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Veranstaltungsprogramm Februar 2015
In Vorbereitung auf eine umfangreiche Sonderausstellung zur figurativen Malerei in der BRD der 1980er-Jahre, die im Sommer 2015 im Städel Museum stattfinden wird, veranstaltet das Städel am 24. Januar 2015 ein hochkarätig besetztes Symposium. Akteure und Wegbegleiter der deutschen Kunstszene der 1980er beleuchten in Vorträgen, Interviews und Diskussionsrunden die wieder aufkommende figurative Malerei jener Dekade, eine Kunst, die sich durch ihre ungezügelte Wucht und Kompromisslosigkeit auszeichnet. Zu den Teilnehmern des Symposiums zählen Künstler wie Helmut Middendorf, Salomé, Peter Bömmels oder Bettina Semmer sowie Galeristen und Kunsthistoriker wie Zdenek Felix, Walter Grasskamp, Max Hetzler und Ingrid Raab. Die rauschhaften Tage und Nächte außerhalb der Gemeinschaftsateliers und Galerien nehmen Contemporary Fine Arts-Chef Bruno Brunnet (ehemaliger Kellner im Exil), Blixa Bargeld (Einstürzende Neubauten), Michel Würthle (Gründer der Paris Bar) und Klaus-Dieter Brennecke (SO36-Mitbegründer) in den Blick. Der Tag klingt mit einem DJ-Set von Markus Oehlen aus.
Das Symposium wird aus verschiedenen Perspektiven die spannenden Entwicklungen einer Malergeneration betrachten, die Ende der 1970er-Jahre in den Zentren Berlin, Hamburg und Köln erstmals für Aufsehen sorgte und nur wenige Jahre später international größte Erfolge feierte. Die Veranstaltung liefert mit der Beteiligung verschiedenster Experten und Zeitgenossen Impulse für eine facettenreiche Diskussion dieser wichtigen Phase der deutschen Kunstgeschichte, deren Ergebnisse Eingang finden werden in die Ausstellung „Die 80er. Figurative Malerei in der BRD“ im Städel. Das Symposium findet am Samstag, 24. Januar 2015, ab 14.00 Uhr im Metzler-Saal des Städel Museums statt. Der Eintrittspreis beträgt 14 Euro, ermäßigt 12 Euro. Um Anmeldung unter info@staedelmuseum.de wird gebeten. Das Symposium wird filmisch dokumentiert sowie auf Twitter live mit dem Hashtag #staedel80er begleitet.
In einem einführenden Vortrag wird der Kurator und Kunsthistoriker Zdenek Felix einen Rückblick auf die Malerei der 1980er-Jahre werfen und nach über 30 Jahren eine profunde Zwischenbilanz dieser künstlerischen Entwicklungen ziehen. Als Kurator der Ausstellung 10 junge Künstler aus Deutschland im Folkwang Museum in Essen zeigte er 1982 Werke der Kölner Künstler um die Mülheimer Freiheit sowie Arbeiten der Künstler der Berliner Galerie am Moritzplatz. Mit der späteren Präsentation Wahrheit ist Arbeit (1984), ebenfalls im Folkwang Museum, präsentierte er auch die Künstler Martin Kippenberger, Werner Büttner und Albert Oehlen und zeigte somit bereits sehr früh die drei wichtigsten Positionen der neuen figurativen Malerei, die sich ab Ende der 1970er-Jahre in Deutschland entwickelten, im Museumskontext.
In einer Diskussionsrunde, geleitet von Martin Engler (Sammlungsleiter Gegenwartskunst und Kurator der Ausstellung, Städel Museum), erörtern unter anderem die Galeristen Max Hetzler und Ingrid Raab sowie der Kunsthistoriker Walter Grasskamp die Wiederentdeckung und Neubewertung dieser noch immer wenig erforschten Epoche der deutschen Nachkriegsmalerei. Gemeinsam werden die Hintergründe und die Anfänge dieser Kunstentwicklung nachvollzogen.
In Künstlergesprächen reflektieren Bettina Semmer, Helmut Middendorf, Salomé, G. L. Gabriel und Peter Bömmels den Entstehungskontext und die Wirkung ihrer Werke. Außerdem wird es ein „Kneipengespräch“ mit Bruno Brunnet geben, der in den 1980er-Jahren bei dem Schriftsteller und Gastronomen Oswald Wiener als Kellner im Berliner Exil arbeitete und heute zu den erfolgreichsten deutschen Galeristen zählt. Er wird sich mit Michel Würthle, Sammler und Gründer der berühmten Paris Bar in Berlin, mit Blixa Bargeld, dem Frontman der deutschen Musikgruppe Einstürzende Neubauten und Klaus-Dieter Brennecke, ehemals Anteilseigner des Berliner Musikclubs SO36 unterhalten.
Der Blick dieser Zeitgenossen zeichnet die Interaktionen der verschiedenen Protagonisten aus der Kunst- und Musikszene nach und eröffnet weitere Perspektiven auf die Künstlerpersönlichkeiten dieser Zeit. So erlebte parallel zur Malerei Ende der 1970er-Jahre auch die Musik in Deutschland mit der entstehenden Stilrichtung des New Wave eine völlig neue Ausrichtung. Viele Künstler spielten in Bands oder verbanden ihre Performances mit Musik. In der Malerei werden diese Verquickungen vor allem in den Bildern der Künstler der Galerie am Moritzplatz sichtbar. Das Symposium endet mit einem DJ-Set von Markus Oehlen.
Das Symposium findet in Vorbereitung auf die vom 22. Juli bis 18. Oktober 2015 stattfindende Ausstellung „Die 80er. Figurative Malerei in der BRD“ statt. Trotz eines immer wieder proklamierten „Endes der Malerei“ entwickelte sich in den späten 1970er-Jahren nahezu parallel in Hamburg, Berlin und Köln eine figurative Malerei. Junge Maler ganz unterschiedlicher Richtungen schufen Bilder, die sich nicht an kunsthistorischen Stilen, Ismen und Gruppierungen orientierten. In einer Kombination aus Grenzüberschreitung, Nihilismus und Humor feierten sie die Wiederentdeckung der Malerei und widmeten sich subjektiv und direkt ihrer unmittelbaren Gegenwart. Innerhalb weniger Jahre wurde jene Generation von Malern nicht nur in Deutschland, sondern international rezipiert. Die Ausstellung zeigt rund 80 Werke von circa 20 Künstlern und macht die Dynamik dieser Malerei in ihrer ganzen Komplexität und Differenziertheit sichtbar.
Es sprechen u. a.: Jean-Christophe Ammann, Blixa Bargeld, Klaus-Dieter Brennecke, Bruno Brunnet, Peter Bömmels, Martin Engler, Harald Falckenberg, Zdenek Felix, Walter Grasskamp, Max Hetzler, Max Hollein, Friedhelm Hütte, Franziska Leuthäußer, Helmut Middendorf, Ingrid Raab, Salomé, Bettina Semmer, Michel Würthle und G. L. Gabriel-Thieler.
Symposium "Die 80er. Figurative Malerei in der BRD"
Samstag, 24. Januar 2015, ab 14.00 Uhr
Information: www.staedelmuseum.de, info@staedelmuseum.de,
Telefon +49(0)69-605098-0, Fax +49(0)69-605098-111
Ort: Städel Museum, Schaumainkai 63, 60596 Frankfurt am Main
Eintritt: 14 Euro, ermäßigt 12 Euro, Anmeldungen unter info@staedelmuseum.de oder
Telefon +49(0)69-605098-200
Hashtag: #staedel80er
Änderungen vorbehalten.
Das vollständige Programm finden Sie auf www.staedelmuseum.de
Dagmar Westberg feiert heute ihren 100. Geburtstag im Städel Museum. Aus diesem Anlass hat die langjährige Förderin des Städel und Gründerin der Dagmar-Westberg-Stiftung dem Frankfurter Museum ein äußerst kostbares und kunsthistorisch bedeutsames Werk für seine Altmeister-Sammlung gestiftet: das um 1615/16 entstandene Gemälde „Der Heilige Jakobus der Ältere“ von Jusepe de Ribera (1591–1652). Ribera zählt zu den wichtigsten Malern des 17. Jahrhunderts und vereint die künstlerischen Errungenschaften zweier europäischer Schulen in einer Person. In der Provinz Valencia geboren, kann er als der bedeutendste spanische Maler neben Diego Velázquez (1599–1660) gelten, doch verbrachte er sein ganzes Künstlerleben in Italien – zunächst in Rom, danach im spanischen Vizekönigtum Neapel – und gehört damit auch zu den einflussreichsten Malern des italienischen Barock. Im Städel Museum hängt das Meisterwerk ab sofort im großen Italiener-Saal und ist damit, nach vier Jahrhunderten in Privatbesitz, erstmalig und endgültig in einer öffentlichen Sammlung zu besichtigen.
„Seit nunmehr fast 200 Jahren lebt das Städel Museum vom Engagement einzelner Bürgerinnen und Bürger. Dieser Traditionslinie folgend ist Dagmar Westberg ein leuchtendes Vorbild und eine in jeder Hinsicht herausragende Persönlichkeit, der wir zu größtem Dank verpflichtet sind. Ihre Schenkung des ‚Heiligen Jakobus des Älteren‘ von Ribera kann ohne Zweifel als Meilenstein in der langen Sammlungsgeschichte des Hauses angesehen werden. Ein schöneres Geschenk – zumal aus dem besonderen Anlass ihres 100. Geburtstages – hätten wir uns nicht träumen lassen können. Wir sind glücklich und stolz, dass Frau Westberg ihren Ehrentag im und mit dem Städel feiert“, so Städel-Direktor Max Hollein.
Die 1914 in Hamburg geborene und in Frankfurt lebende Dagmar Westberg ist eine der bedeutendsten Mäzenatinnen des Frankfurter Städel Museums. Bereits in den vergangenen Jahren nahm die Förderin ihre Geburtstage zum Anlass, um das Städel mit Spenden und wichtigen Zuwendungen zu unterstützen. So stiftete Westberg unter anderem 2008 den Altar des „Meisters der von Grooteschen Anbetung“, ein Triptychon aus dem ersten Drittel des 16. Jahrhunderts, das zu den bedeutendsten niederländischen Werken seiner Zeit zählt. 2013 ermöglichte Dagmar Westberg dem Museum die Erwerbung einer seltenen Lithographie von Francisco Goya sowie einer Druckgraphik von Edvard Munch. Darüber hinaus unterstützt sie mit Mitteln der Dagmar-Westberg-Stiftung regelmäßig wichtige Ankäufe für die Graphische Sammlung des Städel. In den vergangenen Jahren wurden u. a. Zeichnungen von Carl Spitzweg, Max Klinger, Henri Michaux und Almut Heise sowie druckgraphische Werke von Max Beckmann, Candida Höfer, Tacita Dean und Paul Morrison erworben. Ebenso setzt sich Frau Westberg für die allgemeinen Belange des Städel ein und hat eine immerwährende Patenschaft für einen Saal in der Altmeister-Abteilung übernommen.
Aus einer baltisch-hamburgischen Unternehmerfamilie stammend arbeitete Dagmar Westberg mehrere Jahrzehnte für die amerikanischen Generalkonsulate in Hamburg, Berlin und seit Ende des Zweiten Weltkrieges in Frankfurt am Main. Bereits ihr Großonkel Oskar Troplowitz, Erfinder von Produkten wie Leukoplast, Hansaplast, Tesa-Klebeband und Nivea, der die Firma Beiersdorf zum Erfolg führte, war ein großer Kunstmäzen und vermachte der Hamburger Kunsthalle 26 Gemälde, darunter Hauptwerke französischer und deutscher Künstler des 19. und 20. Jahrhunderts wie Auguste Renoir, Alfred Sisley, Pablo Picasso oder Max Liebermann. Seine Großnichte Dagmar Westberg setzt diese Tradition fort. Neben dem Städel Museum unterstützt die Mäzenatin mit großem persönlichem Engagement zahlreiche weitere soziale, kulturelle und Bildungsprojekte. Zu den von ihr geförderten Einrichtungen und Stiftungen zählen das Frankfurter Mädchenhaus FeM, die Cronstetten-Stiftung, das „German Summer Work Program“ an der Princeton University sowie die Goethe-Universität Frankfurt am Main. 2008 wurde ihr Engagement durch die Verleihung der Georg-August-Zinn-Medaille des Landes Hessen ausgezeichnet.
Jusepe de Ribera (Játiva 1591 – 1652 Neapel)
Der Heilige Jakobus der Ältere, um 1615/16
Daten und Fakten
Das für das Städel Museum erworbene Gemälde zeigt den Apostel Jakobus den Älteren im stattlichen Format von 133,1 x 99,1 cm, das den für die römische Malerei charakteristischen Maßen einer sog. tela d’imperatore („Kaiserleinwand“) entspricht. In dem Werk tritt dem Betrachter eine monumentale Halbfigur von geradezu skulpturaler Präsenz entgegen. Der Apostel steht vor einer dunklen Wand und wird durch einen sich darauf markant abzeichnenden Lichtkegel von links oben beleuchtet – eine Lichtsituation, wie sie für Caravaggio und seine Nachfolger typisch ist. In der Rechten hält er mit fester Hand sein Attribut, den langen Pilgerstab, mit der vor den Körper gehaltenen linken Hand umklammert er ein Buch. Auf sein Pilgertum verweist auch das im Licht aufglänzende Abzeichen aus zwei kleinen, sich überkreuzenden Pilgerstäben, das er sich oberhalb der Brust ans Gewand geheftet hat. Die von Wetter und Arbeit gegerbten, im Wortsinne zupackenden Hände des Jakobus sind in einem geradezu provozierenden Naturalismus wiedergegeben, den Caravaggio kurz zuvor in die Kunst eingeführt hat. Sein Gewand, eine hellgraue Tunika und darüber ein leuchtend roter Mantel, ist nicht reich an Verzierung, wohl aber an Volumen. In einer großen Bahn hat Jakobus den Mantel über die linke Schulter gelegt und rafft ihn mit der linken Hand, sodass der kräftige Stoff ein aufwendig geformtes Gebirge von Falten ausbildet. Durch Licht und Schatten gewinnt das beinahe abstrakte Faltenmuster des Stoffes an wuchtiger Plastizität. Die leichte, aber merkliche Drehung des Körpers mit der Wendung der linken Schulter zum Betrachter und die Gegenläufigkeit der Arme und Hände verleihen der Figur ein dynamisches Moment. Die Monumentalität der Haltung, der wie schützend vor den Körper gelegte Arm und das dem Betrachter plastisch entgegendrängende Faltenwerk verstärken die Präsenz des Apostels bei seinem Auftritt auf der Bühne des Bildes.
Die besondere Kunst Riberas zeigt sich in der Art und Weise, wie er diese Wucht in der Figur selbst wieder relativiert. Es ist das sanft zur Seite geneigte Haupt des Jakobus, das noch eine andere Facette des Heiligen ins Spiel bringt. Ribera setzt den Kopf besonders in Szene, indem er ihn als einzigen Teil der Figur direkt im Lichtkegel platziert und zusätzlich noch mit einer Lichtaureole hinterfängt. Frontal blickt der Apostel aus tiefdunklen, glänzenden Augen auf den Betrachter, den Mund leicht geöffnet. Alles an diesem Antlitz ist fein, edel und elegant – der Schwung der Lippen, die Konturen der Ohren und die bewegten Strähnen des braun gelockten Haares. Die Sanftheit des Gesichtes steht in subtilem Kontrast zum kraftvollen Ausdruck des Körpers. Diese Ambivalenz zwischen Auftritt und Erscheinung, zwischen Präsenz und Entrückung kennzeichnet das Gemälde als ein feinsinnig durchdachtes Meisterwerk des frühen Ribera. Das Gemälde ist gegen Ende seines Aufenthalts in Rom in den Jahren um 1615/16 entstanden, kurz bevor Ribera nach Neapel aufbrach und sich dort für den Rest seines Lebens niederließ.
Kunsthistorische Einordnung
Zunächst war das Gemälde dem sogenannten „Meister des Salomourteils“ zugewiesen worden, der sich inzwischen als Fiktion der Forschung entpuppt hat. Seit 1978 wird es in der Literatur überzeugend und einhellig als Frühwerk Riberas geführt und hat Eingang in alle einschlägigen Werkverzeichnisse gefunden. Die Qualität von Konzeption und malerischer Ausführung des in sehr gutem Erhaltungszustand überkommenen Bildes ist herausragend. Die Autorschaft Riberas belegt insbesondere der stilistische Vergleich mit für Ribera gesicherten Werken wie den „Heiligen Petrus und Paulus“ in Straßburg, dem „Heiligen Sebastian“ in Osuna und dem „Reuigen Petrus“ in New York, die in Gesichtsbildung und Faltenmodellierung dem Apostel Jakobus bis ins handschriftliche Detail äußerst nahestehen. Eine um 1630 entstandene Darstellung desselben Heiligen im Prado zeigt eindrucksvoll, wie Ribera etwa 15 Jahre später in einer anderen Stilphase auf sein Frühwerk zurückgegriffen hat. Eine bedeutsame Stellung kommt dem Bild jedoch nicht nur innerhalb des Œuvres des spanischen Meisters zu, sondern auch bezüglich seiner Rezeption durch die Zeitgenossen. Sogar der acht Jahre jüngere Diego Velázquez dürfte für seinen im Musée des Beaux-Arts in Orléans bewahrten „Heiligen Thomas“, der nur wenige Jahre später entstand, wesentliche Anregungen von Riberas Gemälde empfangen haben.
Provenienz
In Rom führte der junge Maler nach Ausweis der Quellen ein bohemienhaftes Leben und machte sich mit seiner Kunst rasch einen Namen. So sind Riberas Bilder in Inventaren einiger der vermögendsten römischen Sammler nachweisbar. Der als Mäzen Caravaggios bekannte Vincenzo Giustiniani etwa besaß allein 13 Werke des Spaniers. Giustiniani muss demnach mit Ribera in engem Kontakt gestanden und ihn ähnlich hoch geschätzt haben wie Caravaggio, dessen Bilder am zahlreichsten im Inventar vertreten sind. Besagtes Inventar erwähnt auch einen Heiligen Jakobus den Älteren von der Hand Riberas im Format der tela d’imperatore, der mit dem Frankfurter Bild identisch sein könnte. Im 20. Jahrhundert wurde der Jakobus durch eine Reihe von Besitzerwechseln sammlungsgeschichtlich aktenkundig. 1924 auf einer Auktion bei Leo Schidlof in Wien angeboten, ist er im Katalog erstmals bezeugt. 1927 wurde er in Berlin im Rahmen einer Ausstellung des Antiquitätenhauses Wertheim gezeigt; als Besitzer gibt der Katalog Ernst Lang an. Aus der Sammlung des in Asch ansässigen Ernst Adler erwarb der Privatsammler Ernst Seifert das Bild 1929 in Berlin auf einer Auktion bei Rudolph Lepke. Seifert behielt es über die Kriegsjahre fast drei Jahrzehnte und verkaufte es 1958 an den Münchener Kunsthändler Julius Harry Böhler. Dieser veräußerte es 1964 an eine Familie, aus deren Sammlung es die Kunsthandlung Bernheimer-Colnaghi kürzlich übernahm. Dort erwarb 2014 schließlich die Frankfurter Mäzenatin Dagmar Westberg das Gemälde, um es dem Städel Museum am 8. Dezember als Schenkung aus Anlass ihres 100. Geburtstages zu übergeben.
Einordnung in die Städelsche Sammlung und Rezeption
Im Städel schließt die Schenkung eine Lücke in der Altmeister-Sammlung. Gerade die Ursprünge der europäischen Barockmalerei, die in Italien in den Jahrzehnten um 1600 liegen, waren in der bürgerlichen Sammlung nur unzureichend vertreten. Einen ersten wichtigen Schritt bedeutete die Schenkung einer Madonna des Guercino (um 1621/22) aus der Sammlung Beaucamp 2010. Vielfältige Verbindungen lassen sich auch zu Guido Renis caravaggeskem „Christus an der Geißelsäule“ (1604), Dirck van Baburens „Singendem jungen Mann“ (1622) und Massimo Stanziones „Susanna und die beiden Alten“ (um 1630/35) knüpfen.
„Mit Riberas Jakobus ist ein herausragendes Beispiel der frühen Caravaggio-Rezeption in die Sammlung gelangt, das einen eindrucksvollen Akzent im großen Italiener-Saal setzt. Ein Bild, vor dem man stehenbleibt“, kommentiert Bastian Eclercy, Sammlungsleiter für italienische, französische und spanische Malerei vor 1800 im Städel Museum, die Schenkung.
Die großen Museen der Welt bewahren Riberas Werke, allen voran der Prado in Madrid und das Museo di Capodimonte in Neapel. Im Frankfurter Städel bedeutete das Fehlen eines Gemäldes des Künstlers bislang eine schmerzliche Lücke. Besonders vermisst wurde ein frühes Werk Riberas aus der stark von seiner Begegnung mit der Kunst Caravaggios geprägten Periode. Mindestens vier Jahre lang, von etwa 1612 bis 1616, hielt sich der Anfang Zwanzigjährige in Rom auf und geriet dort in den Bann jenes Meisters der Hell-Dunkel-Malerei und des Naturstudiums. Nur wenige Schriftquellen erhellen diese Werkphase Riberas, die erst in jüngster Zeit die verdiente Aufmerksamkeit der Forschung und des Publikums gefunden hat, insbesondere durch eine große Ausstellung in Madrid und Neapel 2011/12. Die Forschung erhielt dadurch einen regelrechten Schub, und so ist Riberas Frühwerk derzeit eines der am intensivsten diskutierten Themen in der Literatur zum italienischen Barock. Für Aufmerksamkeit sorgten dabei unter anderem im Jahr 2012 die Erwerbung eines großformatigen Ribera-Leinwandbildes des „Reuigen Petrus“ (um 1612/13) durch das Metropolitan Museum in New York und im selben Jahr der Ankauf von Riberas „Johannes Evangelista“ (um 1608) durch den Louvre in Paris. Mit dem Neuzugang durch die Schenkung von Dagmar Westberg ist das Städel jetzt in der glücklichen Lage, sich an dieser ganz aktuellen Diskussion mit einem gewichtigen Beitrag beteiligen zu können.
Bildangaben:
Jusepe de Ribera (Játiva 1591 – 1652 Neapel)
Der Heilige Jakobus der Ältere, um 1615/16
Öl auf Leinwand, 133,1 x 99,1 cm
Frankfurt am Main, Städel Museum
Gestiftet 2014 von Frau Dagmar Westberg, Frankfurt am Main
Städel Museum
Information: www.staedelmuseum.de, info@staedelmuseum.de,
Telefon +49(0)69-605098-0, Fax +49(0)69-605098-111
Besucherdienst: +49(0)69-605098-232, besucherdienst@staedelmuseum.de
Ort: Städel Museum, Schaumainkai 63, 60596 Frankfurt am Main
Öffnungszeiten: Di, Mi, Sa und So 10.00–18.00 Uhr, Do und Fr 10.00–21.00 Uhr
Sonderöffnungszeiten: 24.12.2014 geschlossen, 25.12. und 26.12.2014 10.00–18.00 Uhr, 31.12.2014 geschlossen, 1.1.2015 11.00–18.00 Uhr
Veranstaltungsprogramm Januar 2015
Das Städel Museum und der Arbeitsbereich Altersmedizin der Goethe-Universität Frankfurt am Main haben ein medizinisches Pilotprojekt für Menschen mit Demenz gestartet. ARTEMIS (ART Encounters: a Museum Intervention Study) ist die erste umfassende wissenschaftliche Studie zur interaktiven Kunstvermittlung und den therapeutischen Potenzialen von Kunsttherapie bei Demenz im deutschsprachigen Raum. Im Rahmen des Projekts wird untersucht, welchen Beitrag regelmäßige Museumsbesuche und die interaktive Beschäftigung mit Kunst leisten können, um das emotionale Wohlbefinden und das Kommunikationsverhalten von Menschen mit leichter bis mittelgradiger Demenz zu steigern und die Beziehung zu ihren betreuenden Angehörigen zu verbessern. Zudem soll auf diese Weise Menschen mit Demenz und ihren durch die Pflege eingebundenen Angehörigen ein Stück gesellschaftliche Teilhabe und soziale Integration ermöglicht werden.
Das durch die Familie Schambach-Stiftung geförderte Projekt wurde heute gemeinsam von Prof. Dr. Johannes Pantel, Leiter des Arbeitsbereichs Altersmedizin an der Goethe-Universität Frankfurt, dem Frankfurter Oberbürgermeister und Schirmherrn des Projekts, Peter Feldmann, Städel-Direktor Max Hollein sowie Dr. med. Hansjörg Werner, Vorstandsmitglied der Familie Schambach-Stiftung, im Städel Museum vorgestellt.
„Die Begegnung mit Kunst ist Teil unserer Kultur. Dass Menschen mit Demenz in vielerlei Hinsicht hiervon profitieren können, scheint erst einmal intuitiv richtig. Bislang steht der wissenschaftliche Nachweis allerdings noch aus. Dieser ist jedoch eine wichtige Voraussetzung für eine breite Anwendung und soll durch das ARTEMIS-Projekt erstmalig erbracht werden“, so Pantel.
Peter Feldmann, Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt am Main, hat die Schirmherrschaft für das Projekt übernommen. „Ich freue mich sehr, dass die Umsetzung des Projekts ARTEMIS in Frankfurt realisiert werden kann und dass das Städel als Kooperationspartner gewonnen werden konnte. In unserer Stadt leben viele Menschen mit Demenz, und dieses Projekt stellt eine enorme Bereicherung dar. Durch die Teilnahme am Projekt können Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen positive Erfahrungen machen und auch persönliche Entlastung erfahren. Darüber hinaus leisten sie auch einen wichtigen Beitrag zur wissenschaftlichen Forschung. Ich hoffe, dass wir das Projekt nachhaltig in die Frankfurter Museumskultur integrieren können und so vielen Frankfurter Bürgerinnen und Bürgern, die von Demenz betroffen sind, über die Projektdauer hinaus einen Zugang zur Kultur ermöglichen können“, sagt Feldmann.
„Wir freuen uns ausgesprochen darüber, kultureller Kooperationspartner dieses wichtigen Projekts zu sein. Das Städel Museum bietet bereits ein breit gefächertes, sehr differenziertes Vermittlungsangebot für verschiedenste Besuchergruppen. Nun können wir auch Menschen mit Demenzerkrankungen und ihren Angehörigen besondere Kunsterlebnisse ermöglichen“, führt Hollein aus.
Gefördert wird das Projekt durch die Familie Schambach-Stiftung. „Die Familie Schambach-Stiftung fördert das Projekt, weil die Förderung regionaler Projekte auf dem Gebiet der Altersforschung ein wichtiger Teil des Stiftungszwecks ist, und weil gerade auf dem Gebiet der Demenzforschung hoher Forschungsbedarf besteht. Das Bedeutsame an diesem Projekt ist, dass nicht die Defizite der Menschen mit Demenz im Vordergrund stehen. ARTEMIS hat zum Ziel, durch Kunstbetrachtung die erhaltenen Fähigkeiten der Menschen mit Demenz zu wecken, zu fördern und Teilnehmer zu eigener Kreativität anzuregen“, so Werner.
Das Projekt ist für die Dauer von zwei Jahren angelegt. Der Auftakt fand im Oktober 2014 statt. Zwei Teilnehmergruppen, bestehend aus insgesamt sieben Demenzpatienten und je einem begleitenden Angehörigen, nehmen seitdem an etwa einstündigen thematischen Führungen durch speziell geschulte Kunstvermittler des Museums teil. Im Anschluss daran wird in den Städel Atelierräumen kreativ gearbeitet. Für das Jahr 2015 sind weitere Durchführungen geplant, für die noch Teilnehmer gesucht werden. Die Teilnahme an der Studie ist für die Studienteilnehmer kostenfrei und setzt keine künstlerische Begabung voraus. Bewusst werden verschiedene künstlerische Techniken in die Atelierarbeit aufgenommen: Collagen, Malerei, einfache Drucktechniken und Arbeiten mit Ton. Die Aufgaben sind so angelegt, dass die an Demenz erkrankte Person und ihr Begleiter miteinander in einen kreativen Austausch treten können.
Durch kreativ-therapeutische Ansätze wie Kunst- oder Musiktherapie können noch vorhandene kommunikative Potenziale gefördert und alternative Zugangswege zur Erlebniswelt von Menschen mit Demenz erschlossen werden. Für die Musiktherapie gibt es inzwischen eindeutige Wirksamkeitsbelege, insbesondere im Hinblick auf die Verbesserung des situativen Wohlbefindens und bestimmter Kommunikationsaspekte der Betroffenen. Für die Kunsttherapie stehen solche Beweise noch aus. Dies inspirierte die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Johannes Pantel, Leiter des Arbeitsbereichs Altersmedizin an der Goethe-Universität Frankfurt, zu dem wissenschaftlich begleiteten ARTEMIS-Projekt.
Das ARTEMIS-Projekt ist die erste randomisierte und kontrollierte Studie zum Einfluss von Museumsbesuchen und künstlerischer Betätigung auf das emotionale Befinden von Menschen mit Demenz. Vor und nach dem Museumsbesuch werden in einer Kurzbefragung Daten zur Stimmung und zum Gedächtnis der Menschen mit Demenz erhoben. Die Studie vergleicht erstmals mithilfe einer Interventionsgruppe und einer Kontrollgruppe die Auswirkungen der interaktiven Auseinandersetzung mit Kunst im demenziellen Kontext. Die Zuteilung zu einer von beiden Gruppen erfolgt nach dem Zufallsprinzip. Die Teilnehmer in der Kontrollgruppe erhalten ebenfalls die Gelegenheit zu wöchentlichen Besuchen im Städel Museum, allerdings ohne Kunstführungen und anschließende Atelierarbeit.
Zusätzlich zu Standardtests, die in beiden Gruppen den Verlauf der Demenzerkrankung dokumentieren, ermitteln die Forscher auch die Belastung der Angehörigen, die Beziehung zwischen ihnen und den Erkrankten, Veränderungen der Lebensqualität und die Sicht auf die Zukunft. Mithilfe von Videoaufzeichnungen, die während der Atelierarbeit gemacht werden, soll das gemeinsame kreative Arbeiten einzelner Teilnehmer dokumentiert werden. Das streng vertraulich behandelte Videomaterial wird mit dem methodischen Ansatz der Zeitreihenanalyse ausgewertet. Dabei wird jedes Video in kurze Zeitsequenzen unterteilt, die von geschulten Beobachtern mit Blick auf die Kommunikationsfähigkeit, das Wohlbefinden und das emotionale Ausdrucksverhalten der gefilmten Personen ausgewertet werden. Anschließend werden Trendverläufe berechnet und Interventionseffekte nachgewiesen. Für das Jahr 2015 werden noch Projektteilnehmer gesucht.
Anmeldung und Informationen zum Projekt:
Dr. Valentina Tesky und Dipl.-Psych. Arthur Schall M. A., Goethe-Universität Frankfurt am Main, Institut für Allgemeinmedizin, Arbeitsbereich Altersmedizin,
Tel.: +49(0)69-6301-83621 und -7657; E-Mail: tesky@allgemeinmedizin.uni-frankfurt.de; schall@allgemeinmedizin.uni-frankfurt.de.
Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Standpunkte zur Kunst“ spricht der Düsseldorfer Maler und langjährige Lehrer an der Düsseldorfer Akademie, Konrad Klapheck (*1935), im Städel Museum über seine unverkennbaren Maschinenbilder. Einer der großen Einzelgänger unter den Malern der Gegenwart wird in seinem Vortrag sein kürzlich vom Städelkomitee 21. Jahrhundert erworbenes, frühes Hauptwerk Der Gesetzgeber (1969) vorstellen sowie, darauf aufbauend und anhand eines Lichtbildervortrages, auf sein Schaffen der vergangenen fünf Jahrzehnte eingehen. Zwischen Pop-Art, Surrealismus, Neo- oder auch Magischem Realismus fand Klapheck zu einer ganz eigenständigen künstlerischen Ausdrucksform. Seine Maschinenbilder machten ihn zu einem der wichtigsten Protagonisten der deutschen Nachkriegskunst. Konrad Klaphecks Malerei entfaltet unter ihrer realistisch kühlen Oberfläche ein surreales Eigenleben, das sich aus Psychologie und Geschichte, aus Privatem und Kollektivem gleichermaßen speist. Der Vortrag „Maschine und Ich“ findet am Donnerstag, 20. November 2014, um 19.00 Uhr im Metzler-Saal des Städel Museums statt. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Der 1935 geborene Konrad Klapheck fertigte mit nur zwanzig Jahren an der Düsseldorfer Kunstakademie sein erstes „Porträt“ einer Kontinental-Schreibmaschine an und legte damit den Grundstein für ein außergewöhnlich konsequentes und eigenständiges Oeuvre. Seine Gemälde von technischen Alltagsgegenständen wie Schreibmaschinen, Nähmaschinen, Wasserhähne, Bügeleisen oder Baumaschinen sind zu einem Markenzeichen geworden. In seltsam isolierten, raum- und zeitlosen Kompositionen sind die Gebrauchsgegenstände ihrem eigentlichen Zweck enthoben. Im Wechselspiel mit bezeichnenden Titeln wie Der Hausdrachen, Die Fanatikerin oder Der Spaßvogel werden seine Werke zu inhaltlich aufgeladenen Spiegelbildern des Menschen.
Das für das Städel Museum erworbene Werk Der Gesetzgeber gehört zur ersten Werkgruppe seiner Maschinenbilder: der Schreibmaschinen, Symbol für das Verwaltungs- und Wirtschaftsleben im Nachkriegsdeutschland. Das 1969 entstandene Gemälde steht am Ende einer Variationsreihe von Schreibmaschinendarstellungen: Der Chef (1965) – Der Herrscher (1966) – Der Diktator (1967) – Der Gesetzgeber (1969).
Der Gesetzgeber zählt zu den außergewöhnlichen Neuerwerbungen des deutschlandweit einzigartigen „Städelkomitee 21. Jahrhundert“. Das 2007 von Sylvia von Metzler ins Leben gerufene Gremium besteht aus über 40 Privatpersonen, die das Städel Museum beim Ankauf wichtiger Werke der Gegenwartskunst unterstützen und dem Städel damit ermöglichen, seine Sammlung der Kunst nach 1945 strategisch zu verstärken und weiter auszubauen.
Der Gesetzgeber wird seit wenigen Tagen gemeinsam mit Werken von Gerhard Richter, Wolf Vostell, Thomas Bayrle, Sigmar Polke und anderen an zentraler Stelle in den Gartenhallen präsentiert. Die Gelegenheit, weitere Werke von Konrad Klapheck in Frankfurt zu sehen, bietet noch bis zum 8. Februar 2015 die Ausstellung „German Pop“ in der Schirn Kunsthalle Frankfurt. Als einer der ersten Künstler seiner Zeit wendet sich Klapheck im Nachkriegsdeutschland wieder einer gegenständlichen Malerei zu und macht damit den Weg frei für einen „Kapitalistischen Realismus“ im Sinne des Pop.
Standpunkte zur Kunst: Konrad Klapheck „Die Maschine und Ich“
Donnerstag, 20. November 2014, 19.00 Uhr
Information: www.staedelmuseum.de, info@staedelmuseum.de,
Telefon +49(0)69-605098-200, Fax +49(0)69-605098-111
Ort: Metzler-Saal, Städel Museum, Schaumainkai 63, 60596 Frankfurt am Main
Max Hollein, seit 2006 in Personalunion Direktor des Städel Museums, der Liebieghaus Skulpturensammlung und der Schirn Kunsthalle Frankfurt, verlängert sein Engagement in Frankfurt bis 2018. Wie der Vorsitzende der Administration des Städel Museums, Prof. Dr. Nikolaus Schweickart, mitteilt, ist Holleins laufender Vertrag mit dem Städelschen Kunstinstitut, der auch die Leitung der beiden übrigen Häuser miteinschließt, entsprechend verlängert worden.
„Wir sind außerordentlich glücklich darüber, dass Max Hollein seine erfolgreiche Tätigkeit an der Spitze der drei bedeutenden Frankfurter Kulturinstitutionen fortsetzen wird und er sich – trotz anderweitiger Angebote – entschieden hat in Frankfurt zu bleiben. Max Hollein hat mit seiner bisherigen Arbeit Maßstäbe gesetzt und das Städel nicht zuletzt durch eine inhaltliche und räumliche Erweiterung in neue Dimensionen geführt“, so Schweickart.
Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann, Aufsichtsratsvorsitzender der Schirn, betont: „Max Hollein hat die Schirn zu einem der profiliertesten, bekanntesten und spannendsten Ausstellungshäuser in ganz Europa entwickelt. Das vielseitige Ausstellungs-, Veranstaltungs- und Vermittlungsprogramm aller drei von ihm geführten Häuser verdeutlicht die Lebendigkeit, Offenheit und ungebrochene Relevanz dieser Kulturinstitutionen für Frankfurt und weit darüber hinaus. Hervorzuheben ist aus meiner Sicht besonders seine Freude an der Verknüpfung von Exzellenz und Breitenorientierung."
Prof. Dr. Felix Semmelroth, Kulturdezernent der Stadt Frankfurt am Main, zeigte sich hochzufrieden mit Holleins Entscheidung: „Eine gute Nachricht für Frankfurt! Max Hollein ist es gelungen, innovative künstlerische Perspektiven aufzuzeigen und dadurch neue Erkenntnisse zu gewinnen. Das vielfältige Programm der drei Häuser findet regelmäßig größte Anerkennung beim Publikum und der internationalen Fachwelt. Die hohe Qualität und Einmaligkeit der konzipierten Schauen avancieren zu einem „Must-See“. Das macht die Institutionen zu einem Impulsgeber und trägt maßgeblich dazu bei, Frankfurt als bedeutende Kulturstadt auf der internationalen Museumskarte zu verankern.“
Der 1969 in Wien geborene Max Hollein ist seit 2001 Direktor der Schirn Kunsthalle Frankfurt sowie seit Januar 2006 Direktor des Städel Museums und der Liebieghaus Skulpturensammlung.
PRESSEKONTAKT
Axel Braun (Leitung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit)
Städel Museum, Dürerstraße 2, D-60596 Frankfurt, Telefon: +49 (0)69 60 50 98-170,
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Das Städel Museum erweitert seinen Sammlungsbestand der Kunst der Moderne um eine wichtige Arbeit von Lotte Laserstein (1898–1993). Damit ist das Städel das erste öffentliche Museum in Deutschland außerhalb Berlins, das ein Werk dieser Künstlerin erworben hat. Laserstein studierte an der Berliner Kunstakademie und wurde dort 1925 mit der Goldmedaille ausgezeichnet. Ihre erste Einzelausstellung hatte sie 1931 in der renommierten Berliner Galerie von Fritz Gurlitt. Die einsetzende Karriere wurde durch den Nationalsozialismus jäh beendet. 1937 sah sich die Künstlerin aufgrund ihrer jüdischen Herkunft gezwungen, nach Schweden zu emigrieren, wo sie bis zu ihrem Tod 1993 lebte. Das Gemälde Russisches Mädchen mit Puderdose (1928) nahm die Künstlerin mit ins schwedische Exil. Ab 1954 wohnte sie in der südschwedischen Stadt Kalmar nahe Nybro. Das Ölgemälde ergänzt in der Städelschen Sammlung hervorragend den Bestand der Malerei der Weimarer Zeit und kann Arbeiten von Otto Dix, Maximilian Klewer, Ottilie Roederstein oder Karl Hubbuch an die Seite gestellt werden. Die im Werkverzeichnis der Künstlerin aufgeführte Arbeit wurde zuletzt 2005 in der Ausstellung „Sternverdunkelung“ im Judiska Museet (Stockholm) gezeigt und befindet sich in einem ausgezeichneten Zustand. Das Werk ist ab sofort in der Sammlungspräsentation „Kunst der Moderne“ im Städel Museum zu sehen.
„Nach mehrjährigen Bemühungen ist es uns gelungen, ein Hauptwerk von Lotte Laserstein für die Städelsche Sammlung zu sichern und unserem Publikum damit eine wichtige Protagonistin der Neuen Sachlichkeit zugänglich zu machen. Diesen Bereich der Kunstgeschichte konnten wir in den letzten Jahren dank einer Reihe von zentralen Erwerbungen signifikant ausbauen“, freut sich Max Hollein, Direktor des Städel Museums.
Ihre eindrucksvollsten Werke schuf Lotte Laserstein Ende der 1920er-Jahre und in den frühen 1930er-Jahren. Virtuos setzte sie Menschen der Zwischenkriegszeit ins Bild. Dabei zeichnen Kargheit, Melancholie und Modernität Lotte Lasersteins Darstellungen aus. In Hinblick auf Themen und Grundhaltung ihrer Werke deckt sich Lasersteins Ansatz mit demjenigen der Neuen Sachlichkeit, zugleich ist ihr Malstil weder objektivierend unterkühlt noch gesellschaftskritisch überzeichnet, wie es für diese Kunstrichtung charakteristisch ist. Lotte Laserstein schuf zahlreiche Porträts, in denen sie verschiedene zeitgenössische Frauentypen festhielt. Bei dem Gemälde Russisches Mädchen mit Puderdose handelt es sich um ein Hauptwerk der Künstlerin, welches ihre Formensprache und Modernität eindrücklich zur Geltung bringt. Es zeigt ein junges, modisch gekleidetes Mädchen mit einem für die Zeit typischen, burschikosen Haarschnitt. Die Dargestellte begutachtet ihre Frisur mithilfe einer Puderdose in einem großen Spiegel. Die flächige Malweise des Hintergrundes, der Kleidung und des Spiegels kontrastiert mit den präzise ausgeführten Details der Hände und des Gesichts. Effektvoll bedient sich Laserstein ästhetischer Stilmittel wie farblicher Hell-Dunkel-Kontraste und Frontalansicht.
1928 nahm Laserstein mit Russisches Mädchen mit Puderdose an dem Wettbewerb „Das schönste deutsche Frauenporträt“ teil, das unter 365 Werken für die Endrunde nominiert wurde. Die 26 ausgewählten Gemälde wurden in der Galerie Gurlitt ausgestellt und von einem breiten Publikum begeistert aufgenommen.
Aus eigener Initiative heraus hat das Frankfurter Museum Russisches Mädchen mit Puderdose aus dem Besitz der schwedischen Gemeinde Nybro erworben. Das Gemälde wurde in den 1970er-Jahren von einem Altersheim in Nybro von der Künstlerin angekauft. Die Gemeinde hatte das Altersheim – und mit ihm auch das Gemälde – in den 1990er-Jahren übernommen. Die Mittel des Ankaufs fließen vollständig in den Kulturetat der 20.000 Einwohner zählenden Gemeinde; unter anderem soll damit ein Mahnmal gegen Rassismus errichtet werden.
Information: www.staedelmuseum.de, info@staedelmuseum.de,
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Ort: Städel Museum, Schaumainkai 63, 60596 Frankfurt am Main
Öffnungszeiten: Di, Mi, Sa und So 10.00–18.00 Uhr, Do und Fr 10.00–21.00 Uhr
Sonderöffnungszeiten: 24.12.2014 geschlossen, 25.12. und 26.12.2014 10.00–18.00 Uhr, 31.12.2014 geschlossen, 1.1.2015 11.00–18.00 Uhr.
Eintritt: 12 Euro, ermäßigt 10 Euro, Familienkarte 20 Euro; samstags, sonn- und feiertags 14 Euro, ermäßigt 12 Euro, Familienkarte 24 Euro; freier Eintritt für Kinder bis zu 12 Jahren; Gruppen ab 10 Personen: ermäßigter Eintrittspreis pro Person. Für Gruppen ist vorab eine Anmeldung erforderlich; telefonisch unter +49(0)69-605098-200.
Kartenvorverkauf unter: tickets.staedelmuseum.de
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