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Im Rahmen einer technologischen Untersuchung des Werkes Schlittenfahrt im Schnee (1927–1929) von Ernst Ludwig Kirchner (1880–1938) ist im Städel Museum ein bisher unbekanntes Gemälde des bedeutenden Expressionisten und Gründungsmitglieds der Künstlervereinigung Brücke aufgetaucht. Szene im Café verbarg sich unter der Leinwand der später entstandenen Schlittenfahrt im Schnee. Das Gemälde wurde 1987 von dem Frankfurter Unternehmer und Mäzen Dr. Kurt Möllgaard dem Städelschen Museums-Verein geschenkt, wobei die doppelte Bespannung des Keilrahmens bisher unentdeckt blieb. Nach eingehender Analyse sind beide Gemälde ab sofort bis März 2017 als Teil der Kabinettpräsentation „Über das Untersuchen, Finden und Restaurieren von Bildern“ im Sammlungsbereich Kunst der Moderne ausgestellt. Anhand von insgesamt fünf Beispielen wird ein Einblick in aktuelle Forschungs- und Restaurierungstätigkeiten des Museums geboten. Im Zentrum stehen dabei künstlerische Materialien, Techniken und Werkprozesse sowie alterungsbedingte Zustandsveränderungen und deren restauratorische Behandlung.
„Die neu entdeckte Szene im Café bereichert den Städelschen Bestand an expressionistischen Arbeiten um ein Gemälde, das die stilistischen Änderungen in Kirchners Œuvre der 1920er-Jahre eindringlich vor Augen führt. Werke der Brücke-Künstler und insbesondere auch Arbeiten von Kirchner selbst gehören zu den Schwerpunkten unserer Sammlung der Moderne“, erklärt Städel Direktor Philipp Demandt. „Der glückliche Fund von Szene im Café baut diesen Fokus weiter aus.“
Entstanden ist das Werk um 1926, als sich Kirchner bereits seit acht Jahren in die Nähe des Schweizer Ortes Davos zurückgezogen hatte. In dieser Zeit veränderte sich sein Stil maßgeblich: Die zackige, nervöse Linienführung seines Frühwerks wich einer betont flächigen Malweise und einem oft rigiden, stark abstrahierenden Bildaufbau. Während viele der damals entstandenen Werke das ländliche Leben in den Bergen thematisieren, verweist Szene im Café auf Kirchners fortwährendes Interesse am urbanen Alltagsleben und der mondänen Welt von Bars und Varietés, dem er sich auch in früheren Städel Werken wie Varieté; Englisches Tanzpaar (um 1909/26) gewidmet hat. Schlittenfahrt im Schnee befand sich bis zum Tod Kirchners 1938 in seinem Besitz. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es aus dem Nachlass an einen Privatsammler verkauft, bevor Dr. Kurt Möllgaard das Bild 1965 von der Galerie Roman Norbert Ketterer, Campione, erwarb. 1987 schenkte der Frankfurter Mäzen Möllgaard das Werk dem Städelschen Museums-Verein.
Die Neuentdeckung eines intakten, abgeschlossenen Werks unter einem Gemälde von gleicher Hand mag zunächst verblüffen. Allerdings ist dies nicht der einzige Fall, in dem Kirchner mehrere Leinwände auf ein und denselben Keilrahmen aufspannte. In einem Brief vom Februar 1918 bat er den Sammler und Mäzen Carl Hagemann, bei Käufern zweier seiner Werke nachzufragen, ob unter diesen nicht eventuell weitere Leinwände aufzufinden seien. Als Grund für diese Vorgehensweise gab Kirchner den Mangel an zur Verfügung stehenden Keilrahmen an: „Sehr geehrter Herr Doktor! Würden Sie wohl die Liebenswürdigkeit haben bei der Fehmarnlandschaft bei Herrn Isernhagen und dem blühenden Kastanienbaum bei Herrn Clingstein nachsehen zu lassen bei Gelegenheit, ob unter dem verkauften Bild noch andere Bilder darunter auf dem Keilrahmen gespannt sind. Es ging mir des öfteren so, dass 3–4 Leinwände übereinander gezogen wurden, wenn ich keine Keilrahmen hatte.“ Weitere Beispiele von übereinander gespannten, bemalten Leinwänden Kirchners wurden bereits 1969 sowie 1970 am Bündner Kunstmuseum Chur entdeckt. Dort fand man unter den Werken Bergwald (1937) und Augustfeuer (1933–35) ebenfalls Leinwände mit früheren Kompositionen. Kirchner verwendete auch bei Schlittenfahrt im Schnee sowie bei Szene im Café denselben Keilrahmen, der während der technologischen Untersuchung am Städel noch die originale Aufspannung aufzeigte. Spuren der Grundierung beider Gemälde waren zudem auf der Rahmenkonstruktion sichtbar.
Felix Krämer, Sammlungsleiter für die Kunst der Moderne, zeigt sich von diesem Glücksfund sehr erfreut: „Das Städel verfügt zwar über einen außergewöhnlich qualitätvollen Bestand an Brücke-Werken“, so der Kunsthistoriker, der 2010 die Kirchner-Retrospektive am Städel kuratierte, „allerdings haben wir bislang nur wenige repräsentative Gemälde aus dem Spätwerk Kirchners. Der Fund der Szene im Café ist auch gerade in diesem Sinne eine bedeutende Bereicherung unserer Expressionismus-Sammlung.“
Einen weiteren bedeutenden Fund machten die Restauratoren des Städel Museums bei der Untersuchung des kürzlich angekauften Gemäldes Glasbild II (1928), ein Hauptwerk von Walter Dexel (1890–1973). Auf dem Rückseitenschutz des Gemäldes entdeckten sie ein Fragment von Haus mit Zwiebelturm (1917), das in dem 1995 erschienenen Werkverzeichnis zu Dexel abgebildet und dort als verschollen aufgeführt wird. Genau wie die Gemälde Kirchners werden auch diese Bilder erstmals im Rahmen der neuen Kabinettpräsentation Seite an Seite zu sehen sein. Ergänzt werden sie von weiteren im Restaurierungsatelier des Städel Museums bearbeiteten Werken. Alle in der Ausstellung dokumentierten Untersuchungen sowie sämtliche Konservierungen und Restaurierungen der Präsentation wurden von der Diplomrestauratorin Eva Bader durchgeführt.
„Solche Funde ereignen sich nicht jeden Tag. Die technologische Erforschung unserer Sammlungsobjekte ist für unsere Arbeit essentiell, weil sie uns Erkenntnisse über Entstehungsprozesse und künstlerische Arbeitsweisen ermöglicht. Daher freuen wir uns, mit der neuen Kabinettpräsentation einen Einblick in unsere Tätigkeit geben zu können“, so Stephan Knobloch, Leiter Restaurierung – Gemälde und moderne Skulpturen im Städel Museum.
Kabinettpräsentation
„Über das Untersuchen, Finden und Restaurieren von Bildern“
Information: www.staedelmuseum.de, info@staedelmuseum.de, Telefon +49(0)69-605098-200, Fax +49(0)69-605098-112
Besucherdienst: Telefon +49(0)69-605098-232, besucherdienst@staedelmuseum.de
Ort: Städel Museum, Schaumainkai 63, 60596 Frankfurt am Main
Öffnungszeiten: Di, Mi, Sa, So + Feiertage 10.00–18.00 Uhr, Do + Fr 10.00–21.00 Uhr, montags geschlossen
Sonderöffnungszeiten: Sa, 24.12., geschlossen; So, 25.12., 10.00–18.00 Uhr; Mo, 26.12., 10.00–18.00 Uhr; Sa, 31.12., geschlossen; So, 1.1.2017, 11.00–18.00 Uhr; Mo, 2.1.2017, 10.00–18.00 Uhr
Eintritt: 14 Euro, ermäßigt 12 Euro, Familienkarte 24 Euro; freier Eintritt für Kinder unter 12 Jahren; Gruppen ab 10 Personen: ermäßigter Eintrittspreis pro Person. Für Gruppen ist vorab eine Anmeldung unter Telefon +49(0)69-605098-200 oder info@staedelmuseum.de erforderlich
Kartenvorverkauf: tickets.staedelmuseum.de
Am Abend des 28. Oktober öffnet das Städel Museum seine Pforten für eine besondere Veranstaltung: Die Konzertreihe ROTOR trifft bei ihrem fünften Event auf ausgewählte Positionen aus dem Sammlungsbereich Gegenwartskunst. Bei Rotor #5 führen Benjamin Kobler (Klavier), Dirk Rothbrust (Percussion) und Florian Zwissler (Elektronik) Karlheinz Stockhausens Werk Kontakte auf, in welchem der Pionier der elektronischen Musik die beiden Klangwelten der akustischen Instrumente und der elektronisch erzeugten Töne zusammenführt. Wolfgang Voigt, Mitbegründer des Kölner Labels Kompakt und einer der prägendsten Protagonisten der deutschen Techno-, House- und Elektronik-Szene, präsentiert anschließend sein Stück Rückverzauberung live. Zu den Musik-Live-Performances gibt es jeweils kurze Einführungen durch Prof. Orm Finnendahl, Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main, Prof. Heiner Blum, Hochschule für Gestaltung Offenbach, und Dr. Martin Engler, Sammlungsleiter Gegenwartskunst. Zudem werden Kurzführungen durch die Sammlung angeboten, bei der Zeitgenossen Karlheinz Stockhausens – von Günther Uecker bis Jessica Stockholder, von Donald Judd bis Michael Beutler – in den Kontext der musikalischen Interventionen gesetzt werden. Den Abschluss bildet ein DJ-Set von Ellen Allien, die zu den zentralen Künstlerinnen der deutschen Elektronik-Szene zählt. Der Vorverkauf zur Veranstaltung ist limitiert und kostet 12 Euro, die Karten können unter tickets.staedelmuseum.de erworben werden. Tickets an der Abendkasse sind für 14 Euro erhältlich, Studenten zahlen dort 8 Euro.
Die Konzertreihe ROTOR hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Szenen Neue Musik, Elektronische Clubmusik und Klangkunst stärker miteinander zu verbinden, indem sie gemeinsame Rezeptions- und Produktionsräume sowie Perspektiven schafft.
ROTOR #5 ist eine Kooperationsveranstaltung des Städel Museums, der Europäischen Zentralbank, des Internationalen Musikinstituts Darmstadt (IMD), des Instituts für Klangforschung der Hochschule für Gestaltung Offenbach und des Instituts für zeitgenössische Musik (IzM) der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main im Rahmen der EUROPA KULTURTAGE der EZB in Kooperation mit der Deutschen Bundesbank.
Gegenwartskunst trifft auf Rotor #5
Freitag, 28. Oktober 2016, Einlass und Programmbeginn ab 20.00 Uhr
Information: www.staedelmuseum.de, info@staedelmuseum.de, www.facebook.com/staedelmuseum, Telefon +49(0)69-605098-0, Fax +49(0)69-605098-111
Ort: Städel Museum, Schaumainkai 63, 60596 Frankfurt am Main
Öffnungszeiten: ab 20.00 Uhr bis spät in die Nacht
Eintritt: 12 Euro (limitierter Vorverkauf),
14 Euro (Abendkasse; reduzierter Eintrittspreis von 8 Euro für Studenten)
Kartenvorverkauf: tickets.staedelmuseum.de
Im Rahmen der diesjährigen Frankfurter Buchmesse und als krönender Abschluss des Gastlandauftrittes von Flandern und den Niederlanden lesen verschiedene Autoren am Sonntag, 23. Oktober 2016, in den Galerieräumen des Städel. Insgesamt sechs Schriftstellerinnen und Schriftsteller haben sich von Gemälden aus den unterschiedlichen Sammlungsbereichen des Städel Museums inspirieren lassen und eigens für den Anlass neue Texte verfasst. Die vorgetragenen Texte von Mano Bouzamour, Charlotte Van den Broeck, Bregje Hofstede, Herr Seele, Gustaaf Peek und Aline Sax ergeben eine außergewöhnliche Verbindung von Literatur und Kunst. Die persönlichen Assoziationen und Interpretationen der Autoren zu den Kunstwerken sind eine besondere Gelegenheit die Gemälde aus einer völlig neuen Perspektive kennenzulernen: Gelesen und erzählt wird unmittelbar vor den Originalen in deutscher Sprache. Die Teilnahme an der Lesung ist im Eintrittspreis des Museums enthalten. Um eine Anmeldung unter 069-605098-200 oder info@staedelmuseum.de wird gebeten.
Die Veranstaltung wird ermöglicht durch Flandern & Die Niederlande Ehrengast der Buchmesse Frankfurt 2016.
Die sechs lesenden Autoren sind dabei so unterschiedlich wie die Kunstwerke, mit denen sie sich befassen: Die studierte Sprachwissenschaftlerin Charlotte Van den Broeck trifft als Performing Poet auf ein Gemälde des zeitgenössischen Malers Gerhard Richter. Von dem Autor, Maler und Herausgeber des Cowboy Henk-Furore-Comics Herr Seele ist ein lebhafter Vortrag vor einem Werk des Meisters von Flémalle zu erwarten, während sich Mano Bouzamour, der Autor des in den Niederlanden zum besten Romandebüt des Jahres 2014 avancierten De belofte van Pisa, mit der blutrünstigen Blendung Simsons von Rembrandt auseinandersetzt. Weitere Paarungen bilden der Schriftsteller, Redakteur und Fotograf Gustaaf Peek und die Frankfurter Synagoge von Max Beckmann, die 1984 in Antwerpen geborene Aline Sax und Custave Courbets Die Woge sowie die Dozentin für Kunstgeschichte und Autorin des gefeierten De hemel boven Parijs (Der Himmel über Paris, 2015) Bregje Hofstede und Corinne Wasmuths großformatiges Gemälde Barrier.
‚Kunst ist, was wir teilen‘: Autorenlesungen im Städel
Termin: Sonntag, 23. Oktober 2016, 15.00 bis 18.00 Uhr
Ort: Städel Museum, Schaumainkai 63, 60596 Frankfurt am Main
Ablauf:
15.00 Uhr Begrüßung im Metzler-Saal
Anschließend finden alle Lesungen zwischen 15.00 und 17.00 Uhr in den Galerieräumen statt.
Eintritt frei (im Rahmen des Museumsbesuchs)
Anmeldung unter: info@staedelmuseum.de oder +49(0)69-605098-200
Information: www.staedelmuseum.de, info@staedelmuseum.de, Telefon +49(0)69-605098-200, Fax +49(0)69-605098-111
Veranstaltungsprogramm November 2016
Das Städel Museum, die Schirn Kunsthalle Frankfurt und die Liebieghaus Skulpturensammlung haben einen neuen Direktor. Zum 1. Oktober 2016 beginnt Dr. Philipp Demandt seine Tätigkeit an der Spitze der drei Frankfurter Kulturinstitutionen. Der Kunsthistoriker wurde im Zuge einer intensiven nationalen wie internationalen Suche eines Nachfolgers für Max Hollein ausgewählt. Er war zuvor Leiter der Alten Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz. Auf der Antrittspressekonferenz wurde der 1971 geborene Demandt heute von Prof. Dr. Nikolaus Schweickart, Vorsitzender der Administration des Städel Museums, und Dr. Ina Hartwig, Kulturdezernentin der Stadt Frankfurt am Main, vorgestellt.
Prof. Dr. Nikolaus Schweickart, Vorsitzender der Administration des Städel Museums, unter dessen Vorsitz die Suche durchgeführt wurde, betonte: „Mit Philipp Demandt haben wir unseren Wunschkandidaten bekommen. Seine umfassenden Erfahrungen im modernen Kulturmanagement und seine ausgewiesene Expertise als Kunsthistoriker und Ausstellungsmacher mit einem feinen Gespür für besondere Themen und Entdeckungen machen ihn zum richtigen Kandidaten für den Job. Wir freuen uns auf die gemeinsame Zusammenarbeit.“
„Ich freue mich sehr, dass wir den renommierten Kunsthistoriker Philipp Demandt als Direktor der drei Häuser gewinnen konnten. Die Schirn Kunsthalle Frankfurt ist eines der führenden Ausstellungshäuser – mit einem klaren und unverwechselbaren Profil, das über die Grenzen Frankfurts und Deutschlands geschätzt wird. Sie korrespondiert auf hervorragende Weise mit den Sammlungsschwerpunkten des traditionsreichen Städel Museums und der Liebieghaus Skulpturensammlung. Ein effektives Zusammenspiel der drei großen Kunstinstitutionen auch in Zukunft fortzuführen, ist für die kulturelle Entwicklung der Stadt und der Region sinnvoll und wichtig. Ich wünsche Philipp Demandt einen guten Start und viel Erfolg“, teilte die Frankfurter Kulturdezernentin Dr. Ina Hartwig mit.
Dr. Philipp Demandt selbst nutzte die Pressekonferenz, um sich den versammelten Medienvertretern als neuer Direktor der drei Frankfurter Kunstinstitutionen vorzustellen: „Das Städel, die Schirn und das Liebieghaus als Direktor zu führen und deren erfolgreiche Arbeit in all ihrer Vielfalt weiterzuentwickeln ist eine Herausforderung, die ich mit großer Freude annehme. Ich danke dem Magistrat der Stadt Frankfurt und der Administration des Städel Museums für das entgegengebrachte Vertrauen. Das Städel Museum, die Schirn und das Liebieghaus sind drei bedeutende Kunstinstitutionen, die mit ihren progressiven Ausstellungen und Projekten die Menschen begeistern und immer wieder zeigen, wie wir eine lebendige Beschäftigung mit Kunst in unserer heutigen Zeit denken können und müssen. Es steht außer Frage, dass die eigenständigen und starken Profile der drei Institutionen erhalten bleiben und dabei auch zukünftig Synergien genutzt werden. Die drei Häuser haben ein in allen Bereichen qualifiziertes Team, dessen hervorragende Arbeit Sie kennen und die Ihnen auch in den nächsten Wochen mit unseren großen Herbstausstellungen wieder begegnen wird. Ich freue mich sehr auf die gemeinsame Zusammenarbeit.“
Der 1971 in Konstanz geborene Philipp Demandt studierte Kunstgeschichte, Klassische Archäologie und Publizistik und promovierte 2001 am Institut für Geschichts- und Kulturwissenschaften der Freien Universität Berlin mit einer Arbeit zur Entstehungs- und Wirkungsgeschichte der Königin-Luise-Porträts von Johann Gottfried Schadow und Christian Daniel Rauch sowie zur historischen Mythologie des preußischen Staates im Spiegel des „Luisenkults“. Nach einer Ausstellungsassistenz im Bröhan-Museum ab 2002 wurde Demandt 2004 Dezernent bei der Kulturstiftung der Länder. Zu seinen Aufgaben zählten die Beratung und Unterstützung deutscher Kultureinrichtungen beim Erwerb und der Finanzierung von Kunstwerken von der Vor- und Frühgeschichte bis zum 19. Jahrhundert sowie bei Ausstellungsvorhaben. Von 2007 bis 2010 war er zudem Mitkurator der Ausstellung „Luise. Leben und Mythos der Königin“ der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg. Darüber hinaus konzipierte und leitete er die von der Kulturstiftung der Länder herausgegebene Zeitschrift „Arsprototo“ sowie deren wissenschaftliche Publikationsreihe „Patrimonia“ und veröffentlichte zahlreiche Artikel zur Kunst- und Kulturgeschichte, unter anderem in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, der Süddeutschen Zeitung und der Welt.
Im Januar 2012 wurde Demandt zum Leiter der Alten Nationalgalerie in Berlin ernannt. Hier machte er unter anderem mit einer umfassenden Neukonzeption der Schausammlung sowie mit ebenso innovativen wie erfolgreichen Ausstellungen auf sich aufmerksam. Zu den Höhepunkten unter seiner Leitung zählten die Ausstellungen „Rembrandt Bugatti“, „Impressionismus/Expressionismus. Kunstwende“ oder zuletzt „Der Mönch ist zurück“, eine Sonderpräsentation zur Restaurierung von Caspar David Friedrichs Meisterwerken Mönch am Meer und Abtei im Eichwald. Die Alte Nationalgalerie beherbergt Gemälde und Skulpturen vom späten 18. bis zum frühen 20. Jahrhundert. Ihre Sammlung ist Teil der Nationalgalerie, zu der auch die Neue Nationalgalerie, der Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin, das Museum Berggruen und die Sammlung Scharf-Gerstenberg gehören.
Demandt tritt in Frankfurt die Nachfolge von Max Hollein an, der zum 1. Juni 2016 als neuer Direktor an die Fine Arts Museums of San Francisco (FAMSF) gewechselt ist.
Philipp Demandt
Philipp Demandt
Marc Chagall, „Commedia dell’Arte“, 1959
Veranstaltungsprogramm Oktober 2016
Vom 19. Oktober 2016 bis zum 15. Januar 2017 zeigt das Städel Museum eine umfassende Ausstellung zu Antoine Watteau (1684–1721) – einem der hervorragendsten Zeichner der französischen Kunstgeschichte. Die Präsentation in der Ausstellungshalle der Graphischen Sammlung versammelt 50 Zeichnungen Watteaus, ergänzt durch sechs Gemälde des Künstlers sowie eine kleine Auswahl an Zeichnungen von Zeitgenossen und Nachfolgern. Die in Zusammenarbeit mit dem Teylers Museum im niederländischen Haarlem entstandene Ausstellung „Watteau. Der Zeichner“ ist die erste monografische Präsentation des Künstlers in Deutschland seit über 30 Jahren. Sie widmet sich hierzulande zum ersten Mal explizit dem Phänomen des Zeichners Watteau in seinen vielfältigen Facetten. Zeichnungen waren für den Künstler Grundlage seines malerischen Arbeitens. So zeichnete er fortwährend und aus Gewohnheit in den verschiedensten Situationen. Mit insgesamt sieben Arbeiten aus unterschiedlichen Schaffensphasen verfügt das Städel über einen der bedeutendsten Bestände von Watteaus Werk in Deutschland. Die kostbaren Blätter beider Institutionen bilden das Fundament der Ausstellung und werden zusätzlich durch qualitätsvolle Leihgaben aus deutschen, niederländischen, französischen sowie weiteren europäischen Sammlungen ergänzt. Im Anschluss an die Präsentation im Städel wird die Ausstellung vom 2. Februar bis 14. Mai 2017 im Teylers Museum in Haarlem zu sehen sein.
„Der Boden für eine Beschäftigung mit den Werken Antoine Watteaus im Städel Museum wurde schon durch den spektakulären Ankauf des Gemäldes Die Einschiffung nach Kythera (um 1709–1712) im Jahr 1982 bereitet. Mit unserer jetzigen umfassenden Sonderausstellung zu Watteau als bedeutendem Zeichner können wir einen weiteren, zentralen Aspekt in seinem Schaffen herausarbeiten“, so Dr. Martin Sonnabend, Kurator der Ausstellung und Leiter der Graphischen Sammlung bis 1750.
Der französische Künstler Antoine Watteau zählt zu den großen Meistern der Zeichnung. Watteau wurde 1684 in der flämischen, erst kurz zuvor von den Truppen Ludwigs XIV. eroberten Stadt Valenciennes geboren. Über seine frühe Ausbildung ist nichts bekannt. Um 1702 ging er nach Paris, wo er sich mehrere Jahre als Mitarbeiter bei verschiedenen Künstlern, Ausstattungsmalern und Kunsthändlern durchschlug. Seit etwa 1709 trat er als Schöpfer eigener Gemälde in Erscheinung; 1712 nahm ihn die Pariser Akademie in ihre Reihen auf. Von dieser Zeit an hatte er vor allem bei bürgerlichen Kennern und Sammlern großen Erfolg mit zumeist kleinformatigen Gemälden eines neuartigen Sujets, der Fête galante (galantes Fest). Es handelte sich dabei um Versammlungen junger, elegant gekleideter Frauen und Männer in parkähnlichen Landschaften, die sich unterhalten, musizieren oder die Natur betrachten. Diese Bilder trafen mit ihrer Mischung von Realität und Idealität den Geschmack einer Generation, die die gewichtige, staatstragende Historienmalerei der Epoche Ludwigs XIV. künstlerisch nicht mehr reizvoll fand. In den galanten Festen Watteaus vermischen sich arkadische Themen und Traditionen der niederländischen Genremalerei mit Motiven, die dem Theater der damaligen Zeit entnommen sind, zu einer als frei empfundenen, der sinnlichen Wahrnehmung verpflichteten, sowohl unmittelbar realen als auch künstlerisch durchdrungenen Wirklichkeit. Erst die auf den früh, mit 36 Jahren, an Tuberkulose verstorbenen Watteau folgende Generation sollte daraus die Kunst entwickeln, die später den Namen „Rokoko“ erhielt.
Zeichnungen bildeten für Watteau die Voraussetzung seines Schaffens. Seine Fähigkeit, mit roter Kreide schnell und sicher Beobachtungen festzuhalten, nutzte er, um sich ein umfangreiches Repertoire von Motiven anzulegen: vor allem Figurenstudien, aber auch Landschaftszeichnungen und Kopien nach Werken anderer Künstler. Aus diesem reichen Fundus fügte er die Kompositionen seiner Gemälde zusammen. Die Unmittelbarkeit des Zeichnens, das er im Lauf der Zeit durch die Hinzunahme von weißen und schwarzen Kreiden zu einer virtuosen Technik von verblüffender malerischer Wirkung weiterentwickelte, war die Voraussetzung dafür, die feinen Nuancen der Wirklichkeit einzufangen, die in seine galanten Feste eingingen. Schon seine Zeitgenossen erkannten diese Besonderheit und sammelten Watteaus Zeichnungen. Sein innovativer Stil, der sich durch die Verbindung von präziser Beobachtung mit Spontaneität, Leichtigkeit und Intimität auszeichnet, steht in einem deutlichen Kontrast zur strengen Tradition der akademisch ausgerichteten Künstler seiner Zeit. Die neue, virtuose Kunst reflektiert in ihrer psychologischen Einfühlsamkeit den Geist der beginnenden Aufklärung. Die französischen Romantiker und die Impressionisten sahen in Antoine Watteau einen ihrer Vorläufer, und noch heute erscheinen uns seine Werke, insbesondere die Zeichnungen, von einer erstaunlichen Modernität.
Das Städel Museum besitzt in seiner Gemäldesammlung die früheste Version der berühmten Komposition Die Einschiffung nach Kythera (um 1709–1712), die, auch durch die beiden weiteren Fassungen im Louvre und im Schloss Charlottenburg in Berlin, wohl die berühmteste Schöpfung des Künstlers überhaupt ist. Um dieses Werk, das innerhalb der Ausstellung durch fünf weitere Gemälde ergänzt wird, gruppiert „Watteau. Der Zeichner“ 50 ausgewählte Zeichnungen. Die Präsentation beginnt mit frühen Blättern Watteaus, die Figuren aus der Welt des Theaters, aber auch der Jahrmärkte und Volksfeste zeigen. Seine frühen Studien zum Theater aus den Jahren um 1709 bis 1712 führen thematisch unmittelbar zur Einschiffung (oder Pilgerfahrt) nach Kythera. Neben dem Gemälde aus dem Städel Museum werden in diesem Abschnitt vorausgehende Studien von männlichen und weiblichen Modellen in Pilgerkleidung präsentiert. Auch andere populäre Themen seiner Zeit griff Watteau auf, davon zeugen seine Soldaten- und Jagdszenen. Dass der Zeichner Watteau ein sublimer Meister der Drei-Kreiden-Technik war, zeigen seine Zeichnungen nach Mitgliedern einer persischen Gesandtschaft, die 1715 Paris besuchte. Um die gleiche Zeit entstandenen Studien der „Savoyarden“, den bettelarmen Straßendarstellern und -händlern der französischen Hauptstadt. Nach einem Kapitel, das Watteaus Beschäftigung mit den Werken anderer Künstler zeigt, kommt die Schau auf das bedeutendste Thema in seinem Schaffen zurück: Das Sujet der Fête galante hat in der Einschiffung nach Kythera seinen Ausgangspunkt, aber auch später noch ist es bestimmend und kennzeichnend für seine Arbeiten und eng mit seinem Namen verbunden. Auch das Theater, das die Welt der Gefühle ohne Einschränkung durch die gesellschaftliche oder natürliche Wirklichkeit präsentieren kann, nimmt Watteau als artifizielles und zugleich reales Moment in seine Malerei immer wieder auf. Was in der Auseinandersetzung mit dem Theater bereits anklingt, die Reflexion von Gefühlsereignissen, thematisiert die Ausstellung in einem weiteren Kapitel. So werden hier Zeichnungen präsentiert, in denen Watteau Blicke, Gedanken und Gefühle seiner Modelle festhielt. Ihr Ende findet die Schau „Watteau. Der Zeichner“ mit 13 Zeichnungen von Nachfolgern des Künstlers – wie Antoine Coypel (1661–1722), Nicolas Lancret (1690–1743), François Boucher (1703–1770) oder Jean Honoré Fragonard (1732–1806) – aus dem Bestand des Städel Museums. Zudem wird eine 1726–1728 veröffentlichte Publikation mit 350 Radierungen (unter anderen von François Boucher) nach Zeichnungen Watteaus gezeigt.
Zur Ausstellung erscheint im Hirmer Verlag ein Katalog mit einem Vorwort von Philipp Demandt und Marjan Scharloo. Die Publikation bietet eine Einführung in die Kunst Watteaus von Martin Sonnabend; Michiel Plomp (Teylers Museum, Haarlem) untersucht die Auseinandersetzung des Künstlers mit den Werken jener „Alten Meister“, die er sich zeichnend als Vorbilder wählte, und der Watteau-Experte Christoph Martin Vogtherr (Wallace Collection, London und designierter Direktor der Hamburger Kunsthalle) analysiert unter verschiedenen Aspekten die spezifischen zeichnerischen Strategien Watteaus, die sich deutlich von der sonst üblichen Praxis seiner Zeit unterscheiden.
WATTEAU. DER ZEICHNER
Kuratoren: Dr. Martin Sonnabend (Leiter Graphische Sammlung bis 1750, Städel Museum), Dr. Michiel Plomp (Hauptkonservator der Kunstsammlungen, Teylers Museum)
Ausstellungsdauer: 19. Oktober 2016 bis 15. Januar 2017
Pressevorbesichtigung: Montag, 17. Oktober 2016, 11.00 Uhr
Information: www.staedelmuseum.de, info@staedelmuseum.de,
Telefon +49(0)69-605098-200, Fax +49(0)69-605098-112
Besucherdienst: Telefon +49(0)69-605098-232, besucherdienst@staedelmuseum.de
Ort: Städel Museum, Schaumainkai 63, 60596 Frankfurt am Main
Öffnungszeiten: Di, Mi, Sa, So + Feiertage 10.00–18.00 Uhr, Do + Fr 10.00–21.00 Uhr, montags geschlossen
Sonderöffnungszeiten: Sa, 24.12., geschlossen; So, 25.12., 10.00–18.00 Uhr; Mo, 26.12., 10.00–18.00 Uhr; Sa, 31.12., geschlossen; So, 1.1.2017, 11.00–18.00 Uhr; Mo, 2.1.2017, 10.00–18.00 Uhr
Eintritt: 14 Euro, ermäßigt 12 Euro, Familienkarte 24 Euro; freier Eintritt für Kinder unter 12 Jahren; Gruppen ab 10 Personen: ermäßigter Eintrittspreis pro Person. Für Gruppen ist vorab eine Anmeldung unter Telefon +49(0)69-605098-200 oder info@staedelmuseum.de erforderlich
Kartenvorverkauf: tickets.staedelmuseum.de
Überblicksführungen durch die Ausstellung: Do 18.00 Uhr, So 14.00 Uhr sowie Mo. 26.12. 14.00 Uhr. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Katalog: Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Hirmer Verlag mit ca. 260 Seiten und ca. 185 Abbildungen, mit Texten von Martin Sonnabend, Michiel Plomp und Christoph Martin Vogtherr sowie einem Vorwort von Philipp Demandt und Marjan Scharloo. Deutsche Ausgabe, 34,90 Euro (Museumsausgabe).
Social Media: Das Städel Museum kommuniziert die Ausstellung in den sozialen Medien mit den Hashtags #Watteau und #Staedel.
Eine Ausstellung des Städel Museums Frankfurt und des Teylers Museum Haarlem.
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