. Künstler der Moderne malen die späten Stunden, Führung
Sonntag, 30. August 2015
11.00–18.00 Uhr Dialog der Porträts, Workshop für Kinder vor dem Museum
11.00–18.00 Uhr Jubiläumsschleifen, Workshop für Kinder vor dem Museum
11.00–18.00 Uhr Glückwunschkarten, Workshop für Kinder vor dem Museum
11.00 Uhr Die 80er. Figurative Malerei in der BRD, Führung in der Ausstellung
11.00 Uhr Eins, zwei, drei: Geschichten aus dem Ei. Märchenreise durchs Städel für Kinder
12.00 Uhr Städel Double: Mit Warhol, Dürer und Co. durchs Museum, Führung
12.30 Uhr Wunder gescheh’n! Unglaubliches bei den Alten Meistern, Führung
13.30 Uhr Fernreisen um 1800. Wie Künstler der Moderne sich inspirieren ließen, Führung
14.00 Uhr Crash Boom Bang! Kunst, bei der‘s heiß hergeht, Familienführung
15.00 Uhr Laster des Lebens. Druckgrafik von William Hogarth, Führung in der Ausstellung
15.30 Uhr Von Bordellbesuchen, Marktweibern und Bauerngeschichten. Sozialstudie bei den Alten Meistern, Führung
16.00 Uhr Städel Double: Mit Warhol, Dürer und Co. durchs Museum, Führung
16.30 Uhr Die 80er. Figurative Malerei in der BRD, Führung in der Ausstellung
17.00 Uhr Neue Formen braucht die Kunst: Von der Moderne bis in die Gegenwart, Führung
17.30 Uhr Städel Double: Mit Warhol, Dürer und Co. durchs Museum, Führung
18.00 Uhr Fake or real? Gegenwartskunst zwischen Dokumentation und Inszenierung, Führung
19.00 Uhr Laster des Lebens. Druckgrafik von William Hogarth, Führung in der Ausstellung
Treffpunkt für Führungen zu „Die 80er“: Ausstellungshaus, OG
Treffpunkt für Führungen zu „William Hogarth“: Graphische Sammlung
Treffpunkt für alle weiteren Führungen: Metzler-Foyer
AKTUELLE AUSSTELLUNGEN IM STÄDEL MUSEUM
DIE 80ER. FIGURATIVE MALEREI IN DER BRD
In einer groß angelegten Sonderausstellung präsentiert das Städel Museum noch bis zum 18. Oktober 2015 „Die 80er. Figurative Malerei in der BRD“. Mit 90 Werken von insgesamt 27 Künstlerinnen und Künstlern beleuchtet die Schau jene neuartige, irritierende und überaus dynamische figurative Malerei, die sich in den 1980er-Jahren nahezu zeitgleich vor allem in den Zentren Berlin, Hamburg und dem Rheinland entwickelte. Zu sehen sind Arbeiten u. a. von Ina Barfuss, Werner Büttner, Walter Dahn, Jiří Georg Dokoupil, Rainer Fetting, Georg Herold, Martin Kippenberger, Helmut Middendorf, Christa Näher, Albert Oehlen, Salomé oder Andreas Schulze. Die Ausstellung beleuchtet die künstlerischen Zentren der BRD – etwa den Berliner Moritzplatz oder die Mülheimer Freiheit in Köln – und macht zugleich die figurative Malerei jener Jahre in ihrer ganzen Komplexität und Differenziertheit sichtbar.
LASTER DES LEBENS. DRUCKGRAFIK VON WILLIAM HOGARTH
Im Jubiläumsjahr „200 Jahre Städel“ zeigt das Frankfurter Städel noch bis zum 6. September 2015 druckgrafische Arbeiten des englischen Malers, Kupferstechers und Radierers William Hogarth (1697–1764). Insgesamt 70 Werke, darunter die berühmten druckgrafischen Folgen A Harlot’s Progress (Der Weg einer Dirne, 1732), A Rake’s Progress (Der Weg eines Liederlichen, 1735) und Marriage à la Mode (Heirat nach der Mode, 1745), sind in der Ausstellungshalle der Graphischen Sammlung zu sehen. In diesen Bildromanen aus dem Sammlungsbestand des Städel thematisierte Hogarth die Moden, Laster und Kehrseiten des modernen Lebens in der Weltmetropole London.
Ort: Städel Museum, Schaumainkai 63, 60596 Frankfurt am Main
Datum: Freitag, 28., bis Sonntag, 30. August 2015
Öffnungszeiten während des Museumsuferfestes: Freitag 10.00–21.00 Uhr, Samstag 10.00–22.00 Uhr, Sonntag 10.00–20.00 Uhr. Der Städel Garten ist zudem am Freitag und Samstag bis 1.00 Uhr und Sonntag bis 0.00 Uhr geöffnet.
Information: www.staedelmuseum.de, E-Mail: info@staedelmuseum.de,Telefon: +49-69 60 50 98-0, Fax: +49-69 60 50 98-111
Eintritt zum Museumsuferfest: Der Museumsuferfest-Button zum Preis von 7 € berechtigt zum freien Eintritt in den teilnehmenden Museen für die Dauer des Festes – von Freitag, dem 28. August, ab 15 Uhr bis Sonntag, dem 30. August 2015. Für Kinder bis 6 Jahre ist der Eintritt frei.
Zu seinem 200. Geburtstag erwartet das Städel Museum hohen Besuch: Vom 7. Oktober 2015 bis zum 24. Januar 2016 werden ausgewählte Städel Werke mit 65 Meisterwerken aus den renommiertesten Museen der Welt zusammengebracht, die während der Jubiläumsausstellung mit ihnen in einen „Dialog der Meisterwerke“ treten. Die herausragenden Arbeiten aus dem Städel stellen einen Querschnitt der Geschichte des Hauses dar und bieten zugleich einen Überblick über die in 200 Jahren gewachsene Sammlung. Internationale Begleiter werden ihnen an die Seite gestellt, um temporäre Partnerschaften und lang ersehnte Zusammenkünfte zu ermöglichen. Die von allen Städel Kuratoren gemeinsam konzipierte Schau erstreckt sich erstmals über die gesamte Sammlungsfläche des Museums. Zur Sonderausstellung reisen Leihgaben unter anderem aus der Albertina in Wien, dem Museo Thyssen-Bornemisza in Madrid, dem Londoner Victoria and Albert Museum, dem Musée d’Orsay in Paris, der National Gallery of Ireland in Dublin, dem Den Haager Mauritshuis, der Tate in London, den Vatikanischen Museen und der National Gallery of Art in Washington nach Frankfurt am Main. Die hochkarätigen „Jubiläumsgäste“ erlauben es, überraschende kunstgeschichtliche Bezüge herzustellen sowie die Bestände der 700 Jahre Kunstgeschichte umfassenden Sammlung des Städel neu zu beleuchten und zu hinterfragen. „Dialog der Meisterwerke. Hoher Besuch zum Jubiläum“ wird von einer Vortragsreihe der Städel Kuratoren zur Geschichte des Museums begleitet, die Eröffnungsrede der Ausstellung hält der Schriftsteller Daniel Kehlmann.
Dieses Jubiläumsprojekt wurde durch finanzielle Unterstützung der DZ Bank als Corporate Sponsor und der Förderer Kulturfonds Frankfurt RheinMain gGmbH, Art Mentor Foundation Lucerne sowie der Kulturstiftung der Länder ermöglicht.
„Im Jubiläumsjahr treffen Städel-Lieblinge auf Stars aus der ganzen Welt! Dieses große Jubiläumsprojekt ist ein idealer Anlass, um sowohl unsere Sammlung – als Kern und Identität des Städel – neu zu entdecken als auch durch die verblüffenden und kunsthistorisch einmaligen Dialoge der Meisterwerke einen weiteren Höhepunkt in der Ausstellungsgeschichte des Hauses zu erleben. Die kapitalen und in ihrer Qualität, Fülle und Bandbreite einzigartigen Leihgaben sind auch ein Zeichen der internationalen Wertschätzung des Städel. Für diese außergewöhnliche Unterstützung durch die bedeutendsten Sammlungen der Welt aus Anlass unseres 200. Geburtstags sind wir besonders dankbar“, sagt Max Hollein, Direktor des Städel Museums.
Die Jubiläumsausstellung erstreckt sich über alle vier Etagen und Sammlungsbereiche des Städel. So begegnet der Besucher beim Rundgang durch das Museum in der Sammlung Alte Meister prominenten „Jubiläumsgästen“ wie Jan van Eyck, Fra Angelico, Johannes Vermeer oder Nicolas Poussin, die in enger Beziehung zu Werken aus der Städelschen Sammlung stehen. In der Sammlung Kunst der Moderne reisen Meisterwerke von Edgar Degas, Max Liebermann, Pablo Picasso und Franz Marc an, und in der Sammlung Gegenwartskunst sind unter anderem Konstellationen mit Arbeiten von Martin Kippenberger, Georg Baselitz, Thomas Struth, Daniel Richter und Corinne Wasmuht zu entdecken. Die Graphische Sammlung präsentiert – Seite an Seite mit Städel-Schätzen – Meisterwerke von Adam Elsheimer, Edgar Degas, Ernst Ludwig Kirchner, Max Beckmann und Rembrandt Harmensz. van Rijn. Die insgesamt 40 auf diese Art gebildeten thematischen Paarungen werden durch eigens konzipierte farbige Podeste verbunden, sodass die entstehenden Dialoge nicht nur erläutert, sondern innerhalb der Sammlungspräsentationen besonders hervorgehoben werden.
Dialoge in der Sammlung Alte Meister
In der Galerie für Alte Meister trifft etwa das aus der National Gallery of Art in Washington angereiste Werk Verkündigung an Maria (um 1434/36) von Jan van Eyck (1390–1441) auf dessen Lucca-Madonna (1437) aus dem Städel. Die beiden Gemälde zählen zu den schönsten und inhaltlich komplexesten Marienbildern des bekanntesten altniederländischen Künstlers. Auch fast 600 Jahre nach ihrer Entstehung werden sie noch für ihre reiche künstlerische Gestaltung bewundert; sie zeichnen sich durch einen verblüffenden Detailrealismus und eine vielschichtige Raum- und Zeitstruktur aus. Bis 1850 befanden sich beide Werke in der glanzvollen Altmeistersammlung König Willems II. der Niederlande, nun sind sie erstmals nach 165 Jahren Seite an Seite zu sehen.
Eine nicht minder spektakuläre Zusammenkunft bilden zwei Frauenporträts aus dem 15. und 19. Jahrhundert: Dem um 1480/85 entstandenen Weiblichen Idealbildnis (Bildnis der Simonetta Vespucci als Nymphe) von Sandro Botticelli (1445–1510) wird das Damenbildnis Fazio’s Mistress (Aurelia) (1863) von Dante Gabriel Rossetti (1828–1882) aus der Londoner Tate als Pendant gegenübergestellt. Damit treffen nicht nur erstmals zwei der berühmtesten Werke ihrer jeweiligen Sammlungen aufeinander, der unmittelbare Vergleich veranschaulicht auch erstaunliche Bezüge über eine Distanz von fast vier Jahrhunderten hinweg: Auf welch vielschichtige Weise das Gemälde des Präraffaeliten Rossetti die Simonetta von Botticelli kompositorisch reflektiert, blieb bislang unerkannt und wird in der direkten Gegenüberstellung eindringlich erfahrbar. Beide Bilder stehen im Kontext eines literarischen und künstlerischen Diskurses um das Idealbild weiblicher Schönheit, den die Präraffaeliten in Auseinandersetzung mit ihren italienischen Vorbildern wiederbelebten.
Dialoge in der Sammlung Kunst der Moderne
Kaum ein anderes Gemälde des Städel Museums ist in der Öffentlichkeit so präsent wie Johann Heinrich Wilhelm Tischbeins (1751–1829) Porträt Goethe in der römischen Campagna von 1787. Von Zeugnissen der Antike umgeben lagert der in einen Reisemantel gehüllte Dichterfürst hier sinnend in einer arkadischen Ideallandschaft. Anlässlich der Ausstellung wird dieses Herzstück der Frankfurter Sammlung mehreren Vorstudien gegenübergestellt. Zudem zeigen auf das Gemälde rekurrierende Werke einmal mehr die Beliebtheit des zur Ikone gewordenen, weltberühmten Goethe-Porträts. Tischbein begann das Bild 1786, als Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832) während seiner Italienreise gemeinsam mit ihm und anderen Künstlern in einer Wohngemeinschaft in Rom lebte. In späteren Darstellungen wurde das Gemälde immer wieder teils ehrfürchtig, teils ironisch zitiert, darunter in einem von Adolf von Donndorf (1835–1916) angefertigten Entwurf für das Berliner Goethe-Denkmal sowie dem 1982 entstandenen und seit 2000 in der Städel Sammlung befindlichen Siebdruck von Andy Warhol (1928–1987).
In der Sammlung Kunst der Moderne treffen des Weiteren drei eng verwandte Arbeiten der expressionistischen Künstler Ernst Ludwig Kirchner (1880–1938), Max Pechstein (1881–1955) und Erich Heckel (1883–1970) aufeinander. Entstanden sind die drei Darstellungen einer Badeszene vermutlich 1910 während eines gemeinsamen Aufenthaltes an den in der Nähe von Dresden gelegenen Moritzburger Teichen. Die in einem synchronen Arbeitsprozess geschaffenen Werke stellten eine Art Wettstreit unter Gleichen dar, in dem jeder der Maler sein eigenes Potenzial an dem seiner Kollegen messen konnte. Kirchners später überarbeitete Version befindet sich auf einer beidseitig bemalten Leinwand und wurde erst 2010 entdeckt. Die Arbeiten werden im Rahmen der Ausstellung zum ersten Mal gemeinsam präsentiert und bieten eine einzigartige Möglichkeit, die Protagonisten der Künstlergruppe „Brücke“ unmittelbar in einen spannenden Vergleich zu setzen.
Dialoge in der Sammlung Gegenwartskunst
Das Frühwerk des Malers Georg Baselitz (1938) wird durch die Zusammenführung der Werke Geschlecht mit Klößen (1963) und Große Nacht im Eimer (1962/63) (Leihgaben aus Privatsammlungen) mit dem Gemälde Acker (1962) aus der Sammlung des Städel Museums als bedeutender Moment westdeutscher Malereigeschichte im 20. Jahrhundert präsentiert. Die im Rahmen des „Dialogs der Meisterwerke“ gezeigten Werke waren allesamt Teil von Baselitz’ erster Einzelausstellung 1963. Aufgrund ihrer malerischen Radikalität riefen sie einen legendär gewordenen Skandal hervor. Die Diskussion über die ausgestellten Bilder avancierte zum Politikum – es folgte die Beschlagnahmung von Gemälden wie Die große Nacht im Eimer (1962/63). Der Ideologiestreit um abstrakte und gegenständliche Malerei in der jungen Bundesrepublik kulminierte in den provokanten Gemälden Baselitz’, in denen das Fleischliche formal wie inhaltlich in den Vordergrund rückt und sich die Befindlichkeit der deutschen Nachkriegszeit zu spiegeln scheint – eine eindrucksvolle Begegnung mit dem epochalen Frühwerk von Georg Baselitz wird möglich.
Eine andere Gruppierung in der Sammlung Gegenwartskunst thematisiert im Jubiläumsjahr des Städel das Museum als Institution: Aus Sicht des Fotografen Thomas Struth (1954) ist das Museum nicht nur ein Ort des Bewahrens von Kunst, sondern auch einer, an dem Kunst entsteht. Der in der Städel Sammlung befindlichen Fotografie Louvre 3, Paris 1989 (1989) werden anlässlich der Jubiläumsausstellung fünf weitere Arbeiten (Leihgaben aus dem Atelier Thomas Struth) aus seiner Werkreihe der Museumsbilder gegenübergestellt, die in der National Gallery in London, dem Kunsthistorischen Museum in Wien und dem Art Institute of Chicago entstanden sind. Struth machte das Verhalten von Besuchern und die Beziehung zwischen Werk und Betrachter zum Thema seiner Reihe. Die Bandbreite der Szenen reicht von der gleichgültigen Haltung touristischer Besuchergruppen bis hin zur meditativen Versenkung eines einzelnen Kunstbetrachters, etwa zu sehen in dem 1989 entstandenen Werk Kunsthistorisches Museum 3, Wien. Der serielle Charakter der Werke wird durch die Gegenüberstellung besonders hervorgehoben.
Dialoge in der Graphischen Sammlung
In der Ausstellungshalle der Graphischen Sammlung treffen beim „Dialog der Meisterwerke“ außergewöhnliche Zeichnungen, Gemälde und Druckgrafiken aufeinander. So werden unter anderem zwei Werke des Ende des 16. Jahrhunderts äußerst geschätzten Kupferstechers und Zeichners Hendrick Goltzius (1558–1617) gegenübergestellt, die die erstaunliche Entwicklung von Goltzius’ Fähigkeiten in der Zeichentechnik innerhalb weniger Jahre zeigen. Aus der Sammlung des Stifters Johann Friedrich Städel stammt die virtuose Zeichnung Bildnis des Gillis van Breen, die Goltzius 1588 mit farbigen Kreiden anfertigte. Das drei Jahre später entstandene Bildnis des Giambologna aus dem Haarlemer Teylers Museum verdeutlicht, dass Goltzius mit sparsamsten Mitteln eine verblüffend malerische Wirkung erzielen konnte.
Einen weiteren Dialog gehen zwei grafische Arbeiten des Ausnahmekünstlers Pablo Picasso (1881–1973) ein. Auf sein bewegtes, produktives Leben verwies der Künstler mit Darstellungen des Minotaurus, der ihm zum Alter Ego wurde. Die Figur des Minotaurus ließ Picasso in Zeichnungen und Druckgrafiken auftreten, wobei ihn weniger die Sage interessierte. Stattdessen war er fasziniert von der männlichen Kreatürlichkeit, die er mal animalisch, triebhaft und kraftvoll, mal zärtlich und hilfsbedürftig darstellte. Die beiden im Städel ausgestellten Grafiken aus der Suite Vollard veranschaulichen den Zwiespalt von Stärke und Schwäche in der Figur des Minotaurus auf hervorragende Weise. In der aus Privatbesitz geliehenen Grafik Minotaurus, eine schlafende Frau liebkosend aus dem Jahr 1933 kniet der Minotaurus vor einer ruhig Schlafenden und beugt seinen muskulösen Körper über sie. Der bedrohlich wirkende Stierkopf kontrastiert mit der irritierend zärtlichen Geste, mit der das Untier den Handrücken der Frau berührt. Diesem Werk wird die aus der Städel Sammlung stammende Grafik Blinder Minotaurus, von einem Mädchen durch die Nacht geführt (1934) gegenübergestellt, die aus technischer Sicht zu den anspruchsvollsten Grafiken des Künstlers zählt. Der Inszenierung einer Theaterbühne gleich wird die Komposition von Licht und Dunkelheit getragen.
200 Jahre Städel
Die Ausstellung ist Teil des umfassenden Jubiläumsprogramms, mit dem das Städel 2015 sein 200-jähriges Bestehen feiert. Am 15. März 1815 unterzeichnete der Frankfurter Bankier und Kaufmann Johann Friedrich Städel die letzte Version seines Testaments, in dem er sein Vermögen und seine Kunstsammlung der nach ihm zu benennenden Stiftung vermachte. 200 Jahre später gilt das Städel Museum als älteste und renommierteste Museumsstiftung Deutschlands. Die Sammlungsbereiche Alte Meister, Kunst der Moderne und Gegenwartskunst sowie die Graphische Sammlung bieten einen Überblick über 700 Jahre europäische Kunstgeschichte – vom frühen 14. Jahrhundert bis in die unmittelbare Gegenwart. Die Sammlung umfasst rund 3.000 Gemälde, 600 Skulpturen, über 4.000 Fotografien und über 100.000 Zeichnungen und Grafiken. Das Städel feiert sein Jubiläum mit hochkarätigen Ausstellungs- und Forschungsprojekten, bedeutenden Sammlungserweiterungen sowie einem massiven Ausbau seines digitalen Vermittlungsprogramms.
LEIHGEBER DER AUSSTELLUNG
Lindenau-Museum, Altenburg;
Musée de Picardie, Amiens, Frankreich;
Atelier Thomas Struth, Berlin;
Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie, Berlin;
Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett, Berlin;
Schlossmuseum, Braunfels;
Mauritshuis, Den Haag, Niederlande; Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Kupferstich-Kabinett, Dresden;
National Gallery of Ireland, Dublin, Irland;
Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf;
Freies Deutsches Hochstift / Frankfurter Goethe-Museum, Frankfurt am Main;
Teylers Museum, Haarlem, Niederlande;
Deichtorhallen Hamburg / Sammlung Falckenberg, Hamburg;
Hamburger Kunsthalle, Hamburg;
Klosterkammer Hannover / Ev. Damenstift Kloster Ebstorf;
Ateneum Art Museum, Finnish National Gallery (Collection von Willebrand), Helsinki, Finnland;
Staatliche Kunsthalle Karlsruhe, Karlsruhe;
Franz Marc Museum, Kochel am See;
Museum Ludwig, Köln;
Davids Samling, Kopenhagen, Dänemark;
Hessische Hausstiftung, Kronberg im Taunus / Museum Schloss Fasanerie, Schloss Fasanerie;
Museum der bildenden Künste Leipzig, Leipzig;
Tate, London, Großbritannien;
The Fine Art Society Contemporary, London, Großbritannien;
Victoria and Albert Museum, London, Großbritannien;
Museo Thyssen-Bornemisza, Madrid, Spanien;
Bayerisches Nationalmuseum, München;
Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau, München;
Museo e Gallerie Nazionali di Capodimonte, Neapel, Italien;
Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Staatsgalerie Neuburg an der Donau, Neuburg an der Donau;
Musée d’Orsay, Paris, Frankreich;
Arp Museum Bahnhof Rolandseck / Sammlung Rau für UNICEF, Remagen;
Vatikanische Museen, Rom, Italien;
Musée des Beaux-Arts, Rouen, Frankreich;
Nationalmuseum, Stockholm, Schweden;
Museum Sønderjylland – Kunstmuseet i Tønder, Tønder, Dänemark;
National Gallery of Art, Washington, USA;
Goethe-Nationalmuseum, Klassik Stiftung Weimar, Weimar;
Albertina, Wien, Österreich;
Muntean / Rosenblum & Georg Kargl Fine Arts, Wien, Österreich;
Kunstmuseum Winterthur, Winterthur, Schweiz;
Martin von Wagner-Museum der Universität Würzburg, Würzburg;
Friedrich Christian Flick Collection;
Merzbacher Kunststiftung;
Sammlung Prof. Dr. A.-W. Scheer
sowie private Leihgeber, die namentlich ungenannt bleiben möchten
DIALOG DER MEISTERWERKE. HOHER BESUCH ZUM JUBILÄUM
Kuratoren: Dr. Bastian Eclercy, Dr. Martin Engler, Dr. Felix Krämer, Prof. Dr. Jochen Sander, Dr. Jutta Schütt, Dr. Martin Sonnabend
Projektleitung: Dr. Eva Mongi-Vollmer, Kuratorin für Sonderprojekte
Ausstellungsdauer: 7. Oktober 2015 bis 24. Januar 2016
Pressevorbesichtigung: Dienstag, 6. Oktober 2015, 11.00 Uhr
Information: www.staedelmuseum.de, info@staedelmuseum.de,Telefon +49(0)69-605098-0, Fax +49(0)69-605098-111
Besucherdienst: Telefon +49(0)69-605098-232, besucherdienst@staedelmuseum.de
Ort: Städel Museum, Schaumainkai 63, 60596 Frankfurt am Main
Öffnungszeiten: Di, Mi, Sa, So + Feiertage 10.00–18.00 Uhr, Do + Fr 10.00–21.00 Uhr
Sonderöffnungszeiten: 24.12.2015 geschlossen, 25., 26. und 28.12.2015 10.00–18.00 Uhr, 31.12.2015 geschlossen, 1.1.2016 11.00–18.00 Uhr, 4.1.2016 10.00–18.00 Uhr
Eintritt: 14 Euro, ermäßigt 12 Euro, Familienkarte 24 Euro; freier Eintritt für Kinder bis zu 12 Jahren; Gruppen ab 10 Personen: ermäßigter Eintrittspreis pro Person. Für Gruppen ist vorab eine Anmeldung unter Telefon +49(0)69-605098-200 oder info@staedelmuseum.de erforderlich.
Kartenvorverkauf: tickets.staedelmuseum.de
Katalog: Zur Ausstellung erscheint im Wienand Verlag ein umfassender, von Max Hollein herausgegebener Katalog mit einem Vorwort von Max Hollein und Texten von Jana Baumann, Bastian Eclercy, Martin Engler, Anna Helfer, Felicity Korn, Felix Krämer, Kristina Lemke, Eva Mongi-Vollmer, Maureen Ogrocki, Susanne Pollack, Almut Pollmer-Schmidt, Annabel Ruckdeschel, Jochen Sander, Jutta Schütt, Martin Sonnabend, Fabian Wolf und Daniel Zamani, deutsche und englische Ausgabe, 280 Seiten, 34,90 Euro (Museumsausgabe)
Begleitheft: Es erscheint ein Begleitheft in deutscher Sprache, 40 Seiten, 7,50 Euro
Digitorial: Das Digitorial wird ermöglicht durch die Aventis Foundation. Design und Programmierung: Scholz & Volkmer. Es ist ab dem 7.9.2015 abrufbar unter meisterwerke.staedelmuseum.de
Städel App: Die Städel App wird gefördert von der FAZIT-STIFTUNG. Die App ist für Android- und iOS-Smartphones in den aktuellen Versionen optimiert und bietet den Audioguide zur Ausstellung zum Download auf das eigene Smartphone für 0,99 Euro an. Download unter www.staedelmuseum.de/de/angebote/staedel-app.
Audiotour: Die Audiotour wird von Schauspielerin Martina Gedeck gesprochen. Deutsch und englisch, 4 Euro, zwei Audioguides für 7 Euro.
Social Media: Das Städel Museum kommuniziert die Ausstellung in den sozialen Medien mit den Hashtags #dialogdermeisterwerke, #starstreffenstars und #200jahrestaedel.
Überblicksführungen durch die Ausstellung:: Di 15.00 Uhr, Do 18.00 Uhr, Fr 19.00 Uhr, Sa 16.00 Uhr, So 11.00 Uhr sowie Fr 25.12.2015 und Fr 1.1.2016 15.00 Uhr.
Tickets sind für 4 Euro für die Überblicksführungen ab zwei Stunden vor Führungsbeginn (So ab 10.00 Uhr) an der Kasse erhältlich oder vorab zum Vorteilspreis für 16 Euro (Eintritt und Führung) online unter tickets.staedelmuseum.de bestellbar. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Corporate Sponsor: DZ Bank Förderer: Kulturfonds Frankfurt RheinMain gGmbH, Art Mentor Foundation Lucerne, Kulturstiftung der Länder
Medienpartner: Deutschlandfunk, Deutschlandradio Kultur,
Verkehrsgesellschaft Frankfurt am Main
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